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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-10-10 · 41 (10.10.1902) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
41 (10.10.1902)
Date
1902-10-10
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 666 Dr. Bloch's Wochenfchrist. Slr. äl 1881 wurde Stiaßny unmittelbar nach dem Ringtheaterdrande in die damalige Theater-Sicherheits-Commiffion berufen, später als Mitglied in die Theater-Landes-Commission, welcher er noch gegenwärtig angehört. 1883 wurde Stiaßny durch die Verleihung des Titels eines k. k. Baurathes ausgezeichnet, 1893 ehrten ihn seine Mitbürger durch die Verleihung des taxfreien Bürgerrechtes der Stadt Wien. 1893 bis 1896 gehörte Stiaßny der Commission für die Wiener Verkehrsanlagen als Ersatzmann, 1878 bis 1896, demnach durch 18 Jahre, der Donau-Regulirungs-Commission als Mitglied an und entfaltete daselbst eine fruchtbare Thätigkeit, indem er auf die Schaffung der Donaustadt und auf die Umwandlung des Donaucanals in einen Schifffahrtscanal Einfluß nahm. Von 1884 bis 1899, also durch 15 Jahre, war er auch Mitglied des Wiener Bezirksschulrathes. Seit 1879 gehört Stiaßny dem Vorstande der israelitischen Cultusgemeinde Wien an; seit mehreren Jahren bekleidet er in dieser Corporation das Amt eines Vertreters; seit 15 Jahren ist er Obmann der Friedhofs-Commission. 1895 gründete Stiaßny die „Gesellschaft für Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums'', deren Präsident er noch gegenwärtig ist, endlich ist er seit 30 Jahren auf Humanitären Gibüte thätig und befindet sich zum Theile an der Sp tze, zum Theile im Vorstande mehrerer gemeinnütziger und Wohlihätigkeiisvereine. Wien. Auf dem Carlsbader Congreß der deutschen Naturforscher und Aerzte, welcher soeben geschlossen wurde, haben sich jüdische Aerzte in hervorragender Weise durch Vorträge betheiligt. Aus Wien nennerr wir Professor Dr. E h r m a n n und die Docenten Dr. Sternberg und D :. Theodor Beer. Geradezu Aussehen erregte jedoch der Vortrag des Wiener Arztes Dr. Paul Moser über das von ihm entdeckte Serum zur Heilung des Scharlachs. Welche Bedeutung in den ärztlichen Kreisen dieser Entdeckung beigemeffen wird, geht schon daraus hervor, daß der Präsident des Congresses, der Geheime Medicinalrath Dr. Heubner aus Berlin, in seiner resumirenden Schlußrede den Vortrag Moser's besonders hervorhob und betonte, daß in der Section für innere Medicin und Kinderheilkunde eine Mittheilung von großer Wichtigkeit gemacht wurde. Der Präsident fügte bei, es scheine, naß das Gebiet der Serum-Tberapie eine äußerst wichtige Bereicherung erfahren habe. Dr. Paul Moser ist ein geborener Carlsbadcr und entstammt der Familie des angesehenen Glasfabrikanten Ludwig Moser, welcher durch Jahre der dortigen Cultusgemeinde vorsteht. Wien. K. k. Ober-Stabsarzt i. R. Dr. Jacob Treulich wurde am zweiten Rosch Haschono-Tage, 1 Uhr Mittags, unter großen militärischen Ehren, in G.genwart des Chefs des k. k. Platz- Commandos, Sr. Excellenz des Herrn Feldmarschall-Lieutenants Erich Ritter von Engel, zu Grabe getragen. Die Wiener Chewra- Kadischa war durch ihr Vorstandsmitglied Herrn S. Heit, die israelitische Cultusgemeinde durch ihren ersten Secretär Herrn kais. Rath Dr. Lreben, der Tempel-Verein des 9. Bezirkes, dessen langjähriges Mitglied der Verewigte war, durch seinen Präsidenten Gottlieb Bettelheim und Herrn k. k. Commercialrath Siegmund Neustadt! vertreten. Außer den Genannten erschienen viele Bekannte und Verehrer des Heimgegangenen, darunter sein alter Freund Militär-Superintendent Prof. Dr. I. M. Seberiny und Banquier Friedenstein. — Die Functionen versahen Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Gelbhaus und der erste Canlor Herr Schiller. Der Leichenzug bewegte sich über die Währingerstraße, Schwarzspanierstraße und Garnisonsgasse, am Landesgerichtsgebäude vorbei, wo für den Dahingeschiedenen die Gencral-Decharge abgegeben wurde. Herr Gcmeinderabbiner Dr. G e l b h a u s folgte im vollen Ornate dem Leichenzuge zu Fuße bis dahin, lieber den Verewigten theilt uns ein alterÄbonnent unseres Blattes Folgendes mit: Dr. Jacob Treulich, geboren am 21. November 1822 in Radnitz in Böhmen, absolvirte das Gymnasium in Pilsen und studirte in Prag Philosophie und Medicin, wo er 1849 das Doctorat der Medicin erlangte und sogleich als k. k. Oberarzt zur Armee nach Ungarn berufen wurde. Er machte die Feldzüge 1859 in Italien bei Magenta und Solferino. 1864 in Schleswig-Holstein, 1866 bei Königgrätz mit, wurde 1878 Commandant des dritten Feldspitales, des ersten, welches nach Bosnien kam, und wurde dadurch bekannt, daß der bosnische Jnsurgentenführer Hadschi Loja seinem Svitale zur Heilung der Fußwunde zugewiesen wurde. 1881 trat er krankheitshalber in den Ruhestand. Seine pflichttreuen hervorragenden Leistungen wurden wiederholt hohen Orts anerkannt, auch mündlich durch Seine Majestät dem Kaiser. Nach der Schlacht von Solferino wurde er durch Berleihuug des goldenen Verdienstkreuzes mit der Krone ausgezeichnet. Anläßlich seines 50jährigen Doctor-Jubiläums ernannte ihn die Prager CarlFerdinand-Universität zu ihrem Ehrendoctor. Während seines Aufenthaltes in Preßburg und später in Wien war er wegen seiner ärztlichen Kunst und seines menschenfreundlichen Wirkens ein sehr gesuchter Arzt und verschaffte sich viele Freunde und Verehrer. Er war nicht nur seinen bedürftigen Verwandten, sondern auch Fremden gegenüber im Stillen nach Kräften wohlthätig, er hatte für humanitäre Zwecke ohne confessionellen Unterschied und speciell für jüdische Interessen stets eine offene Hand. Er war viele Jahre Abonnent der,OesterreichischknWochenschrift" und ein eifriger Verfechter der von Dr. Bloch vertretenen Richtung. Im December 1891 wurde ihm seine treue Gattin und vorher 3 Söhne durch den Tod entrissen. An seiner Bahre trauerten seine zwei Söhne, Herr Dr. Med. Isidor Treulich und dessen Gattin und Herr Dr. jur. Otto Treulich, welche stolz auf einen solchen Vater, dessen Liebe alle Menschen umfaßte, Hinweisen können, aber auch das Judenthum betrauert in ihm einer seiner besten und treuesten Glaubensbrüder. Möge ihm die Erde leicht werden. Sein Andenken sei gesegnet! Ausstrtz. Löbliche Redaction! In der jüngsten Nummer Ihres geschätzten Blattes finden wir eine Zuschrift abgedruckt, die sich „Die Arbeitsscheu der Juden" betitelt. Es wird den Feinden unseres Stammes darin ins Gesicht geleuchtet, ihnen bewiesen, wie werthgeschätzt die mcnurlle Arbeit in Israel war. So schlagend und beweiskräftig die hiesür gebrachten Belege nun sind, so können wir nicht umhin, die Bedeutung, welche in einem der angeführten Citate gegeben wird, richtigzustellen. Der citirte Ausspruch Rabbi Akibas will nicht besagen: „Arbeite selbst am Sabbath, um nur nicht die Unterstützung Anderer zu brauchen." Eine Sentenz zu lehren, welche sich zum „Zehnworte" in Gegensatz stellt, kann dem Rabbi nicht zugemuthet werden. Die Lebenslehre dieses Weisen findet in ihrer Fassung die maßgebende Interpretation: „Gestalte Deinen Feiertag zum Alltage und bedürfe der Menschen nicht," d. h. Dürftigkeit und kärgliche Nahrung selbst am Festtage, nur der Menschen nicht bedürfen. (Vergl. Tract. Sabbath Fol. 118 a und Peffochim Fol. 112 a Kasein e lodiz68) der gottglweihte Sabbath werde heilig gehalten, den Deinen magst Du profanisiren. Indem ich die löbliche Redaction ergebenst litte, aus einem naheliegenden Grunde meiner Richtigstellung in Jhu r geschätzten Wochenschrift Aufnahme zu gewähren, zeichne ich mit vorzüglichster Hochachtung Ihr A u s p i tz, 6. October 1902. Rabbiner Dr. B ö ck. Marienbad. (Activirung der neuen Bezirkshau p t m a n n s ch a f t.) Mit der Errichtung einer politischen Behörde ist ein lang gehegter Wunsch der Marienbader in Erfüllung gegangen. In feierlicher Weise fand am 1. d. M. die Activirung der neuen Bezirkshauptmannschaft statt, zu deren Chef der k. k. Bezirkshauptmann Pezellen ernannt wurde, welcher vorher in gleicher Eigenschaft in Tepl wirkte, zu dessen politischen Bezirk Marienbad bisher gehörte. Nach der officiellen Festlichkeit im Stadthause vereinigte die erschienenen Honoratioren ein Festdejeuner im „Hotel Neptun", dem folgende Persönlichkeiten beiwohnten: in Vertretung des k. k. Statthalters Statthaltereirath Napprich ans Eg er, der neue Bezirkschef, k. k. Bezirkshauptmann Pezellen, der Bürgermeister mit der Stadtvertrelung. die Spitzen der hiesigen Behörden, der Prälat des Stiftes Tepl, Pater Helmer mit der kath. Geistlichkeit, die Vorstände der evangelischen und israelitischen Cultusgemeinde, evangelischer Pfarrer Ferbas und Rabbiner Dr. Goldberger. Von den bei diesem Anlasse gehaltenen Reden verdienen jene der Vertreter der drei Confessionen besonders hervorgehoben zu werden. Prälat Helmer sprach von den Beziehungen des Stifters und der Stadt Tepl zu Marienbad und erhob schließlich fein Glas auf das Einvernehmen zwischen Tepl, Marienbad und Königswart. Evangelischer Pfarrer Ferbas begrüßte in dem „neuen" Bezirkshauptmann in launiger Rede den „alten" Amtschef. Namens der israelitischen Cultusgemeinde wies Rabbiner Dr. Goldberger auf das bisherige freundliche Einvernehmen zwischen dieser und der Bezirksbehörde hin und gab der Hoffnung Ausdruck, daß auch in Zukunft das harmonische Zusammenwirken fortbestehen werde. Unter Hinweis auf die friedliche Harmonie der verschiedenen Berufe, Körperschaften und Confessionen, deren Vertreter bei diesem Festmahle vereinigt sind, erhob er sein Glas auf die Aufrechterhaltung des Friedens Aller mit Allen in dem neugeschaffenen Bezirke und auf die kräftige Förderung desselben durch die neue Behörde. Tr. Goldberger fand für seine gediegenen Ausführungen die lebhafteste Zu-

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