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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-10-24 · 43 (24.10.1902) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
43 (24.10.1902)
Date
1902-10-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 43 Dr. Bloch's Wochenschrift. TeUc 893 arischer Defraudant, und darüber schreibt ein edles Gemüth im »Deutschen Volksblatt": »Im Landesgerichte faßt man die Handlungsweise Krämer's nicht als Defraudation, sondern als Veruntreuung aus." Das ist nun freilich ein ganz neuer Unterschied und die Criminalisten vom »Deutschen Volksblatt", die düsen Unterschied entdeckt haben, hätten doch im Conversationslexikon beim Buchstaben D — Defraudiren — und beim Buchstaben B — Bergani — nachschlagen sollen. Da hätten sie sich davon überzeugen können, daß es einerlei ist, ob man sagt, Bergani habe in Mühldorf defraudirt oder Bergani habe in Mühldorf veruntreut. Den Gemeindeobligationen ist das ganz egal. Isegrim. Die Hafthara zum ersten Sukkolhtage — und Schillert Sendung Mosis. Eine Parallele von Dr. Ad. Schmied!. Die Stelle aus der Hafthara. die wir hier im Sinne haben, ist zu lesen im Propheten Sacharia, Cap. 14, Vers 8. Sie lautet: »Es wird sein an jenem Tage, da werden-ausströmen lebendige Wasser aus Jerusalem. — Die eine Hälfte dieser lebendigen Wasser wird sich ergießen nach dem Osten, und die andere Hälfte nach dem Westen, so daß diese lebendigen Wasser in allen Zonen der Erde zu finden sein werden." Doch ehe wir zu dieser prophetischen Weissagung hier unsere Parallele aus Schiller anführen, drängt es uns zu folgender Bemerkung: Als dieser große deutsche Dichter vor einhundertunddreizehn Jahren (1789) seine damals sensationelle Sendung Mosis schrieb — sieben Jahre früher (1782) hatte bereits Moses Mendelssohn seine große — hebräisch abgesaßte — Einleitung zu der noch sensationelleren deutschen Pentateuch- Uebersetzung in die Welt gesendet — war die nunmehr so geläufig gewordene Bezeichnung »Antisemit" eine noch ungeprägte Münze, jedoch diese Schiller'sche Abhandlung mahnte uns schon damals höchst bedenklich an diese unliebliche Bezeichnung. Allein gerade deshalb erscheinen uns die einzelnen Sätze, welche die Einleitung zu jener Abhandlung bildeten, der Wiederauffrischung umso würdiger. Sie zeigen, wie die Wahrheit sich nicht todtschweigen läßt und oft gegen den Willen des Schreibers aus seiner Feder hervordringt. Schiller schreibt: »Die Gründung des jüdischen Staates durch Moses ist eine der denkwürdigsten Begebenheiten, welche die Geschichte aufbewahrt hat, wichtig durch die Stärke des Verstandes, durch welche sie ins Werk gerichtet worden, wichtiger noch durch ihre Folgen auf die Welt, die noch bis auf diesen Augenblick fortdauern. Zwei Religionen, welche den größten Theil der bewohnten Erde beherrschen, das Christenthum und der Jslamismus, stützen sich beide auf die Religion der Hebräer, und ohne diese würde es niemals weder ein Christenthum, noch einen Koran gegeben haben. Ja, in einem gewiffen Sinne ist es unwiderleglich wahr, daß wir der mosaischen Religion einen großen Theil der Aufklärung danken, deren wir uns heutigen Tages erfreuen. Von diesem Standpunkte betrachtet, muß uns die Nation der Hebräer als ein wichtiges, universalhistorisches Volk erscheinen, und alles Böse, das man diesem Volke nachzusagen gewohnt ist, alle Bemühungen witziger Köpfe, es zu verkleinern, werden uns nicht hindern gerecht gegen dasselbe zu sein." Das Ritualmordmärchen. Aus Troppau wird telegraphirt: Vor einem Erkenntnißsenate hatte sich kürzlich die Dienstmagd Marie H a n e l wegen Ablegung einer falschen Zeugenaussage und Ehrenbeleidigung zu verantworten. Das bei dem Kaufmanne Leopold Adler in Jägerndorf bedienstet gewesene Dienstmädchen hatte nämlich die Beschuldigung erhoben, ihr Dienstgeber habe ihr zu »rituellen Zwecken Blut abgezapft". Die Magd, eine hysterische Person, die sich selbst geringfügige Verletzungen beigebracht hatte und dann mit dem Ritualmordmärchen hervortrat, wurde zu vier Monaten Kerkers verurtheilt. Palästinasorschungen. In der Generalversammlung des berühmten „Palestine Exploration Fund“, welche am 17. Juni unter Vorsitz des Lord Eustace Cecil in der Royal Institution zu London stattfand, theilte der berühmte Palästinaforscher Sir Charles Wilson mit, daß in diesem Jahre das untere Judäa von der Gesellschaft durchforscht wurde. In der Umgebung der alten Philisterstadt Gath wurde das Schlachtfeld entdeckt, auf dem David den Riesen Goliath besiegt hat. Unter manchen anderen werthvollen Funden wurde auch ein Monolith entdeckt, der höchst wahrscheinlich eine jener in der Bibel so oft erwähnten „Anhöhen" bildete, auf welchen die alten Israeliten dem Gotte ihrer Väter, aber auch fremden Göttern geopfert haben. Auch seltsame Höhlen wurden entdeckt, welche vermuthlich im 15.—12. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung bewohnt wurden, und in welchen Beweise dafür aufgefunden wurden, daß diese Höhlenbewohner die Leichen ihrer Todten zu verbrennen pflegten. Ferner sind Thongeschirre entdeckt worden, die noch aus dem präisraelitischen Zeitalter herrühren und große Ähnlichkeit mit dem vom Professor Flinders Petrie in Egypten entdeckten Töpfen zeigen. Bekanntlich hält Petrie die von ihm gefundenen Töpfe für ein Product eines Volkes, das noch vor der e r st e n D y n a st i e in Egypten gelebt hat. Anderseits tragen diese Tbonwaaren unverkennbar Zeichen von mycenäischem und phönicischem Einflüsse und sind den in der Hanplstadt der Hetiter in Kleinasien gefundenen nahe verwandt. Beobachtungen, die in der Nähe des Todten Meeres gemacht worden sind, beweisen, daß das Niveau desselben, nachdem es eine sehr lange Zeit unverändert geblieben war, zum zweiten Male sich gesenkt habe. Redner hofft, daß weitere Untersuchungen zur Entdeckung der Stadt G e z e r führen werden. Diese Stadt wurde bekanntlich von dem Pharao, der später Solomons Schwiegervater wurde, erobert und verbrannt. Die Entdeckung des Platzes wäre sehr werthvoll, da derselbe sicherlich eine große Anzahl werthvoller Gegenstände unter Trümmern und Asche birgt. Der Stein Jacobs. „Und Jacob nahm den Stein, den er zu seinen Haupten gelegt hatte, und richtete ihn auf zu einem Mal und goß Oel oben darauf, und hieß die Stätte Beth-El". Dieser Stein, auf dem Jacob den Traum von der Himmelsleiter hatte, der im 1. Mos. 28 beschrieben ist, hat nach einem von der „Köln. Ztg." angeführten Berichte der kgl. spanischen Akademie für Geschichte „merkwürdige Wanderungen" gemacht! Nach dem Tode Jacobs wurde er von dessen Nachkommen als Reliquie aufbewahrt. Als die Kinder Israel durch das Rothe Meer mußten, fanden sie den Stein zu schwer und ließen ihn in Egypten. Der damalige Pharao hatte eine Tochter Namens Secta. Diese heiratete einen Griechen Namens Hayshekes und erhielt den Stein als Heiratsgut. Beide verließen Egypten und gründeten in Spanien die Stadt Brigantia. Ihre Nachkommen gingen mit dem Stein nach Irland, und mehrere Jahrhunderte wurden auf dem Steine Jacobs die Könige von Irland gekrönt. Später kam der Stein nach Schottland und von da nach Westminster. Dort bildet er die Stelle, auf der der Thron errichtet ist, wo die englischen Könige bei ihrer Krönung sitzen. In Irland war der Stein in Tara aufbewahrt worden, das bis zum Ende des sechsten Jahrhunderts die Haupstadt Irlands war. In der Vermuthung, daß wo der Stein gelegen, auch die Bundes lade und die mosaischen Gesetztafeln sich finden müßten, hat ein gewisser Groorne in jener Gegend Nachforschungen angestellt, um mit seinen Funden dem König Eduard VII. eine Königsfreude zu machen. Gegenwärtig gräbt er noch in den Theilen, wo es ihm gestattet ist; denn Earl Ruffel, dem auch ein Theil jenes Landes gehört, hat seine Zustimmung zu dem „vandalischen" Ausgrabungstreiben verweigert. Die heiligen Gräber der Juden. In einem Aufsatze „Beiträge zur Heiligen-Geschichte des Islam" theilt der gefeierte Arabist Professor G o l d z i h e r-Budapest in der Revue de l’histoire des religions folgende interessante Einzelheiten mit: „In verschiedenen Jahrhunderten bestätigen historische Zeugnisse, daß die muhammedanische Bevölkerung in Palästina den heiligen Gräbern der Juden Verehrung zutheil werden läßt. Ein Gewährsmann des XIII. Jahrhunderts berichtet, daß die Muhammedaner für das Grab des R. Jonathan ben Uziel in Amuk und für dasjenige des Elieser ben Hyrkanos in der Nähe von Giscala Oel und Opfergaben geweiht, zu Ehren des Letzteren im Verein mit den Juden dessen Grab an jedem Freitag mit Lampen geschmückt haben Der jüdisch-florentinische Reisende Meschullam aus Volterra, welcher i. I. 1481/82 Egypten und das heilige Land besucht hat, erzählt in seinem vor einigen Jahren (nach einer alten Handschrift der Florenzer Bibliothek veröffentlichten Reisebericht, daß in der Umgebung Jerusalems zahlreiche specifisch - jüdische Heiligengräber von den Muhammedanern in hohen Ehren gehalten werden und daß letztere den Juden die Vernachlässigung dieser Gräber zum Vorwurf machen. Ueberhaupt bezeigen die Muhammedaner mehr Eifer als die Juden selbst, um jüdische Gräber zu ehren. Noch charakteristischer ist eine Mittheilung aus dem XVII. Jahrhundert. Ein aus Mähren stammender Einwohner von Safed, Salomon Meinstrel, erzählt in einem Bericht, welcher die Situation Palästinas in dieser Epoche (1602) vortrefflich illustrirt, Folgendes: „Sie feiern jeden Tag vor dem Neumond und vor dem Versöhnungsfeste, indem sie sich bis Nachmittag jeglicher Arbeit enthalten. Alle Juden versammeln sich in einer großen Synagoge oder besuchen das Grab des Hosea ben Beeri, das von einer großen, überaus prachtvollen Kuppel überwölbt ist; Andere besuchen die Grotte des ausgezeichneten Tannaiten Abba Saul oder das Grab des Jehuda b. Jlläi; diese frommen Männer sind in der That unfern der Stadt begraben. Hier verrichten sie bis Nachmittag feier-

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