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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-11-21 · 47 (21.11.1902) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
47 (21.11.1902)
Date
1902-11-21
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 766 Dr. Bloch's Wochvnschrifk. Nr. 47 Die Opposition thut aber Mes, um die Einigkeit zu untergraben, die Wirksamkeit im Cultusvorstande zu verleiden und unseren Kampf mit unseren Gegnern zu erschweren. Ein hochachtbarer Candidat der Opposition hat für den milden Ton plaidirt und einen von einem oppositionellen Blatte gebrachten Ausdruck bedauert. Nun, die Herren haben seither ihren Vocabelnschatz nicht wesentlich geändert. In einem heutigen Aufruf (Redner citirt wörtlich den betreffenden Paffus) wirft die vereinigte Opposition dem Vorstände »Mißwirt hschaft" vor. (Entrüstungsrufe.) Nun, von Mißwirthschaft zur »Corruption" ist nur ein kleiner Schritt. Redner kritisirt die einzelnen Programmpunkte aus dem in einem Extrablatt der »SEBelt" veröffentlichten Wahlaufruf und hebt den im »Deutschen Volksblatte"' wörtlich citirten Artikel des »Jüdischen Bolksblattes", das zur Quelle der Anfeindungen der antisemitischen Preffe geworden ist, hervor. So lange Sie, sagt Redner, Ihre »Beschwerden" nicht mit Thatsachen und Beweisen begründen, müssen Ihre Anwürfe um so entschiedener verdammt werden, als sie nicht nur hoch angesehenen, im Dienste der Gemeindeinteressen ergrauten Männern nahetreten, sondern auch in einer Zeit, wo wir immer mehr von unseren Gegnern verleumdet und bedrängt werden, der feindlichen Presse als authentisch hingestelltes Material zu ihren Verfolgungen liefern. Redner bedauert den aufgedrungenen Kampf, nun aber derselbe unvermeidlich ist, mögen die ernsten und besonnenen Glaubensgenossen vollzählig an der Wahlurne erscheinen, um mit den Waffen, die uns allein zu Gebote stehen, mit dem Pflichtbewusstsein und dem Stimmzettel, für die würdige und harmonische, für die ruhige und zielbewusste Wirksamkeit unseres Vorstandes zu kämpfen. (Allgemeiner Beifall und Händeklatschen.) Josef Sonnenschein, offener Gesellschafter der Firma: Brüder Sonnenschein, Wien, VI., Stumpergasse 17. führt aus: Ich bin weder Candidat noch Functionär; auch gehöre ich gar keinem Wahlcomits an. Ich bin nur Wähler der löblichen israelitischen Cultusgemeinde. die ich stets hochschätzte und deren Einladung zur heutigen Wählerversammlung ich Folge geleistet habe. Wenn ich mich den Ansichten der Herren Zionisten nicht ganz anschließe, so ist kein Grund vorhanden, von diesen Herren als Gegner gestempelt zu werden. Im Gegentheil, ich, wie auch, möchte ich sagen,dieganzeJudenschaft ist diesen Herren in mancherBeziehung Anerkennung schuldig. Die Herren Zionisten haben sich ja doch zur Aufgabe gemacht, unsere armen, bedrängten Glaubensgenossen von den gierigen Raubthieren in Menschengestalt zu befreien, und bin ich überzeugt, daß dazu nicht nur solche Herren, die sich speciell als Zionisten declariren, sondern ein jeder Jude, ich möchte noch sagen, ein jeder intelligente Mensch, der Las Herz am rechten Fleck hat, dazu seine Hand hilfreich bietet. Die Z'onisten geben sich auch die Mühe, unserer Jugend, besser gesagt unserem Nachwuchs, das Judenthum einzupräqen, und ist das von diesen Herren sehr lobenswerth. Das Eine, meine Herren, was mir aber am Herzen liegt und weswegen ich mich mit den Ansichten der Herren Zionisten nicht ganz befreunden kann, ist dasjenige, weil sie unserer Jugend, respective unserem Nachwuchs auch einzuprägen suchen, daß sie die Männer unserer löblichen Cultusgemeinde, die seit Decennien ihr ganzes Wissen und Können zum Wohle des Judenthumes hergeben, die seit Jahrzehnten ersprießlich wirkten und weiter wirken wollen, der Parteilichkeit, ja sogar der Wahlmacherei beschuldigen; dieses zu behaupten, ist schon mehr als eine Kühnheit! Ein Führer der Zionisten hat erklärt, daß unsere Cultusgemeinde an Altersschwäche erkrankt ist. Die Fenster dieser düsteren Gemeindestube müssen eingeschlagen werden, damit frische Lust hmeinkommt. Meine Herren! Auf solche Weise kann unserem Nachwuchs nicht das Judenthum eingeprägt werden, vielmehr wird durch dieses Borgs hen unseren Gegnern und dem »Deutschen Bolksblatt" nur kräftige Nahrung geboten. Eine solche Handlungsweise verdient wahrlich nur alsjOhiUnl Haschern bezeichnet zu werden und erinnert mich das ganze Borgehen der Opposition an eine alte Anekdote aus dem Talmud, welche lautet: Das Kleinod, das Edelmetall fragte einmal das Eisen: »Sage mir einmal, Du lieber Freund, ich werde ja gerade so gut bearbeitet wie Du und trage ruhig mein SchiLffal und meinen Schmerz, während wenn Du bearbeitet wirst, schreist Du, ja es entsteht sogar ein bedeutender Lärm. Warum kannst Du Dich eigentlich nicht so ruhig verhalten, wie ich?" Darauf erwiderte ihm das Eisen: »Diese Frage kann ich Dir sehr leicht beantworten", und das Eisen fragte: »Sage mir einmal Du lieber Freund, womit wirst Du eigentlich bearbeitet?" »Mit einer eisernen Zange und mit einem eisernen Hammer", antwortete das Edelmetall. »Siehst Du", sagte das Eisen, »das ist eben dasjenige; um Dich zu bearbeiten, wird ein fremdes Metall verwendet; wenn ich aber bearbeitet werde, so nimmt man dazu auch diesen eisernen Hammer, also mein eigenes Fleisch, mein eigenes Blut. Dieser Schmerz, den mir mein eigener Bruder verursacht, der trifft mich derart empfindlich, daß ich ihn nicht wie Du überwältigen kann, und deswegen schreie ich." So ist es auch hier, meine sehr geehrten Herren. Wenn wir heute unter dem Drucke unserer Gegner so Manches uns gefallen lassen müssen, so ertragen wir dies ruhig. Aber, wenn unsere eigenen Brüder, unser eigenes Fleisch, unser eigenes Blut unseren Gegnern und dem »Deutschen Volksblatt" Nahrung zuführen und uns nicht friedlich zur Seite stehen, so ist dies ein Schmerz, der uns sehr empfindlich trifft und den man nicht so leicht überwältigen kann. Redner liest den zionistischen Wahlaufruf vor, welcher im Namen der »Vereinigten oppositionellen Tempelvereine" unterfertigt ist und fragt um die Namen dieser angeblich »Bereinigten Tempelvereine"? Seines Wissens halten sich sämmtliche Tempelvereine dieser Oppositionsbewegung gegen den Vorstand fern und nun soll gar eine »Bereinigung der Tempelvereine" existiren unter der zionistischen Flagge! Wer sind diese? Nachdem die Zeit eines Redners kurz bemessen ist, so schließe ich meine sehr geehrten Herren mit dem Satze unseres größten Propheten, welcher sagte: „Whiskowzi Bnei Jehidu Wjisroel, wnasi lohem rösch.“ Nur zur Zeit, wenn die Söhne Judas und Israels sich einigen und gegenseitig die Hände friedlich reichen werden, nur dann werden sie zur Wahl ihrer Führer schreiten können, und eine solche Wahl, meine Herren, wird nicht nur für unsere Gemeindemitglieder, sondern für das gesammte Judenthum heilbringend sein! (Langanhaltender Beifall.) Dr. Heinrich Schreiber (mit Applaus begrüßt). Geehrte Versammlung! Ich würde es als eine Vermessenheit betrachten, zu dieser bereits so vorgerückten Stunde, nachdem eine so überaus beträchtliche Zahl von Rednern sich bereits vernehmen ließ, vor einem erhitzten und ermüdeten Saale Ihnen auch noch meine Wissenschaft vorzutragen und angesichts der großen Gegensätze, welche in so beredter Weise auf einander gestoßen sind, auch meinen Krenn dazu zu geben. Ich hätte wohl die Absicht gehabt, etwas ausführlicher zu werden, wenn ich das Glück gehabt hätte, früher, als es der Fall ist, zum Worte zu gelangen. So muß ich mich auf einige kurze Bemerkungen beschränken. Ich darf für mich das Verdienst, oder wenn Sie wollen, die Schuld in Anspruch nehmen, als einer der ersten gegen den Cultusvorstand eine oppositionelle Regung gespürt und mit dieser, wenn auch suaviter in modo nicht zurückgehalten zu haben. Es war dies vor mehreren Jahren anläßlich der Promulgirung des gegenwärtigen Statuts der Fall, wo ich nicht etwa nach dem Hörensagen, sondern auf Grund eigener persönlicher und sachlicher Erfahrungen mich gedrängt fühlte, auf die Zurücksetzung hinzuweisen, welche seitens der Cultusgemeinde den Tempelvereinen in den äußeren Bezirken zu Theil geworden war. Ich kann es mit Genugthuung begrüßen, daß meine damalige Stellungnahme nicht fruchtlos geblieben ist, und speciell der Verein, dem ich angehöre, der Brigittenau er Bethausverein, muß es mit besonderer Dankbarkeit anerkennen, daß es vielfach besser geworden ist. nachdem durch die munificente Unterstützung der Cultusgemeinde ein großes Gotteshaus im Bezirke errichtet werden konnte und den dringenden religiösen Bedürfnissen der jüdischen Bezirksbewohner entsprochen war. (Allseitige Zustimmung.) Wenn ich vor 4 und dann vor 2 Jahren abermals es als zweckmäßig erachtet habe, in den Wahlkampf einzutreten, so geschah dies, weil ich auch sonst die Schwäche oder sagen wir: die löbliche Stärke besitze, mich mit jüdischen Angelegenheiten zu befassen, und da schien es damals meinen Gesinnungen zu widersprechen, daß das Statut der Cultusgemeinde dadurch eine den demokratischen Pcincipien des Judenthums zuwiderlaufende Aenderung erfahren hat, indem einer gewissen Claffe von Steuerträgern, den sogenannten »Höherbesteuerten" eine bevorrechtete Stellung innerhalb der Organisation der Cultusgemeinde e in geräumt war. Dieser Widerstand gegen die damalige Statutenänderung wurde mannigfach getheilt. Ich war daher, als ich diesmal den Rechenschaftsbericht in die Hände bekam, vor Allem begierig, zu erfahren, ob und inwieweit diese Ausweitung des Statuts

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