Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 46 (14.11.1902)
- Date
- 1902-11-14
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 46 Dr. Blorh's Worixonschrifk. Sette 75S täuscht worden. Ich bin in Paris, in der Rue Saint-Honorß geboren worden; meine Mutter, Julie Bernhardt, ist eine Holländerin und mein Vater ist ein Franzose. Sie sind das Kind eines großen Landes — Deutschlands; ich bin das Kind eines großen Landes — Frankreichs. Wir sind keineswegs Verwandte. Wollen Sie, Madame, den Ausdruck meiner vorzüglichen Hochachtung genehmigen. Ich bewahre die Copie dieser Depesche für den Fall, daß sie schlecht übertragen oder abstchtlich verstümmelt werden sollte. Sarah Bernhardt." — Bemerkenswerth ist, daß die Redaction der „Staatsbürger-Zeitung" bei der Wiedergabe dieses Telegramms die Worte „Journal de Chantage“ mit — „lärmmachendes Journal" — übersetzt. Ein Blick in ein französisches Dictionnaire wird die Redaction des antisemitischen Blattes darüber ausklären, daß Sarah Bernhardt nnt dem Ausdruck Llliantage eine ganz bestimmte Ansicht über den Zveck des Lärms, den die „Staatsbürger-Zeitung" macht, zum Ausdruck gebracht hat. Bis auf diesen heiteren Zwischenfall war aber Frau Bernhardt's Tournee ein Triumphzug für die geniale Schauspielerin, der Kritik und Publicum im gleichen Maße huldigten, und Sarah Bernhardt konnte zufrieden sein, und war es auch. „Diese Berliner sind wahrhaftig keine Narren" soll sie gerufen haben, als ihr der Beifallssturm der begeisterten Menge entgegenklang. Allerdings war dies vor der Veröffentlichung der „Staatsbürger-Zeitung". Hoffentlich hat sich ihr Urtheil über den Jntellect der Berliner durch diesen blamirenden Vorfall nicht beeinflussen lassen. Hamburg. Ueber den verstorbenen Bürgerschaftspräsidenten Sigmund H i n r i ch s e n schreibt das Organ des Antisemiten Raab: „Abgesehen von einigen Uebertreibungen, die wir in jedem und darum auch im vorliegenden Falle lieber vermieden sähen, können wir auch von unserem antisemitischen Standpunkte im Ganzen dem zustimmen, was über den Verstorbenen in der Presse gesagt wurde .... War er auch unser Gegner, wie wir die seinigen waren, so wollen wir doch mit der Anerkennung nicht zurückhalten, daß er unseren Vertretern gegenüber sicher niemals bewußt ungerecht verfuhr. Wir glauben, daß es in jüdischen Reihen nur Wenige geben dürfte, die es gleich ihm verstehen würden, auch den Verfechtern antisemitischer Anschauungen gegenüber die gleiche Unparteilichkeit und Sachlichkeit zu beweisen, wie allen übrigen Mitgliedern der Bürgerschaft. Und ebenso, wie wir sein Verhalten, mag es auch selbstverständlich gewesen sein, mit Dank anerkennen, so wollen wir auch seine außergewöhnliche Begabung und parlamentarische Gewandtheit durchaus gelten lassen. In diesem Punkte war er ein Präsident, der so bald keinen gleichwerthigen Nachfolger fiiden dürfte." Wie unparteiisch der verblichene Präsident gegenüber den Antisemiten war, das bezeugt das folgende sehr amüsante, aber völlig wahrheitsgetreue Intermezzo, das sich in einer Bürgerschaftssitzung des vorigen Jahres abspielte. Es handelte sich um die Berathung einer Senatsvorlage, zu der einer der Hauptmatadore der antisemitischen Bürgerschaftsvertreter das Wort ergriff. Als dieser antisemitische Redner sich in seinen Ausführungen der Redewendung bediente: „Da müßten wir doch wirklich die reinen Esel sein", unterbrach ihn der jüdische Präsident Hinrichsen mit den Worten: „Ich mache den Herrn Redner darauf aufmerksam, daß das Wort Esel, auch wenn es in Beziehung auf die eigene Partei gebraucht wird, parlamentarisch unzulässig ist." Schallende Heiterkeit unterdrückte jeden Widerspruch des etwas verblüfften Redners. Dublin. Vor Kurzem hat die „Vereinigung christlicher Frauen Irlands" auf ihrer Jahresversammlung einstimmig folgende Resolution gefaßt: „Die Versammlung der christlichen Vereinigung irischer Frauen hat von der gegenwärtigen Behandlung ver Juden in Rumänien gehört und hat den Wunsch, auf das Ernstlichste und Dringendste gegen eine Fortsetzung dieser Verfolgung zu protestiren. Sie ersucht den Vorstand der evangelischen Allianz, diese Resolution der Regierung mit dem Bemerken zu unterbreiten, daß sie von den Vertreterinnen von Tausenden von irischen Frauen angenommen worden ist." — Major Evans Gordon wurde nach seiner Rückkehr von der Reise nach Rußland, Rumänien und Galizien von zahlreichen Journalisten ersucht, seine Eindrücke über die osteuropäischen Juden mitzutheilen. Major Gordon lehnte einen ausführlichen Bericht mit der Begründung ab, daß er im Begriff stehe, das Ergebniß seiner Reisestudien in einer Broschüre niederzulegen, und daß es ihm nicht angemessen erscheine, vor Veröffentlichung dieser Schrift Einzelheiten in der Tagespresse zur Sprache zu bringen. Er wolle nur bemerken, daß er in Bukarest, in Kowno und Warschau jüdische Gelehrte, Schriftsteller und Privatleute kennen gelernt habe, mit denen er sich aufrichtig befreundet habe. „Die Situation in Rumänien ist scandalös. Ich habe die Absicht, hier im Unterhaus eine Debatte darüber zu veranlaffen, und ich halte eine solche Debatte für außerordentlich werthvoll. Die Wirkung einer Parlamentsdebatte, in der mancherlei Dinge zur Sprache kommen und für die ich mich ganz besonders vorbereitet habe und hoffentlich auch die rechten Worte finde, muß von großer Bedeutung sein und würde auch in Rumänien einigen Eindruck machen. Als ich dort war, habe ich über diese Dinge mit mehreren Staatsmännern gesprochen, obgleich diese, wie ich wobl wußte, nicht gern kritifirt werden. Sie behaupten sogar, daß sie materielle Schädigungen aus ausländischen Kritiken durchaus nicht fürchten, sie scheinen aber zu vergeffen, daß man manchmal Freunde sehr nöthig hat. Ich möchte gern wißen, wie unsere Regierung darüber denkt und was sie zu thun beabsichtigt; deshalb habe ich im Unterhaus die Anfrage wegen der amerikanischen Note gestellt". Im Laufe des Gespräches erzählte Major Gordon die Geschichte von einem rumänischen Juden, der als Soldat im ruffisch-türkischen Krieg mit großer Tapferkeit seinem Vaterland gedient hatte und zur Belohnung dafür rumänischer Bürger geworden war. Während Major Gordon in Rumänien war, hatte der Sohn dieses tapferen Soldaten seine Naturalisation nachgesucht und war abgewiesen worden. „Das ist, was die Deutschen „gemein" nennen", fügte der Major hinzu. „Und haben Sie auf Ihrer Reise bestätigt gefunden", fragte der Besucher, „daß die Juden eine Nation von Plutokraten find?" Mit mitleidsvollem Lächeln erwiderte Major Gordon: „sie find das ärmste Volk auf Gottes Erdboden." Vermischtes. Wien. (Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde Wien.) Einladung zur Wählerversammlung der Miglieder der israelitischen Cultusgemeinde für Montag den 17. November 1902, Abends 6 Uhr, im großen Saale des „Hotel Post" I., Fleischmarkt 14- (Eingang Drachengaffe). Der Präsident. (Der Eintritt in die Wählerversammlung ist nur gegen Vorweisung der Wahllegitimation zuläffig.) Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien, I., Seitenstetlengaffe 4, für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Moriz Farkas: Von Herrn Moriz Farkas, IX., Rofsauergafse 4, X 20.—, Josef Stransky, II., Praterstraße 50, K 5.—; zusammen X 2 . Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Max Rosenbaum: Von Herrn Adolf Bernfeld. I., Gonzagagasse 7, X 20.—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Mayer Diamant: Von Herrn Ignaz Wassermann, XX., Wallensteinstraße 39, X 4.—. Jacob Weichselbaum, II., Im Werd 13. X 5.—; zusammen X 9.— Wien. (Martinigänse für den Kaiser.) Wie alljährlich wurden auch heuer am 11. d. M. für den Hof mehrere Gänse von der Preßburger israelitischen Cultusgemeinde durch eine Deputation des dortigen Cultusvorstandes in der Hofburg überreicht. Am 10. d. M. erschien eine solche Deputation in der Hofburg. Die Deputation, in deren Gefolge sich auch eine Frau befand, übereichte in der kaiserlichen „Kammer" vier Gänse, wahre Prachtexemplare, die, mit Bändchen in den ungarischen Nationalfarben, roth-weiß-grün, reich geschmückt und mit feinen weißen Linnen bedeckt, auf silberne Taffen gelegt wurden. Die Herren der Deputation wurden später während der allgemeinen Audienzen vom Kaiser empfangen. Die Deputation bestand aus den Herren: Stadtphyficus Dr. Leopold Stein, B. Gestettner und Ignaz Herzfeld. Wien. (Trauung.) Sonntag den 16. d. M., '/.2 Uhr. wird im israelitischen Tempel, I, Seitenstetten gaffe, die Trauung des Fräulein Rosa, Tochter des Herrn Michael Berger, emeritirten Lehrers des israelitischen Taubstummen-Jnstitutes zu Wien, mit Herrn Gyula Baj d a, Beamten aus Budapest, statt finden. Wien. (Verlobung.) Dr. Julius Albert Wittels, Secundararzt des Rudolfsspitales in Wien, ein Enkel des Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde in Stanislau Herrn Carl Kiesler. hat sich mit Fräulein Regine Herzig, Tochter des H.rru Laul Herzig in Przemysl, verlobt.