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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-10-10 · 41 (10.10.1902) · page 15

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
41 (10.10.1902)
Date
1902-10-10
Page
– (sequence 15)
Language
German
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Nr. 41 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 869 Die Juden in Korea. Selbst die äußerste Spitze des fernsten Ostasien, die von halbwilden Heiden bevölkerte, eiskalte und von feuchten Nebeln eingehüllte Halbinsel Korea, kann bereits eine jüdische Bevölkerung aufweisen. Die Juden Koreas sind freilich nicht in Korea selbst, sondern in weit davon entfernten Ländern geboren. Ihre Wiege stand einst in den Ghettos von Rußland, Galizien und Rumänien, und nur durch eine Verkettung von sonderbaren Umständen, wie es nur den Angehörigen des leidenreichen jüdischen Volkes Passiven kann, sind sie nach dem fernsten Osten verschlagen worden. Die meisten von ihnen kamen über London und Indien, andere über New-Iork, San Francisco und Japan, einige auch über das weglose Sibirien nach Korea, wo sie in Söul und Masampo bereits zwei kleine Gemeinden gegründet haben. Sehr interessant ist das Schicksal mancher Juden, welche über Shanghai nach Korea gelangt sind, da sie erst in China, Sumatra, Borneo und Java gewesen sind und erst nach manchem Mißerfolg und zahlreichen Schicksalsschlägen in Korea eine Zuflucht gefunden haben. Gegenwärtig dürfte Korea gegen 300 jüdische Familien aufweifen, die unter den „gottlosen Heiden" weit ruhiger und wesentlich glücklicher leben, als früher in den Ländern der „Religion der Liebe". Die Koreaner erkannten nämlich sehr bald in den Juden ein werthvolles Element, das den Handel belebt und dem Verkehr in den Plätzen ihrer Niederlaffung einen nie geahnten Aufschwung gegeben, in Korea den russischen Zucker, Spiritus und Petroleum eingeführt und die Koreaner mit den Erzeugnissen der Lodzer Industrie bekannt gemacht haben. Außerdem haben die Juden eine große Anzahl von bis dahin in Korea gänzlich unbekannt gewesenen Handwerken eingeführt, so daß sie im edelsten Sinne des Wortes Cultur nach dem Osten getragen haben. Kein Wunder auch, daß Volk und Regierung von Korea die Juden mit Freude begrüßen und es sehr gern sehen, wenn die beiden Gemeinden in Söul und Masampo sich durch neue Einwanderungen immer mehr vergrößern. Eine größere Propaganda für die Emigration der Juden nach Korea wird von dem Vorsteher der jüdischen Gemeinde in Söul betrieben, einem österreichischen Juden, der vor kaum 12 Jahren über Hongkong nach Söul kam und durch rastlose Bemühungen es dahin gebracht hat, daß die Juden dieses Ortes sich zu einer regelrechten Gemeinde mit Synagoge, Schochet und Chasan organisirt haben. Eine gleiche Organisation dürfte bald auch in Masampo zustande kommen, so daß Korea demnächst wohlorganisirte jüdische Gemeinden wird aufweisen können. Vermischtes. Wien. (Trauung.) Dienstag den 30. September, 3 Uhr Nachmittags, fand in dem reich geschmückten Tempel der Seitenstettengaffe die Trauung des Fräulein Lilli Lieben, Tochter des kaiserl. Rathes Dr. Theodor Lieben, mit Herrn Frantzois Breitmann aus Constantinopel statt. Das Gotteshaus war von einem den besten Kreisen angehörenden Publicun, dicht gefüllt. Unter den Anwesenden bemerkte man d:e drei Präsidenten, das gesammte Vertretercollegium, die Vorsteher der israelitischen Cultusgemeinde mit dem Beamtenkörper, den Functionären, Jnstitutsdirectoren, die Bethausvorsteher der Gemeindetemp.'l, den Präsidenten und Vicepräsidenten der türkisch-israelitischen Gemeinde. Abordnungen vieler Vereine, den Chefredactenr der „Neuen Freien Presse" Dr. Ba cher, die Regierungsräth? Neumann und Schlag. Se. Excellenz General Chukri Pascha, Militärattache der türkischen! Botschaft, zahlreiche Vertreter der Kunst und Literatur u. s. w. Herr Oberrabbimr Dr. Güdemann vollzog die Trauung, Herr Obercantor Singer versah die gesanglichen Functionen. Nach der Trauung fand ein Empfang bei den Eltern des Brautpaares statt, bet welchem die reichen Sympathien, die die Familie des kaiserl. Rathes Dr. Lieben hier genießt, zu schönstem Ausdruck kamen. Wien. (Trauung.) Dienstag den 14. Octobrr l. I. um 1 Uhr M'klags findet im isr. Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Olga Langfelder. Tochter des Herrn Dr. Leopold L a n g f e! d e r, mit Herrn AlbertFaltin aus Münch engrätz statt. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien, l., Seitenstetlengaffe 4, für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn k. k. Ober-Stabsarztes Dr. Jakob Treulich: Von Herrn Leopold und Frau Sophie Telatko in Saaz (Böhmen), K 40*—; Herrn Hermann und Frau Emma Mendl jnn., X 20 —; Herrn Carl Telatko in Saaz, X 20'—. Zusammen X 80'—. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Rebekka Beck: Von Herrn Max Beck, HI.. Eslarngasse 2. X 10*—; Frau Pauline Krausmann in Budapest, X 10*—; Frau Mathilde Gutfreund, II, Taborstraße 102, K 8*—. Zusammen K 23*—. Wien Am ersten Tage des Neujahrsfestes hat Herr Gemeinderabbiner Dr. G e l b h a u s in seiner Predigt die Noth und die verzweifelte Lage unserer Glaubensbrüder in Rumänien in ergreifender Weise geschildert und die zahlreiche Festversammlung zur Unterstützung derselben aufgeforöert. Er wies auf die Hilfsaction der „Israelitischen Allianz" in Wien in begeisterten Worten hin, an welche die Spenden zu richten sind. Der Präsident der „Israelitischen Allianz" hat daraufhin an Herrn Dr. Gelb haus ein warmes Dankschreiben gerichtet. Wien. (I u b i l ä u m.) Der durch besondere Pflichttreue und Reliqiosität ausgezeichnete Cantor des Tempelvereines im IV. und V. Bezirk, Herr Philipp Bassel, begeht am 18. October dieses Jahres sein 25 jähriges Cantorenjubiläum. Herr Bassel ist auch Vorstandsmitglied des Cantoren-Vereines. Wien. (D r. Hermann G r ü n b a u m.) Mittwoch Vormittags um 10 Uhr hat das Leichenbegängniß des Bicepräsidenten der Allgemeinen Depositenbank Dr. Hermann Grünbaum, Präsidenten des israelitischen Blindeninstituts, stattgefunden. Im Trauerhause. Heßgaffe Nr. 7, sah man unter Anderen Feldmarschall - Lieutenant Schoenaich, den Präsidenten der Staatseisenbahn - Gesellschaft Ritter von Tauffig, Hosrath Frydmann, Hofrath Ritter von Ullmann, Baurath Stiaßny, die Procuristen des Bankhauses Rothschild, Horner und Langbein, Regierungsrath Calligaris, Regierungsrath von Foregger, Freiherrn v. Kn obloch, die Directoren der Depositenbank Groag und Dessauer und Vicedirector Schönwald von der Bodencreditbank. die Directoren Doctor Westermayer, Regierungsrath Dr. Baumfeld und Dr. v. Hofmannsthal, Director von Lenz. Director Hammerschlag. Director Heller, kaiserlichen Rath Weil, Gemeinderath Zifferer, die Großindustriellen Regenhart v. Zapory und Sigmund Trebitsch, Börserath Steinhübel, zahlreiche andere Vertreter der Finanzwelt und der Advocatenkammer. Die Leiche wurde auf den Centralsriedhof geführt. In der Ceremonienhalle hielt Oberrabbiner Dr. Güdemann einen Nachruf. Die cantorale Function versah Herr Obercantor Singer mit dem Tempelchor. Wien. Am letzten Freitag, als am zweiten Neujahr st a g e, ist hier Herr Moritz Käs, bekannt als Religionslehrer und ausgezeichneter Hebraist nach mehrjährigem schweren Leiden im Alter von 77 Jahren gestorben. Moritz Käs war ein vorzüglicher Charakter und genoß die 'Ächtung und aufrichtige Sympatbie Aller, die ihn gekannt hatten. Er war, wie selten einer seiner vielen zünftigen Berufsgenossen, ein bibelfester Manu, der die hebräische Sprache außerordentlich leicht zu handhaben verstand, wovon der von ihm unter dem Titel „Tor im v e - c h a r u s i nr‘ erschienene Band hebräischer Gedichte das schönste Zeugniß gibt. An der Leichenfeier hatte sich ein großer Kreis von Freunden und Verehrern belheiligt und hielt Herr Oberrabbiner Dr. Güdeiuann den die Tugenden des Hingeschiedenen würdigenden Nachruf, worauf Herr Sprachlehrer Bernhard Straßer tiefbewegte Worte des Abschiedes im eigenen, sowie im Namen der vielen Freunde des Verblichenen am offenen Grabe nachrief. —r. Wien, i Rabbiner Elija hu Menachem Goitein b"r.) Wie wir vernehmen, starb wenige Tage vor R. Goitein in Högyesz (Tolnaer Comitat) nach längerem Leiden im Alter von fünfundsechzig Jahren. Der Verblichene, ein hervorragender Schüler des „Kethab Sofer" bn, wurde als Dreiundzwanzigjähriger der Nachfolger seines Vaters und Großvaters (Verfassers des bekannten -iraa in seinem Heimatsorte und hat durch 42 Jahre mit Hingebung und regem Eiter im Interesse seiner Gemeinde und seines heiligen Berufes gewirkt. Aber seine Wirksamkeit erstreckte sich weit über 'eine Amtsthätigkeit hinaus. So hatte er in den Siebziger-Jahren für die nothleidenden Juden in Persien und in den Achtziger-Jabrcn für jene in Bagdad öffentliche Sammlungen in Ungarn eingelettet. Obwohl er in Lehre und Leben der streng-orthodoxen Richtung anhing (allerdings nicht im ungarischen Parteisinne), so trat er jederzeit für die Verbindung von Thora und allgemeiner Bildung ein und erzog auch seine Kinder in diesem Sinne. Er selbst war nicht nur als talmudischer Gelehrter, sondern auch als gediegener Redner in weiteren Kreisen geschätzt. Sein ältester Sohn, ein Jünger Hildesheimer's, Dr. Hirsch Goitein ist gegenwärtig Rabbiner in Kopenhagen, ein

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