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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-11-21 · 47 (21.11.1902) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
47 (21.11.1902)
Date
1902-11-21
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 770 >r. WoÄMlchrtsl. Vir. 47 Znfectionskrankheiten der Socialdemokratie und der alldeutschen Propaganda zu reinigen wissen". Mit Herrn Liechtenstein, dem einstigen Freunde des Anarchisten Peukert, wollen wir über die Anmaßung nicht rechten, die darin liegt, daß er eine politische oder wirthschastliche Richtung, mit welcher die erleuchtetsten Männer des Jahrhunderts sympathisiren, als eine Jnfectionskrankheit zu bezeichnen wagte. Gewiß ist nur. daß seiner Gesinnung wegen in einem Rechtsstaate Niemand verfolgt werden darf und daß die öffentlichen Äemter allen Staatsbürgern ohne Unterschied gleich zugänglich find. Die Absichten des schwarz«-» Alois und seiner Verbündeten ließen sich also nur durch Willküracte und Rechtsverletzungen realisiren. Daß die Christlich-Socialen vor solchen Acten zurückschrecken werden, das wollen wir auch nicht mit einem Worte behauptet haben. Niederösterreich steht eben unter dem Regime einer Partei, deren Organ das bekannte „verlogene Schandblatt" ist und die den berüchtigten Hunderttausend Gulden-D i t t r i ch, den Leiter der Wahlagitation in der Leopoldstadt, als ihren „Siegesfeldmarschall" feierte. Der ihm den Marschallstab verliehen hat, ist der Bielohlawek! Eine schöne Gesellschaft bei einander.... Isegrim. Die Waffe nieder! In die Reihen der Kämpfer, welche den Wahn, die Bosheit und Dummheit der Menge befehden und culturfördernde Einsicht verbreiten wollen, hat sich neuerlich Dr. Heinrich Graf Coudenhove mit einer Broschüre gegen die Duellsucht gestellt*), nachdem er bereits durch sein Buch über den Antisemitismus weitere Kreise auf sich aufmerksam gemacht. Graf Coudenhove ist nicht der Erste, der gegen die barbarische Unsitte zu Felde zieht; unter der Führung des Jnfanten Don A l f v n s o von Bourbon hat sich eine Reihe der besten und vornehmsten Geister zusammengesunden, die gegen den mittelalterlichen Spuk des Duells und Duellzwanges ihre Stimme erhoben. Aber Graf Coudenhove erhebt gar nicht den Anspruch darauf, als Erster dem Ungeheuer zu Leibe gerückt zu sein, er möchte nur nicht der Letzte sein, der das Duell als verwerflich und unwürdig der Verachtung aller vernünftig Denkenden preisgibt. In diesem Bestreben wird er von jüdischer Seite gewiß jede Unterstützung und Förderung finden, denn das Volk der Bibel erfüllt die Forderungen, die heute im Namen modernster Cultur aufgestellt werden schon seit Jahrtausenden und ist in seinem Gesetze belehrt worden, das Leben des Nächsten zu schützen und zu achten. Und so bildet denn auch das Gebot des Dekalogs: „Du sollst nicht tödten!" das Hauptargument der Duellgegner und das Hauptargument Graf Coudenhove's. Aber nicht nur vom religiösen Standpunkt wird in der neuen Broschüre das Duell bekämpft, sondern vor Allem vom ethischen und socialen. Das Duell ist aus einer Ueberschätzung der eigenen Persönlichkeit entstanden und bildet eine fortwährende Gesetzesverletzung, eine stete Mißachtung der Gesellschaft und ihrer Constitution. Wie das Harakiri oder Sepukku in Japan die Ausgeburt eines tollen Ehrbegriffes war, der mit wachsender Aufklärung allmählich verschwand; so ist auch das Duell ein Zeichen von Rückstand, von Barbarei, das cultivirte, vornehme Nationen längst überwunden haben. Weder England noch Amerika, weder Schweden noch Norwegen kennen das Duell und die Bewohner dieser Länder sind nicht weniger tapfer, nicht weniger chrliebend, nicht weniger hochherzig und ritterlich, als die Männer jener Staaten, die das Duell dulden. Ja, die Formen des gegenseitigen Verkehrs sind mit Abschaffung des Duells verfeinerter, rücksichtsvoller geworden, da man unerzogene Menschen aus der Gesellschaft ausschließen konnte, ohne fürchten zu müssen, darum vor ihre Pistole gefordert zu werden. Umso klarer aber Graf Coudenhove die Verwerflichkeit des Duells erkennt, umso beschämender empfindet er es, daß im katholischen Oesterreich das Duell am verbreitetsten ist, während es in protestantischen und griechisch-katholischen Ländern zusehends an Anhängern verliert, und Graf Coudenhove scheut sich nicht, selbst der eigenen Kirche eine gewisse Fahrlässigkeit vorzuwerfen und darauf hinzuweisen, daß die „Los von Rom"-Bewegung solche Thatsachen leicht gegen die katholische Kirche ausbeuten könnte. *) „Der Minotaur der Ehre", Studie zur Antiduellbewegung und Duelllüge, von Heinrich Graf Coudenhove, Dr. jur. et. phil. Berlin, Calvary und Comp. 190i. Was aber die Verwunderung des gräflichen Schriftstellers erregt, ist nicht so unerklärlich. In dem Augenblicke, als das Christenthum sich mit dem prunkvollen Mantel des Katholizismus schmückte, in dem Augenblicke, als die Kirche sich nicht mehr mit einem Reiche begnügte, das nicht von dieser Welt, sondern die Herrschaft auf Erden erstrebte, in dem Augenblicke, als sich Rom wider Jerusalem erhob, war Bibel und biblische Tradition nicht mehr entscheidend im Kampfe mit altheidnischer Barbarei, und Manches, was nicht zu unterdrücken war, mußte schweigend übersehen und tolerirt werden. In jenen Ländern aber, in denen Bibel und Bibelkenntniß die Grundlage religiöser Anschauungen bildeten, sind die semitischen Principien der Nächstenliebe und des Nächstenschutzes den Bekennern klarer zum Bewußtsein gekommen und haben in ihrem Verhalten deutlicheren Ausdruck gefunden. Dennoch wäre es ungerecht, zu verschweigen, daß in der vordersten Reihe der Kämpfer gegen das Duell gerade katholische Männer stehen uud mit flammenden Worten dasselbe bekämpfen. Graf Coudenhove's Broschüre ist der beste Beleg dafür. Nachdem er den Begriff der Standesehre einer eingehenden Kritik unterzogen, nachdem er von den Verhältnissen in jenen Ländern gesprochen, in denen der Duellzwang nicht existirt, schildert er in beredter Weise den großen unsäglichen Jammer, den das Duell über unzählige Familien brachte und bringt; wie man da nicht nur den plötzlichen Tod eines geliebten Familienmitgliedes beweint, sondern wie religiösen Naturen auch die Sünde, mit der sich der Heimgegangene eben durch diesen Tod belastet, ein fortwährender, nie zu stillender Kummer bildet, wie der blinde Zufall oft den Beleidigten fällt und wie der ganze Erfolg des Duelles nichts als Ungerechtigkeit, Leid, Kummer, Elend und Thronen bedeutet. Aber so eindringlich auch Graf Coudenhove's Sprache ist, so aufrichtig seine Begeisterung, so wünschenswerth eine nachhaltige Wirkung seiner Worte wäre, so verg blich scheint es uns dort, wo Raccn- und Classenhaß die Gemüther und Geister verwirren, die Erfüllung auch nur eines ethischen Gesetzes zu erhoffen. Wie dem Minotaur der Ehre Menschenopfer gebracht werden, so gibt es noch andere Ungeheuer, denen man Leben und Besitz Unschuldiger hinwirft und die in wahnsinniger Verblendung als Tagesgötzen gefeiert werden. Und solange da nicht Einhalt geboten wird, solange nicht Wuth und Haß gezügelt werden, solange darf man auch in der Duellfrage keine Wendung zum Besseren erwarten. Erst wenn Cultur und Aufklärung nicht mehr das Privilegium Einzelner sein werden, erst wenn demagogische Verhetzung nicht mehr alle niedrigen Jnstincte entfesseln, erst wenn man sich der Intoleranz wie eines moralischen Gebrechens schämen und das Bewußtsein von Menschenwerth und Menschenwürde hoch halten wird, erst wenn man wieder die volle Achtung vor dem Gesetze haben und es überall zur Geltung bringen wird, erst dann wird der Ruf:„ Die Waffe nieder!" gehört und verstanden werden. Eine Festschrift des „Ferienheim". Vor zehn Jahren wurde in einer Versammlung der „Oesterreichisch-Jsraelitischen Union" von einem Redner Frau Dr. Sofie Grünfeld aufgefordert, eine Schaar energischer, thatkräftiger und zielbewußter Männer und Frauen um sich zu versammeln, um in das Leben trauriger, verlaffener, körperlich und geistig verkümmerter Kinder ein wenig Licht und Luft, Freude und Sonnenschein zu bringen. Und ihrem vereinten Bemühen gelang es 45 Kinder auf's Land zu schicken und sie auf ein paar Wochen Sorge, Noth, Kummer und Elend vergessen zu machen. Das waren die Anfänge des Vereines „Ferienheim", der in den nun verflossenen 10 Jahren sich zu einer der angesehensten Humanitären Institutionen Oesterreichs entwickelt hat und der nun zur Feier seines zehnjährigen Bestandes ein Gedenkbuch herausgibt, das nicht nur durch den Bericht über die Thätigkeit und die Erfolge des Vereines tiefstes menschliches Interesse erregen muß, sondern auch den verwöhntesten künstlerischen Geschmack in Inhalt und Ausstattung befriedigen wird. Eine Anzahl hervorragender Künstler, führender Geister haben Beiträge zu diesem Gedenkbuche gesandt; Carmen Sylva, M. E. Delle Grazie, Clara Biebig, Edith Walker, Tina Blau, Sada Aacco, Agnes Bricht-Pyllemann, Francös Saville, Hugo v. Hofmannsthal, Björnson, Benedikt, Lichtwärk, Lingg, Herzl, Wells, Schnitzler, Ferdinand v. Saar, Sonnenthal, Sir Henry Irving, Roberto Bracco, Adolf Kaufmann, Zadöc

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