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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-10-10 · 41 (10.10.1902) · page 5

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
41 (10.10.1902)
Date
1902-10-10
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41 Dr. BLoch's Wochenschrift. Seite 859 Außerdem sind dem Gedenkbuche die Photographien sämmtlicher Vorstandsmitglieder einverleibt. Das sehenswerthe, kostbare Kunstwerk, welches selbstverständlich nicht aus Gemeindemitteln, sondern, wie wir erfahren, im Subscriptionswege der einzelnen Herren Vorsteher angeschafft wurde, ist nach den trefflichen Plänen des kunstsinnigen Architekten Max Fleischer aus geführt worden. Der erste Vicepräsident Herr Dr. Alfred Stern, umgeben von sämmtlichen Vorstandscvllegen, richtete an den Gefeierten nachstehende Ansprache: „Verehrter Präsident! Es ist uns die ebenso erfreuliche, als ehrenvolle Aufgabe zutheil geworden, Dich im Namen des Cultusvorstandes heute zu begrüßen und herzlichst zu beglückwünschen. In unseren Gotteshäusern an den Sabbathen, Festtagen, sonst bei festlichen Anlässen und Familien-Ereignissen besteht der alt-traditionelle Brauch, daß zwischen den Ansprachen, die da gehalten, und dem Thora-Abschnitte, dem Prophetenworte oder dem Gebete, die an dem Tage oder in der Woche gelesen werden, eine Beziehung gesucht und hergestellt wird. Eine derartige Beziehung habe ich heute hier nicht erst zu suchen, sie ist gegeben, sie drängt sich von selber auf. Binnen wenigen Stunden werden hier die Thore unserer Gotteshäuser sich erschließen, werden Tausende, Zehntausende unserer Glaubensbrüder zu den heiligen Stätten wallen, um dort ihre Gebete aus Anlaß des beginnenden neuen Jahres zu Gott emporzusenden, und wenn da die Gebetstelle kommen wird: Herr, zum Segen, Glück und Frieden mögest du uns einschreiben für das kommende Jahr, uns und dein ganzes Volk Israel; da werden sich alle Blicke und alle Gedanken und alle Herzen dem Manne zuwenden, der heute vor einem Wechsel seines Lebensjahres, vor einer Lebenswende steht, und ihn, den hochgefeierten, geliebten Führer unserer Gemeinde, vor Allen in ihr Gebet einschließen. (Lebh. Beifall.) Wir und mit uns die ganze Gemeinde, deren Wortführer wir sind, wissen, was wir Alle Dir an Dank schulden, welch' unerschöpflicher Schatz an Liebe und Güte in Deiner Brust wohnt; mit welcher, nicht blos äußerlichen, formellen, sondern dem tiefsten Herzen entquellenden Liebenswürdigkeit Du dem Bittenden, der sich Dir naht, begegnest. Wir sind Zeugen Deiner hohen Einsicht, Deiner unermüdlichen Sorgfalt, mit der Du die Gemeinde leitest; wie Dich die Sorge um die Gemeinde begleitet, ob Du zu Hause sitzest oder auf der Reise bist und Dir selbst den Schlaf mancher Nacht raubst. Wir wissen, mit welcher Umsicht, mit welcher nimmermüden Thätigkeit Du Dich den Angelegenheiten der Gemeinde widmest, so daß ich mit dem gesprochenen Wort und wir Alle mit dem geschriebenen Wort den vollen Ausdruck des Dankes, den wir Dir schulden, zu finden nicht vermögen und wir zu dem, was lebendiger als das Wort spricht, zur Mithilfe der Kunst, die Zuflucht nehmen müssen. Wir überreichen Dir hier dieses Gedenkbuch, ein Werk von Künstlerhand. Du findest in demselben Abbildungen von Künstlerhand; hier das Gotteshaus, welches nach 40jährigem Bestände unter Deinem Präsidium ausgestaltet und zu voller Schöne geschmückt wurde. Hier unser Altersversorgungshaus, welchem unter Deinem Präsidium die Siechenabtheilung, diese Zufluchtsstätte für unsere armen, bemitleidenswerthesten Brüder, angefügt wurde. Hier das Krankenhaus, welches unter Deinem Präsidium, über Deine Anregung und Befürwortung durch den Zubau einer chirurgischen und gynäkologischen Abtheilung erweitert wurde und nun eine Musteranstalt ersten Ranges sein wird. Soll ich noch davon sprechen, wie Du mit glücklicher, gebenschter Hand die finanzielle Ordnung herzustellen verstandest; soll ich sprechen von Deiner klugen, concilianten Leitung, mit der Du den Frieden zu wahren bestrebt bist! Lob und Dank, tausendmal herzlichen Dank sagen wir Dir und aus vollstem Herzen den Wunsch, daß es Dir noch lange Jahre gegönnt sein möge, unser verehrter, geliebter Führer zu sein und zu bleiben. (Lebh. Beifall.) Aber nicht allein namens unserer Cultusgemeinde, auch namens einer Vereinigung, in welcher Hunderte Cultusgemeinden vertreten sind, habe ich das Wort zu führen und habe ich den schriftlichen Auftrag seitens der Vorstände und Präsidenten der bedeutendsten Cultusgemeinden, dem Präsidenten unserer größten Cultusgemeinde die herzlichsten Glückwünsche auszudrücken. Es sind 40 Jahre her, daß einer Deiner Vorgänger im Amte, Josef Ritter v. Wertheimer, die unvergeßlichen Worte gesprochen : „Es sei Aufgabe der Wiener Cultusgemeinde, sich nicht blos auf ihre eigenen Angelegenheiten zu beschränken, sondern auch als Pionnier für das gesammte Judenthum zu wirken und eine demgemäße Vereinigung anzustreben/ Namens dieser Bereinigung, des Allgemeinen österreichischisraelitischen Bundes, dessen Mitbegründer, dessen thätiges Vorstandsmitglied Du bist, sage ich Dir ebenfalls den herzlichsten Gruß und Glückwunsch. Verehrter Präsident! In fernem Lande, in fernem Osten leiden und seufzen Glaubensbrüder unter schwerem Drucke, ähnlich dem der Jahrtausende auf unseren Vorfahren im Pharaonenlande lastete. Sie bitten um Hilfe bei ihren Glaubensbrüdern und sie finden dieselbe bei jenem Verein, der es sich zur Aufgabe gestellt hat, unseren Glaubensbrüdern, welche ob ihres Glaubens, ob ihrer treuen Anhänglichkeit, ob des in unserer mehrtausendjährigen Geschichte traditionellen, erprobten treuen Festhaltens an unserem Bruderbund zu leiden haben, hilfreich zur Seite zu stehen. Die „Israelitische Allianz" ist es, welche Dir gleichfalls durch meinen Mund die herzlichsten Grüße und Glückwünsche entbietet. Und nun, verehrter Präsident, nachdem ich im Namen von Corporationen und Vereinen, von Tausenden und Hunderttausenden unserer Glaubensbrüder gesprochen, sei auch mir pro persona, dem langjährigen treuen Freund und Mechutten, ein kurzes Wort gestattet, um Dir meine herzlichste Liebe und Verehrung, meine allerherzlichsten Glückwünsche zum Ausdrucke zu bringen. Dafür aber reichen alle Superlative nicht aus und Bilder stehen mir nicht zur Verfügung. Das ist Dir am liebsten, schönsten, innigsten, herzlichsten und herzigsten für den engsten Kreis, der uns umschließt, gestern durch Kindesmund gesagt worden, durch ein Kind, das uns Beiden gleich nahe steht. (Beifall.) Sichtlich bewegt antwortete der Präsident: Hochgeehrter College! Meine hochgeehrten Herren Collegen! Ich danke von ganzem Herzen und bin tiefbewegt und zu Thränen gerührt über die Ehrung, welche Sie mir durch Ihr persönliches Erscheinen bereitet haben. Es ist dies eine Auszeichnung, wie ich eine größere in meinem Leben nicht erfahren habe. Sie werden von mir in diesem Momente nicht erwarten, daß ich die gediegene, mich hochehrende Ansprache meines Collegen und Freundes Dr. Stern etwa in einer formvollendeten Rede beantworte. Sie wissen ja, daß ich wohl über guten Willen, nicht aber über die Gabe der Rede verfüge. (Widerspruch, „Oho!"-Rufe.) Die Ehrung, welche Sie mir in meinem Heim, umgeben von meiner Frau, meinen Kindern und den Aeltesten meiner Kindeskinder bereiten, bleibt mir unvergeßlich und sie wird es auch für meine Familie sein, deren Mitglieder treu dem Judenthume angehören und demselben auch weit über mein Grab hinaus treue Anhänger bleiben werden. (Lebhafter Beifall.) Empfangen Sie nochmals innigsten Dank, auch für das von einer von mir geahnten Künstlerhand ausgeführte, ebenso prachtvolle wie finnige Gedenkbuch. So lange Gott mir Kraft gibt, werde ich treu an Ihrer Seite ausharren. (Lebhafter Beifall.) Die Wiener R a b b i n e n: Oberrabbiner Dr. Güdem a n n, Dr. Schmied l, Mayersohn, Dr. Gelbhaus, Dr. T a g l i ch t, Dr. Bach, Dr. Abele s, Reich und Dr. Mandl, überbrachten eine gemeinsame Adresse, wobei Oberrabbiner Dr. Güdemann an den Präsidenten folgende Ansprache hielt: Hochverehrter Herr Präsident! Es gereicht den Rabbinern der Israelitischen Cultusgemeinde, meinen Collegen und mir, zu besonderer Freude, Sie zu Ihrem 70. Geburtstage in solcher Rüstigkeit und im Kreise einer glücklichen Familie beglückwünschen zu können, obwohl Sie es mit diesem Tage für uns Rabbiner nicht sehr schonend eingerichtet haben. Ich fasse mich daher kurz, und da wir eine schriftliche und eine mündliche Lehre haben und die erstere kürzer ist, so wollen wir Ihnen unsere Wünsche, die wir in einer nicht zu langen Adresse niedergelegt haben, zur Verlesung bringen.

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