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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-09-26 · 39 (26.9.1902) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
39 (26.9.1902)
Date
1902-09-26
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Sitte 63) vr. OloEs WoÄMMrrm. Nr. 39 ungarischen Gemeinden. Die Feier wurde mit der Absingung des Malw 111 durch Obercantor Landau und von dem Tempelchvre des IX. Wiener Gemeindebezirkes unter der bewährten Leitung des Cantors Pekarnik eingeleitet. Baurath Wilhelm Striaßuy übergab das neue Gotteshaus mit nachfolgender Ansprache der hiesigen Eultusgemeinde: Geehrter Herr Cultuspräsident! Am heutigen Tage steht der V o r st a n d der israel. Cultusg e mein de Mener-Neustadt am Ziele seiner vieljährigen, rastlosen Bemühungen, hat er den Kampf gegen die Macht der Verhältnisse siegreich bestanden, ist das Gotteshaus dieser Gemeinde, würdig derselben und seiner erhabenen Bestimmung, vollendet. Sie, geehrter Herr Präsident, und der gesammte Eultusvorstand haben mir die ehrenvolle Aufgabe übertragen, den P l a n zu dieser Synagoge zu entwerfen und den Bau zu leiten. Ich und mit mir jene Baufirmen und -Handwerker, welchen die Durchführung des Baues überwiesen wurde, waren bestrebt, das Werk nach unserem besten Wissen und Können zu ersinnen und dasselbe nach den Regeln der Kunst zu gestalten. An diesem Baue haben Künstler und Handwerker ohne Unterschied der Eonfefsion und der Nation alität in Eintracht zusammengewirkt, und diesem letzteren Umstande ist es zu verdanken, daß unsere Arbett zu einem gedeihlichen Abschlüße gebracht worden ist. In dem Augenblicke, in welchem wir Ihnen, geehrter Herr Präsident, das Haus übergeben, drängt es'mich, den herzlichsten Dank ausKisprechen für das Wohlwollen und die Unterstützung, welche unserm Arbeiten durch die Gemeindevertretung dieser uraltttt und berühmten Stadt zutheil geworden ist. Bor Allem ist es mir ein Herzensbedürfniß, den Gefühlen hoher Achtung und Verehrung Ausdruck zu geben, welche ich für den Bürgermeister dieser Stadt hege, einen Mann, der weit über die Grenzen der Neustadt hinaus allgemeine Achtung und Sympathie besitzt und in welchem alle Bürger- und Mannestugenden vereinigt sind. Sodann gebührt mein Dank dem Vertreter der hohen Regierung, welche auch von ihrem Standpunkte aus unseren Bestrebungen mit Wohlwollen entgegengekommen ist. Znniaen Dank aber sage ich dem geehrten Eultusvorstande dieser Gemeinde und vor Allem Ihnen, geehrter Herr Präsident, der Sie mit seltener Pflichttreue, mit unermüdlichem Eifer, mit Hingebung und Selbstlosigkeit dielen Bau ins Leben gerufen haben. Mt wahrer Begeisterung und mit Beiseitesetzung aller Ihrer Berufsgeschäfte und persönlichen Angelegenheiten haben Sie und mit Anru der Gesammtvorstand sich voll und ganz der Aufgabe gewidmet, die Ihnen, die öffentliche Meinung bestätigt dies, zur Gänze gelungen ist. Den besten D a n k sage ich endlich meinen geschätzten M i tarbeitern bei dieser Bauführung, die Alle ihr Bestes darzubieten bestrebt waren, insbesonders dem Baumeister Franz Schmidt, der mtt Hingabe an seinen schönen Beruf seines Amtes gewaltet hat, meinem langjährigen Bauleiter. Architetten Reiser, der mit Pflichttreue und in meinem Sinne die Durchführung aller Einzelnheiten des Baues überwacht hat. Der Styl, in welchem diese Synagoge errichtet wurde, die Formen und die Farben der Ausstattung des Aeußern und der Ausschmückung im Innern, sie gemahnen uns an eine v ergangene Zeit, in welcher im fernen Südwesten dieses Welttheils unsere Glaubensgenossen als freie Bürger inmitten ihrer nichtjüdischen Mitbürger in Eintracht und Frieden mit denselben gelebt und als nützliche, angesehene Glieder des Staates gewirkt haben. An eine Zeit, in welcher es den Juden vergönnt war, als gleichberechtigte Streiter im edlen Wettkampfe auf den Gebieten der Kunst und der Wissenschaft hervorragende Plätze einmchmen zu können. An eine Zeit, in welcher sich die Juden unvergängliche Verdienste auf den Gebieten der A st r o n o m i e und Mathematik, der Physik, der Naturwissenschaften und der M e d i c i n, der P o e s i e und der s ch ö n e n K ü n st e erworben Habens Möge der a l l m ä ch tige Baumei st er aller Welten, der Ehrwürdige aller Zeiten. Attik Jomim, dieses Haus in seine erhabene Obhut nehmen, es schirmen und erhalten, auf daß es noch in späten Zeiten den frommen Sinn seiner Begründer verkünde. Zum Schlußsteine dieses Hauses wurde ein Stein verwKidet, den ftomme Hände aus Jerusalem hieher gebracht, aus jener hehren Stadt, welche den Bekennern aller drei Weltreligionen gleich heilig und theuer ist. Es ist nur ein kleiner, unansehnlicher Stein, und doch verdient er durch seine Herkunft vor allen anderen in Ehren gehalten zu werden. So ist es auch mit unserem Volksstamme, der heute von geringem Zklsehen. ja vielfach mißachtet ist; und doch ist vielleicht die Zeit nicht ferne, zu welcher von aller Welt der Werth des Judentbums und seine Bedeutung für die gesammte Menschheit anerkannt werden wird. Und so schließe ich mit den Worten des Psalmisten: „Ewen moassu habonim hoisso lerosch. pinah“. »Der Stein, den die Bauleute verworfen, er ward zum Eckstein des Gebäudes." Der Chor sang hierauf Psalm 118, worauf der Präsident Herr Ignaz Schischa den Tempel im Namen der Cultusgemeinde übernahm mit folgenden Dankesworten an den Erbauer: Hochgeehrter Herr Baurath! Den Schlußvers des poetischen Festchorales, der eben hier verklang, muß ich benützen, um völlig den Gefühlen Ausdruck zu geben, die uns beseelen in dem Augenblicke, da wir Besitz ergreifen von dem herrlichen Juwel, das Ihre Kunst und Ihr Genie für nns geschaffen. 12 nnfctMi n nwp ovn nt Das ist der Tag, den Gott uns gab, frohlockend wollen wir seiner uns freuen. Und wahrlich, wenn heut hier alle Herzen höher schlagen, von jeder Lippe Jubel los sich ringt, so haben wir hiezu gerechten Anlaß, es ist der Tag, den G o t t uns gab, der Tag, der alle unsere Wünsche krönt. Was wir vor sechs Monden hier an dieser damals wüsten und kahlen Stätte im „Vorhofe des künftigen Gotteshauses" schüchtern und zagend gelobten, wir haben es getreulich voll und ganz erfüllt.. Ein Haus ist hier entstanden „Gott zur Ehre, unserer Stadt zur Zierde, unserer Gemeinde zur Erbauung", und ich darf es wohl hinzufügen, auch zum Ruhme, denn sie hat sich damit ein Denkmal errichtet, dauernd wie Erz, das wirkungsvoll zu neuen frommen Thaten treiben und kommenden Geschlechtern zeigen und sagen wird, was Glaubenstreue und Eifer, einträchtiges Zusammenwirken und Opferwilligkeit zu schaffen vermochten. Es ist der Tag, den Gott uns gab, und Sie, verehrter Herr Baurath, der geistige Schöpfer dieses Hauses, Sie sind des Festtags Mittelpunkt. Lassen Sie mich Ihnen, nun der Bau vollendet ist, namens unserer Gemeinde herzlichst und inuigst danken und Sie zu dem voll gelungenen Werke aufrichtigst beglückwünschen, mehr aber noch unsere Gemeinde, die in Ihnen zur rechten Zeit, für's rechte Werk, den rechten Mann gefunden hat. Lauter und eindringlicher, als ich es vermag, verkünden ja hier die Steine Ihren Ruhm, wird das Gefüge seinen Meister preisen bis in die fernsten Zeiten. Für unsere Gemeinde aber ist heut der Tag, den Gott uns gab, denn die Schaffung dieser gottgeweihten Stätte bildet einen bedeutungsvollen Markstein in ihrer altehrwürdigen Geschichte, ein Ereigniß, das sie auf eine höhere Stufe hebt, eine Thatsache, die ihr sozusagen erst den Ehrentitel „Eultusgemeinde" ganz erwirbt. Denn wie nur der den Werth des Lichtes voll zu schätzen weiß, der weiten Weg im Dunkeln wandeln mußte, so fühlen wir erst heute und in diesem glanzdurchstrahlten Hause Alle, daß es uns bisher, trotz mancher segensreichen Institution, gleichsam an einem Symbole gebrach, das den ethischen Begriff „Eultusgemeinde" nach Außen hin verkörperte und daß die Bemerkung, die hier fiel, als wir den ersten Stein zu dieseui Hause in den Grund versenkten, die Bemerkung, eine Eultusgemeinde sei ohne ein würdiges Gotteshaus nicht leicht denkbar, daß diese keine bloße Phrase war. Und nun dies langersehnte und langerhoffte Symbol farbenprächtig empor zum Himmel leuchtet, erfüllt es mich mit Stolz und Freude, den Mitgliedern meiner Gemeinde mit den Worten des dieswöchentlichen Bibelabschnittes zurufen zu können: nj?b n\*i3 mn orn paw roerr Merket wohl auf und vernehmet, erst am heutigen Tage, erst durch den Besitz dieses Hauses sind wir wirklich eine Gemeinde, ein richtiges, vollkommenes, ganzes und. abgeschlossenes religiöses Gemeinwesen auch nach Außen hin geworden^ Inniger Dank gebührt nächst Ihnen, hochverehrter Herr Baurath. all den edlen und frommen Wohlthätern, die durch Spenden und Stiftungen unser schwieriges Unternehmen förderten und uns unserem Ziele nah und näher brachten, ferner Ihrem treuen und bewährten Mitarbeiter, dem Herrn Architekten Ignaz Reiser, der mit unermüdlicher Sorgsamkeit für die Sache wirkte und schaffte, weiters unserem wackeren Baumeister Herrn Franz Schmidt, der allen unseren Anforderungen in vornehmer, nicht engherziger Weise entsprach, endlich und hauptsächlichst aber all' den zahlreichen Gewerbetreibenden und Arbeitern, die Jeder einzeln und Alle zusammen dazu beitrugen, daß dieses „Schmuckkästchen", wie unser Gotteshaus hier bezeichnend genannt wird, zu einem solchen wurde. Daß es auch immer so bleibe, daß der Allmächtige, zu dessen Verherrlichung wir es schufen, es in seinen heiligen Schutz nehme, es vor jeglichen Schaden bewahre und daß unser Opfer Wohlgefallen vor ihm finden möge, das ist in dieser feierlichen Stunde unser innigstes, unser glühendstes Gebet. Und so übergebe ich denn im Namen der israelitischen Cultusgemeinde Wiener-Neustadt dieses Haus seiner hehren Bestimmung. Möge es, wie dies das hochverehrte Oberhaupt dieser Stadt bei der Grundsteinlegung so treffend, wie feinsinnig aussprach, „allen Heilsbedürftigen Trost, allen Andächtigen Erbauung bringen", möge in demselben: jedes innige Gebet Erhörung, jeder ftomme Wunsch Gewährung finden, möge Allen, Allen, die hier mit wundem Herzen und betrübtem Gemüthe, in Leid und Sorge, in Gram und Kummer, in Qual und Noth, flehend die Augen und Hände empor zum'Himmel heben werden, Heik und'Hilfe, Schutz und' Rettung/ Trost unö'Zuver-

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