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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-11-14 · 46 (14.11.1902) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
46 (14.11.1902)
Date
1902-11-14
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 746 Dr. Vloch's Wochenschrift. Str. 46 sache: Der Rabbiner Dr. Bloch habe seinerzeit den Vorwurf desMeineidesgegenRohling erhoben, dieser habe die Klage gegen Bloch erhoben, Bloch habe den Vorwurf darauf mehrfach wiederholt, als aber der Termin angesetzt war, habe Professor Rohling die Klage im letzten Augenblicke zurückgezogen. Rohling sei früher Professor in Münster gewesen und später Canonicus in Prag geworden, besonders geschätzt vom Cardinal Erzbischof Fürsten Schwarzenberg. Auf Befragen des Verteidigers führte Profeffor Strack einige Stellen aus dem Gutachten Rohling's an, die er als bewußte Fälschungen betrachten müsse. Gäbe es auch nur Eine Secte im Judenthum, die sich zum Ritualmord bekenne, dann wäre er der Erste, der das sagen würde, daß die Christen verpflichtet wären, die Juden mit Stumpf und Stiel auszurotten. Er behaupte aber, daß die Juden selbst eine solche Secte ausrotten würden. Er behaupte ferner: Es gebe keine Geheimlehre in der jüdischen Religion, keine einzige Stelle in der jüdischen Literatur, die ein Christ, der Sachkenntniß besitzt, nicht sinden könnte; schlimmstenfalls würden Judenfeinde dabei aushelfen. Professor Rohling habe auch seinerzeit behauptet, in einer Schrift des Rabbi Mendel in Galizien werde der Ritualmord direct gelehrt. Er habe den Professor Rohling gebeten, das Buch einsehen zu dürfen; es wurde darauf geantwortet, daß das Werk zu kostbar sei. Er habe dann angeregt, daß er das Buch unter sicheren Cautelen einsehen dürfe, darauf sei aber keine Antwort erfolgt. Er habe darauf nach Galizien geschrieben und die Antwort erhalten, daß ein solches Buch überhaupt nicht existire. Me Juden i« Amerika. Die antisemitische Presse hat der Note des Staatssecretärs der Bereinigten Staaten, Mr. Hay, über die Judenverfolgungen in Rumänien die Deutung geben wollen, als handelte es sich der Union nur darum, die Einwanderung der Juden abzuwehren. Daß diese Presse vermöge des Tiefstandes ihrer ethischen Anschauungen nicht im Stande ist, einen anderen als den „Geschäftsstandpunkt“ zu begreifen, ist wohl für jedem edelveranlagten Menschen von vornherein klar. Ebenso wenig ist sie befähigt, sich von der liberalen Presse eines Besseren belehren zu lassen. Allerdings muß man dann auch bezweifeln, daß sie einer unzwe.felhaft unparteiischen Stimme, der eines demokratischen, unabhängigen amerikanischen Journals, Gehör schenken werde. Aber selbst auf die Gefahr hin, daß sie auch dieses vollständig jeder specifischen Judenfreundlichkeit unverdächtige Blatt mit ihren Geifer besudeln werde, muß der Wahrheit die Ehre gegeben und dem Urtheil dieses Journals, es ist das »New-VorL American and Journal“, über „Die Zukunft der Juden in Amerika“ auch in europäischen Blättern Verbreitung geboten werden. Das Blatt schreibt: „Die Sociologen machen die Note des Staatssekretärs Hay über die Judenverfolgung in Rumänien zum Gegenstand von Untersuchungen über die Juden in Amerika. Die Zukunft der Juden in Amerika ist die: Amerikaner zu sein. In unserer mannigfaltigen Bevölkerung ist kein Element geneigter und enthusiastischer gesinnt, sich mit der demokratischen Umgebung zu assimiliren, als das jüdische. Die Juden fühlen sich hier glücklich und Jeder, der zu beurtheilen weiß, was dem Lande frommt, ist zufrieden, daß sie im Lande find, denn sie sind ein nüchternes, fleißiges, intelligentes und die Gesetze achtendes Volk. Die Thatsache, daß eine große Menge von Juden in New-Aork zusammengedrängt lebt, bietet dem wahren Sociologen keine „Frage“. Nur die falschen, sich mit Lärm ankündigenden Sociologen werden durch örtlich austauchende Verhältnisse in Aufregung versetzt. Armuth zwingt die Juden, wie jeden Anderen, sich an die Scholle zu binden und den Kampf ums tägliche Brot zu führen. Da nun New-Iork der Haupthafenplatz der europäischen Einwanderung ist, sammeln sich in dieser Stadt so viele Juden, deren Geburtsstätte in der Fremde liegt, an. Welchen Schaden stiften sie denn hier? So wie die Mittel zunehmen, suchen sie sich selbst andere Gebiete wo sie bessere Erwerbsgelegenheit finden. Ihre Kinder werden in unseren öffentlichen Schulen erzogen und verbreiten sich dann über das ganze Land ganz so wie oie Kinder anderer Einwanderer. Und diese Kinder werden dann ebenso durch und durch Amerikaner, als wenn sie von altamerikanischer Abstammung wären. Das ist eben der Ruhm der Republik. Sie macht Alle, die zu ihr kommen, zu freien, sich selbst achtenden Männern, wenn sie nur in sich die Fähigkeit besitzen und den Wunsch hegen, frei zu sein und sich selbst zu achten.“ Wir haben diesem glänzenden Plaidoyer für die Lösung dessen, was man fälschlich „die Judenfrage“ nennt, nur Weniges hinzuzufügen. Dort, wo wahre Freiheit herrscht, gibt es keine Judenfrage. In den Vereinigten Staaten ist der Glaube kein Gegenstand der Staatspolitik, und schon hieraus allein resultirt, daß die eonfessionelle Frage weder dem Juden, noch dem Katholiken gegenüber auftauchen kann. Dort ist es thatsächlich Jedem sreigestellt, nach seiner Fayon selig zu werden, und es ist nur selbstverständlich, daß er für seine Religion ebensowenig ein Sonderrecht beanspruchen darf, als er etwa geneigt sein möchte, es einem Anderen zuzugestehen. Die wahre Republik kennt aber auch keine Racenfrage. Die Gesetze gegen die Einwanderung der Chinesen haben mit den Chinesen als Race gar nichts zu thun. Es leben Japaner, Polynesier und Kamtschadalen in den Vereinigten Staaten, ohne daß gegen ihre Anwesenheit aus Rücksicht auf ihre Race eine Einwendung erhoben wurde. Dort wo wahre Freiheit herrscht, gilt der Mensch als solcher, und nur seine menschlichen culturellen Eigenschaften, nicht sein Glaube oder seine Abstammung kommen in Betracht. Die beschränkenden Einwanderungsgesetze sind daher nicht zum Zwecke confeffioneller oder nationaler Prohibition oder Proscription ersonnen und erlassen, sondern ausschließlich socialer Natur, bestimmt, den Ltandard ok life nicht Herabdrücken zu lassen, den Werth der Arbeitskraft nicht zu vermindern. Von den Juden ist dies speciell in Amerika am allerwenigsten zu befürchten. Die Freiheit verträgt sich mit jedem Glauben, jeder Nationalität — wenn diese keine Uebergriffe auf das Terrain der Freiheit sich herausnehmen, und daß dies von den Juden geschehen würde, glaubt in Amerika ganz gewiß Niemand! In einem wahrhaft freien Lande kann es also keine Judenfrage geben und gibt es keine, und wo eine „Judenfrage“ in die Erscheinung tritt, ist diese Thatsache allein hinlänglicher Beweis, daß in diesem Lande nur Knechtung herrscht, selbst wenn sie sich mi Constitutionalismus oder Parlamentarismus ausstaffirt. t Brauchte es hiefür noch eines Beweises, so könnte man auf zwei europäische Länder Hinweisen, England und Italien. In London wurde Heuer zum sechstenmale ein Jude zum Lordmayor gewählt und in Italien fungirt ein Jude als Kriegsminister. Es wird keinem Menschen in den beiden Ländern einsallen. auch nur den leisesten Zweifel zu hegen, daß der Eine ein Engländer, der Andere ein ehrlicher tüchtiger Italiener ist. In Ländern, wo die Freiheit eine sichere Stätte aufgeschlagen bat, bildet eben Glaube und Abstammung kein unterscheidendes Merkmal der Menschen. Lapionti satl Die Juden in Mo de Inneieo. Zweiter Mahnruf! Vor mehreren Jahren publicicte ich in dieser Zeitung einen Mahnruf aus Rio de Janeiro. Derselbe hatte aber keinen Erfolg, denn die geschilderten desolaten Zustände bestehen heute noch fort. Im Interesse der guten Sache und der Ehre des Judenthums will ich nun meinen Mahnruf wiederholen. Die brave „Oesterreichische Wochenschrift", welche sich um die Ehre des jüdischen Stammes bereits so große Verdienste erworben hat, mag auch diese äußerst schwierige Aufgabe zu lösen versuchen. Der Mahnruf selbst aber möge in Rußland, Galizien und Rumänien zur allgemeinen Kenntniß gebracht werden- Es soll allgemein bekannt werden, daß hier noch immer Individuen existiren, die sich Juden nennen und trotzdem das Schandgewerbe des Mädchenhandels betreiben. Allerdings gibt es auch Individuen christlichen Bekenntnisses, die sich in allen Ländern und auch hier mit diesem elenden Menschenhandel abgeben, allein dies geht uns nichts an. man stellt an uns höhere Ansprüche und unsere Gesammtheit leidet durch die Missethaten Einzelner. Vor Allem gilt es aber, die unglücklichen Familien und ihre Familienangehörigen vor den Betrügern zu warnen und zu schützen. Man soll in Rußland, speciell im russischen Polen, in Oesterreich und Rumänien erfahren, womit sich die hier alleinstehend lebenden jüdischen Frauen und Mädchen be-

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