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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-09-26 · 39 (26.9.1902) · page 12

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
39 (26.9.1902)
Date
1902-09-26
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 634 Dr. Bloch's Wochenfchrifk. Nr. 39 einer Pensions- und Relictencafsa von Dr. Ne um ark-Rakonitz; Dr. Posnansky -Pilsen entwickelt die Gesichtspunkte, nach welchen die Prüfungscommission für Gemeindefunctionäre ihre Aufgabe zu lösen gedenkt. Am 2. Verhandlungstage referirte Dr. Deutsch - Prag über die rituelle Beschneidung und deren Wichtigkeit für das religiöse Leben und den Fortbestand des Judenthums. Es wird auf Antrag des Dr. Schornstein-Leitmeritz beschlossen, eine Broschüre über diesen Gegenstand zu verfasien und dieselbe unter Hinzufügung von Gutachten hervorragender medicinischer Autoritäten zu drucken und allgemein zu verbreiten. Endlich wurden auf Grund eines Referates des Dr. Ziegler-Karlsbad über den Mädchenhandel in Galizien wichtige Maßnahmen beschlossen, um den jüdischen Antheil an diesem schmählichen Treiben zu verringern oder ganz zu beseitigen. — Es versteht sich von selbst, daß all diese wichtigen und interessanten Referate eingehende Debatten zur Folge hatten, an denen sich fast alle Anwesenden lebhaft betheiligten; Raum und Zeit verbieten uns, auch nur die wichtigsten aus den Debatten sich ergebenden Anregungen zu erwähnen. Die Theilnehmer an diesem Collegentag werden aber sicherlich noch lange vergnügt an die gemeinsam verlebten Stunden ernster Arbeit denken. Der nächste Collegentag soll in Pilsen stattfinden, und wir können es uns nicht versagen, die Hoffnung auszusprechen, daß es uns vergönnt sein werde, dort endlich auch denjenigen Herren College» zu begegnen, welche mit konsequenter Beharrlichkeit den wichtigen Arbeiten des Verbandes sich fernhalten. Den Theilnehmern aber rufen wir zu: Auf frohes Wiedersehen in Pilsen! Sch. Berlin. Die Einweihung der jüdischen Altersversorgungsanstalt in der Excerzierstraße fand gestern statt. Erschienen waren die Stadträthe Heller, Straßmann, Kalisch und Mielenz, Letztgenannter als Vertreter des Oberbürgermeisters, desgleichen eine größere Anzahl von Vertretern der Gemeinde. Die jüdische Gemeinde war durch ihren Vorsitzenden und durch eine Deputation vertreten; Abordnungen hatten auch die übrigen Institute der jüdischen Gemeinde entsandt. Um 12 Uhr Mittags begann die Feierlichkeit in dem festlich geschmückten Betsaal. Nachdem die Gründerin des Hauses, Frau Erna Pakscher, von dem Vorsteher des Hauses in den Saal zu ihrem Ehrenplätze geleitet war, eröffnete der Chor die Andacht. Danu hielt der Vorsitzende Jacoby seine Ansprache, in der er zunächst einen Ueberblick gab über die Geschichte der Bestrebungen, alte und erwerbsunfähige Leute vor den Sorgen und Nöthen des Lebens zu schützen, und zum Schluß auf die Veranlassung der gerade stattfindenden Feier zu sprechen kam. Die Festrede hatte Rabbiner Dr. M a y b a u m übernommen. In warmen Worten gedachte der Redner der hochherzigen Gründerin der Anstalt, die aus eigenen Mitteln die Gesammtkosten für den schönen Bau bestritten habe. Chorgesang beendete die Feier. An den Festact im Betsaale schloß sich ein Rundgang durch das Haus, das seit dem l5. Juli d. I. bezogen ist und in dem bisher 25 Bcneficianten Aufnahme gefunden haben. Nach beendigtem Rundgange verabschiedeten sich die Gäste, während sich die Insassen des Hauses noch zu einem Festmahle vereinten. Berlin. Das seltene Fest des sechzigjährigen Doctorjubiläums feiert heute Sanitätsrath Dr. N e u m a n n, der Senior der Berliner Stadtverordneten-Versammlung. Salomon Neumann, 1819 in Pyritz in Pommern geboren, besuchte zuerst die Schule in seiner Vaterstadt, dann das Gymnasium in Frankfurt a. O. Sein Reifezeugniß erwarb er auf dem Berliner Friedrich Wilhelm- Gymnasium, von dem er 1838 zur Universität entlaffen wurde. Während der ersten fünf Halbjahre studirte Neumann in Berlin. Zu Lehrern hatte er Johannes Müller. Schlemm, Hecker, Schönlein, Wolff, Jüngken. Außerhalb des Studienbereiches des Mediciners liegen zwei Collegien Neumann's. Er hörte bei Eduard Gaus über neuere Geschichte und bei Karl Ritter, der die Erdkunde zu einem Gegenstände der allgemeinen Bildung an der Berliner Universität gemacht hatte, über die Geoprapbie Palästinas. Am Anfänge des sechsten Halbjahres wandte sich Neumann nach Halle. Er folgte damit einem sehr häufigen Brauche. Unter den aus Berlin stammenden oder hier heimisch gewordenen Medicinern der Dreißiger-Jahre sind sehr viele, die in den klinischen Semestern Halle aufsuchten. Peter Krukenberg, der Halle'sche Professor der inneren Medicin, übte eine starke Anziehung aus. Er hatte es durch seine Eigenart verstanden, dcn klinischen Unterricht in Halle so zu gestalten, daß seine Schüler mit reicheren Kenntniffen. als sie anderswo sammeln konnten, in die Praxis eintraten. Außer der Krukcnberg'schen Klinik besuchte Neumann noch diejenige des Chirurgen Blasius und des Frauenarztes Hohl. Seinen Doctorhut erwarb Hohl in Halle mit einer Beschreibung von vier Fällen von Darmverschluß. Einer der Freunde, die bei dem Promotionsact als Opponenten mitwirkten, war der damalige eanck. rrreä. Felix Niemeyer, der spätere bewährte Kliniker. Nach der Ablegung der Staatsprüfung ließ sich Neumann in Berlin als Arzt nieder. Neben der ärztlichen Praxis entwickelte Neumann bald eine ergiebige wissenschaftliche und gemeinnützige Thätigk.'it, 1847 trat er mit der Schrift „Die öffentliche Gesundheitspflege und das Eigenthum" hervor. Das Heft hat ein geschichtliches Interesse. Es finden sich darin die Gedanken, die in der Folge für die „sociale Medicin" maßgebend wurden. Die Schrift wurde der Anlaß, daß Neumann 1848 Virchow und seinem Freundeskreise näher trat. Als Virchow mit Leubuscher die „Medicinische Reform" gründete, wurde Neumann ein eifriger Mitarbeiter dieses Wochenblattes, das muthig für eine gründliche Umgestaltung der Gesundheitspflege und des Medicinalwesens in freiheitlichem Sinne eintrat. Durch die Wahl zum Stadtverordneten im Jahre 1859 erhielt Neumann die Gelegenheit, für seine Ideen thatkräfttger und praktischer zu wirken. Seit Jahren hatte er sich mit der Medicinalstatistik beschäftigt. Allgemeine Fragen der Gesundheitspflege, die Krankheiten und die Sterblichkeit der Berliner Arbeiter, das Wohnungswesen, die Prostitution hatte er mit besonderer Berücksichtigung der Statistik studirt. Er hatte die Berliner Volkszählungen der Sechziger- Jahre bearbeitet. Dabei war ihm zum Bewußtsein gekommen, wie dringend eine amtliche Stelle für die Berliner Stadtstatistik noth thue. In dieser Erkenntniß war er sich eins mit Virchow. Auf Virchow's und Neumann's Betreiben geht die Errichtung des statistischen Amts der Stadt Berlin, das ungemein viel für die Großstadtstatistik geleistet hat, zurück. Besonders zu gedenken ist des regen Antheiles, den Neumann an den Berathungen nahm, welche die Ausbildung des Berliner Hospitalwesens, der Irren- Pflege, der groß angelegten hygienischen Einrichtungen erheischte. Glogau. Geehrter Herr Redacteur! Wie mir mitgetheilt wird, behauptet in der letzten Nummer Ihrer geschätzten Wochenschrift Herr Doctor Bernfeld, daß orthodoxe Autoritäten zur Unterzeichnung des Aufrufes der „Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judenthum s" nicht aufgefordert worden sind. Diese Angabe entspricht nicht der Wahrheit; es sind orthodoxe Gelehrte um ihre Unterschrift angegangen worden, doch haben einige derselben, wie Professor Barth, Dr. Berliner, Dr. Hofmann u. A., unter Angabe verschiedener Gründe jede Mitwirkung abgelehnt. Ich bitte um Veröffentlichung dieser Notiz. Hochachtungsvoll G l o g a u, 17. Sept. 1902. Rabbiner Dr. L u c a s. Vermischtes. Kranzablösungsspenden zu Gunsten der „Chewra-Kadischa" in Wien, I., Seitenstertengaffe 4, für arme kranke Glaubensgenossen. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Ernestine Bloch: Von Herman Hochstnger. I., Augustengasse 3, K 10.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Saly Krailesheim: Von Herrn Hermann Krailesheim, II., Ob. Donaustraße 107, K 10.—. Anläßlich des Ablebens der sel. Frau Charlotte Berger: Von Herrn Dr. Isidor Fischer, I., Salzthorgasse 1, K 10.—. Anläßlich des Ablebens des sel. Herrn Bernhard L ö w y: Von Frau Fanny Bauer K 25.—. Wien. (Trauun g.) Sonntag den 28 September d. I. um 3 Uhr Nachmittag findet im israelitischen Tempel, X., Humboldtplatz 7 die Trauung des Fräulein Jda S e l i g m a n n, Tochter des Obmannes des Israelitischen Tempelvereines im X. Bezirke, Herrn Carl S e l i g m a n n, mit Herrn M. U. Dr. Philipp Schwarz statt. Wien-Mariahils. Der Tempelvereiu für Mariahilf und Neubau veranstaltet mit Unterstützung der israelitischen Cultusgemeinde Wien an den hohen Feiertagen des heurigen Jahres einen Gottesdienst im F e st s a a l e des I n g e n i e u ru n d Architekten Vereins, I., Eschenbachgasse Nr. 9. Karten für diesen Gottesdienst sind täglich von 8 bis 12 Uhr in der Vereinskanzlei, VI., Schmalzhofgasse 3, zu haben. Wien. (F e st g o t t e s d i e n st für die Jugend.) In unserer Gemeinde ist eine Institution ins Leben getreten, die besondere Würdigung verdient. Ganz im Stillen haben einige Private von Herz und Sinn in Verbindung mit einer Anzahl von Lehrern die Aufgabe dürchzuführen begonnen, für die Jugend — in erster Reihe für die arme und v e r w a i st e — zu den hohen Feiertagen einen eigenen Gottesdienst zu organisiren. Vom Vorstande der Cultusgemeinde in munificenter Weise gefördert, angeeifert und unterstützt

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