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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-10-05 · 40 (5.10.1902) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
40 (5.10.1902)
Date
1902-10-05
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Sette «0 Dr. Bloch's Wochrnfchrifl. Nr. 40 Pan-. (Die Juden in Tunis.) Der frühere Justizminister Senator Trarieux, aus seiner Haltung im Fall Dreyfus bekannt, hat an den Minister des Auswärtigen, Herrn DelcafsL folgenden Brief gerichtet, der ein merkwürdiges Licht auf die Zustände in Tunis und auf die Behandlung wirft, die den Juden jener Colonie an manchen Orten zu Theil wird. Der Brief ist vom 1. September datirt und lautet: »Verehrter Herr Minister! Der Liga der Menschenrechte sind durch die tunesische Presse und durch persönliche Mittheilungen verschiedene Thatsachen zur Kenntniß gekommen, die kürzlich in Djerba in Tunis sich ereignet haben. Ich halte es für angezeigt, sie Ihrer Kenntnißnahme zu unterbreiten, und ich erlaube mir die Bitte, diese Vorkommnisse einer unparteiischen Prüfung zu unterziehen: Einige Eingeborene jüdischer Confession, die nicht in der Lage gewesen sind, die mit dem arabischen Namen »Medjeba" bezeichnet- Steuer zu bezahlen, find nach dem Ortsgebrauch gezwungen worden, dafür gewiffe öffentliche Arbeiten zu verrichten. Da sie diese Arbeit auch am Sabbath leisten mußten, ging ihr »Scheikh" in Begleitung mehrerer angesehener Bürger zum Oberaufseher, der sie nicht nur mit groben Worten empfing, sondern auch bei ihrer Verabschiedung die Hand gegen sie erhoben haben soll. Die Delegirten protestirten gegen diese Behandlung und erhoben Beschwerde beim Gouverneur. Eine Antwort darauf ist noch nicht erfolgt, dagegen hat der Generalsecretär der tunesischen Regierung den jüdischen Scheikh seines Amtes entsetzt. Kurze Zeit nach dem erstgemeldeten Ereigniß wurden die angesehensten Juden von Djerba angeklagt, die Liste der von der Medjeba - Steuer zu befreienden armen Juden absichtlich falsch aufgestellt zu haben. Vom Gouverneur wnrden drei Soldaten zu den Angeschuldigten geschickt. Das Erscheinen der Soldaten mitten in der Nacht erregte in der Bevölkerung des Judenviertels die größte Aufregung. Unter Escorte der Soldaten wurden die Bürger in das Khakfat gebracht. Hier bewiesen sie mit Leichtigkeit, daß die von chnen vorgeschlagenen Steuerbefreiungen vollständig gerechtfertigt waren. Darauf verlangte man von ihnen, sie sollten die Unkosten der drei Soldaten bezahlen, was die Herren ablehnten. Daraufhin wurden sie eingesperrt und nach fünftägiger Haft erst freigelaffen, nachdem sie sich bereit erklärt hatten, die zuerst verweigerten Kosten zu bezahlen. Die meisten dieser Thatsachen werden nicht nur durch die Eingeborenen bestätigt, sondern auch durch das Blatt „Depöche TunLsienne", die sie von einem sehr ernsten Gesichtspunkt aus betrachtet. Nach den Mittheilungen der Betroffenen haben die Civilbehörden nicht nur nichts gethan, um den Scandal zu beseitigen, die ungerechterweise in Gefangenschaft gehaltenen jüdischen Bürger sollen sogar zu Arbeiten im Haus des Oberaufsehers herangezogen worden sein. Frankreich hat immer den Grundsatz gehabt, daß die Eingeborenen seiner Colonien und der unter seinem Protectorat lebenden Länder ihre Religion frei auSüben sollten. Nach diesem Grundsatz dürfte es nicht erlaubt sein, daß die tunesischen Juden — ausgenommen natürlich in öffentlichen Nöthen — zu Arbeiten angehalten werden, die sich mit ihrem Religionsbekenntniß nicht vereinbaren lasien. Andererseits ist es auch die Pflicht der französischen Regierung, die an ihre Minister oder Vertreter gerichteten Beschwerden freundlich aufzunehmen. Es ist Frankreichs Pflicht, die Eingeborenen human zu behandeln. Es wäre seiner unwürdig, seine Autorität zu ihrer Einschüchterung zu mißbrauchen. Es ist auch die Pflicht der Civilverwaltung, alle willkürlichen Handlungen der eingeborenen Behörden zu verbieten und dieselben zur Rechenschaft zu ziehen. In diesem besonderen Fall hätte.der Gouverneur von der französischen Regierung die Bestrafung der Beamten verlangen müffen, die die angesehenen Juden widerrechtlich gefangen gehalten haben, und eine Entschädigung für die so übel Behandelten. Der gute Name unseres Landes verlangt, daß Frankreich allen Bürgern in allen ihm unterstehenden Ländern die gleiche Gerechtigkeit zugesteht. Ihr u. s. w. . . . L. Trarieux, Senator Präsident der Liga der Menschenrechte/ Odessa. Jüngst beging unsere Gemeinde in überaus herzlicher Weise das zehnjährige Amtsjubiläum unseres allseits beliebten Obercantors P. Minkowsky. Vor zehn Jahren hielt Minkowsky, der von Meister Blumenthal zum Nachfolger vorgeschlagen war und »ohne Probe" mit Contract aus N e w-A o r k hierher berufen wurde, seinen Justallationsvortrag im hiesigen Tempel glänzend ab, Md seine weiche, sympathische und kräftige Tenorstimme, wie auch besonders die ästhetische Auffassung und gediegene Ausführung seines eautoralen Recitativs eroberten ihm gleich die Sympathien aller Claffen der Gemeinde, die ihm auch bis heute ungeschmälert erhalten blieben. Mit dem AmtSantrite Minkowsky's bekam unser Gottesdienst ein ganz anderes Eolorit. Wie Odeffa, am Schwarzen Meere gelegen, eine bedeutende, aus allen Weltgegenden besuchte Hafenstadt ist, so zieht jeder Gottesdienst ein Publicum verschiedenster Nationalitäten aus höchsten und niedrigsten Ständen in die Synagoge hinein, und Alles lauscht respektvoll und sitzt wie gebannt an seinem Platze, bis der letzte Accord „Web ira“ verklungen ist. Auch der kaiserlicheHof und der Prinz von Oldenburg fanden es während ihres Aufenthaltes in Odessa für angenehm, einen Gottesdienst in der „Brodier Synagoge" beizuwohnen. In diesen zehn Jahren haben sich die Einnahmen unseres Tempels fast verdoppelt und dadurch wurde dem Vorstande die Möglichkeit geboten, die Gehälter aller Beamten und natürlich auch des Obercantors Minkowsky zu erhöhen. In diesem Zeiträume hat auch Minkowsky einen ganzen Gottesdienst componirt, welcher nichr nur in unserer Gemeinde, sondern auch in vielen anderen Gemeinden in Rußland sehr gute Aufnahme gefunden hat. Außer der musikalischen Thätigkeit innerhalb der Synagoge entwickelte Minkowsky eine unermüdliche Thätigkeit auf dem Gebiete der allgemeinen Literatur und des jüdischen? Wissens. Er zeigte den russischen Cantoren ein Beispiel, daß auch in den sechs Tagen der Woche für einen Eantor, der nicht blos als Gesangskünstler, sondern vielmehr als Geistlicher gelten möchte, viel zu verrichten ist. In einer Reihe von Artikeln schrieb er in hebräischen Zeitschriften über jüdische Theoloaie und Ethik und ihre Verhältnisse zur synagogalen Poesie und Musik. Nun, was Wunder, wenn die Gemeinde die erstbeste Gelegenheit ergreift, um, ganz gegen ihr Princip, Niemanden unter fünfundzwanzigjähriger Thätigkeit zu feiern, ihrem beliebten Obercantor ihre Sympathie auszudrücken! So wurde der letzte Sabbath Nachamu ganz und gar Herrn Minkowsky gewidmet. Alle Gesänge an diesem Tage waren seine Compositionen. Schon am Freitag Abend machte sich eine feierliche Stimmung im Tempel bemerkbar. Am Morgen war aber der Tempel geradezu vollgepfropft und Alle, die zur Thora gerufen wurden, spendeten beim „Mischeberach" große Beträge zu Ehren des Jubilars. Den Culminationspunkt erreichte jedoch die Feier beim Maftir. Nachdem der Jubilar als Maftir aufgerufen worden war und das „Nachmu" in meisterhafter Weise recitirt hatte, stimmte der gesammte Chor einen Hymnus an, den ein Mitglied unserer Gemeinde verfaßt und Schreiber dieser Zeilen in Musik gesetzt^hatte. Nach Schluß des Gesanges trat eine Pause im Gottesdienste ein? Der Jubilar wurde vom Vorstande zu dem Altar geleitet und dorthin strömte die ganze Gemeinde, um ihre Glückwünsche darzubringen, die alle dahin ausklangen, daß es Minkowsky, gleich seinem Vorgänger, gegönnt sein möge, auch sein goldenes Jubiläum hier zn feiern. Zum Andenken an diesen Tag beschloß der Vorstand, dem Jubilar eine Gehaltserhöhung von 600 Rubeln zu bewilligen und Aehnliches für die übrigen Beamten. Der Chor überreichte dem Jubilar ein prachtvolles Album mit dem Festhymnus. Nach Schluß des Mussafgebetes bereitete das Volk dem Jubilar im Tempelhofe eine wahre Ovation. Im Laufe des Tages erhielt er noch viele Besuche, sowie Briefe und Telegramme in großer Zahl von Gemeinden, Verehrern und Freunden aus Nah uud Fern. Das israelilische Hospital in Newark. Der 31. August war für die israelitische Bevölkerung Newarks ein Tag der Freude und des Stolzes, denn ihr Gemeinsinn und ihre Opferwilligkeit haben das Ziel erreicht, nach welchem so lange gestrebt worden, den Besitz eines eigenen Hospitals. Das schon vor längerer Zeit käuflich erworbene Gebäude an der Südwest-Ecke von High und West Kinney Street, das für seine Zwecke den nothwendigen baulichen Aenderungen unterworfen worden, wurde eingeweiht und seiner Bestimmung übergeben. Am Nachmittag formirte sich an der Vereinigung von Springfield Avenue und 16. Avenue ein aus allen israelitischen Vereinen der Stadt bestehender Festzug, welcher mehrere tausend Mann enthielt, und sich unter der Leitung von Großmarschall Henry Herzenberg durch Springfield Avenue, Belmont Avenue, Waverly Avenue, Prince Street, South Orange Avenue, Springfield Avenue, Broome Street, Spruee Street, und High Street bis zum Hospital bewegte, vor welchem eine Rednerdühne errichtet war. Biele Häuser der Straßen, durch welche der Zug paffirte, waren mit Flaggen geschmückt. Am Hospital trugen die die den Zug begleitenden Musikcorps das »Star Spangled Banner" vor, worauf Frau Bertha Weiß, Bieepräsidentin der Hospital-Affociation, in Vertretung des schwer erkrankten Präsidenten Dr. Arnim Fischer die Bewillkommnungsansprache hielt. Es folgte ein Gebet des Rabbiners Joseph Leicht, und Doctor Victor Parsonett, der Vorsitzende des BaucomitsS, nahm in Vertretung des Präsidenten von einem Mitgliede des Comitss die Schlüssel zum Gebäude entgegen und hielt eine Ansprache. Andere Ansprachen schloffen sich an, worauf das Gebäude zur Besichtigung geöffnet wurde. Die innere Einrichtung macht einen sehr günstigen Eindruck. Im ersten Stock befinden sich das Empfangszimmer, das Bureau des Präsidenten und der Dispensary. Der zweite Stock ist in Krankenzimmer für Männer und Frauen und Räume für die Wärterinnen eingetheilt. Die Küche, die Borrathsräume und die Waschanstalt sind im Erdgeschoß des Gebäudes gelegen.

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