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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-10-10 · 41 (10.10.1902) · page 4

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
41 (10.10.1902)
Date
1902-10-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Sette 658 Dr Blmtz^s Wochsnsttzrifk. Nr. 41 rechtmäßige Eintragungen zu annulliren. Da hat sich nun freilich das Wunder der Hochzeit von Canaan bei der christlich-socialen Wählerschaft in moderner Form ereignet. Die Zahl der Landtagswähler ist größer geworden als die Zahl der Wähler in der fünften Curie, obgleich für die ersteren eine längere Seßhaftigkeit vorgeschrieben ist, und in der innern Stadt, deren Bevölkerungszahl jährlich abnimmt, weil die Wohnungen in der City allmälig in Geschäftslocale umgestaltet werden, sind Plötzlich um ungefähr 1000 Landtagswähler mehr als Wähler in der fünften Curie! Es erinnert uns das an die bekannte Geschichte von dem Champagnerbade einer Sängerin; wir wollen auf die Details dieser stadtbekannten Anekdote hier nicht eingehen. Auf so natürliche und leicht erklärliche Art, wie der Champagner in der Badewanne der Sängerin aber haben sich die Landtagswähler in der innern Stadt wahrlich nicht vermehrt. Da haben Eintragungen von Leuten stattgefunden, die man ad hoc einige Zeit in der innern Stadt wohnen ließ, da müssen Leute eingetragen sein, die überhaupt nicht wahlberechtigt, oder wenn sie es sind, ihr Recht in einem anderen Bezirke auszuüben haben. Und diesen räthselhaften und ganz unerklärlichen Vorgang aufzuhellen, hat die christlich-sociale Parteiherrschaft bisher verhindert, der freilich Niemand zumuthet, daß es sich ihr um reine Wahlen handelt, sondern ausschließlich um die Erlangung und nötigenfalls um die Erschleichung der Mandate. * * * An die große Lüge, die dem bedrängten Kleingewerbe Rettung durch den Befähigungsnachweis versprach, reiht sich die von der christlich-socialen Schreckensherrschaft bewirkte sogenannte Reform der Paragraphe 59 und 60 der Gewerbeordnung. Sie soll den seßhaften Geschäftsmann vor der Concurrenz des „jüdischen" Reisenden schützen. Die Kundgebungen der industriellen Körperschaften der Monarchie und zuletzt die große Versammlung des „Vereines reisender Kaufleute" haben die Oeffentlichkeit über den wirklichen wirthschaftlichen Werth jener Chicanen aufgeklärt, durch welche das Reisen in Oesterreich aus dem commerciellen Betriebe ausgeschaltet werden soll. Was wird die Wirkung sein, wenn alle jene Vorschriften durchgeführt werden sollten, die in der zu diesen „reformirten" Paragraphen erlassenen Ministerialverordnung enthalten sind? Daß der inländischen Industrie der Absatz ihrer Erzeugnisse und den inländischen Reisenden die Ausübung ihres Berufes erschwert oder unmöglich gemacht wird. Die Ausländer werden uns jene Concurrenz machen, vor der man den seßhaften Kleingewerbsmann schützen will, Tausende von anständigen und ehrlichen Menschen werden brotlos werden, und die angebliche Reform wird sich als einer der schwersten Schläge darstellen, die der österreichischen Industrie und dem österreichischen Handel beigebracht werden konnten, wohlgemerkt, der österreichischen und nicht, wie das antisemitische Schlagwort glauben machen will, der jüdischen, und der Schaden, den die reactionäre Drosselung des Verkehres anrichten muß, wird die Christen genau und noch stärker als die Juden treffen. Einem Schlagworte zuliebe haben die gesetzgebenden Körperschaften, das wird jetzt ausdrücklich zugestanden, ein Opfer des Jntellccts gebracht, und die Bevölkerung Oesterreichs wird wieder einmal das Opfer eines Experiments sein, dessen Kosten freilich die Diäten der Herren Geßmann, Axmann und Consorten nicht schmälern werden. * * ♦ Die Enthüllungen, die der Proceß gegen die antisemitische Berliner „Staatsbürgerzeitung" brachte, sind Gegenstand einer Erörterung an einer anderen Stelle dieses Blattes. Hier sei nur auf die schmähliche Erklärung hingewiesen, die der Redacteur dieses Blattes noch vor Abschluß des Verfahrens abgegeben hat. Monate hindurch hat das Berliner Antisemitenblatt die Bevölkerung von Könitz gegen die Juden gehetzt, indem sie die Behörden beschuldigte, daß sie die Juden schone und vor einer gerichtlichen Untersuchung schütze. Diese Anschuldigung hat sich jetzt als eine verleumderische dargestellt, genau das Gegentheil ist bewiesen worden. Allerdings wurde auch gezeigt und gesagt, welche Gefahr der Antisemitismus für die Rechtspflege bedeutet, wenn die Spur begangener Verbrechen gewaltsam nur nach einer Richtung gedrängt werde. Wenn Juden einen Mord begangen haben müßten, weil es die Antifemitenpresse so haben will, dann.ist es eben unmöglich, den eventuellen christlichen Thäter zu erforschen. Wie gesagt, die Monate hindurch forcirte Anschuldigung, die Behörden hätten ihres Amtes parteiisch zu Gunsten der Juden gewaltet, ist erlogen. Das hat das Beweisverfahren unwiderleglich festgestellt. Was thut nun der angeklagte antisemitische Redacteur: Er erklärt ganz einfach, er habe sich geirrt. Man beschuldigt und verleumdet, man hetzt und schürt zum Haß und zur Gewaltthat, und wenn Alles nicht wahr ist, nun, dann hat man sich eben geirrt. Das ist bequem und einträglich, denn so lange der „Jrrthum" vorhält, macht eben das antisemitische Schandblatt sein Geschäft. Unsere Wiener „Staatsbürgerzeitung", das Blatt jenes Mannes, dem nunmehr auch der oberste Gerichtshof das Zeugniß nicht versagen konnte, daß er ein Defraudant ist, hat die Brandartikel seines Berliner Bruderorgans bekanntlich fleißig nachgedruckt. Seine Leser werden aber schwerlich erfahren, daß die Ehrenmänner von der „Staatsbürgerzeitung" sich „geirrt" haben. 18 6 g r i m. Zum 70. Geburtstag des prälldenteu kariert. Käthes Ktrugrr. Bereits in den Morgenstunden des 1. October war die Wohnung des kais. Rathes Heinrich K l i n g e r in einen Blumengarten verwandelt worden und noch wollten die Sendungen der Freunde und Verehrer kein Ende nehmen. Der Tag war heiter und klar, und ehe der große Schwarm der Gratulanten nahte, ehe die Deputationen eintrafen, die dem Manne der Oeffentlichkeit den Dank und die Glückwünsche überbrachten, vereinigten sich Söhne und Töchter, Schwiegerkinder und Enkelkinder, um im intimsten Familienkreise den Vater zu feiern. Dann trat auch an diesem Tage für den verehrten Jubilar die Pflicht in den Vordergrund, die zuweilen wohl anstrengend genug war, der er sich aber mit gewohnter, nie ermüdender Liebenswürdigkeit unterzog. An der Seite seiner liebenswürdigen Gattin, von seinen Kindern und Enkeln umgeben, empfing kais. Rath K l i n g e r Deputation auf Deputation, Gast aus Gast, erwiderte jede Ansprache in bekannter herzlicher und treffender Weise, hatte für jeden Besucher ein freundliches und theilnahmsvolles Wort, für Jeden besonderen Dank und Gruß, und dem Zuschauer, der den Präsidenten an jenem Tage im Kreise seiner Familie erblickte, umdrängt von der Schaar der Freunde und Gäste, bot sich ein ergreifendes, unvergeßliches Bild, welches würdig gewesen wäre, von einem Künstler festgehalten zu werden. An diesem Tage zeigt es sich auch so recht, welche Verehrung dem Präsidenten der israelitischen Cultusgemeinde in allen Kreisen entgegengebracht wird, denn von allen Seiten wetteiferte man, ihn mit Zeichen der Sympathie und Verehrung zu überhäufen. Es gratulirten u. A.: Minister-Präsident Dr. v. K ö r b e r, Geheimer Rath Freiherr v. Chlumecky, Ungar. Minister a. D. v. Hegedüs, Sectionschef Dr. Stibral, Sectionschef Dr. Mataja, der Präsident des Patentamtes Sectionschef Beck v. M a n a g e t a, Sectionschef Dr. Wilhelm E x n e r, Hofrath Dr. Migerka, Statthaltereirath Graf Khuen bürg, Baronin Charlotte Königswarter, Baron Albert Rothschild, David Ritter von G u t m a n n, die Herrenhausmitglieder: L o b m e y r, Max Freiherr v. Mautner, Hofrath Professor Grün Hut, die Abgeordneten: Dr. Vogler, Ritter v. Kink, Rud. A u s p i tz, Wrab etz, Dr. Kolis cher, Ritter v. L i n d h e i m, der ungarische Reichstagsabgeordnete Berthold W e i s z, Hofrath Nothnagel (ausSan Remo), Hofrath Ritter v. Ullmann, Hofcath Kuranda, Oberbaurath Kaiser, die Bürgermeister von Trautenau und Sepsi Szt. György, Vicebürgermeister Siegmund in Zwitttau. Gegen 11 Uhr kamen die Deputationen der verschiedenen Körperschaften, Vereine und Institute, um den gefeierten Jubilar mit Adressen zu beglückwünschen und in herzlichen Ansprachen für sein wohlthätiges Wirken die Dankbarkeit und Verehrung auszudrücken. In erster Reihe verdient die Adresse des israelitischen Cultusvorstan.des hervorgehoben zu werden: Das in einer großen Glascassette ruhende, prachtvoll ausgestaltete Gedenkbuch mit dem auf dem Titelblatte von Künstlerhand ausgeführten Bildniß des Jubilars enthält die meisterhaft kalligraphisch angefertigte Adresse und mehrere auf das Wirken des Präsidenten hinweisende Aquarelle, jedes einzelne von bewährten Künstlern aus geführt. Die Aquarelle stellen in Einzelblättern den Sitzungssaal, die Gotteshäuser, das Spital, das Altersversorgungs- und Siechenhaus der Gemeinde dar.

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