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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-11-14 · 46 (14.11.1902) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
46 (14.11.1902)
Date
1902-11-14
Page
– (sequence 13)
Language
German
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ötr. 46 Dr. Vloch's Wortzenschrist. Vette 751 meinde und der Chewra-Kadischa vor zwei Jahren der Entschluß gefaßt, den längst gehegten Plan der Aufführung einer vollkommen entsprechenden Umfassungsmauer nebst einer einfachen, aber würdigen Ausbahrungshalle durchzuführen und alle Mittel zur Erreichung dieses Zieles aufzubieten. Wiewohl die Mitglieder der wieder arg reducirten Gemeinde Jeder nach seinen Kräften Opfer zu diesem Zwecke brachten, reichten die verfügbaren Mittel zu dieser immerhin namhaften Ausgabe nicht aus, und so wurde an die Anhänglichkeil der Landsleute auswärts und an einige Wohlthäter, die für Kojetein eine besondere Rücksicht an den Tag legten, nicht ohne Erfolg appellirt. Denn von allem Anfang an war es bei den maßgebenden Personen beschlossene Sache, mit diesem Bau eine äußerlich in die Erscheinung tretende Ehrung ihres großen Landsmannes, des der Wissenschaft und dem Judenthume leider so früh entrissenen David Kaufmann zu verbinden. Und eben dieses pietätvolle Beginnen war es, welches dem Unternehmen die Herzen der Freunde und Verehrer des im Leben so sehr bewunderten, im Tode so tief betrauerten Landsmannes gewann. Am entschiedensten bewährte sich dies, als die Chewra daran ging, einen zweckentsprechenden Plan zum Bau herbeizuschaffen und, von dem Bestreben geleitet, bei aller Einfachheit desselben doch auch die künstlerische Wirkung nicht ganz aus dem Auge zu lasten, sich an den bewährten. Kunstsinn des k. k. Baurathes Wilhelm Stiaßny in Wien mit der Anfrage wandte, ob er geneigt wäre, einen solchen Plan, jedoch im Rahmen der höchst bescheidenen Mittel der Gemeinde für diesen Bau zu liefern. Kaum hatte er von diesem Wunsche Kenntniß,'sowie von dem Vorhaben, damit ein Denkmal der Erinnerung an seinen unvergeßlichen Freund Kaufmann zu verbinden, als er bereitwilligst auf diesen Wunsch einging, und nicht blos nach mannigfachen Berathungen und Aenderungen den Plan zur Umfriedungsmauer und einer kleinen, aber äußerst styl- und formgerechten Halle ohne Anspruch auf irgend ein Entgelt entwarf, sondern auch die mit nichr unbedeutenden Kosten verbundene Leitung und Beaufsichtigung des einige Monate in Anspruch nehmenden Baues übernahm. Derselbe steht nun vollendet da und gereicht unserer Gemeinde zur Zierde, dem hochherzigen Erbauer zur hohen Ehre. Von der Solidität der Mauer zu schweigen, haben wir nun auch eine Halle für die Abhaltung der Bestattungs-Ceremonien. die, im edlenRenaissance-Slyle gehalten, ein wahrhaftes Schmuckkästchen von Geschmack und Zweckmäßigkeit bei bescheidenen Herstellungskosten zu nennen ist. Die eine der beiden Schmalseiten bildet einen runden Ausbau (Aphide) für die Estrade, wo der Sarg nebst den Functionären aufgestellt wird. Die Stirnfront gegenüber enthält, in belgischem schwarzen Marmor gemeißelt, die Gedenktafel mit der Aufschrift, die in lapidarer Kürze besagt, es sei diese Halle im Jahre 5662 (1902) aus Mitteln der Chewra-Kadischa und edler Wohlthäter erbaut worden nach dem Plane des Baurathes Stiaßny, den er, um das Andenken seines verewigten Freundes David Kaufmann, des großen Sohnes der Gemeinde Kojetein zu ehren, dieser gewidmet habe. Darauf folgen die hebräischen Worte Daniel 12. 3, „Die Weisen aber werden leuchten wie des Himmels Glanz, und die, welche die Menge auf die rechten Wege wiesen, wie die Sterne für immerdar" nebst der hebräischen Jahreszahl. Gestern nun fand die Feier statt, mit welcher der neue Bau seiner Bestimmung übergeben wurde. Diese wurde durch die Anwesenheit des verehrten Erbauers und seiner Gemahlin nebst zwei Mitgliedern seines Bureaus und durch Gäste, darunter Rabbiner Dr. Oppenheim aus Olmütz. mehrere Vorsteher aus den Nachbargemeinden, beehrt. Ihr Nichterscheinen entschuldigten der f.;f. Bezirkshauptmann Abendroth in Kremsier; der Lehrkörper des israelitischen Seminars in Budapest; Dr. Rosenthal, Rabbiner in Breslau; Dr Tauber, Rabbiner in Prerau. Begrüßungsschreiben und Depeschen waren zahlreiche eingelaufen, darunter vom Vorstande der Cultusgemeinden in Wien und Budapest, vom Großrabbiner Zadoc Kahn in Paris, von Dr. Frei- ' mann.Dr. Steinhart u. A. Erwähnt soll noch werden, daß die Kojeteiner Stadtgemeinde sich dem Unternehmen durch Grundabtheilung freundlich zeigte. Um 3 Uhr Nachmittags wurde zunächst im hell erleuchteten Tempel, wo sich die ganze Gemeinde und ein zahlreiches Publicum eingefunden, durch Cantor Grünstein das Mincha-Gebet würdig vorgetragen, worauf sich die ganze Versammlung in die neuerbaute Halle begab. Hier sprach Vorsteher Bik ollen Erschienenen den Dank für ihre Anwesenheit aus und übergab das fertiggestellte Gebäude der Chewra-Kadischa zur dauernden Benützung. Hierauf ergriff der Obmann der Chewra-Kadischa Herr Mor. Löwenthal, der die Seele des ganzen Werkes war und seit 25 Jahren eine rastlose Thätigkeit hiefür entfaltet, das Wort zu einer Ansprache an den Architekten Stiaßny, um sich in ebenso beredten als herzlichen Worten der tiefen Dankesschuld der Gemeinde an diesem Künstler zu entledigen, der mit ungewöhnlicher Selbstlosigkeit feine Dienste der Gemeinde zur Verfügung gestellt, um ihr die Ausführung ihres Vorhabens, das zugleich eine Liebesthat für seinen theueren Freund in sich schloß, in so herrlicher Weise zu ermöglichen. Der Architekt erwiderte auf diese Ansprache, daß er diesmal, vom Rathe seines Lehrers abweichend, immer in die Zukunft zu blicken, seinen Blick, wenn auch schmerzbewegt, nach der Vergangenheit wenden müsse. Da stehe das Bild jenes von ihm so innig verehrten Mannes vor seinem Auge, von deffen Verkehr und Umgang er die schönsten, die erhebendsten Eindrücke stets gewonnen. So wie er immer bereit war, sein bescheidenes Können der Verherrlichung des Judenthums und seines Cultus zu widmen, so habe es ihm wahre Herzensbefriedigung gewährt, hier zur Verewigung des Namens Kaufmann etwas beitragen zu können. Möge der Geist dieses großen Mannes nicht schwinden aus dieser Gemeinde und Männer aus ihr hervorgehen, die seinen Geist und sein Streben forterben. Nach diesen tief eindrucksvollen Worten und einem Psalmvortrag bestieg Dr. Frankl-Grün, Rabbiner in Kremsier, der zur Zeit das erledigte Rabbinat in Kojetein versieht, die Kanzel und hielt die eigentliche Weiherede, die ebenso reich an Gedanken, wie von warmer Empfindung getragen war. Sodann nahm Dr. Oppenheim aus Brünn das Wort, um im Namen der Familie Kaufmann, der greisen Eltern, wie der tiefgebeugten Witwe allen Persönlichkeiten und Körperschaften innigst zu danken, die an diesem Liebeswerke mitgeholfen. Er betonte die seltene Treue, die der so früh Entrissene seiner Heimat und seinen Landsleuten stets bewahrte, wie denn ein ireues Gemüth der Grundzug seines Wesens gewesen, das auch seinen reich entwickelten historischen Sinn erklärt. Er verwies darauf, wie er durch seine Studien und Arbeiten die Tobten neu belebt, die stummen Grabsteine zum Reden gebracht, so daß er den Beinamen eines „Erweckers der Schlummernden und Wachrufers der Schlafenden" verdiene. Er erwähnte seiner Freundschaft mit Stiaßny, die der gleiche Kunstsinn und die Liebe zu den Kunstdenkmälern der Vorzeit zusammengeführt, und schloß mit warmer Anerkennung für die großen Opfer, welche die überaus rührige Chewra - Kadischa für dieses Werk gebracht. Mit einem Appell an die Lebenden, die Todten durch liebreiches Zusammentreten zu ehren, den Herr Löwenthal an die Versammlung gerichtet, schloß die schöne Feier, welche einen wahrhaft erhebenden Eindruck auf alle Anwesenden gemacht. Den Abend verbrachten die geschätzten Gäste in geselliger Bereinigung mit den Mitgliedern der Gemeinde bei einem prächtigen Mahle, das die Frauen und Mädchen der Gemeinde angerichtet und deffen Genüsse nicht wenig zur Erwärmung der Gemüther beitrugen. Ganz besondere Genüsse boten die zahlreichen Trinksprüche, die hiebei nach dem Kaisertoast Moritz Löwenthal auf den Baurath, von diesem auf den Vorstand, von Dr. Oppenheim (Brünn) auf Beide und ihre Frauen und endlich von Dr. Oppenheim (Olmütz) auf die Eltern Kaufmann's ausgebracht wurden. Es waren dies Stunden erhebender Unterhaltung, die allen Theilnehmern unvergeßlich bleiben werden. Zwittau (Mähren). Am 31. October verschied hier nach langer Krankheit im Alter von 55 Jahren Herr Adolf Klein, langjähriger Director der Leinen- und Jutefabrik der Firma Heinrich Klinger m Wien. Am 2. November fand unter zahlreicher Betheiligung aller Schichten der hiesigen Bevölkerung, der Beamten und Arbeiter der Klinger'schen Fabrik die lleberführung des Verstorbenen nach Brünn, woselbst er über Wunsch der Hinterbliebenen am 3. d. M. zur ewigen Ruhe bestattet wurde. Vor der Abholung widmete der hiesige Ortsrabbiner Ehrwürden Herr Dr. Felix Kanter im Fabrikshofe, wo die Leiche aufgebahrt wurde, dem Heimgegangenen einen ergreifenden Nachruf, der auf alle Anwesenden einen tiefen Eindruck übte. Sonach ergriff der Mitchef der genannten Firma Herr Paul L e mb e r g e r, Schwiegersohn des Präsidenten der Wiener Cultusgemeinde, Herrn kaiserl. Rath Klinger das Wort, um im Namen des Hauses dem Dahingeschiedenen den Dank für seine langjährige Treue und aufopfernde Mitarbeiterschaft auszudrücken. Kein Auge blieb thränenleer, als der Herr Chef mit vom Herzen kommenden und zu Herzen gehenden Worten die hohen Verdienste und den Charakter des Direktors Klein schilderte. Sodann sprach Herr Leopold Schönhauser namens der Beamten und Arbeiter und dankte dem Verblichenen für das Wohlwollen, das dief-r

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