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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-09-26 · 39 (26.9.1902) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
39 (26.9.1902)
Date
1902-09-26
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 89 Dr. Bloch's Wochenschrift. Äeiu 633 Wien. Es ist ein erfreuliches Zeichen der Zeit, daß im Judenthum neben seinen rühmlichen Wohlthätigkeitsanstalten auch Wohlfahrtsinstitute entstehen. Als ein solches im besten Sinne des Wortes ist der hiesige »Verein für unentgeltlichen Arbeitsnachweis" zu betrachten. Derselbe eröffnete im Herbste 1899 sein Bureau in der Toborstraße 59. Dieses hatte gleich in den ersten Wochen regen Zuspruch seitens der jüdischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer und wußte seine Leistungen immer mehr zu steigern und sich das Vertrauen des Publicums in immer höherem Grade zu erwerben. Man braucht blos die Ziffern des verflossenen August mit den Ziffern des gleichen Monats in den Jahren 1901 und 1900 zu vergleichen, um diesen großen Fortschritt zu erkennen. Während im August 1900 126, im August 1901 136 Vermittlungen durchgesührt wurden, sind im August d. I. 217 Placements erzielt worden. Wie intensiv das Bureau arbeitet, geht auch daraus hervor, daß in den 8 Monaten dieses Jahres mehr als 57 Percent aller Auftraggeber befriedigt und mehr als 33 Percent aller Arbeitsuchenden Stellen verschafft wurden. In der Abtheilung für Profeffionisten und sonstige manuelle Arbeiter steigen diese Percentsätze auf 86 Percent, be. ziehungsweise 39 Percent. Diese Erfolge verdankt der Verein wohl in erster Linie dem Umstande, daß er der jüdischen Bevölkerung ein Bedürfniß ist, dann aber auch seinem durchaus rationellen Betriebe. Durch besondere Wartesäle und Schalter für die manuellen Arbeiter, für die Handelsangestellten, für die weiblichen Arbeitsuchenden und für geistige Arbeiter wird der große Andrang — bis über 200 Personen während der Vormittagsstunden — bewältigt und die prompteste Erledigung der Aufträge erreicht. Letztere können auch telephonisch angemeldet werden und ist der Verein auf Gewinnung und Erhaltung seiner Aufträge ertheilenden Kundschaft ganz besonders bedacht. Er hat einen eigenen Beamten zum Besuche derselben angestellt. Außerdem versäumt es der Verein nicht, die Arbeitgeber durch häufige Offerte auf seine Wirksamkeit und speciell aus die jeweilig vorgemerkten Arbeitskräfte aufmerksam zu machen. Ein werthvolles Glied in der Kette dieser Einrichtungen ist das gut organisirte Auskunftswesen. Der Verein läßt es nicht blos dabei bewenden, daß er über jeden Stellensuchenden, der sich an seinen Schaltern anmeldet, Informationen einholt; er geht noch weiter, indem er sich bei den Arbeitgebern einige Zeit nach der Besetzung erkundigt, wie sie mit den ihnen Empfohlenen zufrieden sind. So ist der Verein bemüht, die Interessen der Stellensuchenden sowie der Arbeitgeber bestens wahrzunehmen und beiden Theilen selbstlos zu dienen. ' Das Wenige, was hier aus dem Betriebe des »Vereines für unentgeltlichen Arbeitsnachweis" angeführt ist, dürfte genügen, um auch jene Glaubensgenoffen, die diesem Institute bisher noch fremd gegenüberstanden, für dasselbe zu intereffiren. Wer vollen Einblick gewinnen will, braucht es ja nur mit Aufträgen zu versuchen, und den ersten Auftrag persönlich in den ersten Vormittagsstunden zu überbringen, um gleichzeitig auch den großzügigen, echt modernen Betrieb dieses jüdischen Arbeitsamtes kennen zu lernen. Wien. Verehrter Herr Redacteur! Anknüpsend an meinen letzten Bericht aus der herrlichen Stadt Frankfurt a. M. will ich noch Ihre und hoffentlich weiterer Kreise Aufmerksamkeit auf eine Einrichtung lenken, welche wir in Wien noch schmerzlich entbehren. Es ist dies der Verein für jüdische Krankenpflegerinnen zu Frankfurt a. M. Eine Musteranstalt nach dem Vorbilde des Schwesternhauses der evangelischen Diakoniffinnen, denen die jüdischen Mädchen nicht nur der Kleidung nach, sondern ihrem edlen Wirken nach, völlig gleichen: Zweck des Vereines. 1. Der Zweck des Vereines besteht darin : ^Jüdische Mädchen zu Krankenpflegerinnen heranzubilden, die allen an tüchtige Krankenpflegerinnen zu stellenden Anforderungen Genüge leisten." 2. Unter Leitung des Vereines ausgebildete, bezw. geprüfte, jüdische Krankenpflegerinnen (Schwestern) gegen festzustellendes Honorar, auf Erforderniß auch unentgeltlich als Armen- Kcankenpflegerinnen dem Publicum ohne Unterschied der Confession zur Verfügung zu stellen. Ich hatte Gelegenheit, eine solche ausgebildete, jüdische Schwester am Krankenbett zu beobachten und dachte voll Webmuth, daß wir in Wien gezwungen sind, entweder eine evangelische Schwester gegen hohe Bezahlung zu nehmen, oder wenn wir krank und nicht besonders wohlhabend sind, unsere Zuflucht zu den katholischen, barmherzigen Schwestern nehmen müssen, die ja außerordentlich brav und gewiffenhaft sind, aber treu den Satzungen ihrer Religion auch am Krankenbette gerne Bekehrungsversuche machen. Zumeist interessirte mich die Sache, daß an dem Frankfurter jüdischen Könizswarter-Spital jüdische Pflegerinnen, natürlich nur geprüfte, still und gewiffenhaft wirken. Uns fehlt es in Wien gewiß nicht an schönen Stiftungen und kann als erste überaus wohlthätig wirkende und musterhaft geleitete Anstalt das Rothschild-Spital gelten; es _ ist mir jedoch nicht bekannt, ob auch nur eine einzige jüdische Pflegerin dort in Verwendung steht. Kein Wunder, denn es mangelt an intelligenten, geprüften Pflegerinrun jüdischer Confession. Welch' schöner Beruf würde sich vielen jüdischen Waisen eröffnen, die aus verschiedenen Gründen weder als Erzieherin, noch als bessere Magd ihr Fortkommen suchen wollen. Wie vielen unserer armen und ärmsten Glaubensgenossen, die, fern von der Heimat, den letzten Weg antreten, wäre das Sterben erleichtert, wenn ihnen ein jüdischer Mund, ein warmes Herz unser Glaubensbekenntniß vorsagen und die müden Augen liebevoll zudrücken würden! Diese Zartheit des Empfindens, diese gewissenhafte, umsichtige Pflege kann man eben nur von einer gebildeten Pflegerin verlangen, und an solchen jüdischen Mädchen fehlt es uns ganz und gar. Darum hoffe ich, daß sich weitere Kreise für die Errichtung eines Schwesternhauses, resp. eines »Vereines für jüdische Krankenpflegerinnen" erwärmen würden, und dann werden die jüdischen Spitäler und jüdische Häuser, wo es einen Kranken zu pflegen gilt, gewiß lieber ihr? Glaubensschwestern beschäftigen, als Schwestern anderer Confessionen. Sollten diese Zeilen auch nur zur Anregung eines ähnlichen Gedankens die Beranlaffung fein, so lege ich die edle Sache in Ihre Hände, werther Herr Redacteur, und sende Ihnen mitfolgend die Satzungen und Bestimmungen des Vereines aus Frankfurt a. M., welche ich mir dort verschaffte. Mit bestem Danke für die gütige Veröffentlichung meines vorläufig noch sehr idealen Wunsches, zeichnet mit vorzüglicher Hochschätzung L. W. Collegentag der Mitglieder des Rabbinerverbandes in Böhmen. Am 3. September d. I. fand in Karlsbad im »Hotel Terminus" ein Collegentag des Rabbinerverbandks unter dem Vorsitze des derzeitigen Präsidenten Dr. K u r r e i n -Teplitz statt. Anwesend waren 19 Mitglieder, und zwar die Herren: Dr. B i a ch -Brüx. Deuts ch -Prag, Feuer st ein -Falkenau, Galandauer -Soborten, Goldberger-Marienbad, Herzo g- Prag-Smichow, Hirsch -Prag-Karolinenthal. Kisch -Prag, Kur r ein-Teplitz, Neumark-Rakonitz. Po snansky Pilsen, R e a ch -Raudnitz, Schornstein -Leitmeritz. Schwärz -Eger, Stecn-Saaz, T h i. b e r ger-Komotau. W ein er-Kut:enplan, Wohl-Tachau, Ziegler-Karlsbad. Der Ehr-npräsi^ent Herr Oberrabbiner Dr. Ehrenfeld, sowie viele Mitglieder batten ihr Fernbleiben entschuldigt. Es fanden 2 Sitzungen am 3. und 4. S"ptember statt, welche durch wichtige Mittheilungen des Präsidiums über die ersprießlich? Tbätigkeit des vor Kurzem neugewählten Vorstandes, sowie durch eine große Anzahl wichtiger Referate äußerst anregend verliefen. In dem Thätigkeitsberichte konnte der Präsident u. A. mittheilen, daß die in der lehren Generalversammlung gewählte 3gliederige Deputation die von der Versammlung genehmigte Denkschrift über die Lage der israelitischen Religionslehrer att Mittelschulen und die Wünsche derselben Sr. Excellenz dem Herrn Cultusminister, sowie dem Herrn Sectionschef überreicht hat und nicht nur auf das Freundlichste von beiden Herren empfangen wurde, sondern auch bestimmte Zusagen erhielt, welche auf günstige Aenderungen mit Sicherheit rechnen lassen. Der Präsident theilt ferner mit. daß sich mehrere Gemeinden gelegentlich der Anstellung von Rabbinern oder anderen Functionären um Rath und Mitwirkung an den Vorstand des Verbandes gewendet haben. Ter Vorstand ist derartig. » Wünschen immer mit größter Bereitwilligkeit entgegengekorowei'. Die Flugschrift »Die Getauften in der jüdischen Gesellichaft" wurde auf Kosten des Verbandes in 10.000 Exemplareu gedruckt und an alle Cultusgemeinden Böhmens verschickt. Aut Wunsch wird dieselbe vom Präsidenten auch weiterhin gratis verschickt werden. Aus der großen Zahl der Verhandlungsgegenstände seien erwähnt: Ein anregendes Referat über »Ablösung der Emolumente", erstattet von Dr. Ziegler-Karlsbad; ferner über die Gründung

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