Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 42 (17.10.1902)
- Date
- 1902-10-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Sette 684 Dr. BloA's WmhsnschrM. Nr. 42 38 arabische Juden die Universität zu Cairo beendet und werden demnächst im Finanzministerium, im Justizdienst oder im Post- und Eisenbahnwesen, wo die Juden bereits zahlreiche Posten in verantwortlichen Stellungen bekleiden, Unterkunft finden. Selbst den» Militär und im Polizeidienste stößt man auf Juden als Officiere, obgleich der Koran allen Nichtmohammedanern das Waffentragen ausdrücklich verbietet. Die günstige materielle Lage der arabischen Juden in Egypten spiegelt sich in den glänzenden Finanzen der jüdischen Gemeinden wieder. So besitzt die jüdische Gemeinde in Kairo ein Vermögen von V/2 Millionen Francs nebst 20 großen Häusern. Die Gemeinde unterhält nebst dem Rabbinat und fünf Synagogen zwei Krankenhäuser, eine Augenklinik, zwei Blindenanstalten, mehr als 40 Talmud-Thoras für Kinder blindgewordener Eltern und andere Wohlfahrtsanstalten. Sehr viel wird in den egyptischen Gemeinden für die Blinden gethan, deren Zahl in Folge der im ganzen Oriente weitverbreiteten egyptischen Äugenkrankheit sehr groß ist. Zur Unterstützung dieser unglücklichen Juden wurden vor einigen Jahren zwei Lotterie-Unternehmungen ins Leben gerufen, welche über 7, Million Francs jährlich abwerfen. Durch diese Einnahme, sowie durch große von den beiden jüdischen Millionären Kairos, Katao-Bey und Suariß-Effendi, zu diesem Zwecke alljährlich gespendeten Summen sind die jüdischen Blinden in Kairo wenigstens gegen die bitterste Noth geschützt. Vermischtes. Krauzablösungsfpenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien, I., Seitenstettengaffe 4, für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Dr. JosefKornfeld: von Herrn Emanuel Fischt und Geschwister, I., Grillparzerstraße 5, K50.—; von Herrn Bela Kaufmann in Adler-Kosteletz, K 20.—; von Herrn Gustav Fischl in Gaiersberg, K 20.—; von Herrn Julius Kraus, IX., Sensengaffe 5, X 20.—; von Herrn Sigmund und Therese Mendel K 80; von Herrn Rudolf Kahler, VII., Schottenfeldgaffe 6, K 20.—, Anonyme K 10.—; zusammen L 170.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Dr. Hermann Beer: von Familie Van Jung. IX., Porzcllangasse 4\ K 16.—; für weiland Emma Rosenthal von Frau Jda Hirsch, K 4.—; zusammen K 20,—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn k. k. Oberstabsarztes Dr. Jacob Treulich: von Herrn Leopold und Fanny Lourie, VI., Gumpendorferstraße 14, K 10.—. Wien. (Präsident Kl i n g er.) Am ersten Tage Rosch haschonoh nahm Herr Gemeinderabbiner Dr. Reich Anlaß, in einer schwungvollen und bei ihm gewohnten formvollendeten Weise die Verdienste des hochgeehrten Gemeindepräsidenten zu feiern. Er bezeichnete ihn, der, auf der Höhe des Glückes stehend, in einer Sturm- und Drangpettode unerschrocken sein ganzes Können in den heiligen Dienst der Gottes- und Menschenliebe stellt, als leuchtendes Musterbild. Solcher Männer möge das Judenthum viele haben komosso jerbu be Jisroel, und es wird geborgen sein und gefeit gegen alle verheerenden Stürme zu allen Zeiten. So schloß der Redner seine begeisterte und begeisternde Lobesrede, die Alle mächtig ergriff. F. Wie«. Ueber Vorschlag und Empfehlung des Herrn Dr. I. S. Bloch wurde Herr Dr. H. P. C b a j e s, ein tüchtiger junger Gelehrter, derzeit in Wien, zum Profeffor an der Israelitisch-theologischen Lehranstalt für das Königreich Italien in Florenz ernannt. Wie». (Verlobung.) Hof- und Gerichtsadvoeat Herr Dr. Moriz Landau hat sich mit Fräulein Melitta Bauer, Tochter des Großindustriellen Herrn Leopold Bauer, Seniorchef der Firma Bauer und O r n st e i n in Brünn, verlobt. Der Bräutigam ist der Sohn des bekannten Wiener Bankiers Herrn S. Landau, während Herr Leopold Bauer zu den angesehensten Repräsentanten der Brünner israelitischen Cultusgemeinde zählt. Wie». Die am 28. September stattgefundene Hochzeit der Tochter des allverehrten Obmannes im X. Bezirke, Herrn Carl S e l i g m a n n, Fräulein Jda Seligmann. mit Herrn Dr. Philipp Schwarz gestaltete sich zu einer wahren Kundgebung, welche Zeugniß - ablegte, welch angesehene und hochgeachtete Person Herr Carl Seligmann ist und welch großer Beliebtheit er sich ob seines Wirkens mit Recht in den weitesten Kreisen erfreut. Der Tempel, sein Werk, ein Prachtbau und eine Zierde des Judenthums, war festlich beleuchtet und mit Palmen und Blumen geschmückt und der große Raum, der dem schönen Bilde freieste Entfaltung gestattet, dicht besetzt. Die Feierlichkeit begann mit einem von dem Gesangsverein „Jovia" vorgetragenen Liede, worauf Obercantor Schlesinger mit seiner schönen Stimme und dem gutgeschulten Chore das Miaddir anstimmte. Die Ansprache des Herrn Rabbiner Dr. Taglicht, welcher dem Brautpaare das Bild der Eltern vor Augen führte und auf den lauteren Charakter des Vaters der Braut besonders hinwies» machte sichtlich allgemeinen Eindruck. Dem Trauungsacte wohnten Deputationen zahlreicher Vereine bei, vor Allem der Vorstand des Tempelvereines und der Vorstand des Jüdischen Schulvereines im X. Bezirke, mit dem Obmanne Herrn Jacob S. Straßberg an der Spitze, u. v. A. Wien. Mit Bewilligung des k. u. k. Corpscommandos in Wien fand, wie alljährlich so auch heuer, auf Ansuchen des Vorstandes der israelitischen Cultusgemeinde während der hohen Festtage in der hiesigen Rossauer-Kaserne für die ganze hiesige Garnison jüdischer Confeffion unter der bewährten Leitung des Matrikelamts - Officials Herrn Jacob Stein ein feierlicher Gottesdienst statt, welcher einen würdigen Verlauf nahm. Es wurden an beiden Neujahrstagen, wie auch nach Schluß des Versöhnungsfestes über 350 Mann seitens des Vorstandes der hiesigen israelitischen Cultusgemeinde verköstigt. Wien. (Einladung) zu der Samstag den 18. October 1902, halb 8 Uhr Abends, im großen Saale des „Hotel Continental^, II., Taborstraße 6, stattfindenden Wählerversammlung. Tagesordnung: Die bevorstehenden Wahlen in den niederösterreichischen Landtag. Bericht der Vereinsleitung. Anhörung von Candidaten. Anträge und Interpellationen. — Mit Rücksicht auf die außerordentliche Wichtigkeit des Berathungsgegenstandes wird um zuverläffiges Erscheinen ersucht. Die Bereinsleitung. Wien. Sonntag den 19. October 1902 findet von 9 bis 11 Uhr Vormittags die Einschreibung in der Ersten ö st e rreichischen hebräischen Sprachschule des Vereines „086b Chesed", II., Schiffawtsgaffe 5, statt. Es wird bekannt gemacht, daß auch Kinder von Nichtvereinsmitgliedern ausgenommen werden und der Unterricht, unentgeltlich ertheilt wird. Wien. (Spenden.) Für die Familie des jüdischen Gelehrten, der, während er seinem Berufe als Privatlehrer nachging, von Mördern überfallen und erschlagen worden, sind laut Aufruf in der letzten Nummer unseres Blattes an Se. Ehrwürden den Herrn Rabbiner Fürst, Wien, II. Bezirk, Schiffgasse (Schiffschul) folgende Spenden zugekommen: Frau Rabbiner M. Pollak 4 Kronen, Herr Nathan Pollak 6 Kronen. Restaurateur S. Kunstadt 4 Kronen, Herr Bernhard Trnka 4 Kronen, Herr Heinrich Glücksmann, Mährisch - Kromau 2 Kronen. Summe 20 Kronen. Nachod. Am 27. September fand in unserer Cultusgemeinde eine seltene Feier statt. Frau Adelheid Goldschmid aus Wien hatte schon früher eine bedeutende wohlthätige Stiftung zum Andenken an ihren seligen Mann, den Herrn Otto Goldschmid, in's Leben gerufen. Nun widmete sie der Gemeinde noch eine neue Thorarolle. Am 27. September fand die Einweihung dieser Rolle statt. Unter feierlichen Gesäugen und dem Geleite des gesammten Vorstandes wurde diese Thora aus der decorirten Vorhalle in den festlich geschmückten Tempel übertragen. Der Obercantor Herr Selowitsch stimmte einen Festchoral an und der Herr Rabbiner Dr. Brody hielt eine schwungvolle Festrede. Hierauf wurde der Wochenabschnitt aus der neuen Thora vorgelesen. Herr Siegfried Goldschmid, der älteste Sohn der Spenderin, wurde zur Thora gerufen und wandte der Zedokoh und allen wohlthätigen Vereinen reiche Spenden zu. Desgleichen wurden von Frau Goldschmid die Ortsarmen ausgiebig bedacht. Nach dem Gottesdienste begab sich der gesammte Vorstand unter Führung des Vorstehers, Herrn Jacob Pick, zu Frau Goldschmid. Der Herr Vorsteher gratulirte und dankte für die kostbare, reich ausgestattete Thora und bat die Spenderin, auch fernerhin unserer Gemeinde ihr Wohlwollen zuzuwenden. Baden. Am 4. October l. I. beging Wilhelm von Gutmann, älterer Sohn der nach dem seligen Dr. Ludwig Ritter von Gutmann verwitweten Frau Mathilde von Gutmann, im Schlosse Tobitschan, seine Bar-Mizwah-Feier. Aus diesem Anlasse spendete die hochherzige Mutter den Wohlfahrtsinstitutionen der israelitischen Cultusgemeinde Baden den namhaften Betrag von 3800 Kronen. Der Confirmand wurde von der Badener Cultusgemeinde mit einem schön ausgestatteten Gebetbuche als Gratulationsgeschenk beehrt, wofür derselbe schriftlich dankte. Breslau. (DieJudenkrawalleinCzenstochau.) Die „Breslauer Zeitung" theilt mit, daß wegen lässigen Verhaltens bei den Judenkrawallen in Czenstochau sowohl der Polizei-