Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 40 (5.10.1902)
- Date
- 1902-10-05
- Page
- – (sequence 16)
- Language
- German
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Sette 664 Vr. Bloch's Wochvnschrifk. Nr. 40 t; i starken ist, den Poseuer Oberbürgermeister längere Zeit amtlich vertreten. ES war dies in dem Interregnum, das zwischen dem Tode des Oberbürgermeisters Kohleis und dem Amtsantritt des Oberbürgermeisters Müller lag Es wurde damals auch dem amtlichen Stellvertreter des Oberbürgermeisters Herrn Kaatz eine Entschädigung zugebilligt, die er jedoch persönlich für sich nicht annahm, sondern sie einer wohlth'ätigen Stiftung überwies. Historicus. Die Geschlechtsnamen kamen erst in der Zeit des Erblühens der Städte, und zwar zuerst beim Stadtpatriziat auf, vermuthlich unter dem Einflüsse byzantinisch-venetianischer Sitte. Man fügte dem Namen der Person zur Unterscheidung den Beruf, eine Eigenschaft, das Amt, die Herkunft, den Namen des Vaters oder eines Besitzthumes oder auch einen Spottnamen bei, und diese Bezeichnungen wurden, obwohl die Kanzleien sie anfangs nur zögernd in ihre Acten aufnahmen, mit der Zeit zum bleibenden und auf die Descendenten in männlicher Linie übergehenden Namensbestandtheil. Urkundlich findet man sie zuerst im Laufe des 12. Jahrhunderts erwähnt. Ihren völligen Abschluß erreichte die Annahme von Geschlechtsnamen in Europa aber erst im 19. Jahrhundert bezüglich der Juden, und zwar in Oesterreich 1787, in Frankreich 1808, in Heffen 1808 und 1812, in Preußen 1812 und 1645, in Bayern 1613. In den Vereinigten Staaten von Amerika wurden die Neger nach dem Secesiionskriege (1863), in Algerien die Mohammedaner durch ein Gesetz von 1882 zur Annahme von Geschlechtsnamen verpflichtet. „Orientreisender." In England wird gegenwärtig das Project einer Ueberlandbahn nach Indien sehr ernstlich ventilirt. Die geplante Bahn soll in Alexandrien ihren Ausgangspunkt haben, durch Palästina, die arabische Wüste. Mesopotamien, Persien und Afghanistan führen und bei Karachi das indisch-englische Gebiet erreichen und sich an das indische Eisenbahnnetz anschließen. Die Länge der Strecke vom Suez- Canal bis zur türkisch-persischen Grenze beträgt 1600 Kilometer und würde einen Kostenaufwand von 125 Millionen Francs verursachen; Die Entfernung von der türkisch-persischen Grenze bis Karachi beträgl 2400 Kilometer uud die Kosten sind mit 380 Millionen Francs veranschlagt. Bei einer Fahrgeschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde könnte diese Reise von Alexandrien nach Karachi in etwa 3'/, Tagen bewerkstelligt werden. Da die Reise von England nach Alexandrien 5«/, Tage beansprucht, so könnte man von London nach Britisch-Jndien in 9 Tagen gelangen, während heute die Seereise von London nach Karachi im günstigsten Falle 16 Tage beansprucht. „Lreuer Leser." „Abraham, Jsaac und Jacob" so heißen drei — Kanonen, die sich im Artillerie-Museum zu Kopenhagen befinden. Ihre Geschichte ist in unserer Zeft der Judenhetze doppelt lehrreich. Bekanntlich entstanden die sogenannten „Hepp-Hepp-Krawalle in den Dreißiger-Jahren ursprünglich in der „Alsterhalle" zu Hamburg, wo es zwischen einem Juden und einem Christen aus harmloser Ursache zur Schlägerei kam. Dieser Streit nahm unerwartete Dimensionen an und artete in eine wahre Judenverfolgung aus. Wo sich ein Jude zeigte, wurde er vom Pöbel, wenn nicht angegriffen, so doch mit dem Hepp-Hcpp- Rufe beleidigt. Diese unwürdige Hetze blieb aber nicht auf das Gebiet der alten „fteien" Hansastadt beschränkt, sondern verbreitete sich weit über die Deutschen Staaten. Durch die damals zu Dänemark gehörenden Herzogthümer Holstein und Schleswig verpflanzte sich die Verfolgung nach Kopenhagen, wo die Juden kurz zuvor auf Anrathen der Srändeversammlungen gleiche staatsbürgerliche Rechte mit den Christen erlangt hätten. Eines Abends hatten sich Tausende von Menschen unter wildem Geheul und „Hepp Hepp "-Schreien auf dem größten Platze der Stadt, dem Königs-Neumarkt, versammelt und drohten, den Juden die Fenster einzuwerfen und sonst Gewalt anzuthun. Die eben nicht große Mannschaft der Hauptwache, die sich in der einen Ecke des Platzes befand und innerhalb eines eisernen Gitters drei bronzene Kanonen barg, vermochte nicht, die Menge zu zerstreuen, und ebensowenig gelang dies der betheiligten Polizei. Als der alte fünfundsechzigjährige König Friedrich VI. von der Bewegung benachrichtigt wurde, ritt er, nur von dem dienstthuenden Adjutanten beglettet, nach dem Marktplatze und forderte die Menge auf, sich ruhig zu entfernen. Als man ihm aber mit Geheul antwortete, rief er mit kräftiger Stimme den Versammetten zu, „er werde mit den vor der Hauptwache aufgestellten Kanonen zu ihnen reden, wenn sie auch nur noch einen Juden verunglimpfen würden, und zwar so, daß sie glauben sollten, die Patriarchen Abraham, Isaak und Jakob sprächen zu ihnen." Seitdem hörte jede weitere Verfolgung der Juden auf, und zum Andenken hat der Volkswitz die Kanonen nach den erwähnten Patriarchen benannt. Vor einigen Jahren fiel die alte Hauptwache der Verschönerung des Platzes zum Opfer und seitdem befinden sich diese drei Kanonen im Artillerie-Museum. Sigmund Jellinek, Oberhollabrunn: Ja. Allen Freunden und Bekannten wünschen h «reichst ,-aTB na'nm ravo Markus Bondi u. Frau Wien, im Elul 5662. ■ I Tüchtige ""Z Qlavierlehrerin ist bei der Administration unseres Blattes zu erfragen. Trauungstaxen. lsr. Bethaus-Verein Brigittenau. I. II. III. IV. 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