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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-10-17 · 42 (17.10.1902) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
42 (17.10.1902)
Date
1902-10-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 42 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 681 Im Monate August dieses Jahres, dem letzten über den ein Ausweis vorliegt, sind von dem Vertreter des Unternehmers in Kossow K 3028.12 an Arbeitslohn ausgezahlt worden, in Jagielnica L 2980.25, in Zablotow L 1784.11, in Gwozdziec K 878.—. In 16 Orten, von denen 7 erst vor Kurzem neu hinzugekommen sind, wo somit noch wenig verdient werden konnte, sind im Monate August K 10.390.50 als Arbeitslohn, von dem ersten Unternehmer allein, ausgezahlt worden. Seine Lohnzahlung steigt von Monat zu Monat um mehr als K 2000.— Nach dem wachsenden Erfolge der Haarnetzindustrie in Galizien wendeten sich dann einige andere Exporteure dieses Artikels aus Böhmen und Deutschland dahin, um daselbst gleichfalls Haarnetze erzeugen zu lassen. Zu diesen gesellte sich bald eine ziemliche Anzahl galizischer Kausteute in der Hoffnung, aus der von ihnen bis vor Kurzem noch nicht gekannten Industrie möglichst großen Nutzen zu ziehen. Wieviel all diese neuen Unternehmer an Arbeitslöhnen allmonatlich ausbezahlen, darüber liegen keine zuverläffigen Informationen vor. Was jedoch schon die 10.000 Kronen, die als Arbeitslohn in in den so.' furchtbar verelendeten Orten von dem ersten Unternehmer ausgezahlt worden, für Wirkung ausüben, davon geben die zahlreichen Dankschreiben und Berichte, die von competenter Seite an den Hilfsverein gelangten ein beredtes Zeugniß. Aus zweien, in den letzten Tagen eingelaufenen wollen wir nachstehende, sehr charakteristische Auszüge mittheilen. Eine Zuschrift aus Gwozdzice, den 17. September d. I. berichtet: „Die Haarnetzindustrie übt hier einen großen Einfluß auf die wirthschaftlichen Verhältnisse der armen jüdischen Bevölkerung aus. Viele Familein finden dadurch ganz oder theilweise ihr Auskommen. Von den Straßen sind die vielen müßig gehenden Mädchen verschwunden, ja ich möchte behaupten, daß manche Stadttheile ein verändertes Aussehen bekommen haben. Wo früher schmutzige Mädchen in zerlumpten Kleidern Gänse hüteten, sitzen jetzt nett gekleidete Mädchen, die fleißig arbeiten. Viele Mädchen verlassen schon bei Morgengrauen das enge Elternhaus, um in einer geräumigen Stube gemeinsam und ungestört zu arbeiten. Hier wird das Haarnetzen eigentlich erst seit 5 Monaten betrieben und schon sind viele Familien in der angenehmen Lage, im Besitze einer Kuh oder eines Pferdes zu sein, was schon „Wohlstand" für diese Familien bedeutet. Aber nicht nur die ärmsten der Armen empfinden die Wohlhat der hier eingeführten Haarnetzindustrie, auch die Geschäftsleute äußern sich sehr dankbar. Alle verstehen die Wohlthat zu schätzen, daß nun wöchentlich über 200 Kronen mehr ins Städtchen hereinkommen. Mädchen, die dem Laster ergeben waren, sind nun fleißige anständige Arbeiterinnen. Aus Uscieczko, einem kleinen Orte, wo noch nicht lange gearbeitet wiro, lautet ein Bericht ddto. 22. September l. I.: „Die Wirkung der eingeführten Arbeit ist trotz des noch kleinen Verdienstes doch schon eine beträchtliche. Mädchen, welche früher hungernd in den Straßen herumlungerten, pflegen nun vom frühen Morgen bis zum späten Abend der Arbeit. Die ersten Löhne wurden von den meisten Mädchen zur Anschaffung von besseren Kleidern verwendet. Ein schöneres Kleid verlangt aber auch einen reinen Körper. Die Mädchen, welche früher meist schmutzig herumliefen, pflogen nun auch besser die Reinlichkeit des Körpers, was auf Besserung ihres Gesundheitszustandes großen Einfluß hat. Auch die Moral, welche bei den früher müßigen Mädchen Manches zu wünschen übrig ließ, wurde durch die fleißige Arbeit bedeutend gehoben. In vielen Familien, bei den ärmsten, unterstützt die arbeitende Tochter die armen, mit den Elend kämpfenden Eltern. In anderen wieder, etwas vermögenderen, wird der Lohn als Ersparniß in die Postsparcasse gelegt oder als Prämie für eine Assecuranz gezahlt. Diese Ersparnisse sollen dann den Heranwachsenden Arbeiterinnen als Mitgift dienen, um eine bessere und anständigere Heiratspartie erlangen zu können. Auf diese Weise wird den armen Mädchen auch eine bessere Zukunft bereitet " Aehnlich lauten zahlreiche andere Berichte. Alle heben hervor, daß durch die Arbeit sowohl wie durch den Verdienst die Sittlichkeit und die Widerstandsfähigkeit gegen mannigfache Verführungen zugenommen hat. Der Ruf dieser Heimarbeit verbreitete sich bald über ganz Galizien und der Hilfsverein wurde, besonders in den letzten Monaten, geradezu gedrängt, in 65 neuen Orten Lehrcurse zu eröffnen. Er that es in steter Uebereinstimmung mit dem Unternehmer, der die Gewähr bot, daß er alle erzeugten Waaren abnehmen und den großen Zuwachs an Arbeitskräften nicht zu einer Reducirung der Löhne benützen werde. In wenigen Monaten wird die Saat, die der Hilfsverein in allen diesen Orten ausgestreut, der Bevölkerung reichen Ertrag bringen. Auch Mädchen christlicher Confession, katholische und evangelische, die um die Aufnahme in die Lehrcurse baten, wurde dieselbe gewährt. Anknüpfend an eine vortreffliche Einrichtung in den Baron Hirsch Stiftungs-Schulen, an den Handfertigkeits- oder Slöjd-Unterricht, der in vielen derselben ertheilt wird, hat der Hilfsverein in Stanislau in sehr glücklicher Weise mit der Erzeugung vonDrechsler- und Spielwaaren, sowie anderer Massenartikel aus Holz begonnen. Diese neue Industrie ist bestimmt, vorwiegend der erwerbsdürftigen männlichen Bevölkerung guten und dauernden Erwerb zu schaffen. Unter Leitung eines tüchtigen, mit modernen Arbeitsmethoden wohlvertrauten Fachmannes werden von einer allmählich wachsenden Anzahl jüngerer und älterer Arbeiter Schachfiguren, Domino, Damesteine, Puppenmöbel :c. für den Export erzeugt. Wenn die Arbeiter in einem Orte genügend geschult sind und die Arbeit in befriedigender Weise organisirt ist, wird die Einführung dieser Industrie in einem biefür geeigneten Orte verbreitet werden. Die ersten Erzeugnisse sind schon an die Stelle gelangt, die für deren ständigen lucrativen Absatz sorgt. Die Ausführung aller erzeugten Artikel hat sehr befriedigt. Mit der Zeit dürfte sich diese Industrie zu einer sehr bedeutenden in dem holzreichen Galizien entwickeln. Einige andere Industrien, darunter eine, die theils Fabriks-, theils Heimarbeit erfordert, sind zur Einführung in Galizien vorbereitet. Die begonnenen wie die vorbereiteten Industrien bilden nur die ersten Anfänge eines größer angelegten Planes. In der Absicht des Hilfsvereines liegt es, geeignete Industrien über das ganze Land zu verbreiten, und vorwiegend solche zu wählen, die für den Export arbeiten und der gegenwärtigen Landeserzeugung keinen Eintrag thun. Es dürfte jedoch nicht angezeigt sein, sich schon jetzt darüber zu äußern. Die Arbeit, die der Hilfsverein unternommen hat, gleicht der Cultivirung eines an sich fruchtbaren Bodens, dem die entsprechende Bearbeitung bisher gefehlt hat. Jahrzehnte fortgesetzter konsequenter Arbeit wird es bedürfen, um hier ähnliche, dauernde Resultate zu erreichen. Doch schon jetzt hat der Verein den unwiderleglichenBeweis erbracht, daß es in Galizien eine zahlreiche arbeitswillige und ansbildungsfähige Bevölkerung gibt, die nur auf die gebotene Gelegenheit wartet, um sich bestens zu bethätigen. Man darf nunmehr Wohl erwarten, daß speciell die jüdischen Industriellen und Exporteure in ihrem eigenen wohlverstandenen Interesse auf den in mehrfacher Beziehung günstigen galizischen Arbeitsmarkt reflectiren werden. Aus Mähren. (Oberlehrer Salomon Riesenfeld g e st o r b e n.) Die unerwartete Nachricht von dem Ableben des Oberlehrers Salomon Riesenfeld, der seit dem Jahre 1874 segensreich in Schaffa, seiner Vaterstadt, gewirkt hatte, versetzte seine zahlreichen Freunde, Bekannte und Schüler in tiefste Trauer. Noch vor kurzer Zeit wandelte er einher, anscheinend rüstig und gesund, und am 4. d. wurde er plötzlich vom Schauplatze seiner verdienstvollen Thätigkeit abberufen. Ein gewissenhafter Lehrer und ein treuer Freund der Jugend ist mit ihm dahingegangen. Der Verewigte war ein wackerer Arbeiter auf dem Gebiete der Jugenderziehung und Bildung, treu in der Erfüllung seiner Pflicht, was er dadurch bewies, daß er, den Todeskeim schon im Innern tragend, noch zur Schule ging, um sein schweres Amt auszuüben, und erst die Hand des Todes konnte ihn aus seinem Wirkungskreise herausreißen. — Salomon Riesenfeld wurde in Schaffa im Jahre 1850 geboren. Ursprünglich wollte er sich der Laufbahn eines Rabbiners widmen, wählte jedoch, um sein Ziel früher zu erreichen, den Lehrerberuf. Er besaß nebst dem profanen auch reiches hebräisches Wissen, das ihn befähigte, an der Schule zu Schaffa auch den hebräischen Unterricht mit ungewöhnlichem Erfolg zu ertheilen. Er schrieb auch werthvolle Aufsätze für unser Blatt und andere Zeitschriften. Er war der Bruder des Ung-Broder Oberlehrers Lazar Riesenfeld. Der Verblichene wurde am 6. d. M. unter großer Betheiligung aller Kreise der Bevölkerung, die von Nab und Fern herbeigeströmt kam, zur ewigen Ruhe bestattet. Er hinterläßt 5 Kinder, die nun völlig verwaist sind, da deren Mutter schon vor drei Jahren starb. Ehre seinem Andenken! „Die Arbeitsscheu der Juden." An die Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift*. Rabbiner Dr. Böck in Auspitz sieht sich gedrängt, die Auffassung des in dem Artikel „Die Arbeitsscheu der Juden* citirten Ausspruches R. Akibas, die Arbeit betreffend, „richtig zu stellen*. Es ist ja möglich, daß ein Rabbiner den Talmud anders auffaßt, anders liest, als unsereiner, die wir mit Laienaugen lesen; weil wir es uns aber nicht nachsagen laffen wollen, daß wir willkürlich unsere eigene Exegese in jenen herrlichen Ausspruch R. Akibas hineingetragen haben, so sehen wir uns verpflichtet, den ganzen Ausspruch des Gesetzeslehrers einem unvoreingenommenen Lesepublicum vorzulegen, damit es entscheide, ob wir berechtigt waren, jenen beanstandeten Satz so aufzufaffen, wie wir ihn aufgefaßt haben, wobei wir allerdings zugestehen, daß wir die von späteren Commentatoren diesem Satze gegebene Auslegung links liegen gelaffen haben. Der Ausspruch in seiner gesammten Faffung lautet: „Sieben Worte empfahl R. Akiba seinem Sohne: Nicht auf der Höhe der Stadt zu wohnen; nicht in der Stadt zu wohnen, deren Oberhaupt ein Talmid-Chacham ist; nicht plötz-

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