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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-09-19 · 38 (19.9.1902) · page 13

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
38 (19.9.1902)
Date
1902-09-19
Page
– (sequence 13)
Language
German
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Nr. 38 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 619 als A^siedlungsort sein heimatliches Palästina! Ans ist's jetzt mit aller Furcht! Und fände sich sogar ein Feind, der ihn verrathen wollte, die Regierung würde seinen Angaben gar kein Gehör schenken. Er ist im rechtmäßigen Besitz all seiner Papiere, hat sich vermittelst mehrerer in Angst und schwerer Arbeit verbrachten Jahre einen neuen Namen und Stand erkauft. In seinem Geburtsdorf kann er sitzt zu jeder Zeit ein Z?ugniß bekommen und damit gehen, wohin es ihn beliebt. Ja. seine Qual hat ein Ende! Sein Schlaf kann ebenso ruhig und ungestört sein, wie er es einst gewesen. Andere, angenehmere Träume suchen jetzt sein Lager auf; seine Frau? was wird er von ihr hören? wie wird sie ihn empfangen? Sein Herz krampst sich zusammen vor unendlichem Glück und unendlichem Weh', so verschieden sind die Gefühle, die es durchfluthen. (Fortsetzung folgt.) Literatur. M. Grunwald. Portugiesengräber auf deutsche Erde. Beiträge zurCultur-undKun st geschichte Hamburg, Alfred Janssen, 1902. 8". 160 Seiten. Zwischen dem Titel der, wie wir vorweg feststellen wollen, aufschlußreichen und interessanten Schrift des durch seine Veröffentlichungen auf dem Gebiete der jüdischen Volkskunde bekannten Verfassers und ihrem Inhalte herrscht eigentlich ein M'ßverhältniß, das dem Umfang des Buches einerseits zu Gute gekommen ist, da es mehr enthält, als man nach dem Titel vermuthen möchte, andererseits aber doch die Ursache ist, daß die Schrift gerade in den Theilen, die, nach dem Titel zu schließen, das Wesentliche sein sollten, nicht ollen Anforderungen gerecht wird, die man an eine Monographie über .Portugiesengräber auf deutscher Erde'' mit dem Beisatz: .Beiträge zur Cultur- und Kunstgeschichte" zu stellen bercchngt wäre. Aus dem Vorwort wird man freilich belehrt, daß der Verfasser den Titel eigentlich im übertragenen Sinne gefaßt wisftn w.ll. Mit „Portugiesengräber" bezeichnet er nicht lediglich, wie man nach dem Wortverstand glauben sollte, die Grabstätten der portugiesischen Juden*) in den für die vorliegende Schrift in Betracht kommenden Städten, sondern das Wort hat hier eine übertragene und viel umfassendere Bedeutung. „Portugiesen g r ä b e r sind es zumeist", heißt es in der Vorrede, „mit denen wir hier bekannt machen. Denn bis auf die kleine Hamburger Gemeinde, welche am 3. September d. I. die Feier ihres 250jädrigen Bestehens begehen kann, handelt es sich um ein abgestorbenes Senkreis jüdischen Lebens auf deutscher Erde". Denn nichts weniger als eine auf selbstständiger Quellenforschung ruhende, allerdings mit Rücksicht auf das lückenhafte Material skizzenhafte „Geschichte der portugiesisch-jüdischen Gemeinden in Hamburg, Altona und Emden, sowie der Juden in Glückstadt" bietet die Schrift des rührigen Verfassers und dieser, vielleicht weniger schön klingende, aber den Inhalt besser bestimmende Titel wäre richtiger gewesen. Da nun der Verfasser, wie man sieht, seiner Arbeit einen breiteren Rahmen gegeben hat, als der von ihm gewählte Titel besagt, so konnte naturgemäß das Einzelne keine so eingehende und erschöpfende Behandlung erfahren, als es Aufgabe emer Einzelstudie gewesen wäre. Mit den vorstehenden Bemerkungen soll der Werth der Arbeit Dr. Grunwald's nicht vermindert werden; im Gegentheil, wir glauben dadurch erst die richtige Einschätzung der fleißigen und eingehende Sachkenntniß verrathenden Schrift zu ermöglichen, daß wir den Bereich genau fkststellen, in den sie gehört: als Materialien zur Geschichte der Portugiesen — um diesen vom Verfasser gewählten, knapperen Namen beizubehalten — in Deutschland bietet die Arbeit einen schätzenswerthen Beitrag zur Geschichte der Juden in Deutschland überhaupt, der trotz der Behandlung, die der Gegenstand anderweitig erfahren hat, seinen selbstständigen Werth behält. Durch die Beigabe von Acten und Urkunden, durch die Mittheilung einer Anzahl interessanter Grabschriften und einer Auswahl der sie schmückenden bildlichen Darstellungen wird dieser Werth noch erhöht. Der. Verfasser beherrscht nicht nur die einschlägige Literatur, sondern er hat für seine Arbeit auch urkundliches und anderes handschriftliches Material herangezogen und verwerthet, so daß seine Darstellung durchaus als eine authentische gelten kann; dabei ist sie flüssig und belebt *) Auch daß es sich um portugiesische Juden handelt, wird Niemand aus dem Titel schließen. durch manches mehr das Gemüth ansprechende Detail, so daß sie auch das Interesse eines größeren Leserkreises, nicht blos des Fachmannes zu fesseln vermag. Die Geschichte dieser „Portugiesen" ist an sich interessant genug, und es verlohnte sich, an der Hand des von Dr. Grunwald gesammelten Materials Einiges hier mitzutheilen. Doch kann hier, wo es mehr daraus ankommt, die Lectüre der Schrift anzuregen als durch Mittheilung ihres wesentlichen Inhalts die Lesung überflüssig zu machen, füglich davon abgesehen werden. Nur scviet sei bemerkt, daß sich diese „Portugiesen" durch die Einrichtungen des Cultes und der Gemeindeverwaltung, durch ihre Fürsorge für den Jugendunterricht, ihre Lebensführung, ihren Handel und Wandel, die Mannigfaltigkeit ihrer Berufe, die Achtung, die sie bei ihren Mitbürgern erlangten, sich auf einer Höhe der Culturentwicklung zeigen, die sie von ihren Zeitgenossen in anderen Ländern wesentlich unterscheidet. Die größere Freiheit, der ihre Vater auf der pyrenäischen Halbinsel unter maurischer Herrschaft und auch später noch sich erfreuten, ja, es muß auch dies gesagt werden, die Thatzache, daß sie eine Zeit lang ihr Judenthum cffen ablegen mußten und dadurch ihr Menschenthum fteier entwickeln konnten, kam dieser Culturentwicklung zweifellos zu statten. Daß die Geschichte, die Dr. Grunwald von diesen jüdischportugiksiichen Gemeinden entwirft, nur eine skizzenhafte ist, wurde bereits erwähnt, und daraus erwächst der Arbeit kein Vorwurf; das liegt an dem, wie er selb! hervorhebt, lückenhaften Material. Ader es wurde bereits bemerkt, daß der Verfasser mit Fleiß alle brauchbaren Bausteine zusammengetragen Hai, sehr wertyvolles Material theils rm Original, theils in Uebersetzungen beibringt und auch in der Berwerthung dieses Materials es zumeist an der nöthigen Vorsicht nicht fehlen läßt. Za den wichtigsten Materialien gehören die G r a b st e i n e: Hier gilt ja im eigentlichsten Sinne das bekannte und oft citirte Wort „saxa loquuntur . Und diese Steine führen eine beredte Sprache durch den Text ihrer Inschriften und durch ihren bildnerischen Schmuck. Hier muß aber auch bei aller Anerkennung, die man der Arbeit des Verfassers im Ganzen zollen kann, gesagt werden, daß sie nicht erfchöpfend ist und dringend der Ergänzung durch eme eingehende Behandlung, zumal des Bildfchmuckes der Grabsteine, welche die hier gestellten Probleme — denn es sind mehrere — im Zusammenhang behandelt, bedarf. Um auch hier das Gute der Grunwald'jchen Schrift anzuerkennen, sei bemerkt, daß sie eine ausreichende Ueber sicht über das ganze Material bietet. Außer den noch vorhandenen Grabsteinen des hier am meisten in Betracht kommenden Altonaer Friedhofes (viele sind verloren gegangen) benützte er noch zwei Verzeichnisse: Das „Verzeichnitz der von der Hebra Gemrlut Hassadim Bestatteten" und das „Berzeichniß von den Gräbern auf dem in Altona in der Königstraße liegenden b'ti rra der Portugiesischen Jüdischen Gemeinde zu Hamburg und Allona vis anno 5634 oder 1874", dazu kommt noch ein „Jahrzeilverzerchniß" (nur von Frauen) „Renovado e augmentado do anno 5456 por diante the este anno 5544" im Besitze des Herrn I. H. Wagner in Berlin. Auf die Geschichte dieses Friedhofes (S. 73) folgt ein dankenswerther „Versuch einer Statistik der Todesfälle" (S. 76). In einem besonderen Capitel „Die Grabsteine" (S. 83) wrrd über ihre Formen, ihre Sprache (außer Portugiesisch oder Spanisch, Hebräisch, Deutsch, Französisch und Englisch), die Benedictionen, die Datirung (veachtenswerth ist, daß neben dem jüdischen meist auch nach der bürgerlichen Zeitrechnung mit einem „que corresponde" das Datum hinzugesetzt wird), über die persönlichen Verhältnisse der Todten, ihre Titel und Lebensstellungen das Nöthige zusammengestelll; endlich werden einzelne Grabsteine — im Ganzen 13 — mitgeiherlt (S. 85). Aus die folgenden Abschnitte über die Bilder und Züchen auf den Grabsteinen und deren Künstler kommen wir noch zu sprechen. Nicht ohne Interesse ist die Erklärung der Namen (S. 92). Besonders werthvoll ist fedoch die alphabetisch geordnete Ueberficht über „die Todten" (S. 94); in den beigegebenen Anmerkungen hat Grunwald sorgfältig Altes zusammengestellt, was für die Kennlniß einzelner Persönlichkeiten, unter denen sich Manche finden, die nicht nur für die dortige Gemeinde, sondern darüber hinaus Bedeutung erlangten, von Wichtigkeit ist. Hier zeigt sich besonders die große Belesenheit des Berfafiers. Knapper, aber von gleichem Werthe sind die Ausführungen über die Juden in Glückstadt (S. 128) und die Portugiesen in Emden (S. 143). Auf die Geschichte der Juden in Glückstadt folgt ein Capttel

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