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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-10-10 · 41 (10.10.1902) · page 16

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
41 (10.10.1902)
Date
1902-10-10
Page
– (sequence 16)
Language
German
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Sette 670 Dr. Bloch's Wochonschrrst. Nr. 41 zweiter Rabbiner in Burg Kunstadt, ein dritter Arzt in London, wahrend der jüngste wahrscheinlich seinem Vater im Amte folgen wird. Auch der Schwiegersohn des Verstorbenen ist Rabbiner. — Die Beerdigung fand unter ungewöhnlichen Ehren und zahlreicher Vetheiligung der Ortseinwohnerschast statt. Ein treues Andenken bleibt dem Verklärten bei Allen gesichert, welche die Vornehmheit und Festigkeit seines Charakters, wie auch die Liebenswürdigkeit und freudige Heiterkeit seines Wesens kennen zu lernen Gelegenheit hatten. Horic. Anläßlich der Wiedereröffnung des hiesigen neurenovirten Tempels fand am 28. September l. I. ein feierlicher Festgottesdienst statt, welchem nebst dem Bürgermeister, Herrn Med.-Dr. T o m f a, viele katholische Bürger und sämmtliche Gemeindemitglieder beiwohnten. Nach exacter Absingung des „Ma towu“ zündete, nach diesbezüglichem Gebete, Herr Tempelvorsteher M. A. G o l d s ch m i d das „ewige Licht" an. Dann hielt Herr Cultusvorsteher Josef Müller, der sich durch vieljährige Thätigkeit um die Renovirung des Gotteshauses besondere Verdienste erworben, eine gediegene Ansprache, in welcher er die Opferwilligkeit der Gemeindemitglieder betonte und den Spendern den Dank aussprach. Dann bestieg der Ortsrabbiner Herr Adolf M e l l i o n die Kanzel und hielt eine weihevolle Festrede, die von den Anwesenden mit großem Beifall ausgenommen wurde. Mit einem Gebete für den Landesvater und der Absingung der Volkshymne schloß die schöne, erhebende Feier. Lemberg. Frau Anna Caro, die Gattin des hiesigen Gemeinderabbiners Dr. I. Caro, ist am 22. September in Berlin einem tückischen Leiden erlegen. Nur Wenige mochten ahnen, daß die Verblichene trotz ihres blühenden Aussehens seit Längerem von physischen Leiden heimgesucht war; umso schmerzlicher war der Eindruck, den diese traurige Nachricht in allen Kreisen unserer Gemeinde hervorgerufen. Möge die aufrichtige Theilnahme so Vieler dem geistlichen Oberhaupte der Gemeinde und deffen Kindern in diesen schweren Stunden einigermaßen Trost und Erhebung bringen. Die Gemeinde wird der so früh dahingegangenen Rabbinerin ein ehrenvolles Angedenken bewahren. Unter imposanter Betheiligung fand am 26. v. M. das Leichenbegängniß vom Centralbahnhofe aus statt. Den Zug eröffneten die Zöglinge des jüdischen Waisenhauses und die Schüler der jüdischen Knabenschule mit dem Lehrkörper. Bor der Ceremonienhalle des Friedhofes, wohin die irdische Hülle gebracht wurde, hatte sich lange vorher eine überaus zahlreiche Trauerversammlung eingefunden. Unter Anderen waren zugegen der Bürgermeister von Lemberg Dr. Malachowski mit zahlreichen Gemeinderäthen, der Präsident der israelitischen Cultusgemeinde Reichsrathsabgeordneter Doctor Byk mit den Mitgliedern des Cultusvorstandes und den Cultusrälhen, die Rabbiner Schmelkes, Halpern und Assessor Braude, die Verwalter der fortschrittlichen Synagoge mit dem Vorsitzenden Dr. Diamond, der Präsident der Handelskammer Abgeordneter Piepes-Poratynski, Landtagsabgeordneter Dr. Löwenstein, Gemeindesecretär Dr. Pesches mit den übrigen Beamten und die Religionslehrer. Obercantor Halpern trug mit dem Synagogenchore die Trauergesänge vor, worauf Schuldirector Rabbiner Dr. Guttmann der Verewigten einen tiefempfundenen Nachruf widmete und den tiefgebeugten Familienangehörigen aus dem Herzen kommende Trostworte zusprach. Breslau. In Czenstochau sind bisher wegen der letzten Zudenkrawalle achthundert Personen verhaftet worden. Der Cigarettenfabrikant Wiener hat viele anonyme Briefe erhalten, worin die Wiederholung der Ausschreitungen gegen die Juden am Versöhnungstage vorhergesagt wird. Die russische Regierung hat indeß die strengsten Maßregeln getroffen, um dies rechtzeitig zu verhindern. Warschau. (Die Judenkrawalle in Czenst o ch a u.) Der Polizeimeister von Czenstochau erließ an die dortigen Hausbesitzer die Aufforderung zu einer Sammlung, um die Juden, welche bei den letzten Unruhen geschädigt wurden, zu entschädigen. Im Falle die Hausbesitzer sich weigern sollten, sich an der Sammlung zu betheiligen, würden sie durch die Polizei dazu gezwungen werden. Die Aufforderung trifft selbstverständlich auf keinen Widerstand und werden die nöthigen 160.000 Rubel bald beisammen sein. Paris, 21.September. (Staatsrath Camille Lyon.) Herr Camille Lyon, bisher einfaches Mitglied des Staatsraths, ist zum Abtheilungspräsidenten im Staatsrath ernannt worden. Er ist der erste Jude, der in Frankreich diese wichtige Stellung bekleidet; unter seinen Glaubensgenoffen ist er bekannt als der Vertreter der Stadt Lyon im jüdischen Centralconsistorium von Frankreich. Jassy. (Ein rumänischer Millionär.) Hier ist am Dienstag der bekannte rumänische Bankier Israel Chaim Daniel mit Hinterlassung eines Vermögens von weit über 20 Millionen Francs im Alter von 90 Jahren gestorben. Seiner ersten Ehe entstammten achtzehn Kinder, und als seine Gattin im Jahre 1886 starb, warb er sechs Jahre später, als achtzigjähriger Greis, welcher bereits erwachsene und verheiratete Urenkel besaß, um die Hand eines siebzehnjährigen bildschönen Mädchens aus Warschau, das er auch in Szuczawa zum Traualtar führte. Es war das erste- und letztemal in seinem Leben, daß er die Stadt Jassy verließ, sonst hat der übrigens sehr nüchtern denkende und recht gebildete Daniel seine Vaterstadt auch nicht auf einen Tag verlassen, selbst seine zahlreichen Güter hat er nie gesehen. Der jüdische Millionär stand allseits in großem Ansehen. Der rumänische Ministerpräsident Demeter Sturzda und der frühere Premier Peter Carp zeichneten ihn durch ihre Freundschaft aus. Feuilleton. Uersöhuimgstag. Düster rauchend Feiertageslichter . . . Dunkle scharfgeschnittene Gesichter . . . Scheues leises Murmeln ringsumher. Die Gemeinde betet tausendtönig: „Höre, unser Vater, unser König" Und sie beugen ihren Rücken schwer. Arbeitsschwielenharte Judenhände Schlagen an die Brust, und ohne Ende Tönt's wie müdgehetzter Thiere Klang. Heiß entschuld'gend fließt's aus ihrer Seele: „Vater, wenn ich sündige und fehle, Glaub', es ist des Lebens Eisenzwang". Und die scharfen Linien werden weicher, Das durchfurchte Antlitz wird noch bleicher, Reuevoll zum Grund das Aug' gebannt. Immer stärker murmelt's durch die Reihe, Immer lauter gellt der Ruf: „Verzeihe!" An die Brust schlägt wild die harte Hand. — Victor Glaser. Solachti. Eine Betrachtung zum Versöhnungstage von Jda Oppenheim. Kindheit — Zauberwort — wie Frühlingsblüthenduft weht es zu uns herüber, wenn wir einen Augenblick ausruhen von dem Fieber, das man Leben nennt. Die müden Augen schließen sich, das todtwunde Herz beginnt ruhiger zu schlagen und vor unserer Seele steigen Bilder auf aus sonnenhellen Tagen. Weiche Hände kosen unsere wirren Locken, geliebte Lippen küffen Thränen von unseren Wangen, die kaum vergossen, auch schon versiegt, und unser Ohr vernimmt liebe, längst vergessene Worte, die sich schmeichelnd um unser Denken und Empfinden ranken wie ein Kranz von frischen Wiesenblüthen. schlicht und thaufrisch, mit dem wir uns oft geschmückt und halb welk achtlos wieder zu Boden geworfen. Die Hände, die uns so berührt, sind längst starr und kalt geworden, die Lippen, die solche Worte zu uns gesprochen, sind verstummt! Aber die Sprache, die sie geredet, lebt in unserem Herzen fort, und ihr süßer Klang legt sich wie lindernder Balsam auf unsere Lebenswunden. Stunden, Tage und Monde vergehen oft, ohne daß wir in dem heißen Kampf, in dem Ringen ums Dasein Muße finden, jenen Tönen zu lauschen — .ja, wir drängen sie oft mit aller Gewalt zurück, um sie nicht Herr über uns werden zu lassen. Aber ihr leises Mahnen tönt fort und fort zu uns herüber — und dann überwältigt uns ihre Macht, daß wir gern und freiwillig ihrem lockenden Ruse folgen. Kein Wort hat in den Kindertagen so mächtig gewirkt, als jene tröstende Verheißung, die an heiliger Stätte am Vorabende des Bersöhnungsfestes als

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