Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 47 (21.11.1902)
- Date
- 1902-11-21
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47 Dr. Bloch's Wochsnschrifk. Sette 771 Kahn, Isidor Kaufmann, D. Kohn, Lefchetitzky, Kawakami Otojiro — das sind nur Einige, man weiß kaum, was man aus der Fülle der Namen herausgreifen soll, immer findet man wieder Neues und Interessantes. Die Einleitung, die eine Darstellung des Wirkens und Wollens des Vereines bildet und neben dem Rückblicke auf das Vergangene erfreuliche Zukunftsperspectiven eröffnet, ist von Heinrich GlückSmann temperamentvoll und feffelnd geschrieben. Da wird das allmähliche Wachsen des Ferienheims geschildert, da wird erzählt, wie die Schaar der armen Kleinen mit jedem Jahre wuchs, wie aus den 45 Colonisten des ersten Jahres bald 330, 340, 388, 403, 468, 546 wurden, wie der Verein ein herrliches Heim in Tischnowitz in Mähren, das Kaiser Franz-Josef-Ferienheim, gegründet, und wie all diese Erfolge ebenso wie manche Enttäuschungen dieser zehn Jahre nur dazu beigetragen haben, den Verein und seine Führerin kampfgerüsteter, ausdauernder und arbeitsfroher zu machen in ihrem Bestreben, die nächste Generation, die Zukunft des Menschengeschlechtes zu schützen und zu fördern. Als erste Bilder schmücken das Gedenkbuch die Porträts des Kaisers und der Kaiserin; es sind die bekannten herrlichen Gemälde Pochwalski's und Horowitz'. Es war ein sehr feiner und kluger Gedanke, das Bild dieser unendlich anmuthigen, schönen und gütigen Frau allen anderen Gaben voranzustellen. Besseres kann man nicht bieten, als auch nur einen Hauch der wundervollen, königlichen Natur, deren stille, vornehme Ruhe selbst den Beschauer adelt. Und die Liebe und Verehrung zu dieser einzigen Frau, die Liebe und Verehrung zu dem erlauchten Monarchen in vielen jungen Kinderherzen gepflegt zu haben und zu pflegen, ist nicht das kleinste Verdienst des „Ferienheims". Dann folgen in bunter, reizvoller Abwechslung die verschiedensten Autoren. Maler, Musiker; bald wird nur ein Denkspruch mitgetheilt, bald liest man ernste Worte bedeutungsvoller Weisheit, dann wieder wird man durch ein anmuthiges Bild (Tina Blau's „Praterstudien", Adolf Kaufmann's „Am See", Isidor Kaufmann's „Unterrichtsstunde", David Kohn's treffliches Porträt der Baronin Hirsch) entzückt oder man freut sich an reizenden Versen. So hat z. B. I. I. David folgendes Gedicht gespendet: Erster Schulgang. Heut' Hab' ich mein Mädel zur Schule gebracht. Gar schlimme Gedanken Hab' ich gedacht: Mein theures Kleinchen, mein Sonnenscheinchen, Nun thust du auf deinen flinken Beinchen Aus unserer überängstlichen Mitte In die böse Welt die ersten Schritte Und bist für immer hingegeben Dem schlimmsten Feinde — ich meine das Leben; Lernst früh aufsteh'n und tausend Pflichten, Unnütz' als nöthig Ding verrichten. Wir haben dir jede Lüge verwehrt, Nun siehst du, wie sie die Welt durchfährt. Wir hielten dich an zu Wahrheit und Reinheit — Wer aber siegt? Wahr dich! die Gemeinheit. So ziehen dir ins Herzelein Der Gram, die List, der Argwohn ein — Und endlich wirst du, mein süßes Kind, Wie ich. wie wir, wir alle sind ... Nicht minder erfreulich sind die nachstehenden Verse des Prager Dichters Hugo Salus, voll Grazie, Schelmerei und lächelnder Resignation: Kinderreim. Wenn wir Kinder die Mutter plagten. Sie umdrängten und hundertmal fragten: Was von all den ersehnten Dingen Wird von der Reise der Vater uns bringen? Sprach die Mutter: Jedem sein Thell. Ein gläsernes Büchsel, Ein silbernes Nixel Und ein goldenes Wart'-eine-Weil'. Aber in unserem Kinderglaubeu Ließen wir nimmer die Hoffnung uns rauben: Ach, uns're Seelen hofften zu glühend, Ach, uns're Träume waren zu blühend! Mutter scherzt nur: Jedem sein Theil. Ein gläsernes Büchsel, Ein silbernes Nixel Und ein goldenes Wart'-eine-Weil'. Und so stehen wir jetzt vor dem Leben, Soll uns ernste Antwort geben: Was von all den ersehnten Dingen Hast du gebracht und wirst du noch bringen? Spricht das Leben: Jedem sein Theil. Ein gläsernes Büchsel, Ein silbernes Nixel Und ein goldenes Wart'eine-Weil' . . . „Ein gläsernes Büchsel, ein silbernes Nixel und ein goldenes Wart'-eine-Weil!" Wie wenig ist das und wie viel, wie unsagbar viel! Da sitzen diese armen, oft kranken Kinder in düsteren Stuben und dumpfen Kellern, traurig, ohne Freude, ohne Hoffnung. Die Vergangenheit ist grau, die Gegenwart ist grau, die Zukunft ist grau; sie erwarten nichts und fürchten kaum etwas. Und dann kommen sie auf ein paar Wochen hinaus in grüne Wiesen und blaue Luft, in helle Räume unter gütige Menschen; — sehr viel ist es ja eigentlich nicht, „ein silbernes Nixel", aber selbst wenn sie dann wieder zurückmüffen in alle Euge und Dumpfheit, so wissen sie doch nun, daß es Sommer und Sonne gibt, daß etwas existirt, an das man denken, worüber man sich freuen, auf was man hoffen kann — „ein goldenes Wart'-eine-Weil." Und so ist denn auch dies Gedenkbuch eine entsprechende und richtige Gabe des „Ferienheim", das damit seiner Aufgabe: Freude zu verbreiten, wieder gerecht wird. Möge dieses prachtvolle Werk, das auch in Druck und Buchschmuck, besonders in den ungewöhnlich schönen, geschmackvollen Randleisten, die in der Kunstschule für Frauen und Mädchen gezeichnet wurden, allen Ansprüchen genügt, dem „Ferienheim" und seinen Bestrebungen immer neue Freunde, neue Förderer gewinnen, möge der Verein die immer wachsenden Forderungen jedes neuen Jahres erfüllen können und wie in den verflossenen zehn Jahren weiterwirken zum Heile der Gesellschaft und ihrer Zukunft. Correspondenzen. Wien. Geehrte Redaction! In Ihrer geschätzten Nummer vom 14. d. M. brachten Sie ein Eingesendet, welches in sehr richtiger und energischer Weise dafür eintritt, daß die jüdischen Hausbesitzer sich der von ihnen bezahlten Hausfeinde erwehren sollten und, wie ich glaube, auch erwehren könnten. Die damit gegebene Anregung, welche hoffentlich bei meinen Glaubensgenossen, die so glücklich find, Hausbesitzer zu sein, auf Berständniß stoßen wird, verdient aber auch auf andere größere Gebiete ausgedehnt zu werden, und man wird es dem Judenlhuwe nicht verdenken können, wenn es sich endlich in seiner Bedrängniß und eigenen wirthschastlichen Noth zur Gegenwehr aufrafst. Das „Hinaus mit den Antisemiten aus dem jüdischen Hause" muß zum Losungsworte werden; und jeder Jude, der nur das geringste Maß von Selbstachtung besitzt, soll dieses Wort auf alle Gebiete ausdehnen und anwenden. Das so wohlschmeckende jüdische Brot muß den geschworenen, hinterlistigen Feinden unseres ehrwürdigen Glaubens, unserer Familie, unseres Volkes entzogen werden! Man höre endlich auf, sich die zweifelhafte Gunst oder erheuchelte Achtung des antisemitischen Pöbels, gleichviel welchen Standes immer, durch reichliches Trinkgeldgeben in verschiedenster Form zu erkaufen. Man vermeide doch endlich Kaffee- oder Gasthäuser, deren Eigenthümer bekannte Antisemiten sind und die mit Hohn und Verachtung auf ihre dumme und charakterlose Clientel blicken müssen. Zurück mit dem jüdischen Geld und Protzenthum! Spart für Euch und helfet vorerst Euren Glaubens- und Leidensgenoffen. Das System der Zurückhaltung auf allen Gebieten consequent durchgeführt, wird den Juden rascher Erfolge bringen, als es je die besten jüdischen Oppofitionsredner in den öffentlichen Körperschaften gekonnt haben, die nichts Anderes erreichten, als zu dem Haß des Plebs die Verachtung höchster Kreise hinzuzufügen. Darum „hinaus mit den Antisemiten aus dem jüdischen Hause", aber auch „hinaus mit den Juden aus dem Antisemitenhause!" Lasset dies zum Wahrworte im politischen, wirthschastlichen und gesellschaftlichen Leben werden, und es werden wieder frohe Tage für das Judenthum kommen Wien. Löbliche Redaction! In der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes wird den jüdischen Hausherren der wohlgemeinte, wie ich aber glaube nicht überlegte Rath ertheilt, ihre christlichen Hausmeister zu entlassen, weil dieselben gewiß Antisemiten find, und sie mit jüdischen zu ersetzen. Dieser Rath ist deshalb unüberlegt, weil wir Juden, wenn wir unsere christlichen Angestellten entlassen wollten, nicht bei den Hausmeistern ansangen und stehen bleiben könnten, sondern alle Kategorien maßregeln müßten, da wir bei allen christlichen