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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-10-17 · 42 (17.10.1902) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
42 (17.10.1902)
Date
1902-10-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 42 Dr. Bloch's Wochrnfchrift. Sette 085 Meister wie der Landrath vom Ministerium ihres Amtes entsetzt worden seien. Allerorten wurde durch Austrommeln publizirt, daß bei Volksaufläufen lässig einschreitende Beamte zur Verantwortung gezogen würden und die entstandenen Schäden durch die Gemeinde zu ersetzen seien. Lemberg. Wie schon seinerzeit berichtet, hat der Bicepräses der Cultusgemeinde, Dr. Simon Schaff, zum Andenken an seine frühverblichene Tochter Ottilie in unmittelbarem Anschlüsse an das jüdische Waisenhaus einen Neubau ausführen lasten, der, nunmehr fertiggestellt, dem Gebäude die doppelte Ausdehnung verleiht, wodurch für viele Jahre mildthätigen Glaubensgenossen die Möglichkeit geboten wird, dauernde Stiftplätze für Waisen zu errichten. Bei dieser Gelegenheit hat der munificente Stifter keine Kosten gescheut, um auch die übrigen Theile des Hauses in möglichster Weise zu verschönern, so daß die Anstalt eine Sehenswürdigkeit auf diesem Gebiete bilden dürfte. Die Neueinweihung soll schon in nächster Zeit stattfinden. Das Waisenhaus wird nunmehr auch eine überaus stattliche Synagoge und einen modernen Turnsaal besitzen. Feuilleton. Kilder ans Sibirien. Novelle von L. Melschin. Uebersetzt aus dem Russischen von Malwina Blumberg. (Fortsetzung.) Kaum hatte man nach der allabendlichen Untersuchung den Corridor gesperrt, nachdem dies einemal die Thüren, die in denselben führten, geöffnet blieben, als Jemand mit lauter Stimme rief: Alle sollten sich an einem Orte zusammenfinden, um die Leute zu wählen, denen die Aemter übergeben werden sollten. Die Sträflinge stürmten sofort in den größeren Raum, einige von einem gewissen Heerdeninstinct geleitet, andere einfach aus Neugierde. In der kleineren Stube waren nur Bocuchowitsch mit seiner Familie geblieben, das Perminow'sche Ehepaar und der wahnsinnige Bowoj, der in einem Pelz gehüllt, die Mütze auf dem Kopfe, regungslos in seiner Ecke saß, einen Strick zwischen den Fingern drehend und unverständliche Verwünschungen vor sich hin murmelnd. Sogar der 76jährige Timofejew mit der langen Tabaksnase und dem Brandmal auf dem runzligen Schädel schloß sich den Wählern an. Allen voran jedoch ging in seinem weißen Hemde, die Arme über die Brust gekreuzt und ungemein freundlich lächelnd, gemächlichen Schrittes der alte Nikolajew. „Nun, wie hast du's dir überlegt?" fragte Kitajew, ihm einen derben Schlag auf die Schulter versetzend und ohne eine Antwort abzuwarten, lief er davon, Krasnopjerow aufzusuchen. Letzterer stand jedoch bereits auf einer der Pritschen und rief: „Meine Herren, laßt uns keine Zeit verlieren. Was die Wahl eines Schultheißen anbetrifft, so können wir diesbezüglich der heimkehrenden Compagnie versichern, daß man einen besseren Schultheiß, wie Swistunow gewesen, sich gar nicht wünschen kann. Also braucht man auch keinen Anderen zu wählen." „Warum keinen Anderen? Man kann Sokolow oder auch Iwanow wählen", erklang eine Stimme aus den hinteren Reihen. „Was hat man da viel zu reden? Swistunow bleibt! Die Compagnie ist einverstanden!" Die einzelne Stimme, die Protest erhoben hatte, wurde von dem lauten Rufen Kitajew's, der sich bereits mit Swistunow in Verbindung gesetzt hatte, übertönt. „Swistunow! Swistunow!" „Sokolow!" „Nun also, meine Herren, ist es entschieden, Swistunow bleibt," schloß Krasnopjerow, als habe er die anderen Stimmen gar nicht gehört. „Jetzi kommt aber eine wichtigere Angelegenheit: der Verkauf des Marktes. Lange genug werden wir ohne Thee, Zucker und Tabak an einem Orte verweilen. Nun, meine Herren, wie viel gebt ihr für den Markt?" Allgemeines Schweigen. „Ich selber bin bereit, drei Rubel zu geben", erklärte Krasnopjerow. „Drei Rubel. Wer gibt mehr?" rief, plötzlich auf derselben Pritsche auftauchend und die Zügel der Verwaltung ergreifend, der Schultheiß Swistunow, ein athletisch gebauter Mann mit rosigen aufgedunsenen Wangen und langen, rothen Ohren. „Bier Rubel gebe ich", sagte ein hübscher, dunkelhaariger Mann, mit glattrasirtem Gesicht, der einen schwarzen Rock und graue, carrirte Hosen trug. Es war dies augenscheinlich der Jude Löwenstein, vor welchem Krasnopjerow schon gewarnt hatte. „Hört ihr? Vier Rubel . . Wer gibt mehr?" Krasnopjerow bot sechs Rubel. Löwenstein acht. Nun schwieg Krasnopjerow. Schon wollte Swistunow ausrufen, der Mark werde an Löwenstein abgetreten, als plötzlich von der entgegengesetzten Seite eine nicht laute, etwas heisere Stimme aus der Menge vernehmbar wurde. „Fünfzig Kopejken mehr gebe ich." Alle Anwesenden wandten sich unwillkürlich um. „Bah! Du bist's, Landsmann?" wunderte sich der erfreute Kitajew. „Last' den Juden nicht heran, Bruderherz! Last' ihn nicht heran! Unterstütze die Unserigen!" Alle begannen zu kichern und schoben Nikolajew bis vor die Pritsche, wo der Handel vor sich ging. „Fünfzig Kopejken mehr gebe ich," wiederholte der Alte, mit seinen grauen, durchdringenden Augen den Gegner muthig anblickend. „Zehn Rubel gebe ich", erklärte Löwenfiein. „Fünfzig Kopejken mehr," erklang unmittelbar darauf Nikolajew's Stimme. „Zwölf Rubel!" „Zwölf und ein halb . . ." „Ho, ho, ho! Der Alte ist tüchtig. Er gibt nicht nach." „Aber natürlich, Paul Nikolajew. Wir kennen unsere Leute!" „Selbstverständlich werde ich nicht zurücktreten. Und was dachtet ihr denn?" fragte, sich reckend, Nikolajew; feierlich wandte er sich zur Menge, die bei seinem Anblick ein lustiges Kichern vernehmen ließ. „Also, vierzehn ein halb. Wer gibt mehr?" Löwenstein hielt Rath mit seinen Freunden. Auch Krasnopjerow. der plötzlich wieder auf dem Schauplatz sichtbar wurde, flüsterte ihm etwas zu. „Vierzehn ein halb zum zweitenmale. Wer gibt mehr?" „Sechzehn Rubel", sagte Löwenstein. „Sechzehn ein halb", erklang einem Echo gleich, Nikolajew's Stimme. Er war sichtlich aufgeregt und roth wie ein gekochter Krebs, aber seine Züge drückten feste Entschlossenheit aus. Kitajew, vor Entzücken ganz außer sich, suchte ihn mit lautem Zurufen noch immer mehr anzueifern. „Tritt nicht ab, Freund! Halt fest! Ueberbiet' ihn!" „Und was denkst du dir denn? Ich trete nicht ab!" prahlte der aufgeregte Greis. „Und wenn es bis hundert Rubel kosten sollte!" Als Antwort aus diese Rede erklang in der Menge abermals lautes Kichern. Einer der Vernünftigeren jedoch trat auf ihn zu mit der freundschaftlichen Bemerkung, der Markt sei dieses Geld nicht werth. „Und wenn er hundert Rubel kosten sollte! Ich hab's gesagt!" rief Nikolajew, mit einer ungeduldigen Bewegung seiner Hand, ohne der Vorstellung des besonnenen Freundes Gehör schenken zu wollen. Neugierig blickte Löwenstein ihn an. „Zwanzig Rubel", erklärte er mit feierlicher Stimme. „Zwanzig ein halb", erklang Nikolajew's gewöhnliche Antwort, bei welcher die Lustigkeit der Menge sich in's Maßlose steigerte. Löwenfiein schwieg. Swistunow schlug mit der geballten Faust auf die Pritsche. „Der Markt ist dir zugesprochen. Alter! Jetzt mußt du, wie üblich, die Hälfte des Betrages sofort bezahlen." (Fortsetzung folgt.) Der Corr(eque«te. Aus „Lbad" läßt sich das „Kleine Journal" schreibe»: Etwa ein halbes Hundert Aerzte theilen sich hier in die Sorge, den meist wirklich Kranken ein Helfer zu sein oder ihnen die Schmerzen zu lindern. Die älteren dieser AeSeulapSjünger können mit einer angestammten Clientel rechnen, die einen werden hauptsächlich von Amerikanern, andere von Engländern, wieder andere von Russen bevorzugt, die Polen suchen mit Vorliebe den Arzt auf, der seinem Namen nach ihrer Nationalität anzugehören

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