Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 43 (24.10.1902)
- Date
- 1902-10-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 48 Dr. Bloch's Wochrnfchrifk. Sette 703 Function des Schofarblasens übernahm. Hierauf hielt der Erzieher der beiden Söhne des verstorbenen Dr. Ludwig R. v. Gutmann, Herr Dr. Krapalik, eine schwungvolle Predigt, in der er in geistvoller Weise die von den Bereinigten Staaten zu Gunsten der rumänischen Juden eingeleitete Action besprach. Samstag, den 4. Oktober feierte der Sohn des allzufrüh dahingeschiedenen Dr. Ludwig R. v. Gutmann, Wilhelm R. v. Gutmann, das Barmizwah-F st. Mit sicherer Stimme trug der Confirmand die Segenssprüche, die Schluß-Parascha und die Haftorah vor, worauf Dr. Krapalik an ihn in schwungvollen Worten die Mahnung richtete, stets ein strenggläubiger Jude zu bleiben und dem Muster seines verklärten Vaters, seiner beiden Großväter, sowie seiner edlen Mutter nachzuleben, welche diesen feierlichen Anlaß benützte, um sämmtliche Cultus- und Humanitären Institute der Gemeinde Tobitschau mit namhaften Geldspenden zu bedenken. Auch der Confirmand spendete größere Beträge für die Zwecke der Cultusgemeinde. Allen Anwesenden werden diese weihevollen Tage gewiß in nachhaltiger Erinnerung bleiben. Brünn. An Stelle des verstorbenen Oberinspectors Hermann Epler wurde der hiesige Advocat Dr. Hieronymus Fialla für den Rest der Functionsdauer zum Präses-Stellvertreter des Vorstandes der Cultusgemeinde gewählt. Budapest. Die vom ungarischen Landesgemeindefonds ausgeschriebenen Reisestipendien von je 1000 Kronen wurden dem Philologen Dr. Moses Rubinyi, dem Maler Karl Reinhard und dem Bildhauer Joseph Klein verliehen. Das für einen Arzt bestimmte Stipendium konnte mangels an Bewerbern nicht verliehen werden. Budapest. Der akademische Maler Moriz Adler ist nach langem Leiden im Alter von 77 Jahren gestorben. Adler, der sich in den weitesten Kreisen aufrichtiger Sympathien erfreute, hatte seine Studien in München und Paris gemacht und war als Maler von Ruf in seine Heimat zurückgekehrt. Namentlich als Porträtmaler genoß er Renomms. Mehrere seiner Gemälde befinden sich in der Bildergalerie des Nationalmuseums. Eine zahlreiche geachtete Familie betrauert den Hingeschiedenen. Das Leichenbegängniß fand unter außerordentlicher Theilnahme statt. Im Trauerhause hatten sich zahlreiche Leidtragende eingefunden, unter diesen viele Künstlergenvssen des Verewigten, wie die Maler Max Bruck, Julius Basch, Emerich Knopp, Sigmund V aj d a, Adolf Fönyes, Bela Groß, Anton Zi l z e r, die Secretäre der Gesellschaft für bildende Kunst und des „Nemzeti Szalon" Tolnay und Dr. Räzsa, die Direction des Heiligen Vereines unter Führung des Präsidenten B o s ch a n, viele Bankdirectoren, angesehene Vertreter der commerciellen Welt, sowie zahlreiche Verehrer des verewigten Künstlers. Der Sarg selbst war mit derselben prunkvollen Decke verhüllt, die einst auf dem Sarge Michael Munkücsy's gelegen hatte. Die Leidtragenden hörten mit tiefer Ergriffenheit den schönen Nachruf an, in dem Rabbiner Dr. K a y s e r l i n g die idealen Bestrebungen, den lauteren Charakter und die hohe Kunstbegeisterung Moriz Adler's schilderte, und erwiesen dann dem ausgezeichneten alten Künstler die Ehre des letzten Geleites. Prag. (S t e r b e f äl l e.) Unter immenser Betheiligung der Bevölkerung von Münchengrätz wurde der verstorbene Fabrikant Franz K o m p e r t zur letzten Ruhe begleitet. Bon Nah und Fern waren Freunde und Bekannte herbeigeeilt, um einem Manne die letzte Ehre zu erweisen, der geradezu als Vorbild eines edlen Charakters, einer seltenen Güte und besonderen Menschenfreundlichkeit dienen kann. Sein leider zu früh erfolgter Tod ist umso tragischer, als sich die Fabrik und Arbeiterschaft eben rüstete, das 50jährige Jubiläum des Bestandes der Fabrik zu feiern. Allgemein wurde in kürzester Zeit für den Verstorbenen selbst eine höhere Auszeichnung erwartet, die thatsächlich in Schwebe sein soll. Ueber 25 Jahre gehörte der Dahingeschiedene dem Gemeinderathe und der städtischen Sparcaffa als Mitglied an. Dem Sarge folgten die trauernden Hinterbliebenen und eine unabsehbare Menschenmenge, Bürgermeister D r. S e b o r, die Spitzen und Beamten aller Behörden u. s. w. Am offenen Grabe dielt Rabbiner Dr. Hoch eine tiefempfundene Rede. — In S a a z verschied Frau Amalie Anspach, verwitwet gewesene Heller, die Mutter des hiesigen Kaufmannes und Grundbesitzers Jacob Heller und des hiesigen Advocaten, Cultusgemeindevorstehers, Stadtrathes Dr. Adolf Anspach, nach kurzem Leiden im Alter von 88 Jahren. Die Verblichene erfreute sich wegen ihres stillen anspruchslosen Wesens, wegen ihres regen Wohlthätigkeitssinnes, den sie sowohl hier, wie in ihrem früheren Domicile Komotau insbesondere der armen studirenden Jugend gegenüber jederzeit bethätigte, bei Allen, die sie kannten, der größten Beliebtheit und Werthschätzung und hinterläßt deshalb bei allen diesen ein dankbares Angedenken. Das Leichenbegängniß hat unter ungemein zahlreicher Betheiligung stattgefunden. Zu der Leichenfeier hatten sich eingefunden: Bürgermeister W o st r y mit den Mitgliedern des Stadtrathes und mehreren Stadtverordneten, Bezirksobmann Dr. Franz Bernt, kaiserlicher Rath Lederer mit sämmtlichen Mitgliedern des Cultusgemeindevorstandes, sämmtliche Advocaten, Aerzte, viele Beamte und zahlreiche sonstige Trauergäste aus allen Kreisen der hiesigen Bevölkerung und von auswärts. London. (Jüdische Schulkinder beim Lord- M a y o r.) An einem Abend der vorigen Woche empfingen der Lord-Mayor und die Lady Mayoreß im Mansion-House die Zöglinge der jüdischen Freischule Bell-lane Spitalfields, lauter Kinder von russischen, polnischen, rumänischen Juden aus dem Ostend von London. Die Knaben bilden ein Cadettencorps. Als jüngst ein Bazar zum Besten einer Synagoge stattfand, stellten sie die Ehrenwache. Der Lord-Mayor, der daran seine Freude hatte, lud sie darauf zum Thee ein. Feuilleton. KUder ans Sibirien. Novelle von L. Melschin. Uebersetzl aus dem Russischen von Malwina Blumberg. (Fortsetzung.) Kaum war der Verkauf des Marktes zu Ende, als man mit dem Spiel beginnen wollte. Die Spieler versammelten fich in dem kleineren Zimmer, an deffen einer Wand die einzige, vor dem scharfen Blick der Escorte vollkommen geschützte Stelle fich befand. Kitajew, Krasnopjerow, Löwenstein und noch viele andere Freunde heftiger Gemüthsbewegungen hatten fich daselbst eingefunden und man wartete nur auf Nikolajew, dem es jetzt oblag, Karten und Kerzen zu liefern und das Spiel zu beaufsichtigen. Doch war der Alte nirgends zu finden. Wo war seine Ruhe, sein Gleichmuth hingekommen, wo die ernste Würde, durch die er so vortheilhaft von den übrigen Sträflingen sich unterschied? Bon der Menge umringt, schweißbedeckl, mit brennend rothen Wangen stürzte er bald hierhin, bald dorthin, traurig und rathlos wie ein nasses Huhn, ohne zu wissen, was er thun, womit er beginnen sollte. Die Sträflinge hänselten ihn und spotteten seiner. Endlich gelang es ihm. den Tartaren Mangirow, der das Kartenspiel kannte, gegen Entgelt als Gehilfen zu engagiren. Auf der Diele wurde eine Decke ausgebreitet, ern brennendes Talglicht hingestellt und das Spiel begann. Mangirow hatte fich unmittelbar neben die Spielenden postirt, um die Partien zu zählen, von denen der Marktpächter zehn Percent erhalten sollte. Nikolajew selber ging zur Freude der neugierigen Menge klagend und unaufhörlich gestikulirend hin und her. „Da bin ich mal schön hereingefallen! Schläge hätte der alte Narr verdient! Lebte ohne Sorgen, lag still und sang ungestört vor mich hin und anstatt zufrieden zu sein, habe ich mir selber so etwas aufgepelzt! Sagt doch, ihr guten Leute, ist das nicht sonderbar? Und wann werde ich jetzt mein Geld herausbekommen?" „Verfallen ist's, Alter!" lachten die Sträflinge. „Aber warte nur ein bischen, so wird dir Capitän Petrowski eins mit dem Kolben dafür versetzen!" „Ist das möglich?" Während Nikolajew auf höchst komische und gleichzeitig sehr traurige Weise diese Frage stellte, geschah plötzlich etwas ganz Unerwartetes. Man vernahm in der Entfernung ein Geräusch, das rasche Zurückschieben eines Riegels, lautes Aufstampfen zahlreicher Füße. Sofort verlöschten alle Kerzen; die Sträflinge lagen, als wären sie vollkommen unschuldig — im Nu auf ihren Pritschen, waren unter ihre Mäntel geschlüpft und schienen zu schlafen. Indessen wurden die im Corridor mit gezückten Schwertern auf und ablaufenden Soldaten von einer herrischen Stimme angefeuert. „Haut sie, die Hallunken! Ich werde ihnen zeigen, wie man Karten spielt!" Und richtig! packte man Einen im Corridor, es folgte lautes Klatschen gewaltiger Ohrfeigen, Kolbenschläge und jämmer-