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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-11-21 · 47 (21.11.1902) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
47 (21.11.1902)
Date
1902-11-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 47 Sr- Klvch's Wochenschritt» Sette 763 F@g fanden statt: Im Jahre 1898 472 Austritte und 142 Eintritte „ r 1899 565 „ „ 153 „ „ „ 1900 627 „ „126 „ „ „ 1901 615 „ „ 185 „ „ 1902 555 r „ 135 „ Dabei bitte ich zu berücksichtigen, daß ungefähr die Hälfte der Austritte sich auf Personen bezieht, die von auswärts zu vorübergehendem Aufenthalte nach Wien kommen und hier ihren Austritt bewerkstelligenVDie Frage, ob die Austritte veröffentlicht werden sollen, wavMgenstand wiederholter Berathungen im Cultusvorstande und selbst das Vorstandsmitglied, welches den Antrag auf Veröffentlichung gestellt hat, hat sich veranlaßt gesehen, denselben zurückzuziehen; es wurde derzeit für nicht opportun gehalten, die Austritte zu veröffentlichen, was aber durchaus nicht hindert, daß in einem späteren Zeitpunkte in dieser Beziehung eine andere Ansicht platzzreifen könnte. Der Präsident ertheilt das Wort Herrn Heinrich Teltscher, und dieser, auf der Tribüne mit lebhaftem Beifall begrüßt, richtet an die Versammlung folgende Ansprache: Meine sehr geehrten Herren! Ich gestatte mir, mich um ein freigewordenes Mandat eines Vorstandsmitgliedes der israelitischen Cultusgemeinde bei Ihnen zu bewerben und stütze diese meine Bewerbung in erster Linie darauf, daß ich von einer Reihe hochangesehener Mitglieder der Cultusgemeinde aufgefordert wurde, zu candidiren ferner darauf, daß ich der Ansicht bin, daß in den heutigen so traurigen Verhältnissen, in denen wir Juden hier leben, Niemand das Recht hat, einem Rufe, der an ihn ergeht, nicht Folge zu leisten, sondern die Pflicht hat, sich in den Dienst seiner Mitbürger zu stellen. In letzter Reihe darauf, daß ich mich mit Stolz einen überzeugungstreuen und eifrigen Anhänger des Judenthums nenne und daß ich seit einer langen Reihe von Jahren an allen öffentlichen Angelegenheiten des Judenthumes mit Jntereffe theilnehme und womöglich mich auch activ betheilige. Eine andere sehr schwerwiegende Frage ist die, ob ich auch die Eignung habe für das Ehrenamt, um das ich mich bewerbe und ob ich mich mit meinen Anschauungen, die ich von der Ausübung desselben habe, in Uebereinstimmung befinde mit den geehrten Wählern. Ich will Ihnen also, sehr geehrte Herren, in kurzen und knappen Zügen mein Programm darlegen in Bezug auf die Agenden, die dem Cultusvorstande zugewiesen sind. In erster Reihe ist es dem Statute und dem Sinne nach Aufgabe desselben, für die cultuellen Bedürfnisse der jüdischen Bevölkerung zu sorgen. Und hier stehe ich, wie wohl Sie alle, meine Herren, auf dem Standpunkte. daß die Gemeinde eigentlich verpflichtet ist, für alle Bedürfnisse eines geregelten Gottesdienstes in allen Bezirken zu sorgen, d. h. soviele Gotteshäuser zu errichten und zu erhalten, als die räumliche Entfernung der einzelnen Bezirke von einander und der wirkliche Bedarf erfordern. Das, meine Herren, ist aber der ideale Standpunkt und derselbe hat den Fehler aller Ideale, daß sie schwer zu erreichen sind. Denn das würde einen Aufwand an Capital und Echaltungskosten beanspruchen, den unsere Cultusgemeinde heute nicht bestreiten kann, wenn die Steuerleistung nicht auf ein Maß gebracht werden müßte, das nahezu als unerschwinglich bezeichnet werden muß. Umso dankenswerther ist das Eingreifen der verschiedenen hochverdienten Tempelvereine zu begrüßen, die der Gemeinde durch Errichtung von würdigen Gotteshäusern eine coloffale Last abgenommen haben. Diese Vereine aber ausgiebig zu unterstützen, ist eine der ersten Pflichten der Cultusgemeinde, besonders in Fällen, wo diese nicht aus eigener Kraft im Stande sind, mit activen Bilanzen abzuschließen. Nach dieser Richtung muß dieselbe also von großer Liberalität sein, denn sie darf nicht vergeffen, daß es eigentlich ihre eigenste Aufgabe wäre, diese Gotteshäuser zu schaffen und zu erhalten. Zu den cultuellen Aufgaben, die der Gemeinde obliegen, rechne ich ferner den Religionsunterricht. In diesem Belange aber ist eigentlich, wie ich es auszusprechen wage, Niemand mit den herrschenden Zuständen zufrieden. Denn hier streiten die verschiedensten Weltanschauungen mit eineinander und hier platzen auch die schärfsten Gegensätze aufeinander. Die eine Richtung im Judenthume, die conservative, wird immer eine Verschärfung des jüdischen Religionsunterrichtes, das heißt eine Vertiefung desselben verlangen, die andere eine Erleichterung desselben. Nun meine Herren, der conservative» Richtung im Judenthume kann auch der heutige Religionsunterricht niemals genügen, aber ich glaube, daß jüdische Gelehrte niemals aus unseren Botts- und Bürger-, sowie Mittelschulen hervorgehen können. Dazu gehört Special- und Fachstudium wie zur Ecfaffung einer jeden anderen Wissenschaft. Aufgabe unseres Religionsunterrichtes sollte aber in e r st e r Linie sein, den Kindern Liebe zum Judenthume beizubringen, nicht eine gezwungene Liebe, die sich im Leben immer rächt, sondern eine wahre und tiefe Liebe, die fürs Leben anhält. Unsere Schulen sollten den Kindern, da es einen Religionsunterricht niemals ohne Religionsübung gibt und geben kann, in erster Reihe dazu helfen, daß sie die Hauptgebetstücke, die in hebräischer Sprache verfaßt sind, verstehen und lesen können. Damit sollte der Unterricht in der hebräischen Sprache in den öffentlichen Schulen begrenzt sein und die Kinder nicht gezwungen werden zu grammatikalischen Unterricht und Lesen von Stellen im Urtexte, die, wenn sie sich nicht dem jüdischen Specialstudium widmen, ihnen me wieder im Leben begegnen. Die so hochstehende Literatur des jüdischen Volkes sollte der Jugend im deutschen Texte zur Kenntniß und zum Wiffen gebracht werden. Ich meine darunter in erster Linie, abgesehen vom Pentateuch, die Propheten. Die größten Bibelkenner finden Sie, meine Herren, unter den Engländern und unter den protestantischen Deutschen. Aber sie lernten und lesen sie nur in ihrer Nationalsprache, aber dafür mit umso größerem Eifer und umso größerer Liebe. Dagegen sollten die Kinder die Geschichte des jüdischen Volkes lernen, denn die Kenntniß derselben wird sie erst lehren, das Judentbum hochzuhalten und dasselbe nicht, wenn sie flügge geworden find, einfach zu verlaffen. Die Geschichte unseres Volkes zeigt so viele bewunderungswürdige Momente und so viele erhebende Charaktere, daß die Jugend sich wird sagen müffen, hier wurde nicht um Dogmen gestritten, sondern um die Ethik, die in der jüdischen Religion enthalten ist, und diese Ethik des Judenthums sollte auch ein Lehrgegenstand der höheren Claffen der Mittelschulen werden. Dadurch wird den Kindern der Religionsunterricht kein lästiger werden, nicht durch grammatikalischen Unterricht verbittert werden. Nur, wenn die Kinder einen Gegenstand mit Liebe lernen, erfüllt er sie ganz und voll, und das ist ein Haupterforderniß bei dem Religionsunterrichte, denn die Religion soll sie durchs ganze Leben begleiten und sie darf dem Kinde nicht lästig und unangenehm werden, bevor es sie richtig verstehen und lieben gelernt hat. Auch auf das Berhältniß zum Hause sollten unsere Religionslehrer diel mehr Gewicht und pädagogisches Berständniß legen, als dies in einzelnen Fällen geschieht. Denn es ist ein pädagogisches Unrecht, wenn die Kinder als Controlorgane für die Eltern aufgestellt werden, wenn sie befragt werden, ob die Vorschriften der Religion auch von den Eltern gehalten werden. Dadurch wird der Zwiespalt zwischen Haus und Schule nicht nur erzeugt, sondern zum Schaden der Religion zu einem latenten gestaltet. Gerade bei dem Unterrichte der jüdischen Religion und seiner Vorschriften gehört beim Lehrer ein ganz besonderes Tactgefühl dazu, zwischen den Erforderniffen des täglichen Lebens und den religiösen Vorschriften die richtige Mitte zu finden, und da müßte die Inspektion in die richtigen Hände gelegt werden. In der Liebe zum Judenthume und zu der jüdischen Religion liegt die ganze Zukunft unserer Gemeinde, und diese der Jugend beizubringen, sollte die Hauptaufgabe des Religionsunterrichtes sein und danach müßten die Instructionen für die Lehrer ausgearbeitet sein. Ich gehe nun zu dem weiteren Hauptzweige der Ber waltung der Cultusgemeinde über, zu den Wohlthätigkeitsanstalten und Wohlfahrtseinrichtungen. Diese sollten eigentlich einen Nebenzweig der Verwaltung bilden, haben sich aber im Laufe der letzten Jahre zu einem Hauptzweige herausgebildet. Wie sollte es denn auch anders sein, bei den traurigen Verhältniffen, wie sie in unserer Stadt herrschen und die ganz besonders unsere Armen so sehr bedrücken. Wenn die Armen jüdischer Confeffion umsonst an die Mildthätigkeit Andersgläubiger appelliren, wenn die alten, erwerbsunfähigen keine Versorgung von Seite der Stadt finden, wenn die armen Siechen unserer Confeffion keine Unterkunft finden, was bleibt da der Cultusgemeinde übrig, als selbst für diese Enterbten des Glückes zu sorgen. Wir hören Stimmen, die sagen, man müffe sich auf den Rechtsstandpunkt stellen und die Unterstützung und Versorgung mit allen Mitteln durchzusetzrn trachten, aber darüber verhungern inzwischen unsere Armen, sterben unsere Alten und Siechen und ist es daher ein nicht zu umzugehendes Gebot für die Cultusgemeinde, selbst die Armenpflege in größerem Maßstabe in die Hand zu nehmen. Hier stehe ich auf dem schon vor Jahren angeregten Standpunkte der Reform der Armenpflege im Sinne

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