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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-11-14 · 46 (14.11.1902) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
46 (14.11.1902)
Date
1902-11-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 750 Dr. Vloch's Wochenschrifl. Nr. 46 geworden sei, trotz der Jnterefsencurie, die er seinerzeit vom demokratischen Standpunkte bekämpfte. Zu dieser Annahme berechtigt ihn die Thatsache, daß der gegenwärtige Präsident der Cultusgemeinde seit dem Antritte seines Mandates vor jeder größeren Action Vorbesprechungen mit den interessirten Volkskreisen pflegt, was früher nie der Fall war. Er anerkennt, daß nun große Arbeiten und Lieferungen für den eigenen Bedarf der Gemeinde wohl in Ordnung, im Offertwege an Steuerträger vergeben werden, daß jedoch für die kleinen Arbeiten Contrahenten bestellt werden mögen. Der Cultusvorstand möge seinen vollen Einfluß geltend machen, daß auch jüdische öffentliche An st alten ihre Arbeiten und Lieferungen an Glaubensgenossen vergeben. Er empfiehlt zum Schlüsse, nur solchen Candidaten die Stimme zu geben, die solidarisches Gefühl und ein Herz für den kleinen, heute noch kleiner gewordenen Mann haben. Hierauf entwickelten die Herren Architekt Fleischer und Gottlieb Tausfig ihr wirthschaftliches Programm. An der hierauf folgenden, recht lebhaften Debatte betheiligten sich die Herren: Dr. Marcus Spitzer, v. Mises, Baurath Stiaßny, kais. Rath Pollak, Prof. Dr. Ehrmann, Architekt Marmorek, Groß, Marcus, M.B aum, Isidor Löwenbein, Dr. Weisengrün. Dr. Kann, Friedmann, Fischer, Lederer u. A. Die verschiedensten Ansichten und Anregungen wurden von den Cultusvorstandsmitgliedern theils widerlegt, theils zur Kenntniß genommen. Um 1 Uhr Nachts schloß der Präsident die Versammlung. Wie«. Verehrliche Redaction! Gestatten Sie dem ergebenst gefertigten Vereine .Frauenhort", israelitischer Frauen - Wohlth ätigkeits - Verein im Bezirke Alsergrund, an den in der letzten Nummer Ihres geschätzten Blattes unter der Spitzmarke ,O e f f e n t l i ch e Wohlthätigkeit" erschienenen Artikel des Herrn Doctor S. Bernfeld anzuknüpfen und somit eine höchst actuelle Frage wieder vor das Forum der Oeffentlichkeit zu bringen. Schon vor acht Jahren gab anläßlich der bevorstehenden Kinderbekleidung die damalige Schriftführerin unseres Vereines, Frau Rosa Feigenbaum, die folgende Anregung: Es möge mit Rücksicht darauf, daß die öffentliche Betheilung armer Kinder zweifellos etwas Beschämendes habe und von nachtheiligem Einflüsse auf das zartbesaitete Kindergemüth sei, daß diese öffentliche Schaustellung geeignet sei, das kindliche Ehrgefühl zu ersticken und dadurch zum systematischen Bettel heranzubilden, und ferner daß die Bethätigung der Wohlthätigkeit in dieser lauten Form auch den Eltern eine schmerzliche Demüthigung bereite und sie ihre Armuth noch schwerer empfinden läßt, und es überdies Thatsache ist, daß wahre Armuth sich scheu verbirgt und zu öffentlichen Bescheerungen sich nicht hervordrängt — von der öffentlichen Betheilung armer Kinder mit Winterkleidern, Schuhen rc. abgesehen werden, und sei die Bescheerung seitens unseres Vereines den Bedürftigen fortan direct ins Haus zu schicken. Auf diese Weise geht denn auch der Verein .Frauenhort" seit dem Jahre 1894 vor, hat aber bedauerlicherweise bahnbrechend noch nicht zu wirken vermocht. Vielleicht ist der nun auch in Ihrem vielgelesenen Blatte gegebene Hinweis von größerem Erfolge gekrönt und gewinnt der von unserem Vereine beobachtete Vorgang immer weitere Verbreitung. Genehmigen Sie, hochgeehrter Herr Redacteur, die Versicherung unserer vorzüglichen Hochachtung. Für den Vorstand des Vereines .Frauenhort" Clotilde Benedict, Rosa Ziffer er, Schriftführerin. Präsidentin. Wie», 8. November 1902. Geehrte Redaction! Der Ausfall der Landtagswahlen hat Verschiedenes gezeigt, erstens daß der Antisemitismus noch nicht reif zum Verfall ist, und von diesem Standpunkt ist es vielleicht besser, daß die Antisemiten die ganze Macht Zhaben, denn dem Volke werden die Augen geöffnet werden, was es von diesen Machthabern zu erwarten hat, und das wird das beste Mittel sein, diese Partei verschwinden zu machen; zweitens zeigte sich klar, daß — besonders im 1. Bezirk — die Anttsemiten nur dadurch an's Ruder gelangen konnten, daß alle Hausmeister, Bankdiener re. geschloffen clerical wählten, also Leute, welche zum großen Theil nicht nur von Juden abhängen, sondern direct von ihnen leben. Ist es nun nicht eine Schande, daß die Juden, welche dies angeht, sich in Gleichgiltigkeit hüllen und Vogel-Strauß-Politik spielen? Man lasse Jedermann seine Ueberzeugung, aber einen bezahlten Feind soll man nicht im Hause behalten. Sehr schön ist es, wenn der jüdische Hausherr, der beim Passiren der Hausbesorgerwohnung devot vom Portier begrüßt wird, ganz genau weiß, daß der . Mann hinter seinem Rücken sich denkt- Saujud (daß er für die vier Gedankenstriche vier Worte denkt, oder hinter dem Rücken des Herrn murmelt, ist sicher). Ist es nicht im höchsten Grade unwürdig und feig, einem solchen Individuum wetter Brot zu geben? Hinaus mit den Antisemiten aus dem jüdischen Hause, aber ostentativ und nicht versteckt, damit unsere Feinde am eigenen Leibe erfahren, daß sie wegen des Antisemitismus ihr Brot verloren haben. Jüdischer Antisemitismus ist es, daß man Juden als unfähig zu derartigen Posten stempelt; Juden sind sehr tüchtige Handwerker, sind fleißig und hauptsächlich nüchtern, und wenn ihnen auch noch so viel Fehler anhaften mögen, ist es tausendmal unwahr, daß die Eignung zu zahllosen Stellen, an denen unsere Feinde unser Brot essen, nicht bei Juden ebenso vorhanden ist. In Einzelheiten sich einzulassen, ist unnöthig; die Thatsache ist richtig, und wenn jeder Herr, der eine Stelle zu besetzen hat, sich an eine in diesem Sinne auszubildende Central- Auskunftsstelle wenden würde, wäre nicht nur ein wichtiger Schritt zur Bekämpfung des Antisemitismus geschehen, sondern zahllosen Juden das Brot dort verschafft, wo es mit Fug und Recht gegeben werden sollte, nämlich — bei Juden, denn bei welchem Nichtjuden können sie es finden? Hochachtungsvoll Siegm. O s e r, Beamter. Brünn, 10. November 1902. Vom Vorstande der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde war für gestern Vormittags eine Versammlung von Wählern dieser Gemeinde-zur Besprechung der bevorstehenden Ergänzungswahl in den Vorstand einberufen. Die Versammlung fand im Saale des Mährischen Gewerbe- Vereines statt. In derselben widmete der Präses-Stellvertreter Dr. Fialla dem verstorbenen Vicepräsidenten kais. Rath Epler einen warmen Nachruf und besprach die Angelegenheiten der Cultusgemeinde. Hierauf meldete sich der Führer der hiesigen Zionisten, Herr H i ck l, zum Worte und erging sich in so heftigen Angriffen gegen die bisherige Vorstehung der Cultusgemeinde, daß sich der Vorsitzende veranlaßt sah, ihm das Wort zu entziehen. Diese Maßregel bildete für die in die Versammlung eingedrungenen, angeblich nicht wahlberechtigten Zionisten das Signal zu einer lärmenden Demonstration, welche große Tumulte in der Versammlung zur Folge hatte und Tätlichkeiten befürchten ließ. Die Situation gestaltete sich so bedenklich, daß die Sicherheitswache herbeigerufen werden mußte. Der Vorsitzende sah sich in Folge dieser Umstände genöthigt, die Versammlung zu schließen. Kojetein, 10. November 1902. (Einweihung der neuen Friedhofshalle). Die alten Griechen hatten den Brauch, ihren großen, um den Staat oder das allgemeine Beste verdienten Männern, wenn sie in der Fremde gestorben waren, Ehrendenkmäler, sogenannte Kenotaphien daheim zu errichten, die ohne den Leib des Verstorbenen gleichwohl seinen Namen verewigen sollten. Das Juden«hum kennt diese Einrichtung wohl nicht, ja es hat gerade umgekehrt den Grundsatz aufgestellt: man errichtet den Frommen keine Monumente, ihre Thaten sind ihre Denkmäler. Dennoch scheint der Drang, das Andenken berühmter Landsleute auch äußerlich durch ein Zeichen festzuhalten, den theuren Namen gleichsam stets vor Augen zu haben, um ihm den Tribut der Verehrung zu zollen, in der Menschenbrust ein so mächtiger zu sein, daß auch jüdische Gemeinden demselben nicht ganz zu widerstehen vermögen. Einen solchen Beweis von unverlöschlichen Gefühlen treuer Anhänglichkeit und Pietät für ihre Tobten und ganz besonders einen verewigten großen Sohn ihrer Gemeinde bezeigte die Gemeinde Kojetein, ihr Vorstand und ihre Chewra-Kadischa durch ein unter den größten Schwierigkeiten vollbrachtes Werk, dessen glückliche Vollendung und Einweihung Sonntag den 9. d. M. durch eine ernste, erhebende Feier begangen wurde. Seit Jahren schon wurde der Uebelstand in peinlicher Weise vermerkt, daß unser alter, sehr ausgedehnter Friedhof einer schützenden Mauer größtenteils entbehrte. Ein hölzerner Zaun wurde jeden Winter devastirt, die von einer Ziegelmauer eingefriedete Seite war defect, eine sogar ganz frei. Leider fehlten die Mittel zur Errichtung einer vollständigen, starken Umfassungsmauer, und feit Jahren wurden unsere spärlichen Eingänge hiefür aufgespart. Doch auch das bestehende 8a2iir-t0MinL- Haus war in einem so kläglichen Zustande, daß seine weitere Benützung kaum mehr geduldet werden konnte. Es wurde daher von der überaus energischen Leitung unserer Ge-

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