Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 40 (5.10.1902)
- Date
- 1902-10-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 40 Dr. Blvch's Wochsnfthrrkt. Seite «LI Das neue Hospital, welches den Namen »Beth Israel Hospital" führt, wird heute von 2 Uhr Nachmittags an und jeden Abend der Woche, Freitage ausgenommen, von halb 7 bis 11 Uhr zur Besichtigung offen stehen. Chicago. In Amerika weilt derzeit der junge russische Großfürst Boris, ein Sohn des Großfürsten Wladimir und ein Vetter des Czaren und spielt eine ziemlich große Rolle. Eine jüdische Gesellschaft in C h i c a g o, die vornehmste in der Gemeinde, fand sich nun bemüssigt, den Großfürsten zu einem Diner in den Standard-Club eiuzuladen. In der Einladung war allerdings bemerkt, daß die Annahme dieser Einladung den Beweis geben würde, daß der Fürst und der Monarch, den er repräsentire, keine Gegner der Juden seien. Der Großfürst antwortete darauf sofort, daß er dies licht besser beweisen könne als durch die Annahme der Einladung. Bei dem Diner brachte der Richter Kraus, der Vorsitzende der Gesellschaft, einen Toast aus, in dem er sreimüthig die Geschicke der Juden und ihre Leiden schilderte. Er wies darauf hin, daß einzelne Monarchen bei verschiedenen Gelegenheiten, wie z. B. bei einem Besuch in der Synagoge u. dgl., den Juden einen Beweis ihres Wohlwollens und deren Gegnern eine gute Lection ertheilt hätten. Eine ähnliche Bedeutung werde auch der Besuch des Großfürsten in jenem Club haben. Er werde alle gegentheiligen Gerüchte zerstreuen und den Juden im Lande des Czaren neuen Muth einflößen. Darauf erhob sich der Großfürst, sprach seine Genugthuung aus über die offene und herzliche Gesinnung, die aus diesen Worten hervorging, und leerte das Glas auf das Wohl der Gesellschaft. Der ganze Vorfall gibt zu denken. Auch die jüdische Preffe in Amerika ist nicht ganz einverstanden mit dem Vorgehen jener Chicagoer Gesellschaft. Der junge Großfürst wird ohne Zweifel einen guten Eindruck von den amerikanischen Juden mit nach Hause nehmen; ob dies aber den russischen Juden auch nur das Geringste nutzen wird, ist freilich eine andere Frage. Oder auch gar keine Frage. _ Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien, Seitensterlengaffe 4, sür arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der seligen Frau Regine Wohl: Von Herrn Heinrich Wohl, IX., Liechtensteinstraße 15, L 10'—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn Elias Hansel: Von den Hinterbliebenen, X 10'—. Anläßlich des Ablebens des seligen Herrn^Emil Wertheimer: Von Josef und Babette Wertheimer, K 50'—I Wien. Dienstag den 30. v. M. fand unter zahlreicher Betheiligung aller Kreise der Wiener Gesellschaft die Trauung des Fräulein Lilli Lieben, Tochter des kais. Rathes Herrn Dr. Theodor Lieben, Secretärs der israel. Cultusgemeinde in Wien, statt. Der reichgeschmückte Tempel konnte kaum die zahlreichen Gäste faffen. Unter den Anwesenden bemerkte man die drei Präsidenten, das gesammte Bertretercollegium und nahezu sämmtliche Vorsteher der israel. Cultusgemeinde mit dem Beamtenkörper, den Functionären, Jnstitutsdirectvren u. s. w. Wir sahen ferner den Chefredakteur der »Neuen Freien Preffe", Herrn Dr. Bacher, die Regierungsräthe N e u m a n n und Schlag, zahlreiche Vertreter der Kunst und Literatur. Bon der türkischen Botschaft erschien Se. Excellenz General Chukri Pacha Aide-de camp de S. M. I. le Sultan Attache Milichaire a L’Ambassade Ottomane. Die Trauung vollzog Herr Oberrabbiner Dr. G ü d e m a n n, die gesanglichen Functionen versah Herr Obercantor Singer. Wien. (Jüdisches Museum.) Das der »Gesellschaft sür Sammlung und Conservirung von Kunst- und historischen Denkmälern des Judenthums" unterstehende Jüdische Museum ist vom 4. d. M. an bis auf Weiteres jeden Samstag von 11—1 Uhr Mittags zur freien Besichtigung geöffnet. Das Museum befindet sich I.. Krugerstraße 8, Mezzanin. Wr.-Neustadt« (Ehrung). Unser allbeliebter Obercantor und Secretär Herr M. A. Landau, der sich als treuer Mitarbeiter unseres geschätzten Herrn Cultusvorstehers Schischa durch unermüdliche Arbeit um das Zustandekommen unseres Prachtbaues ebenso wie durch seine glänzenden von Allen mit gleicher Bewunderung angehötten cantoralen Leistungen bei der Einweihungsfeier des neuen Tempels ganz besondere Verdienste erwarb, erhielt von der hiesigen Cultusgemeinde nebst dem Danke der Gemeinde auch ein sehr werthvolles Ehrengeschenk. Reichenberg. Die Constituirung des neuen Vorstandes hat folgendes Resultat ergeben: Bau-Seetion: Sal. Polaczek, Josef Gottlieb, Max Längstem, Josef Pollak. Finanz- Section: Josef Pollak, Josef LaLanstz) Sigm. Meller, Alois Soudek. Friedhof-Section: Ludwig Edelstein, Emil Deutsch, Adolf Haag, Sigm.Meller. Humanitäts-Section: Josef LaLansk/, Ludwig Edelstein, Sigm. Meller, Eduard Soyka. Rechts-Section: Dr. Emil Peres, Dr. Wilh. Fleischer, Adolf Haag, Max Langstein. Schul-Section: Dr. Wilh. Fleischer, Josef Gottlieb, Max Längstem, Dr. Emil Peres. Schlacht - Section: Josef LaLansk? , Emil Deutsch. Tempel-Section: Eduard Soyka, Emil Deutsch, Ludwig Edelstein, Josef LaLanE, Sigm. Meller. Der verstärkte Vorstand besteht aus folgenden Herren: Otto Ferstl, Bened. Fischer, Isidor Lucka, Arth. Reichmann, Arnold Schnitzer, Emanuel Spitz, Moritz Tausfig, k. k. Prof. Joh. Beer, Adolf Lederer, Em. Resek, k. k. Ger.-Sec. Josef Rosenfeld. Dr. Siegfr. Schulhof, Rudolf Weiseles und Gustav Winternitz. Grottau. Als Ersatz folgende Herren: Hugo Schnabel, Karl Deutsch, k. k. Prof. Leo Schöngut, Carl Kraus, Dr. Isidor Schur, Dr. Julius Pisk, I. L. Knina, Josef Freiberg, Wilh. Fischl, Leop. Sternschuß. Ignatz Hersch, Ludwig Kraus, Leop. Rosenbaum, Eduard Stiaßny. —e— Nagy-Kanizsa. Der älteste Cultusbeamte unserer Gemeinde, Herr Samuel G o l d m a n n, feiert am 25. October d. I. das in dieser Gemeinde zurückgelegte 40. Dienstjahr. Schließt schon diese lange Dauer der Functionszeit in einer Großgemeinde wie Nagy- Kanizsa die Tüchtigkeit und Berufsfähigkeit des allbeliebten Beamten in sich, so mögen wohl auch noch die Berufstreue, Friedensliebe. Bescheidenbeit und die ungeschwächt gebliebene stimmliche Ausdauer des Herrn Samuel Goldmann in seinen Functionen sowohl im Tempel als in der Gemeindekanzlei erwähnt sein. Herr Samuel Goldmann hat seine Thäligkeit als Cantor bereits im Jahre 1854 begonnen und bis heute ununterbrochen fortgesetzt. Die Liebe zu seinem Berufe hält ihn an seinem Amte fest, er scheut den tödtenden Müßiggang und wird in seiner ihm zur zweiten Heimat gewordenen lieben Gemeinde, wo seine Kinder vornehme sociale Stellungen einnehmen, weiter fortwirken. Petersburg. ES bestätigt sich jetzt, daß der Unterrichtsminister, wie schon vor einiger Zeit verlautete, judenfreundliche Maßnahmen durchzuführen gesonnen ist. So hat er gestattet, daß 10 Percent Studenten, die im kommenden Semester an der Universität Odeffa immatriculirt werden, Juden sein dürfen, während dort bisher nur 7 Percent aller neu Jmmatriculirten Juden sein durften. Beschränkungen in der Aufnahme von Juden in einzelnen Facultäten bestehen nicht. Tenresvar. Eine erhebende Feier hat jüngst im Fabriker Tempel der israelitisch-orthodoxen Cultusgemeinde stattgefunden. Aus Anlaß seiner 20jährigen Präsidentschaft hat der Präsident der Cultusgemeinde. Herr Josef G r ü n f e l d, eine neue Thorarvlle mit Mäntelchen und den dazugehörigen Silbergegenständen gespendet, welche durch den Rabbmer Joachim Löwy feierlich geweiht wurde. Zur Feier halte sich ein überaus zahlreiches Publicum eingefunden. Rabbiner Löwy hiett vor dem Weihacte eine schwungvolle Festrede, in welcher er der hervorraaendtn Verdienste um die Cultusgemeinde des langjährigen Präses gedachte. Das Fest hatte gleich auch eine weitere schöne Folg--. Ueber Initiative des Rabbiners Löwy wurde die Gründung eines »Talmud-Thora"-Schulvereines ausgesprochen und zu diesem Zwecke gleich eine Summe von 300 Kronen gespendet. Abends 7 Uhr feierte die israelitisch-orthodoxe Cultusgemeinde ein zweites schönes Fest, indem das neuerbaute Haus der Gemeinde in der Fabriker Nußblättergaffe, welches theils als Wohnung des Rabbiners, theils als Kanzle: der Gemeinde Verwendung findet, feierlich eingeweiht wurde. Paris. (Der neue rumänische Generalkonsul.) Der König von Rumänien hat Herrn Leopold Louis Dreysus, Chef deS bekannten hiesigen Bankhauses, zum Generalkonsul ernannt. Während die »Libre Parole" über diese Ernennung in Wuth geräth, glauben die hier erscheinenden jüdischen Zeitschriften darin das Merkmal einer bevorstehenden Aenderung der Politik der rumänischen Regierung zu Gunsten der Juden zu erblicken. Der neue Generalkonsul ist ein aufrichtiger Jude, sein Sohn Louis eines der eifrigsten und tüchtigsten Mitglieder des Centraleomitsr der Alliance Jsraslite.