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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-09-26 · 39 (26.9.1902) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
39 (26.9.1902)
Date
1902-09-26
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 39 Dr. Bloch's Wochenschrift. Sette 839 nicht mangeln lassen, aber dieselben hatten aus mehrfachen Gründen wenig Erfolg. Eine in Böhmen erschienene jüdische Zeitschrift hat den Gemeindebund sofort bei seiner Gründung auf das Heftigste angegriffen, weil er sich nicht als Religionsparlament, als Consistorium unter vorwiegendem Einflüsse von Rabbinern constituirt habe. Es bedurfte einer in der „Oesterreichischen Wochenschrift* veröffentlichten scharfen Abmahnung, um diesen Angriffen ein Ende zu machen. Mine namhafte Anzahl reicher Gemeinden hat sich vom Anfang an dem Bunde ferngehalten^vermuthlich in der Befürchtung, ihrer Autonomie etwas damit zu vergeben, und mehrere Gemeinden sind wieder ausgetreten, weil sie in den öffentlichen Blättern keine Resultate seiner Thätigkeit veröffentlicht fanden. ^Eine große Anzahl von kleinen Gemeinden, an denen Böhmen so reich ist, scheute selbst das geringfügige Minimum von zehn Kronen, mit deren jährlicher Entrichtung die Mitgliedschaft erworben werden farinj Bezeichnend ist das Factum, daß eine Gemeinde, welche durch Intervention des Gemeindebundes Schutz gegen eine antisemitische Action erhalten hatte, im folgenden Jahre ihren Austritt aus dem Bunde erklärte. I^nter den gegebenen Verhältnissen mußte sich die Vereinsleitung wesentlich auf zwei Proqrammpunkte beschränken: den Schutz gegen unberechtigte Angriffe und Vorsorge für die Hinterbliebenen von Gemeindebeamten durch Förderung der Lebensversicherung der Letzteren, y In ersterer RiWung hat der Gemeindebund seine Aufgabe voll und ganz erfüllt. Das unter der bewährten Leitung des Herrn Dr. Ludwig Bendiener stehende Rechtsschutzcomite hat keiner einzigen Gemeinde oder Privatperson, die sich um Schutz gegen antisemitische Angriffe an dasselbe wandte, diesen Schutz versagt, hat auch in zahlreichen, namentlich seit dem Frühjahre 1899 in Böhmen auftauchenden Fällen von Bedrohungen der Juden unaufgefordert für die Bedrohten intervenirt und behördlichen Schutz erwirkt. Die Resultate seiner Thätigkeit eignen sich nicht zur öffentlichen Bekanntmachung, es genügt aber, daß nicht eine Beschwerde gegen den Gemeindebund oder dessen Rechtsschutzcomite wegen versagten Rechtsschutzes erhoben worden ist. Die Fürsorge für die Hinterbliebenen von Gemeindeangestellten hat der Gemeindebund in der Richtung angestrebt, daß er sich bereit erklärt hat, für jene derselben, die ihr Leben bis zu einem Maximum von 4000 Kronen versichern, ein Drittel der Jahresprämien zu bestreiten. Selbstverständlich mußte die Angehörigkeit der betreffenden Gemeinde zum Gemeindebund als Bedingung hiefür aufgestellt werden. Durch dieses Vorgehen veranlaßt, haben mehrere Gemeinden das zweiteDrittel der betreffenden Prämie zu leisten sich bereit erklärt. Es haben in Folge dessen 20 Angestellte ihr Leben mit einem Gesammtbetrage von 68.362 Kronen versichert. Der Gemeindebund war bereit, den Abschluß noch weiterer Versicherungsverträge auf diese Weise zu fördern, es haben sich aber aus dem ihm angehörigen Gemeinden keine weiteren Bewerber gemeldet. Ueber kleine Actionen und jene, welche noch nicht abgeschloffen sind (Verbesserung des Religionsunterrichtes und Bekämpfung des Wanderbettels), will ich hier nicht berichten. Das Vorstehende dürfte genügen, um den Nachweis zu liefern, daß die Leitung des Gemeindebundes Alles gethan hat, was in ihren Kräften stand und mit ihren Mitteln erreichbar war. Nur ein kleiner Theil der statutenmäßigen Zwecke des Bundes konnte in Angriff genommen werden, weil theils bewußte Gegnerschaft, theils die Indolenz der zunächst interessirten Kreise dem Bunde die Mittel vorenthalten, um an die Lösung weiterer Aufgaben zu schreiten. Möge die geehrte Redaction gestatten, die tiefer liegenden Gründe dieser bedauerlichen Erscheinung in möglichster Kürze zu erörtern. Zunächst beruht dieselbe auf der im öffentlichen Leben im Allgemeinen auftauchenden Sucht, Institutionen und Personen, mit denen man nicht in allen Punkten übereinstimmt, nicht blos in den strittigen Punkten, sondern in ihrer gesummten öffentlichen (oft auch privaten) Thätigkeit anzugreifen und zu bekämpfen. Es ist ein unbestreitbares Recht eines jeden mit dem Gemeinde- oder Vereinsvorstande diffentirenden Juden, die seinen Tendenzen widerstrebende Thätigkeit des Vorstandes mit allen ehrlichen Mitteln zu bekämpfen, für seine eigenen Tendenzen den Sieg anzustreben. Meistentheils wird aber bei diesem Kampfe die gesammte Wirksamkeit des Gegners angegriffen, zum Schaden der Gesammtheit die Thätigkeit auch aus jenen Gebieten, in denen beide Theile einig sind, gelähmt und gehemmt. Wer der Ansicht ist, der Gemeindebund möge auch in religiösen Fragen Stellung nehmen, ist berechtigt, für Erweiterung seines Programmes zu agitiren, anstatt dessen bekämpft er auch die humanitäre Thätigkeit, mit der alle Theile einverstanden sein sollten, hält sich zum mindesten von der letzteren fern. Ein weiterer, speciell bei uns Juden in höherem Grade auftretender Uebelstand ist, daß wir oft nicht erwarten können, daß eine Institution allmählich heranreife und erstarke. Wenn zur Beseitigung Jahrhunderte lang bestehender Uebelstände eine Action eingeleitet wird, so wollen wir in wenigen Jahren den vollen Erfolg haben und verwerfen jene Bestrebungen, welche dies nicht vollständig erreichen, sofort, um ein neues Programm (oft nur dasselbe Programm mit anderen Worten) aufzustellen Dieser Anschauung muß die in den letzten Monaten von Horowitz ausgehende Agitation einer neuen Bereinigung der Cultusgemeinden Böhmens zugeschrieben werden, welche damit begründet wird, daß die großen Cultusgemeinden angeblich um die kleinen sich nicht kümmern, sie ohne Rath und Hilfe lassen. Diesen Behauptungen gegenüber muß ich auf das Nachdrücklichste erklären, daß seit Bestand des Gemeindebundes in keinem einzigen Falle irgend eine Gemeinde des Landes fich an den Gemeindebund mit einem Anliegen gewandt hat, welchem nicht sofort bereitwilligst entsprochen wurde. Ich berufe mich diesfalls auf die Cultusgemeinden Pisek, Wodüan, Bodenbach, Eger und mehrere Andere. Schließlich muß noch betont werden, daß nicht mit Zeitungsartikeln, Programmen und Vereinsgründungen vorhandene Noth¬ und Uebelstände bekämpft werden können, sondern mit Opferwilligkeit an Geld und Arbeit. In dieser Hinsicht stehen, es muß offen gesagt werden, die Juden Böhmens und überhaupt Oesterreichs weit hinter jenen anderer Länder zurück. Nicht nur die materiell beffer gestellten Glaubensbrüder in England, Frankreich, Holland, Italien leisten unendlich mehr als wir, auch jene in Deutschland und Ungarn übertreffen uns darin. Wir häufen Programme auf Programme, aber wieviele Spenden zu gemeinnützigen jüdischen Zwecken haben wir in dem Quinquennium des Bestandes des Gemeindebundes (nicht zu seinem, sondern zu anderen Zwecken) aufzuweisen? Ohne die materiellen Mittel können Erfolge nicht erzielt werden, bei uns wird aber verlangt, daß der Gemeindebund mit seinen Einnahmenbudget von kaum 3000 Kronen Rechtsschutz gewähre, den Rabbinern, Lehrern und Gemeindebeamten feste Stellungen mit erhöhten Gehalten, Pensionen und Relictenversorgung verschaffe, den Religionsunterricht im ganzen Lande (ohne Inanspruchnahme der Gemeinden) reorganifire, für Nachwuchs von Religionslehrern sorge, den Wanderbettel abschaffe u. dgl. m. Hierauf gibt es nur Eine Antwort: Wenn die Gemeinden Böhmens und wohlhabende Mitglieder derselben die Mittel beschaffen werden, werden diese Zwecke angestrebt und hoffentlich auch erreicht werden; ohne diese Mittel werden alle Nörgeleien gegen den Gemeindebund und dessen Leitung fruchtlos sein und nur das Wenige, was mit den vorhandenen Mitteln erreichbar ist, schädigen. Dr. Arnold Rosenbacher. Einweihung der neue« Synagoge in Mr.-Ueustadt. Am 18. September Nachmittags wurde in Wiener-Neustadt die vom Baurath Wilhelm S t i a ß n y errichtete neue Synagoge eingeweiht. An Festgästen bemerkte man den Bürgermeister K a m m a n n nebst mehreren Gemeinderäthen, Statthaltereirath Ritter v. Stahl, den Vicepräfidenten der israelitischen Cultusgemeinde in Wien Dr. Alfred Stern, Oberrabbiner Doctor Güdemann, Staatsanwalt Oberlandesgerichtsrath v. Hu e b er, Landesgerichtsrath Dr. Spitz köpf aus Wien, Landtagsabqeordneten F aber, Stationscommandanten Hauptmann Schmid t in Vertretung des verhinderten Platzcommandanten, ferner Officiers-Deputationen der in Wiener-Neustadt und Umgebung dislocirten Regimenter, Deputationen der katholischen und evangelischen Gemeinden, die Vorsteher der israelitischen Cultusgemeinde Baden L e i t n e r und Schneider, Klauber und Oedenburger, das Vorstandsmitglied des israelitischen Tempelvereines im IX. Bezirk Trebits ch, ObercantorKläger, Oberofficial S t r a n s k y, Deputationen aus den benachbarten

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