Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 41 (10.10.1902)
- Date
- 1902-10-10
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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Nr. 41 Dr. Vloch's Wochenschrift. Veite 667 stimmung aller Anwesenden, besonders des freisinnigen Prälaten von-« Tepl, sowie die dankende Anerkennung seitens des Vertreters dcs^ Statthalters und des Bezirkshauptmannes. Möge der traditionelles Friede zwischen den drei Confessionen in dem neuen Bezirke fort-M bestehen. Die israelitische Bevölkerung wird gerne das Ihrige dazu^'Z beitragen. In dem Bezirke Marienbad befinden sich zwei israelitische Cultusgemeinden: Marienbad und Königswarl. Temesvar. Ein Freund Ihres Blartes sendet Ihnen hiemir einen in hiesigen Blättern enthaltenen Bericht über eine wahrhaft glänzende Trauung, welche den Beweis lieferte, in welch friedlicher Eintracht die verschiedenen Eonfessionen hier leben. Dieser Bericht lantet: Ein glänzendes Hochzeitsfesthat hier in Temesvar stattgefunden. Der Großpächter der gräflich Bissingen-Nippenbnrg'schen Herrschaft in Temes-Buttyin, Herr Andor Deutsch, Bicepräsident des Temeser landwirthschaftlichen Comitats-Vereines, der im öffentlichen Leben des Comitates eine so rege und selbstlose Thätigkeit entwickelt, feierte unter ganz besonderen Sympathie-Kundgebungen seine Verehelichung mit einer der gefeiertsten Schönheiten von Temesvar und Südungarn, dem Fräulein Malvine P o l l a k. Vormittags 10 Uhr fand die standesamtliche Eheschließung im Prunksaale des Comitats-Palais statt. Dem Acte wohnte ein zahlreiches und vornehmes Publicum bei, in dessen Reihen wir den Obergespan Doctor Victor v. M o l n ä r, den königl. Rath Georg v. N a g y, den Abgeordneten Karl Mayer, die Oberstuhlrichter Johann G a b a n y i und Edmund v. P r e p e l i c z a y, den Staatsanwalt Paul v.J ak a b f f y, Oberfiscal Dr. Johann Darabanth. Als Trauzeugen fungirten der Oheim der Braut, Herr Hugo Weiß und der Schwager des Bräutigams, Herr Sigmund Leopold aus Arad. — Nachmittag 4 Uhr hat im Fabriker israelitischen Tempel die kirchliche Trauung statigefunden. Der Tempel war in allen Räumen bis auf's letzte Plätzchen gefüllt, und in der Reihe der Festgäste sah man u. A. den k. und k. Kämmerer Baron Bela Ambr 6 zy, den königl. Tafelrichter Alexander Gerda novits, den israelitischen Districts - Präsidenten Salamon S t e r n t h a l, den Gemeindepräsidenten Emanuel Friedmann, Herrn Israel v. D e r e r a, Oberphysikus Dr. Eugen T a u f f e r, Lloyd-Director Alexander K o h n u. s. w. Den Trauungsact vollzog Oberrabviner Dr. Jakob Singer. Als Trauzeugen fungirten hier der Vater des Bräutigams, Herr Bernat Deutsch, Präsident der Araber israelitischen Gemeinde, und Herr Leopold Klein, der Oheim der Braut. Den gesanglichen und musikalischen Theil der Ceremonie versah Obercantor S z o n t ä g, den künstlerisch geschulten Ehor mit Orgelbegleitung leitete Herr Marko G r o ß k o p f mit tadelloser Exactheit. Sarajewo. (T e m p e l w e i h e.) Unter überaus zahlreicher Betheiligung aller Kreise der Hauptstadt fand die Einweihung des neuen Tempels der österr.-ungarischen israelitischen Cultusgemeinde statt. Die Feier zerfiel in zwei Theile. Zuerst versammelte sich der Gemeindevorstand mit den Gemeindeältesten im alten Bethause, um von demselben Abschied zu nehmen. Nach einem kurzen Gottesdienste, den Cantor Singer celebrirte, bestieg Rabbiner Dr. W e s z e l die Kanzel, um an die versammelte Gemeinde eine Ansprache zu richten, in welcher die Bedeutung des Moments hervorgehoben wurde. Die kurze Rede machte einen mächtigen Eindruck, und in den Augen Vieler bemerkte man Thränen der Rührung. Dann wurde die Bundeslade geöffnet, die Thorarollen entnommen und in feierlichem Aufzuge nach dem neuen Tempel übertragen. . In dem Augenblicke, als der Zug das festlich geschmückte prächtige neue Gotteshaus betrat, erstrahlte mit einem Schlage die elektrische Beleuchtung. Die Thorarollen wurden in der neuen prachtvollen Bundeslade aufgestellt, der Cantor trug ein Gebet vor, welches den feierlichen Weiheact eröffnete. Hierauf betrat der derzeitige Präsident der Gemeinde, Dr. Moriz R o t h k o p f die Rednertribüne, um die Bedeutung des Tages zu würdigen. Der Redner dankte in warmempfundenen Worten vorerst den Vertretern der bürgerlichen und militärischen Behörden, welche das Fest der Gemeinde durch ihre Gegenwart verherrlichten, gab dann in kurzem Abriß eine Darstellung der Geschichte der hiesigen Gemeinde und des Tempelbaues, hob hervor, daß derselbe ein Werk der Opferwilligkeit der Gemeindegenossen und ein Wahrzeichen des Gemeinsinnes sei, der festwurzle in der tausendjährigen Tradition des jüdischen Stammes, die Werke der Humanität, Liebe zum Frieden und Liebe zum Staate, Achtung vor den Gesetzen und Streben nach Bildung und Aufklärung verkörpere. Nachdem der Redner noch in warmen Worten denjenigen gedankt hatte, welche zum Gelingen des Werkes beigetragen, dasselbe begründet und gefördert, dem gottbegnadeten Künstler, der das neue Gotteshaus so schön gestaltet, richtete er an den Rabbiner die Aufforderung, den Act der religiösen Weihe vorzunehmen. Rabbiner Dr. W e s z e l zündete hierauf das „Ewige Licht" an und sprach ein kurzes Gebet. Der Vorbeter stimmte einen Lobgesang an, die Bundeslade wurde geöffnet, die Thorarollen demselben entnommen und unter Absingung von Psalmen, die ein Männerchor sehr hübsch executirte, in feierlichem Aufzuge dreimal um den Altar getragen, wobei die Träger des Heiligthums abwechselten. Nach Beendigung der Umzüge wurden die Rollen wieder in der Lade untergebracht und dieselbe geschlossen, was unter abermaliger Absingung einer Hymne geschah. Nun folgte der Glanzpunkt des Festes, die Festrede des Rabbiners. Sie war ein oratorisches Meisterwerk, getragen von tiefer .Religiosität und aufrichtiger Begeisterung und machte aus alle Hörer 'einen mächtigen, nachhaltigen Eindruck, namentlich durch die zun'. ^Herzen gehenden warmen Töne der Menschenliebe, wie auch durch die ^Fiille reicher und schöner Gedanken und durch die glücklich gewählten Citate aus dem alten Schriftthum der Juden. Ter gelehrte Redner gab zuerst der Freude darüber Ausdruck, daß die Gemeinde das Ziel ihrer innigen Wünsche nunmehr erreichte und ihre Andacht an einer des Zweckes würdigen Stätte verrichten könne. Lodann erklärte er die Bedeutung des „Ewigen Lichtes" als Symbole der Unsterblichkeit des Geistes und der Gotteslehre, welche ihren Anhängern seit ihrem Bestehen gebietet, alle Menschen mit gleicher Lrebe zu umfassen, wie dies schon Moses im III. Buche seiner Lehre mit den Worten befahl: „Und du sollst lieben deinen Nächsten wie dich selbst, ich befehle es, der Herr, der alle Menschen erschaffen hat". Auch die Berufung auf den letzten jüdischen Propheten Maleachi und auf seinen Ausspruch: „Haben wir denn nicht alle einen Vater, hat uns denn alle nicht ein Gott erschaffen, warum sollen wir denn treulos handeln Jeglicher an seinem Nächsten?" machte tiefe Wirkung. Nach einem ferneren Rückblicke auf die Opfer- Willigkeit der Gemeinde und einem kurzen Abriß aus der Ethik des Judenthums überging der Redner aut die Darlegung des Schutzes, den die Judenschaft unter der glorreichen Regierung u n s e r e j g eliebten Monarchen genießt. Das Publicum erhob sich von seinen Sitzen und hörte diesen Theil der Rede, welcher mit herrlichen Citaten aus den Psalmen David's durchsetzt war. stehend an. Zum Schluffe weihte der Rabbiner die neue heilige Stätte und übergab sie ihrem religiösen Zwecke. Nach Absingung einiger weiterer Psalmen, bei welcher der Männerchor abermals mitwirkte, wurde die Bundeslade abermals geöffnet, zwei geschmückte Thorarollen derselben entnommen, der Rabbiner trat vor die geöffnete Lade und verrichtete ein schwungvolles Gebet für den Monarchen, dem die Absingung der beiden ersten Strophen der Volkshymne folgte. Damit war der officielle Theil des weihevollen Festes beendet, die Gäste verließen das nunmehr geweihte Gotteshaus, in welchem dann der erste förmliche Gottesdienst abgehalten wurde. Landeschef G. d. C. Baron Appel hatte sein Fernbleiben ausdrücklich entschuldigen lassen. Von den zahlreich erschienenen Festgästen seien erwähnt: Civiladlatus Baron Kutschern, FML. Conte C o r t i. die Sectionschefs Baron B e n k o, Sonnleithner, P a s s i n i und Dr. v. R a j n e r, Obergerichtspräsident Doctor K e n g l j e l i c, die Hofräthe Hörmann, Treäcec und Ludwig, Post- und Telegraphen - Director C i m p o n e r i u, Senatsprüsident S h e k, Oberbaurath Kellner, Regiernngsratb Dr. K o b l e r, Kreisgerichts- Präsident Niedzwiecki, Berghauptmann Grimmer, Oberaerichtsrath T s ch o f f a, Leiter des Landesspitales Dr. Glück, die Directoren sämmtlicher hiesiger Lehranstalten, zahlreiche Stabs- und Oberofficiere als Vertretungen sämmtlicher Commanden, Truppen und Anstalten, und Beamte aller Rangsclassen. Die Hauptstadt war durch die beiden Vicebürgermeister P e t r o v i c und Doctor N i e c und Diele Gemeinderäthe, die orientalisch-orthodoxe Kirchengemeinde durch ihren Obmann P e t r o v i c und die Gemeinderäthe Risto B e s a r o v i c und Jeftan D e s p i c, die spaniolische Gemeinde durch ihren Präsidenten Salom. Eff. S al o m und zahlreiche hervorragende Mitglieder, die Vereine „Benevolencia" und „Lyra" durch ihre Präsidenten Salvator Salom und Josef D a n o n vertreten. Bei der Feier waren ferner Architekt Oberingenieur Pari! und der Bauunternehmer Jungwirth anwesend und Gegenstand vielfacher Anerkennung. Namentlich wurde Herr Parik, der die Pläne des schönen Hauses entworfen und den Bau geleitet hat, vielfach durch verdientes Lob ausgezeichnet. Berlin. An die wohllöbliche Redaction der „Oesterr. Wochenschrift", Wien! In Ihrer letzten Nummer weist ein Correspondent auf die jüdischen Krankenpflegerinnen in Frankfurt a. M. hin. Ich erlaube mir darauf aufmerksam zu machen, daß jüdische Krankenschwestern auch in Köln, Hamburg. München und namentlich in Berlin thätig sind. In der Angelegenheit der jüdischen Krankenschwestern möchte ich auf zwei Punkte besonders aufmer ksam machen. Einmal, daß es sich hier um eine Einrichtung handelt, die bei verständiger ökonomischer Leitung verbältnißmäßig sehr geringe Mittel erfordert. Trotzdem die Pflegerinnen auch in zahlreichen Fällen die Pflege unentgeltlich leisten, sind die Einnahmen ausreichend, um den Jahresbedarf zu decken. Sammlungen und Stiftungen sind nur deshalb nöthig, um den eintretenden Schwestern die fatzungsgemüß zu gewährleistenden Pensions- und Jnvalidenansprüche zu sichern. Es handelt sich also um eine Einrichtung, bei der, abgesehen von den moralischen Factoren, die für die Einrichtung sprechen, der finanzielle Nutzen, im Berhältniß zu den Aufwendungen ein sehr hoher ist. Es ist ferner außerordentlich bemerkenswerth, daß die jüdischen Pflegerinnen sich sehr bewährt haben. Als zuerst der Gedanke auftauchte, jüdische Schwestern auszubilden, wurde er bespöttelt. Ec wäre auch niemals zur Ausführung gelangt, wenn nicht eine äußere Veranlassung dazu genöthigt hätte. Ein jüdisches Mädchen, welches in einem sogenannten interconfeffionellen Krankenhaus sich als Schwester ausbilden lassen wollte, wurde von dem Krankenhaus als Jüdin nicht zugelaffen. Dies veranlaßte ein.