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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-11-14 · 46 (14.11.1902) · page 17

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
46 (14.11.1902)
Date
1902-11-14
Page
– (sequence 17)
Language
German
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Nr. 46 Dr. Blmtz's Wochrnschrifi. Seite 755 Wien. Im Mädchen- und Frauenverein „Bikur Chaulim" findet Sonntag den 16. d. M., präcise 3'/, Ubr. I. Seitenstettengasse 2, 2. Stock, ein Vortrag des Herrn Dr. I. W. F r i e s e r. über „Prophylaxe der Infektionskrankheiten" statt. — Gäste, Damen und Herren willkommen. Wien. Der Verein der Kinderfreunde zur Bekleidung armer Schulkinder für den XVI. und XVII. Bezirk veranstaltet am Mittwoch den 19. d. M. in G. Gschw andner's Saallocalitäten einen Vortragsabend mit Concert, Tanzkränzchen und Juxbazar. Immer größer sind die Ansprüche, die an die schwachen Kräfte dieses schon durch 20 Jahre auf dem Gebiete der Wohlthätigkeit wirkenden Vereines gestellt werden. Dank der werkthätigen Unterstützung einiger Wohlthäter des Vereines und der rastlosen, aufopferungsvollen Thätigiett des Obmannes Herrn S. W e i l e r ist der Verein heuer in der Lage, 170 arme jüdische Schulkinder mit Winterkleidern zu versehen. In Anbetracht des äußerst humanen Zweckes des Vereines wird um eine recht zahlreiche Betheiligung bei dem Feste gebeten. Austerlitz. Der seit 1. September d. I hier engagirte Cantor Herr Moritz L a m b e r g ist für unseren Gottesdienst eine vorzügliche Acquisition und hat an den hohen Feiertagen durch sein schönes Organ und seinen verständnißvollen Vortrag alle Zuhörer gewonnen. Herr Cantor Lamberg, dem man eine große Zukunft prophezeien kann, schließt sich in würdiger Weise seinen Vorgängern, den Herren Schwarz s. A., ehemaliger Obercantor in Brünn, David Kohn, gegenwärtig Obercantor in Arad, Taußig, Cantor in New-Iork rc., an und wird die rühmliche Tradition von der Vortrefflichkeit unseres synagogalen Gesanges fortsetzen und bestätigen. Trebitsch. Nach beifällig aufgenommenem Pcobevortrage wurde Herr Moritz Fuchs, bisher Cantor in Gewitsch, als Cantor und Religionslehrer der israelitischen Cultusgemeinde Trebitsch angestellt. Hamburg. (Gesellschaft für jüdische Volk sk u n d e.) Sonntag den 8. November 1902, Abends 8 Uhr, hielt die Gesellschaft ihre VI. ordentliche Generalversammlung ab. Es wurde dem Vorstande des verstossenen Vereinsjahres Decharge ertheilt und ein neuer gewählt, bestehend aus den Herren: D. Benezza, M. Deutschlaender, L. Friedenheim, I. Friedlaender, Dr. M. Grunwald, W. Keller, S.Leibowitz.Rud.Levy, Dr.P.Rieger. I. Ritter, I. Tarlau und Dr. Teplitz. Aus dem Bericht über das abgeschlossene Vereinsjahr ist hervorzuheben, daß die Gesellschaft mit der Aufnahme denkwürdiger Monumente jüdischer Volkstypen u. s. w. erfolgreich begonnen hat. Die einzelnen Exemplare werden den Mitgliedern dieses Zweigunternehmens zu ganz geringen Preisen überlassen. Der jährliche Mitgliedsbeitrag ist auf Mark 3.— festgesetzt. Anmeldungen nimmt der Cassier, Herr W. Keller, Hamburg. Brandstwiete 21 entgegen. Feuilleton Einer flir den Anderen. Betrachtung für die „Jomim Noroim“ von S. Frug. Uebersetzt von M a l w i n a B l u m b e r g. I. Wie sonderbar daS ist, wie unbegreiflich! . . . „Gott ist mein Licht, — wen soll ich fürchten? . . . Gott, der Hort meines Lebens, — vor wem soll mir bangen? . . . Wenn sie wider mich aufstehen, meine Feinde, meine Hinderer und Widersacher, um mich zu vernichten, sie werden straucheln und niederstürzen. . . Vernimm, o Gott, meine Stimme. Zu Dir rufe ich, Hab' Erbarmen mit mir, neige Dein Ohr zu mir. . . Verstoße mich nicht, steh' mir bei, mein Gott, schütze mich, mein Erlöser, denn Vater und Mutter haben mich verlassen. Liefere mich nicht aus meinen Feinden; denn falsche Zeugen sind auferstanden wider mich, sie schnauben vor Zorn. . / Diesen Psalm schrieb König David. Aber denkt nur nach über den Inhalt dieser leidenschaftlich, wenngleich melodischen, dieser trotz des innigen, kritiklosen Glaubens im Grunde so ernsten, so ängstlich flehenden Bitten. „Verstoße mich nicht, steh' mir bei, erhöre und schütze mich, erbarm' Dich meiner; denn Vater und Mutter haben mich verlassen. . / Lest die Geschichte dieses glücklichsten aller Herrscher des alten Orients, und zeiget mir, wenn auch nur einen Augenblick, im Leben Köniz David'S, da er diesen Psalm hätte verfaffen können, diesen Psalm, aus welchem der Asketismus deS Einsiedlers, nicht aber das begeisterte Selbstbewußtsein de- Helden weht, das flehentliche Flüstern des demüthigen Pilgers, keineswegs jedoch die kraftvolle Sprache des Herrschers oder des kampfbereiten Feldherrn. David, — das Kind, hütet die väterliche Heerde auf den Triften Bethlehem's, und mit den Klängen seiner Hirtenschalmai weckt er das Echo der weiten, in helles Sonnenlicht getauchten Wiesen und umliegenden Thäler. . . David, — der Jüngling, vom Hohepriester zum Könige auserwählt; der Jüngling, dessen seidenweiche Locken erst der Abendthau auf den Wiesen Bethlehem's und dann das heilige Oel des Gesalbten Gottes befeuchtet. . . David, — „der Schönste unter Zehntausenden". der Besieger des Riesen Goliath. Mit dem Schwerte des befiegten Philisters schreitet er durch die Straßen der Städte, und die schönsten Frauen und Mädchen Israels begrüßen ihn mit Freudenrufen und bilden seine Begleitung. . . Und zuletzt. — David, — auf dem Throne, Furcht und Bewunderung gebietend. Im Kriegslager vor der Bundeslade, bei Volksfesten und im milden Schatten entzückender Gärten — überall herrscht er, hier mit dem Schwerte, dort mit dem sanften Klängen seiner begeisterten Leier; hier mit dem mächtigen Befehle des Herrschers, dort mit den zärtlichen Worten eines träumerischen Hirtenliedes, im Schatten der Palmen und Sykomoren, beim Plätschern der Quellen und Rauschen der Wafferfälle. . . Einen Augenblick nur gab es im Leben dieses Günstlings des Schicksals, da der eingangs erwähnte Psalm hätte Anwendung finden können, und zwar als König Saul ihn verfolgte... Aber . . . vergegenwärtigt euch nur alle Einzelheiten dieser sogenannten Verfolgung. Vom König, als Verschwörer und Staatsverbrecher gesucht, erfreut sich David gleichzeitig der Liebe der Tochter Saul's, der treuen Freundschaft seines Sohnes, des mächtigen Schutzes des Hohepriesters, der zu regieren und die Herzen und Geister des Volkes zu leiten im Grunde gar nicht aufgehört hat. David flieht vor dem Zorne Saul's — aber wie die Katze mit der Maus, so spielt der Heimatlose mit Leben und Ehre des unglücklichen, kranken Königs. Lest die Beschreibung von der Krönung David's. Diese Pracht! Wie wunderbar der Anblick der Kriegsschaaren, die vor dem neuerwählten, jugendlichen König vorüberziehen! Diese Herrlichkeit, diese Macht ist die Schöpfung seines unglücklichen Vorgängers, der rühmlos starb, um seinem glücklichen Nachfolger Platz zu machen. Lest die Geschichte seiner Herrschaft. Vierzig Jahre dauerte fie und war reich an Siegen und Ruhm. Die Philister, Moabiter, Syrier, die Einwohner von Damaskus, die Ammoniter und Amalekiter, — alle diese kraftvollen, reichen Stämme neigten ihre stolzen Häupter demüthig vor dem Berge Zion und dem Thurme David's. Und von seinen Siegen berauscht, von der Strahlenkrone, die ihm als ruhmvollen König und als Sänger der Psalmen gebührte, umwoben, ruhte er in seinem herrlichen, von den Baumeistern Hiram's, des Königs von Tyrus, erbauten Palast. Und er, dieser mächtige Herrscher, sollte in weinerlicher, kraftloser Demuth flehen: „Erbarm' Dich meiner, verstoß' mich nicht, denn Vater und Mutter haben mich verlassen! . . ." Wie sonderbar das ist, wie unbegreiflich» II. Aber, — „Israel arowim se bqse", durch ein gemeinsames Band sind die Juden miteinander verbunden. Einer für den Anderen! Und die Vorfahren des ersten Königs von Israel und die endlosen Reihen der Generationen seiner Nachkommen sind vereint durch den unzertrennlichen, ewigen Bund, deffen Beginn bis an die Stufen des Berges Sinai reicht. . . Denkt ihr die Beschreibung dieses wunderbaren Anblicks? „Und Moses geleitete das Volk aus dem Lager Gott entgegen. und es stand zu Füßen des Berges. Und der ganze Berg Sinai rauchte, weil der Ewige fich im Feuer darauf niedergelaffen hatte. Und der Berg erzitterte in seinen Besten, und immer lauter klang der Schall der Posaunen. . . Und Moses sprach und der Ewige gab ihm Antwort. . ." Bon Angst durchdrungen, in stummer Ehrerbietung stand das Volk zu Füßen des Berges, und mit erschrockenem, unruhigem Blick verfolgte es das purpurrothe, den Gipfel des Sinai verhüllende Gewölk. Die rothen, weißen und buntfarbenen Kopf-

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