Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 47 (21.11.1902)
- Date
- 1902-11-21
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Dr. Bloch's WochvnfchrifL Nr. 47 beite„774 Zeiterscheinungen klargelegt, die Vorträge und Vereinsveranstaltungen erwähnt, und endlich die Ergebnisse der verschiedenen Zweige der Bereinsthätigkeit mitgetheilt wurden. Am Schluffe wird dann den Spendern und Gönnern, insbesondere der Prager israel. Cultusgemeinde-Repräsentanz, dem Vorstande des israel. Freitischvereines, sowie den Tagesblättern der Dank ausgesprochen und die Mitglieder um intensivere Mitbethätigung gebeten. Dieser Bericht, sowie die noch folgenden Specialberichte der Frau Julie Leipen für die Krankenpflegerinnen-Section, des Caffaverwalters Herrn Denhof und des Herrn Springer in Vertretung des Revisionscomites wurden einstimmig genehmigt. Insbesondere verdient Erwähnung, daß die von Herrn Siegfried Liebers geleitete Handwerkerabtbeilung heuer wieder 38 Zöglingen ihre Fürsorge zuwendete und in dem Lehrlingsheim 10 Zöglingen Unterkunft geboten ward und daß die Studentensection, der Herr Professor Wertheimer vorsteht, seit ihrem Bestände bereits 834 zumeist dauernde Stellen den Bewerbern vermittelt hat. Bei den zum Schluffe vorgenommenen Wahlen wurden die bisherigen Revisoren, die Herren Karl Flammerschein, Jg. Karpeles, Sig. Löwy, Sig. Springer und Michael Wien per acclamationem wieder- und in den Ausschuß gewählt die nachstehenden Herren: MU. Dr. Eman. Brill, kaiserl. Rath Ph. Falkowicz, Herm. Freund, Karl Heller, Docent Dr. Isidor Herrenbeiser. Phil. Dr. Isidor Hirsch, Norbert Jserstein. Phil. Dr. Alexander Kisch. Ad. M. Lederer, Isidor Mauthner. JUR. Dc. Lud. Pick, JUR. Dr. Arn. Pollak, Marcus Popper, MU. Dr. Karl Saar, JUR. Dr. Sigm. Stein, Moriz Weißberger, Wilhelm Wertheimer und als Ersatzmänner die Herren Leop. Schmied, Leop. Phorsch, David Troller. Preßburg Charakteristisch für die Verhältnisse, welche in Preßburg zwischen Christ und Jud herrschen, ist der Umstand, daß sich vorige Woche hier eine Scene abspielte, welche verdient, an die Oeffentlichkeit gezerrt zu werden: Vor einigen Tagen verstarb in Wien der Stampfner Einwohner David Nasch; am Freitag den 14. d. M. kam die Frau des Verblichenen, Fc-au Nasch, auf den Preßburger Biehmarkt, suchte den hiesigen christlichen Großfleischhauer Herrn Ferdinand Stöger auf, legte ihm die Bitte vor, er möge ihr 18 fl., welche ihr Mann noch zu fordern gehabt hätte, aussolgen. Herr Stöger griff in die Geldbörse und folgte der armen Frau 50 fl., sage fünfzig Gulden, mit den Worten aus: „Hier nehmen Sie das Geld und sorgen Sie für Ihre Familie!" Dieser humane Act hat die zufällig Anwesenden freudig berührt und bildet ein kleines Stadtgespräch. Berlin. (Bodencultur-Verein und Bodencultur-Gesellschaft m. b. H.) Am Sonntag den 16. d. M. hielten der Verein zur Förderung der Bodencultur unter den Juden Deutschlands und nachher die Bodencultur-Gesellschaft m. b. H. ihre Hauptversammlungen ab, in welchen Berichte über die Thätigkeit im verflvffenen Jahre erstattet und dem Vorstand des Vereines resp. dem Aufsichtsrath und dem Geschäftsführer der Gesellschaft Entlastung ertheilt wurde. Die Verhältnisse des Vereines haben sich wesentlich gebeffert; er zählt jetzt 47 Ortsgruppen mit 1400 Mitgliedern und hat ein Einkommen von 6800 Mark (gegen 3700 Mark im Vorjahre). Das wichtigste Ereigniß des Bereinslebens im verflossenen Jahre war die Gründung der Bodencultur-Gesellschaft m. b. H., die ihrerseits das Gut Neuhof erworben hat. Die Gesellschaft ist das Organ des Vereines, durch welches er seine Bestrebungen ins Praktische umsetzen will. Sie wurde mit einem Stammcapital von 20.000 Mark begründet und weitere 50.000 Mark wurden ihr von einem Vorstandsmitgliede des Vereines vorgestreckt. Am Soantag wurde das Stammcapital aus 40.000 Mark erhöht. Sowohl den Bereinsmitgliedern wie den Gesellschaftern wurden von dem Vorsitzenden Herrn Oberamtmann Cohn und dem Geschäftsführer der Gesellschaft Herrn Mühlenbesitzer Rosenthal eingehende Mittheilungen über das Gut Neuhof und seine Einrichtungen gegeben. Das Gut hat zwar leichten Boden, ist aber doch in verschiedener Hinsicht sehr geeignet als Lehr- und Lerngut. Die Ernte war eine befriegende und hat erwiesen, daß Neuhof die erwartete Rentabilität aufweisen wird. Es sind Bauten für die Eleven errichtet und die Aufnahme') wird vom 1. Jänner 1903 ab erfolgen können. Die Eleven werden unter der Leitung eines tüchtigen Fachmannes praktisch die Landwirthschaft von Grund auf erlernen ') Aufnahmsgesuche sind an Herrn Dr. Ernst Tuch, Charlottenburg, Herderstraße «, zu richten, von dem auch die Bedingungen zu erfahren sind. und im Winter theoretischen Unterricht von Lehrern der Ackerbauschule in Samter erhalten. Zwischen dem Vereine und der Gesellschaft wurde ein Vertrag abgeschlossen, nach welchem sich der Verein „auf 6 Jahre verpflichtet, im Umfange seiner verfügbaren Mittel die Bodencultur-Gesellschaft m. b. H. bis zur Höhe von 3000 Mk. jährlich zu subventioniren, wogegen sich die Gesellschaft verpflichtet, für je 750 Mk. der Subvention einen der von dem Verein ihr empfohlenen und von ihr für tauglich befundenen Eleven unentgeltlich in Pension zu nehmen und auszubilden." Besondere Anerkennung fand die außerordentlich verdienstvolle Thätigkeit des Herrn Rosenthal, der als Geschäftsführer im Ehrenamt seine ganze Kraft und Begeisterung in den Dienst der Sache gestellt hat. Ueberhaupt wurde die umsichtige Leitung des Unternehmens hervorgehoben, die mit äußerster Vorsicht gehandhabt wird und so für eine ruhige und sichere Entwicklung die Gewähr bietet. Wir glauben den Bericht nicht besser schließen zu können, als mit den Schlußworten der beiden Jahresberichte: „Wir halten unsere Thätigkeit mit dem Ankauf und der Bewirthschaftung des Gutes Neuhof nicht für abgeschlossen, weil es uns einerseits nur als Lehrgut dienen soll, andererseits wir bereits jetzt unser Augenmerk darauf richten müssen, zwecks späterer Ansiedelung unserer ausgebildeten Zöglinge einen größeren Besitz zu erwerben oder eventuell den vorhandenen gegen einen solchen umzutauschen. Auf daß recht zahlreiche jüdische Bauerncolonien dereinst in Deutschland erblühen mögen, rufen wir die gesammte Judenheit Deutschlands zur Mitarbeit an diesem Werke auf. Wir bitten unsere Gönner, uns die Durchführung unserer bedeutsamen Bestrebungen durch Uebernahme weiterer Antheile der Gesellschaft oder durch Beitritt in den Verein zu erleichtern."*) London. (Der Lord-Mayor von London und der rumänische Gesandte.) Der „Chronicle", das Londoner Hauplorgan für die Jnterkffen des Judenthums, ist ermächtigt, zu erklären, daß der neue jüdische Lord-Mayor Samuel den rumänischen Gesandten von einer Einladung des diplomatischen Corps zum Guildhall-Bankett ausschloß, um damit sein Mißfallen und Bedauern über die Judenverfolgung in Rumänien zu documentiren. Es ist dies der zweite Fall, wo religiös-politische Interessen bei dem Lord-Mayor-Bankett mitsprechen. Bei dem Einführungsbankett für den Lord-Mayor de Keyser, einen Katholiken, brachte dieser einen Toast auf den Papst vor dem auf die Königin aus, was damals große Aufregung in England hervorrief. Wolff's Bureau depeschirt man aus London: „Zu der Thatsache, daß man den rumänischen Gesandten in die Einladungen, welche zu dem Guildhall-Bankett an das diplomatische Corps erlassen wurden, nicht eingeschloffen hat, um damit dem Mißfallen über die Haltung Rumäniens den Juden gegenüber Ausdruck zu geben, erklärte der Lord-Mayor einem Vertreter der „St. James Gazette" : Der Name des Gesandten sei absichtlich weggelassen worden. Es sei Brauch im Mansion-House, Vertreter eines Staates nicht einzuladen, welcher sich weigert, Vertrags- Verpflichtungen zu erfüllen. Wie die „St. James Gazette" erfährt, ist die Regierung in der Angelegenheit zwar befragt worden, aber die Verantwortlichkeit für die Nichteiuladung des Gesandten ruht gänzlich auf dem Mansion-House. Eine Interpellation über diese Affaire im Unterhause ist wahrscheinlich. Es verlautet, daß der rumänische Gesandte gegen seine Beleidigung inofficiell beim Auswärtigen Amte Protest erhoben habe. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der ..Chewra-Kadischa" in Wien. I.. Seitenstettengaffe 4, für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Sigmnnd Ritter v. Bauer: Von Jul. Bzl. K 100.—; Von Herrn Moritz Karpeles L 50.—; von Herrn Jacob S. Straßberg, X., Favoritenhof, K 20.—; zusammen X 170.—. Anläßlich des Ablebens Herrn Jakob Kaufmann: Von Herrn Max Kaufmann in Kaaden X 4.—. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Wilhelmine Eckstein: Von Herrn M. Dornreich, XX., Dresdnerstraße 77. X 5.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Bernhard Fischer: Von Frau Caroline Fischer, IL, Aloisgasse 6, X 10.—. *) Der Geschäftsanteil der Gesellschaft beträgt 500 Mk., der Mindestjahresbeitrag des Vereines 3 Mk. Auskunft ertheilt das Bureau, Gr. Hamburgerstr. 13—14. Berlin N.