Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 40 (5.10.1902)
- Date
- 1902-10-05
- Page
- – (sequence 15)
- Language
- German
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Nr. 40 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 6^8 »Nein, nein! Fort von mir, du teuflische Versuchung! König David mit seiner Gnade stehe mir bei!' »Schon wieder fingt er sein altes Lied . . . Pfui! Thu' dich hinweg von mir, du herzloser Schieferstein! Sink' ein mitsammt deinem Gelde und krepir' auf deinen Säcken wie ein Hund!' »Was für Unsinn! Welch' sündhafte Rede!" vorwurfsvoll schüttelte Nikolajew den Kopf und entfernte sich langsamen Schrittes." (Fortsetzung folgt.) Literatur. „Heinrich Klinge r" „Zur Feier seines 70. Geburtstages." Mit einer sinnigen Gabe begrüßt Herr Paul L e mb er g er den 70. Geburtstag seines Schwiegervaters, des Htrrn kais. Rathes Heinrich K l i n g e r. Er widmet dem Jubilar ein prächtig ausgestattetes, mit dem sprechend ähnlichen Porträt des Gefeierten geschmücktes Bändchen, in welchem er in großen Zügen den Lebens- und Werdegang Heinrich Klingens schildert. Nicht die Sucht, zu glänzen, sondern warme Liebe und innige Verehrung hat dem Verfasser die Feder geführt. Wir gewinnen ein eindrucksvolles Bild von einem Menschendasein, welches von seinen ersten Anfängen bis hinauf zu seiner heutigen stolzen Höhe nur der Arbeit und der Hingebung für das Wohl der Mitmenschen geweiht war; es wird uns ein Blick vergönnt in ein wahrhaft, patriarchalisches, durch seine Anspruchslosigkeit glückliches Familienleben Der Verfasser hat sich durch sein Gefühl nicht zu dithyrambischem Schwünge verleiten lassen. Er redet die einfache Sprache der Wahrheit, er läßt die Persönlichkeit des Jubilars vor uns durch die Thatsachen heranwachsen. Welche Fülle rastloser, segenbringender Thätigkeit, zuerst im langsamen Aufbau der eigenen Existenz, dann in der rascheren Entwicklung des Hauses und daneben in den vielfachen Ehrenstellungen, zu welchen Heinrich Klinger im Laufe der letzten vier Decennien durch das Vertrauen seiner Mitbürger berufen wurde. Aber feinsinnig folgt der Verfasser auch den innersten Seelenregungen dieser ungewöhnlichen Individualität, spürt er den psychologischen Ursachen dieses so sonnig und erfolgreich verlaufenen Lebens nach. Er zeigt uns, wie der Jüngling schon vom tiefen sittlichen Ernste erfüllt war, wie er mit dürstendem Begehren aus dem unversieglichen Quell deutscher Bildung trank, wie er hohen Idealen nachstrebte und unausgesetzt beflissen war, den Kreis seiner Erkenntniß und seiner Kenntnisse zu erweitern. „Die heiligsten Interessen der Menschheit", sagt der Biograph, „wie Religion, Nationalität, Ehe, die sociale Frage, beschäftigten den Geist des Jünglings lebhaft, und er ließ sich dabei nicht von Phrasen, Schlagworten und Gemeinplätzen ins Schlepptau nehmen, sondern dachte reiflich und selbstständig über sie nach, wie er denn überhaupt mit offenen Augen durchs Leben ging und sich einen Schatz von Erfahrungen sammelte. Immer und überall steht ihm das sittliche Moment zu höchst, und sein eindringender Verstand löst den Kern von der Schale los." Mit einem leicht beweglichen Geiste und tiefem Gemüthe verband Heinrich Klinger, was wir socialen Sinn nennen, und diese eigenartige, glückliche Mischung besonderer Fähigkeiten führte ihn von Stufe zu Stufe aufwärts. Von der Durchbildung seiner eigenen Persönlichkeit zur Begründung einer Familie, die mit abgöttischer Liebe an ihn hängt, dann aber zur Betätigung seiner Kräfte für das Gemeinwohl in den mannigfachsten Richtungen. Fast scheint es zu viel für ein kurzes Menschendasein, was uns das Büchlein über die reichen Anregungen erzählt, die Klinger als Handelskammerrath dem wirthschaftlichen Leben unseres Vaterlandes bot, was er an positiver Arbeit als Referent in den complicirtesten handelsrechtlichen und commerciellen Fragen leistete. Das Büchlein Paul Lemberger's ist eine werthvolle Ergänzung zu jener Würdigung, die wir dem verehrten Jubilar in seiner Eigenschaft als Präsident der israelitischen Cultusgemeinde angedeihen ließen, und aus vollem Herzen unterschreiben wir die Schlußsätze, in welchen der Verfasser seine Darstellung ausklingen läA: „Der Jubilar hat die schönen Worte des Altmeisters Goethe: „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut", nach Maßgabe seiner Kräfte in die Wirklichkeit übersetzt. Nichts Bienschliches ist ihm fremd, er ist sich stets der socialen Pflichten, welche Glücksgüter auferlegen, bewußt, sein Herz schlägt warm für die Armen und Bedürftigen." Gedächtnißfeier-Lied von Benedict Singer. Eine frei aus dem Gemüth quellende Melodie, zu Worten wehmüthiger Erinnerung, bat Benedict Singer. Obercantor in Jungbunzlau, in seinem Gedächtnißfeier-Lied geschaffen. Der ernste Choral in seiner rhythmischen Härte gab jeder Trauermelodie früher das Gepräge, um die Wucht des Schmerzes mehr zum Ausdruck kommen zu lassen. Chopin erfand eine neuartige Form, indem er die milderen Töne des Volksliedes anschlug und so jene wohl tiefwehmüthigen, aber mehr auf die Thränenstimmung eines bewegten Herzens eingehende Töne schuf. Auch der nächst populäre Trauergesang „Es ist bestimmt in Gottesrath" verdankt dieser volksthümlichen Liedart eben seine Popularität. Benedict Singer hat seine Composition in demselben Sinne aufgefaßt und dürfte ihr damit viele Freunde erwerben. Für die feierliche Größe der Seelenandacht im Beginn widmet er, um weltentrückte Stimmung zu schaffen, einen Choralsatz, der in der Oberstimme in der Monotonie festgehalten ist, den musikalischen Reiz dagegen in der Führung der Baßstimme hervorkehrt. Die weiteren Textworte erinnern an die Musterliebe und bringen das Herz zum Ueberströmen. Dieser Empfindung gibt sich auch der Componist hin und schreibt anheimelnde Töne, die dem Gedenken entsprechen, mit den theuren Abgeschiedenen, Vater und Mutter lebendig in der Kindesseele fortbestehen Die Zweistimmigkeit dieses Satzes gibt der Melodie den intim traulichen Reiz. Die Tragik über hingegangenes, junges Leben führt vielstimmig in wohlgetroffener, dramatischer Steigerung weiter, schreitet chromatisch bis zu einer Dissonanz packend voran und mattet schließlich, gleichsam ein Bild menschlicher Ohnmacht gegen göttlichen Willen, in ritardirendem Unisono ab. Das Finale führt innig weihevoll von der Wehmuth zur Tröstung und init den Worten „denn der Gott, der's Leben nimmt, unser Herz auch freudig stimmt" von der Verheißung zur feiertäglichen Feststimmung zurück. Das Werkchen, im Verlag des Gesangvereines „Harmonia" in Jungbunzlau erschienen, verdient überall im Gotteshause, wo hübsche Sopran- und Altstimmen und Orgel- oder Harmoniumbegieitung beieinander sind, gesungen zu werden. Es will nicht durch Macht im Aufbau imvoniren, singt sich aoer schlicht und innig ins Herz hinein und das versteht nun mal ein Jeder. Durch seine Zweckmäßigkeit empfiehlt es sich daher von selbst und macht die Reclame überflüssig! Eugen D a w i s o n. Teplitz. Neue Vücher. Theodor Herzl. Altneuland. Roman. Verlag von Hcrmann Seemann Nachfolger in Leipzig. „Th6 Jewish Ency clopedia'. A descriptive record of the history, religion, literature and customs of the yewish people from the earliest times to the present day. Vol. II. (Apocrypha-Benash.) Newyork and London. Funk and Wagnak’s Company, 1902. Paul Leurberger. Heinrich Klinger. Zur Feier seines 70. Geburtstages 1. October 1902. Mit dem Vildniß des Jubilars. Dr. I. Norden, Rabbiner in Myslowitz. David Deutsch (1810-1873) Rabbiner in Myslowitz und Sohrau, O.-S. Ein Lebensbild. Herousgegeben vom „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" in Myslowitz. _ Sriefkasterr. „Polo.nus" B. Der Stadtverordnetenvorsteher der Stadt Posen, Justizrath Dr. Lewinski, theilt den „Posener N. N." mit, daß er den Nachrichten auswärtiger Blätter, wonach er zum Nachfolger des Oberbürgermeisters Witting ausersehen sei, vollständig fern stehe Md sich weder um dieses Amt bewerben, noch in der Lage sein werde» es anzunehmen, falls es ihm überhaupt angetragen werden sollte. Wir wollen hierbei daran erinnern, daß es in der Provinz Posen schon einmal einen jüdischen Bürgermeister gab, und daß auch früher der verwaiste Posener Oberbürgermeisterposten einmal interimistisch durch einen jüdischen Stadtrath verwaltet wurde. Die Stadt Jarotschin hatte 13 Jahre hindurch einen jüdischen Bürgermeister, und zwar war dies ein Herr Goldring, der vor 6 oder 7 Jahren gestorben ist. Gehalt hat allerdings Herr Goldring nicht bezogen. Er verwaltete diesen Posten ehrenamtlich. Ebenso hatte einmal in Posen ein Stadtrath, und zwar der Stadtrath Eduard Kaatz, der vor etwa 13 Jahren ge-