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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-10-24 · 43 (24.10.1902) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
43 (24.10.1902)
Date
1902-10-24
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 43 Seite 705 Dr. BLoch's WochensttzrM Frau Sanitätsrath Reß bewahrte von Fritz Reuter noch zwei werthvolle Kleinodien. Das ist eine Zeichnung von des Dichters Hand: ein alter Landmann, der unter dem Schatten eines Baumes seine Pfeife raucht, während seine schmucke Tochter hinzutritt, um dem Vater eine Weintraube zu zeigen. Das zweite Andenken ist der folgende interessante Brief Reuter's an den Vater von Frau Sanitätsrath Reß, Herrn Dr. Liebmann in Stavenhagen: „Mein lieber, tteuer Bruder! Weiß Gott! Mit wahrem Schauder setzte ich mich täglich an den Schreibtisch, um eine fast erdrückende Correspondenz abzuwickeln, aber heute Morgen ist es anders, heute Morgen ist es eine Freude für mich. — Wie ich aus den mecklenburgischen Zeitungen ersehen habe, habt Ihr Stemhäger einen lange ersehnten Wunsch meines Vaters, die Errichtung eines Krankenhauses, der Erfüllung nahe gebracht, und da wollte ich doch auch gern mein Scherflein beisteuern. Der gütige Gott hat meine Schriststellerei reichlich gesegnet, so daß ich nach menschlichem Ermeffen wohl ohne Sorge in die Zukunft schauen kann, und nun läuft mir da gestern ein hübsches Goldfischlein in mein Netz, und das, denke ich, soll Euch für das Krankenhaus zu Gute kommen. Mir ist nämlich die große Ehre geworden, daß mir die deutsche Nation durch das Comitß der Tiedge- Stiftung in Dresden einen Ehrenpreis von 100 Ducaten übermittelt hat. Und von dieser Summe habe ich für meine liebe Vaterstadt die einliegenden 250 Thaler preußisch Courant zu dem oben angeführten Zweck bestimmt, der Rest soll in ähnlicher Weise verwendet werden; ich halte es nämlich für Unrecht, eine solche ehrenvolle Gabe für Fleisch und Brod und Hosen und Röcke zu verwenden, wenn man's nicht gerade hochnöthig hat. Nicht weil Dein und Deines Schwiegersohnes Name in dem betreffenden Zeitungsartikel genannt wurde, sondern weil ich seit langen, langen Jahren Dein treues, ehrenvolles Wirken in Deinem Berufe und Deine Liebe und Freundschaft für mich kenne, sende ich die Gabe an Dich. — Dir, dem Juden, der in trübster Zeit, in Noth und Tod treu zu mir gestanden hat, verdanke ich viel mehr als manchem durch seinen Glauben aufgeputzten Christenmenschen. Nun kommen sie, Viele, ach sehr Viele! Es sind die bravsten Leute und aufrichtigsten Freunde darunter; aber damals, als es noth that» da hatte ich wirklich Keinen, der mir so treu zur Seite stand wie Du. Nun grüße mir Deine liebe Anna von ihrem alten Onkel und von deffen Frau, streich ihr in deren Namen das schöne Haar von der weißen, hohen Stirn, und dann geh' zu den Meinigen, grüß' sie ebenso warm, und dann zu dem ehrenhaften, lieben Pastor Niederhöfer und dank' ihm für seine Treue in meinem Namen. So nun, Ihr lieben Stemhäger Kinder, genießt es in Gesundheit — hätte ich beinahe gesagt —, wenn's nicht für schwere, kranke Tage gesandt wäre. Eisenach, den 24. März 1867. Dein alter Freund Fritz Reuter." Wie dem Einsender der inzwischen verstorbene Sanitätsrath Reß erläuternd zu diesem Briefe schrieb, feiert Reuter seinen Schwiegervater wohl deshalb in erster Reihe als seinen bewährten Freund, „weil Liebmann, der Hausarzt beim alten Bürgermeister war, in möglichst concilianter Weise auf diesen einzuwirken suchte; denn der alte Reuter war sehr unversöhnlich gegen seinen Fritz. Wie weit dieser Zorn ging, habe ich zwar von meinem Schwiegervater gehört, aber ich will seine Aeußerung nicht zur Veröffentlichung bestimmen." Literat«». Dr. M. Brann. Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judenthums. Begründet von Dr. Z. Frankel, fortgesetzt von Profeffor Dr. H. Graetz. Neue Folge, im Vereine mit Profeffor Dr. David Kaufmann s. A. ins Leben gerufen und herausgegeben. Breslau. Verlag von Wilhelm K o e b n e r. Sechsunddreißigster Jahrgang. Neue Folge, zehnter Jahrgang, Juli—August 1002. Inhalt: Dr. Leo Bäck: Sne und Sinai. Sigmund Jampel: Die Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden. (Fortsetzung.) Dr. I. Elbogen: Geschichte des Achtzehngebets. Dr. A. Schmied!: Randbemerkungen zu Saadja's Pentateuchübersetzung. Dr. Samuel Poznanski: Miscellen über Saadja IV. Moriz Steinschneider: Purim und Parodie. (Fortsetzung.) Notizen; D r. I. Elbogen: I. Saadja und Salmon b. Jerucham. II. Kalir. Besprechungen: I. Barth. Wurzeluntersuchungen zum hebräischen und aramäischen Lexikon. Bon Dr. Eppenstein. — S. Behrens. Mose ben Maimuni's Mischnah-Commentar zum Tractat Megillah. Bon D r. Moses Fried, Bloch Moses. Das mos. talm. Strafgerichtsverfahren. Bon Dr. N. Kronberg. — Scherer Dr. I. E. Beiträge zur Geschichte des Judenrechts im Mittelalter. Bon Dr. Max Eschelbacher. Preis des Jahrgangs (12 Hefte) 9 Mark. König, Prof. Dr. Ed., Bibel und Babel. Eine culturgeschichtliche Untersuchung. 6. erweiterte Auflage. (Berlin, Warneck.) 80 Pfg. Profeffor Ed. König's Schrift „Bibel und Babel", deren Erscheinen wir vor einigen Monaten gemeldet haben, ist jetzt in sechster, und zwar wesentlich erweiterter Gestalt erschienen. Der Verfasser hat nicht nur manche neue Früchte seiner Lectüre der Keilinschriftlichen Bibliothek nachgetragen, sondern hauptsächlich alle Zeitschriftenartikel und Schriften, die nach dem Erscheinen seines Buches die Babel-Bibel-Frage erörtert haben, verglichen und bei allen einzelnen Streitfragen jetzt hinzugefügt, was von den einzelnen Gelehrten in dem einen oder anderen Sinne geurtheilt worden ist. So bietet sein Buch in der erweiterten Gestalt einen zusammenfaffenden Ueberblick über die Stellung, die von den deutschen und ausländischen Gelehrten zu dem wichtigen Bibel-Babel-Thema eingenommen wird, und König's Buch ist nunmehr erst recht geeignet, Licht in die schwierige Frage zu bringen. Trotz seiner beträchtlichen Erweiterung hat das Buch den gleichen niedrigen Preis von 80 Pfg. behalten. Die jüdische Encyklopädie. Bor einem Jahre erschien der erste Band des gewaltigen Werkes »The Jewisch Eneyclopedia“ und wurde in Europa mit staunender Freude begrüßt. Auch jene, die wenig von jüdischem Schriftthum wußten, waren durch dies respekteinflößende Document jüdischen Geistes intereffirt und haben das imposante Werk mit Theilnahme empfangen. Hin und wieder mischte fich aber in die Freude auch ein leises Gefiihl der Beschämung, daß in Europa nichtein solches Denkmal jüdischer Renaiffance entstanden ist und entstehen konnte, daß in Europa nicht die Kraft sich zu dem reich vorhandenen Wiffen und Können gesellte. Denn nicht zum geringsten Theile find es europäische Gelehrte, die an dem Werke mitgearbeitet haben und auch der Anreger und Leiter desselben Dr. Jfidor Singer stammt aus Europa, aber in New-Iork gelang es ihm erst, Subscribenten und Verleger für seine herrlich kühne Idee zu finden, erst in New-Aork konnte er dies, die gesammte Judenheit, die gesammte Menschheit ehrende Werk ausführen. Nun ist der zweite Band der Encyklopädie erschienen, der von Apocrypha bis Beuash reicht und eine ungeheuere Fülle wiffenswerthesten Inhaltes bietet. Einhundertneunundzwanzig Mitarbeiter haben an diesem Bande gearbeitet, der über jüdisches Cultur- und Geistesleben, Theologie und Philosophie, Dichtung, sociale und künstlerische Entwicklung, Bibliographie und Biographie unterrichtet und neben Berichten aus fernsten Zeiten, in denen keine der modernen Nationen vorhanden und der Historiker selbst fich nur mühsam zurechtfindet, Mittheilungen aus jüngster, kampf- und lebendurchwogter Zeit enthält. Aus dem fast unerschöpflichen Inhalt Einzelheiten zu berichten, ist beinahe unmöglich Neben einem Gesetzeslehrer des zweiten Jahrhunderts steht der Name der römischen Senators Ascoli, Auerbach und Antokolsky werden gewürdigt. Familien- und Gemeindegeschichten erzählt, Stammbäume aufgestellt, die Entwicklung, Orzanisatton und Wohlfahrtseinrichtungen von Hunderten von Städten dargestellt, Arbeiten auch von Nichtjuden erwähnt und besprochen, sofern fie fich mit dem jüdischen Jntereffenkreis befaffen, und der Lebensgang vergeffener gelehrter Rabbinen, Dichter. Astronomen ebenso anschaulich dem Leser mitgetheilt wie treffliche culturhistorische Berichte das Leben der Juden im Mittelalter mit allen Bedrückungen und Kränkungen, Beschuldigungen und Verfolgungen ergreifend schildern. Alles in Allem gibt es keinen Winkel jüdischer Literatur, Geschichte und Cultur. welcher da nicht erhellt würde, von

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