Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 38 (19.9.1902)
- Date
- 1902-09-19
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Sette 620 Dr. Bloches Wochenschrift. Nr. 38 über den dortigen Friedhof, das die Bilder, die Grabschriften, (eS werden nur vier mitgetheilt), die Namen in derselben Weise behandelt. Den Schluß des Buches machen Verzeichnisse der Namen (S. 151) u. zw. der Vornamen und der Familiennamen (in den Anmerkungen sind anderwärtige Belege beigebracht); ein „Berzeichniß wichtigerer Gegenstände" (S. 156) erleichtert die Benützung der Grunwald'schen Arbeit. Diesen Vorzügen stehen aber zwei gewichtige Mängel gegenüber, von denen der eine wohl leicht hätte vermieden werden können, der andere allerdings erst durch eine ergänzende eingehende Untersuchung wettgemacht werden kann. Wir sprechen von dem interessantesten Theil des von Dr. Grunwald behandelten Materials, den Grabsteinen. Sowohl der Text ihrer Inschriften, in ihrer Mannigfaltigkeit der Sprache und in andern Einzelheiten, als insbesondere ihre bildlichen Beigaben: Wappen und theils in Emblemen und Allegorien, theils in biblischen Bildern bestehenden Darstellungen, verleihen diesen Grabsteinen nicht nur einen ganz besonderen Reiz, sondern geben ihnen auch einen erhöhten Werth, ja sie machen sie zu Denkmälern, die geradezu einzig in ihrer Art sind. Von den Texten gibt Grunwald, wie oben erwähnt, eine Auswahl der inleresianteren. Rlchtiger wäre es wohl gewesen, sie alle abzudrucken, und zwar in getreuem Abdruck ihrer Anordnung und wenigstens von den älteren wären auch am besten nach Photographien zu gewinnende Abbildungen, um den Schriftcharakter zu erkennen, beizufügen gewesen. Die wenigen Proben, die der Verfasser von den Texten gibt, genügen weder, um eine volle Kenntniß der Sprache und der sonstigen Eigenheiten der Fassung dieser Grabschriften zu gewinnen und die für Einzelheiten gegebenen Uebersichten erregen nur den Wunsch, die volle Fassung kennen zu lernen. In noch erhöhterem Maße gilt aber das Gesagte von dem Bildschmuck der Inschriften. Dr. Grunwald gibt eine, wie man wohl annehmen darf, erschöpfende Uebersicht; aber umsomehr muß man wünschen, in authentischen Abbildungen sie vorgeführt zu sehen. Die meisten Abbildungen beruhen auf Skizzen der Flau Dr. M. Fink — nur wenige auf Photographien — sie sind aber sowohl für viele Details, auch für die Erkenntniß der Technik unzulänglich. Auch hier wären gute Photographien vielfach wohl besser zu verwenden gewesen. Freilich, wir verkennen dies durchaus nicht, dazu wären größere Mittel erforderlich gewesen, und ob diese zu erlangen waren, können wir nicht beurtheil.'n. Es kann hier auf die Fragen, welche diese bildlichen Beigaben nahelegen, nicht näher eingegangen werden. Es sei nur erwähnt, daß schon eine Durchsicht der von Grunwald auf S. 90 ff. (Friedhof in Altona) und 138 (Friedhof in Glückstadt) gegebenen Zusammenstellung nicht nur durch die Mannigfaltigkeit der „Bilder und Zeichen", sondern auch die Auswahl der Motive überraschen muß. Da finden wir außer Wappen und Zierraten, wie Bäume, Base mit Blumen. Rosen, Palmwedel, Thierbilder, die an den Namen erinnern, Pcicsterhände, Levitenkrug, Davidsschild, Sternbilder, Todtentanzdarstcllungen, Reiter in der Tracht des 17. Jahrhundert mit geschwungenem Krummschwert (wie Grunwald hinzusetzt, vielleicht Illustration zu dem Epitheton 6ibor chajil in der Inschrift), Gelehrter in ein Buch vertieft, Mutter mit zwei Kindern, insbesondere aber biblische Darstellungen, die im Hinblick auf den Namen der Bestatteten ausgewählt sind. So, um einige anzuführen: das Opfer Jsak's bei Abraham und Jsak, Rahel als Hirtin bei Rahel, David mit der Harfe oder David und Jonatan (dieser in Lanzknechttracht) bei David, Daniel in der Löwengrube bei Daniel, Jacobs Traum bei Jacob, Josef wird von seinen Brüdern verkauft bei Josef. Was bedeuten gegen die Mannigfaltigkeit dieser oft figurenreichen Darstellungen, die Vorgänge schildern, die wenigen meist nur linearen Embleme wie Menora, Lulab u. A. auf den Grabsteinen der römischen Katakomben oder die Hauszeichen, die man ab und zu auf alten jüdischen Friedhöfen findet? Wenn man dagegen die Bilderscheu hält, die heute noch auf de» jüdischen Friedhöfen vorherrscht, die nur das Ornament zuläßt und allen sonstigen Bildschmuck fernhält, so gewinnen diese „portugiesischen" Grabsteine, die das Schmücken und Beleben der Inschriften durch bildliche Darstellungen als allgemeinen Gebrauch erkennen lassen, denn auch in London und Amsterdam finden sie sich, eine erhöhte culturgeschichtliche Bedeutung. Es erhebt sich nun eine Reihe von Fragen: Wie kamen die „Portugiesen" zu diesem Schmuck? Haben sie ihn aus der alten Heimat mitgebracht oder entstand die Sitte in der neuen? Waren die Künstler Juden oder Nichtjuden? Welches ist die kunstgeschichtliche Bedeutung dieser Bilder? Sind die Bilder freie Erfindungen der Künstler oder Handwerker oder haben sie alte Vorlagen benützt? Diese Fragen lassen sich auf Grund der Grunwald'fchen Schrift und der wenigen hier gegebenen Proben, zumal auf Grund der unzulänglichen Abbildungen nicht beantworten und auf alle diese Fragen, bis auf die nach den Künstlern, ist auch der Verfasser nicht eingegangen. Hier muß die Arbeit des mit dem Formenschatz und der Technik der zeitgenössischen und älteren Malerei vertrauten Kunstgelehrten einsetzen. Dabei ist die Frage, ob die Bilder von. jüdischen Künstlern herrühren, von minderer Bedeutung. Dr. Grunwald bejaht diese Frage, aber er kann dafür nur das wenig stichhältige Argument ansühren, daß er einen jüdischen Steinmetz nachweist. Daß die Inschriften von jüdischen Steinmetzen herrühren, beweist natürlich nicht, daß auch die Verfertiger der Bilder Juden waren. Aber mögen die „Künstler" auch nicht Juden gewesen sein, so waren doch zweifellos die Auftraggeber Juden. Wie kamen sie zu diesem Gebrauch? Es sei noch darauf hingewiesen, daß diese Bilder auch auf nichrjüdischen Grabsteinen keine volle Analogie haben. Verweisen läßt sich nur auf Darstellungen aus der Lebens- und Leidensgeschichte Christi auf christlichen und auf die mythologischen Darstellungen aus antiken Grabdenkmälern. Doch ist die Bermuthung gestattet, daß die portugiesischen Juden vielleicht durch diese Vorbilder, die ihnen aus ihrer früheren Heimat und ihrer christlichen Vergangenheit bekannt waren, zu dieser Sitte angeregt wurden. Da bildliche Darstellungen, die den Verstorbenen selbst zur Anschauung brachten, ausgeschlossen waren, so griff man neben allgemein geltenden Allegorien und Symbolen zu Darstellungen aus dem Alten Testament, und den Verstorbenen ehrte man persönlich, indem man jeweilig Scenen aus dem Leben der biblischen Personen wählte, deren Namensträger der Verstorbene war. Dr. Grunwald hat das bleibende Verdienst, durch seine Schrift diese bisher nahezu unbeachtet gebliebenen Denkmäler der Forschung erschlossen zu haben. Der rührige und, wie die beiden ersten Hefte zeigen, mit ausreichenden Mitteln ausgestattete „Verein zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler" in Frankfurt a. M. fände hier eine überaus dankbare Aufgabe. Es wäre zu wünschen, daß er sie bald verwirkliche. vr. 8.?r. Briefkasten. K. Wenn ein llniversitätsprofessor jüdischer Abstammung sich dazu erniedrigt, mit einem Chamberlain Freundschaft zu pflegen, so geschieht ihm nur recht, wenn er von den Antisemiten als „Jude" beschimpft wird. Die Taufe und die religiöse Gesinnungslosigkeit, ja selbst die persönliche Erniedrigung schützt davor nicht. 4L A. Berichte über die ersprießliche Wirksamkeit eines Rabbiners im Allgemeinen kommen uns in der letzten Zeit in solch' großer An-, zahl zu, daß wir gezwungen sind, ohne Unterscheidung keine derselben einer Publication zuzuführen. K. Berliner Blätter publicirten folgende Wiener Specialität: „Was gewisse Juden in Wien werth sind, ersieht man aus folgendem Inserat in den Nummern der „Vossischen Zeitung" vom 5. und 6. September 1092. Erzieher (Christ) wird für eine Wiener israelitische Familie zur Erziehung eines das Gymnasium in Wien besuchenden Secundaners gesucht. Akademisch-pädagogisch gebildeter Erzieher bevorzugt. Ourrieulum vitae, Zeugnißabschriften, Photographie, Referenzen unter S. 305. an Gerstmann's Annoncen-Bureau, Berlin W. 9. Was aber muß der Christ werth sein, der bei solchen „Israeliten" die Erzieherstelle annimmt. Sie sind einander würdig!" M. in St. Neujahrs-Gratulationskarten und hebräische Ansichtskarten dürsten Sie in großer Auswahl in der Papierniederlage M. Silberstern, Wien, IX., Liechtensteinstrabe 15 erhalten. M. G. in Gewitsch. Der gestrichene Theil ist uns nicht mehr erinnerlich, wird aber zur Publication in unserem Blatte sich nicht geeignet haben. Notiz. Durch den angenehmen und billigen Verkehr in Wien ist jetzt Alles nahegerückt. Aus allen Bezirken und aus der Umgebung Wien's kommen Kunden, um Michel st ädter's Welt-Schuhe für den Schulbeginn zu besorgen, denn es ist klar, daß nur ein großes Unternehmen alle Anforderungen in Auswahl, Preis und Qualität bestens erfüllen kann. Niederlagen; VI. Mariahilferstraße 58,1. Rothenthurmstraße 19, Schwemme VII., Neubaugasse 57.