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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-10-31 · 44 (31.10.1902) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
44 (31.10.1902)
Date
1902-10-31
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Sette 716 Dr. Bloch's Wochrnfchrifk. Nr. 44 war, daß der Rabbiner Margulies zu einer Geldstrafe von 200 Lei verurtheilt wurde. Wie jedoch aus Braila gemeldet wird, hat die mit dem Borgange ihres Rabbiners vollständig einverstandene Leitung der dortigen israelitischen Cultusgemeinde beschlossen, diesen Anlaß zu benützen, um ein obergerichtliches Erkenntniß bezüglich der mit der Lehre der Bibel, dem Geiste der modernen Gerichtspflege und der verfassungsmäßigen Gleichberechtigung aller Confeffionen in unvereinbarem Gegensätze stehenden barbarischen Eidesablegung „inore jnckaico" zu provociren. Bukarest. Sehr geehrter Herr Redacteur! Seit dem Erscheinen der aufsehenerregenden Reisebeschreibungen des Herrn Bergani lese ich derartige Schilderungen mit einem gewissen Mißtrauen, daher vermehrter Aufmerksamkeit. In der Zeitschrift „lieber Land und Meer", Band 89, finde ich einen Artikel : Ein Abstecher ins Ruthenenland, von Paul Kaufmann. Leider paffirt Herrn Kaufmann das Malheur, auf der Strecke stecken zu bleiben und er ist gezwungen, in einer kleinen Station Aufenthalt zu nehmen. Seine Mitreisenden werden einer Kritik unterzogen; wie selbstverständlich, kommen die Juden dabei schlecht weg, ihre Kleidung findet nicht ren Beifall des Herrn Verfassers, worüber ich mit ihm nach dem Sprichworte: cbacnn ä son goüt, nicht streiten will. Nun schreibt Herr Kaufmann: „Nur emige nüchterne oder wenig bemittelte Landleute und die gesammten zum Grldausgeben nicht geneigten Ebräer hatten die Herrschaft über ihr rebellisches Inneres bewahrt; sie murmelten, nach Osten gewandt (sollte es nicht richtiger gewendet heißen?) den Kopf in den Talith oder Gebetschleier gehüllt und die Stirn mit dem die zehn Gebote enthaltenden Tephillin oder Gebetriemen umwunden, mit näselnder Stimme Talmudverse." Nach dieser Schilderung erfährt Herr Kaufmann, daß die Störung nicht rasch behoben fein wird, und auf Anrathen des Stationsvorstehers fährt er in den benachbarten Ort, um im Hotel zu übernachten. Jetzt schreibt Herr Kaufmann weiter: „Um 8 Uhr Morgens — es war ein Sonntag — wurde ich durch einen ohrenzerreißrnden Lärm geweckt u. f. w." Wenn nun dieser Tag ein Sonntag war. so war der vorhergehende ein Samstag. Ich frage Sie daher an: Ist es denkbar, daß polnische Juden, die sich keinen Zwang auferlegen und ihre Gebete öffentlich verrichten, am Samstag fahren? Ist es denkbar, daß diese Juden am Samstag Tephillin legen? Gegen die Person des Herrn Kaufmann habe ich nichts einzuwenden; ich muß im Gegentheile gestehen, daß sein Artikel nicht langweilig ist, aber ich kann chm nur empfehlen, daß er bei seinen Beschreibungen keinen so groben Schnitzer macht, da er bestimmt beansprucht, daß seine Artikel mit Aufmerksamkeit gelesen und als von ihm erlebt geglaubt werden. Ergebenst Eduard Kohn, Strada Selari 2. Florenz. (Berehrliche Redaction!) In ihrer Nummer vom 17. October d. I. brachte die „Oesterreichische Wochenschrift" die Notiz, daß Herr Dr. H. P. Chajes „auf Vorschlag und Empfehlung des Herrn Dr. I. S. Bloch" zum Professor an der israelitisch-theologischen Lehranstalt in Florenz ernannt wurde. Diese Darstellung entspricht nicht genau dem wahren Sachverhalt und beruht offenbar auf einer irrtümlichen Auffassung des thatsächlichen Vorganges. Herr Dr. Chajes wurde mir allerdings auch von Herrn Dr. Bloch empfohlen. Aber meine Aufmerksamkeit war zu der Zeit bereits auf ihn gerichtet und seine Wahl erfolgte auf meinen Vorschlag und auf Grund sowohl seiner bisherigen wissenschaftlichen Arbeiten, als auch der bei couipetenten Persönlichkeiten eingeholten Erkundigungen. Diese Erklärung ersuche ich die verehrliche Redaktion in der nächsten Nummer der „Oesterreichischen Wochenschrift" abdrucken zu wollen. Achtungsvoll und ergebenst Oberrabbiuer Dr. Margulies, Collegio Rabbinico Italiano. Es scheint uns kaum glaublich, daß ein einziger Leser der .Oesterreichischen Wochenschrift" die schlichte und unverfängliche Notiz, gegen welche vorstehende Bemerkungen sich kehren, dahin verstanden haben kann, als ob der „O st^rreichischen Wochenschrift" oder ihrem Herausgeber bei Besetzung der Profeffuren an dem Collegio Rabbinico in Florenz ein Borschlagsrecht vindicirt würde. Kein Leser war darüber im Zweifel, daß ein solches Vorschlagsrecht ausschließlich Herr» Dr. Margulies, dem Leiter des Institutes, zusteht. Allein Herr Dr. Margulies selber, dem wir die Candidatur des Herrn Dr. Chajes für die erledigte Docentur in Vorschlag gebracht und empfohlen haben, schrieb »ns, daß diese Empfehlung für den jungen Gelehrten schwer ins Gewicht falle. Herr Dr. Margulies ersuchte sodann um Auskunft über die theologische Stellung des Herrn Dr. Chajes; es schien uns aber richtiger, diese Frage durch Herrn Dr. Chajes selber beantworten zu lassen. Durch Vermittlung der „Oesterreichischen Wochenschrift" hat Herr Dr. Margulies' den jungen Gelehrten endlich zu einer persönlichen Rücksprache eingeladen. Die Notiz und die Form ihrer Stilisirung hatte keinen anderen Zweck, als der Genugthuung Ausdruck zu geben, daß es unserer Mitwirkung vergönnt war, einem jungen strebsamen Gelehrten zu einem seinen Neigungen und feinem Wissen entsprechenden Wirkungskreis zu verhelfen. Die Bestätigung des neuen Lord-Mayors von London. Mit großem Gefolge von städtischen Würdenträgern begab sich unlängst Sir Marcus Samuel ins Haus der Lords, um vom Lordkanzler Earl Halsbury die königliche Bestätigung als neuer Lord-Mayor zu erhalten. Richter Fulton stellte Sir Marcus nach altem Brauche mit Erzählung seiner Lebensgeschichte vor und führte aus, daß er der Pionnier des Großhandels mit Japan gewesen und Dank seiner großen Organisations-Fähigkeit im Jahre 1888 die Hungersnoth von Japan abwehrte, indem er riesige Mengen Reis hinlieferte. Sir Marcus führte auch die erste japanische Goldanleihe, sowie japanische StädieAnleihen in London ein, ferner erlangte er eine führende Stelle im Petroleum-Großhandel und in der Rhederei. Der Lordkanzler erklärte, der designirte Lord-Mayor sei in jeder Hinsicht eine Zierde des hohen Amtes, wozu er einstimmig gewählt worden, und er ertheile ihm mit besonderer Freude namens des Königs die Bestätigung. Sowohl Sir Marcus als England können sich mit Stolz rühmen, sagte Lord Halsbury daß er einer Gemeinschaft angehöre, die in anderen Ländern ungerechten und grausamen Verfolgungen ausgesetzt sei, während hierzulande die wahren Grundsätze der Freiheit und des Rechtes geachtet und aewahrt werden. Nach dieser Ceremonie kreiste der große silberne Liebesbecher mit gewürztem Weine. Hierauf fanden in der Westminster-Abtei und in einer Capelle protestantische und katholische Gottesdienste zur Wiedereröffnung der Gerichte nach den Sommerferien statt. Alle Richter waren in ihren scharlachrothen oder schwarzseidenen, mit Gold und Pelz verbrämten Roben zugegen. Vermischtes. Wien. (Verlobung.) Fräulein Betti P o l l a k v. R u d i n, Tochter des Großindustriellen Alfred Pollak Ritter v. Rubin, hat sich mit Herrn Dr. Med. Hugo F a s a l verlobt. Wien. (Trauung.) Dienstag den 4. November 1902 um 2ljo Uhr Nachmittags findet im israelitischen Tempel XX, Kluckygaffe, die Trauung des Fräulein Irma Karpfen, Tochter des Herrn Leopold Karpfen, Vorstand der israelitischen Cultusgemeinde in Krems, mit dem Hof- und Gerichtsadvocaten Herrn Dr. Richard Lichten st ern aus Wien statt. Wien. (Diamantene Hochzeit.) Am 25. d. M. feierte der hier seit mehr als dreißig Jahren ansäffige Gründer und Senior-Chef des Bankhauses Marmorosch, Blank und Comp. in Bukarest Herr JacobMarmorosch, mit ferner Gemahlin Frau Rachel Marmorosch geb. L ö b l das überaus seltene Fest der diamantenen Hochzeit. Herr Marmorosch, der viele Freunde und Verehrer zählt, steht im 80. und die Jubelbraut im 79. Lebensjahre. Zwei Töchter, drei Enkel und drei Urenkel umgaben das Hochzeitspaar am Tage der Feier. Freitagden 24. d. M.h'elt der Oberrabbiner Dr. Güdemann im israelitischen Tempel in der Seitenstettengässe. wo gerade das Fest der Gesitzesfreude gefeiert wurde, eine erhebende, zu Herzen gehende Ansprache an das jubilirende Paar, in der er besonders auch den stets regen Wohlthätigkeitssinn des Herrn Marmorosch und seiner Gattin hervorhob. Am Festtage selbst versammelte das Hochzeitspaar seine zahlreichen Verwandten zum Festmahl ins „Hotel Metropole", und es fehlte bei dieser Gelegenheit nicht an ernsten und heiteren Reden in Gedicht und in Prosa zur Feier des Tages. Aus Anlaß des Festes hat Herr Marmorosch den Betrag von 5300 Kronen theils für allgemeine, theils für speciell israelitische Wohlthätigkeitszwecke gespendet.

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