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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-10-31 · 44 (31.10.1902) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
44 (31.10.1902)
Date
1902-10-31
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 44 Dr. Bloch's Wortzrnschrrst. Sette 71S Der Allgemeine österreichisch-israelitische Krmd an den Präsidenten Klinger. Unter den zahlreichen, dem Cultuspräsidenten Klinger aus Anlatz seines 70. Geburtstages überreichten künstlerisch ausgestatteten Adressen ist unstreitig eine der interessantesten und bedeutsamsten die namens des „Allgemeinen österreichischisraelitischen Bundes" von dessen Präsidenten Dr. Alfred Stern überreichte und von ihm verfaßte Adresse, welche uns wichtig genug der Publication erscheint. Dieselbe lautet: Euer H o ch w o h l g e b o r e n! Hochverehrter Herr Präsident! Es sind 40 Jahre her, daß einer der bedeutendsten Männer des Judenthums, damals Präsident der Wiener Cultusgemeinde, Josef Ritter von Wertheimer, es als eine Aufgabe dieser Gemeinde bezeichnet^ sich „nicht aus ihre eigenen Gemeindeangelegenheiten zu beschränken", sondern „sich als Pionnier der jüdischen Sache zu betrachten". „Es dürfe sich nicht", so sprach er, „im Judenthum der Communalgeist zum Nachtheil aller anderen Institutionen entfalten", es sei vielmehr „in einem Ceutral-Organ eine Garantie für die Unantastbarkeit der Principien, die unsere Stellung betreffen, zu suchen". Im Geiste dieses ausgezeichneten Mannes, dessen würdiger Nachfolger Sie auf dem hochragenden Platze sind, den Sie als Präsident der ersten jüdischen Cultusgemeinde eiunehmen, haben Sie, hochverehrter Herr, die Ihnen obliegenden Aufgaben erfaßt und stets dahin gewirkt, daß die Wiener Cultusgemeinde als Mustergemeinde allen anderen voranleuchte. Aber Sie hoben dieser Auffassung auch in dem Sinne entsprochen, daß Sie, von der Ueberzeugung durchdrungen, die Zusammenfassung der Judenschaft in Oesterreich sei überhaupt und zumal gegenüber den sie bedrohenden Angriffen und Gefahren geboten, in hervorragender Weise an der Schaffung einer Institution mitwirkten, welche die eben dargelegten Ziele verfolgt, dermal im Wege der privaten Vereinigung ein Central-Organ für die österreichische Judenheit zu bilden anstrebt und zugleich versuchend, anregend und vorarbeitend für die künftige Schaffung eines Central-Organes im Wege der Gesetzgebung thätig sein will. Sie, hochverehrter Herr Präsident, der Sie über die hohen Aufgaben, die Ihnen als dem Führer und Leiter der Wiener Cultusgemeinde obliegen, nie die Interessen der Gesammtheit aus dem Auge ließen, standen auch an der Wiege unseres „Bundes". Mit Ihrem weisen Rathe und Ihrer zielbewußten Energie haben Sie viel dazu beigetragen, die außerordentlichen Hindernisse, die seinem Jnslebentreten im Wege standen, hinwegzuräumen, und so dürfen wir mit Zuversicht darauf bauen, daß Sie als Mitglied unseres Vorstandes auch fernerhin für die Ausgestaltung und Entwicklung des „Allgem. Oesterr.- Jsrael. Bundes" wirken werden, auf daß er seinen Aufgaben im Dienste der gesammten österreichischen Judenheit in immer höherem Maße gerecht werden könne. Der „Bund" bedarf der hingebungsvollen geistigen Förderung und Unterstützung von Männern, die gleich Ihnen von treuer Anhänglichkeit an unsere Religion von inniger Liebe für unsere Glaubensgenossen, von warmem Mitgefühl für Verfolgte und Unterdrückte, von Enthusiasmus für Wahrheit und Recht erfüllt sind. Unabweisbar liegt uns, die wir so vielfachen Anfeindungen ausgesetzt sind, die Pflicht ob, rastlos an der Ausgestaltung einer Organisation zu arbeiten, welche für die gerechte Sache unserer Glaubensgenossen nach Außen hin zu wirken und auch in unserer Mitte, in der österreichischen Judenschaft, das Gefühl der Zusammengehörigkeit zu stärken vermöchte. Wir wissen, daß all' die reichen und großen Verdienste, . die Sie, hochverehrter Herr, sich um die Wiener Gemeinde, um ihre Institutionen erworben, in einer Fluth von Adressen Anerkennung und Würdigung finden werden, und wir können nur sagen, daß wir uns Allem, was in denselben zu Ihrem Lobe und Preise gesagt ist, vollinhaltlich anschließen. Namens des „Allgemeinen Oesterreichisch-Jsraelitischen Bundes" wollen wir aber noch insbesondere, nebst der dankbaren und vollen Anerkennung dessen, was Sie bisher für unsere Vereinigung geleistet und geschaffen, noch dem Wunsche und der Hoffnung Ausdruck geben, daß Sie nach wie vor in der Förderung und Unterstützung des „Bundes" die Wahrung und Förderung der Gesammtinteressen der österreichischen Judenschaft und hierin eine der wichtigsten und heiligsten Aufgaben der Wiener Cultusgemeinde, der ersten des Reiches, erblicken und anerkennen werden. Sie haben bei der Gründung unseres Bundes einen flammenden Appell an die Cultusgemeinden in unserem Vaterlande gerichtet, sie zu dem Beitritte aufgefordert, auf daß das jüdische Solidaritütsgefühl, welches leider mehr in den Erdichtungen unserer Feinde als in der Wirklichkeit zu finden ist, wachgerufen und gestärkt werde. Wir sind überzeugt, daß wir nur einem Ihrer tiefinnersten Herzenswünsche Ausdruck verleihen, wenn wir an dem heutigen Tage, den Sie, dank der Vorsehung, die Ihren Lebensweg behütet, in bewunderungswürdiger Frische, mit jugendlicher Empfänglichkeit, Herz und Geist voll edler Pläne für die Zukunft feiern, ausrufen: Möge es Ihnen noch lange, lange gegönnt sein, mit Ausdauer und Hingebung, mit Glück und Erfolg an der Erreichung der hohen Ziele mitzuwirken, die sich der „Allgemeine Oesterreichisch-Jsraelitische Bund" gestellt hat, zum Wohle unserer Glaubensgenossen, zur Ehre des Judenthums, zur Wahrung des Rechtes und der Menschlichkeit. Wien, am 1. October 1902. Der Vorstandes „Allgemeinen Oesterreichisch-Jsraelitischen Bundes". Correspondenzen. „Die Arbeitsscheu der Juden." Der Verfasser der Correspondenz sendet uns folgende Schlußbemerkung: Oe gustibus uou e8t äisputauäum. Ansichten sind noch keine Beweise und ein Appell an den Glauben ist noch kkin Gegenargument. Es wurde von uns der Ausspruch R. Akibas: „Mache Deinen Sabbath zum Wochentag, um nur nicht den Menschen zur Last zu fallen", dahin aufgefaßt, daß man, um nicht betteln zu müssen, sich auch am Sabbath seinen Lebensunterhalt erarbeiten dürfe; Herr Rabbiner Dr. Böck behauptete dagegen mit aller Entschiedenheit, das sei nicht die Ansicht R. Akibas? Und warum nicht? Weil eine spätere Auslegung in der Gemara ihn dahin erkläre, man solle die Sabbathkost zur Wochenkost machen rc. Wir unsererseits glaubten, gestützt überdies auf andere einschlägige Aussprüche R. Akibas. volle Berechtigung für unsere Auffassung zu haben; dieses Recht aber bestreitet uns Herr Dr. Böck, da die „Aneinanderreihung einiger praktischer Sprüchlein" nichts beweise, und appellirt an den Glauben! Denn, sagt er, es gab für unsere Alten eine Schranke, die unverletzlich war. Diese Schranke hieß: die Thora oder das Gotteswort! und im Munde Akibas wäre ein solcher Ausspruch eine solche Auffaffung der Sabbathruhe „ungeheuerlich, ja undenkbar". Also der Sabbath wäre eine unübersteigliche Schranke. Und doch ist auch diese Schranke übersteiglich. Thatsache ist, daß diese Schranke heutzutage allenthalben durchbrochen ist, durchbrochen wird unter den Augen der Rabbiner, mögen diese sich auch die Augen verschließen. Der Sabbath wird und kann auch heute nicht mehr in seiner Schärfe wie ehedem im Ghetto beobachtet^ werden. Nicht aus Frivolität, sondern der Noth gehorchend und dem Drange der Berhältniffe weichend, wird überall der Sabbath durchbrochen. Und da ertönt der schrille Ruf der starren Orthodoxie : Lat lex, pereat religio! Aber diese Schranke des Sabbathgesetzes war gar nicht bei unseren Alten so unverletzlich, als man uns heute glauben machen möchte. Zum Glücke waren unsere alten, das mosaische Gesetz ewig fortbildenden und es den Zeiten anpaffenden Rabbinen, die Schriftgelehrten des Talmud, weit toleranter als die Epigonen. Sie machten den Menschen gewiffermaßen zum Herrn über den Sabbath, ganz in

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