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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-09-19 · 38 (19.9.1902) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
38 (19.9.1902)
Date
1902-09-19
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 88 Dr. Bloch's Woihrnfchrifk. Sette 617 bedeutende Männer des Judenthums geworden sind, werden den Ehrentag Dr. Frankl's mit Freuden begrüßen. Möge es ihm gegönnt sein, noch oftmals für das Judenthum in Wort und Schrift zu wirken! Komorn. Von hier wird der .Oesterr. Wochenschrift" gemeldet, daß der Gründer der Firma Leopold Pollak & Sohn, Herr Leopold Pollak, der mehr als 50 Jahre an der Spitze des Hauses wirkte, am 10. September l. I. in Komorn nach schwerem Leiden aus dem Leben geschieden ist. Der Heimgegangene erfreute sich großer Sympathien in zahlreichen Kreisen, die ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Krumau. Die Installation des neuernannten Rabbiners PH. Dr. Leopold Hirsch fand in feierlicher Weise statt. Cultusvorsteher Spiro begrüßte namens der Cultusgemeinde in warmen Worten den neu Ernannten und forderte denselben auf, der Pflichten eingedenk zu sein, die der Rabbiner zu üben hat. Rabbiner Dr. Hirsch dankte tiefbewegt für den freundlichen Empfang und hielt dann die Festpredigt. Oedenburg. Vorige Woche traf in Kismarton (Eisenstadt) der Raaber Diöcesanbischof Graf Nikolaus Szöchenyi ein; er nahm im Schlosse des Fürsten Nikolaus Esterhazy Absteigquartier und wurde vom Bürgermeister v. Pamlönyi an der Spitze des Stadtmagistrats begrüßt. Der Bischof empfing dann mehrere Deputationen. Auf die Worte des Sprechers der israelitischen Cultusgemeinde erwiderte der Bischof, es freue ihn, daß auch die Israeliten zu seiner Begrüßung erschienen sind. Er seinerseits werde darüber wachen, daß in seiner Diöcese der Geist religiöser Toleranz und friedlichen Zusammenwirkens, jederzeit gewahrt werde. Indem er die Herren noch ersuchte, die Gemeinde seiner Achtung und seines Wohlwollens zu versichern, flehte der Bischof den Segen des Himmels auf ihre weitere Wirksamkeit herab. Bosnisch-Brod. Die jüngst abgehaltene außerordentliche Generalversammlung der Österreich.-ung. israelitischen Cultusgemeinde war zahlreich besucht. Nach Erledigung der Tagesordnung wurde einstimmig deschlosfin. einen Tempel zu bauen, zu welchem Zwecke ein Temp^lbau-Comits gewählt wurde, und zwar die Herren: Jacob Merkadi«, Rafael M e r k a d i 6, Albert G o l d st e i n, Adolf S p i l l e r, Simon Deutsch, Wilhelm Goldfarb; zum Cassier Herr Jacob M e r - kadio und zum Controlor der Gemeinde-Cassier Herr Samuel Klein. Nach Schluß der Sitzung wurde von den genannten Herren und mehreren Gemeinde-Mitgliedern der Betrag von 228 Kronen für den T^mpelbau gespendet. Effegg. Der Tempelbau in der Unterstadt macht sehr erfreuliche Fortschritte, indem schon am Samstag in Anwesenheit des Baumeisters W. C. Hofbauer das Gleichenfest begangen wurde. Die Anwesenden wurden alle mit Bier und einem Imbiß bewirthet. Hiebei wurde auf Herrn Obergespan Levin v. Chavrak, königl. Rath Bürgermeister Graff, auf den Gemeinderath und die Bürgerschaft, auf den Cultusvorstand Jofif Kellner und dessen Stellvertreter Kiß, sowie auf den Baumeister Hofbauer toastirt. Vrrovitica. Unser Städtchen hatte dieser Tage den hohen Besuch des regierenden Fürsten Prinzen Georg Schaumburg-Lippe, der hier seine umliegenden Güter besichtigte, und fanden aus diesem Anlafle große Feierlichkeiten statt. Unser verehrter Rabbiner Herr Dr. Kaufmann, der an der Spitze der jüdischen Deputation vom Fürsten in einer Audienz empfangen worden, hielt an denselben eine herzliche Begrüßungsansprache und wurde zu der am Tage darauf stattgefundenen fürstlichen Tafel zugezogen. Brody, 1. September. Heute fand hier die Wahl der fünf Jnspectoren der israelitischen Knaben- und Mädchenschule statt. Dieselben werden auf sechs Jahre von dem Cultusrathe und den jüdischen Mitgliedern des Gemeinderathes gewählt. Das Ehrenamt eines Schulinspectors hier gehört nicht zu der angenehmsten und leichten Function, da derselbe unter den gegenwärtig hier obwaltenden, höchst traurigen Verhältnissen, viel, ja sehr viel zu kämpfen hat, um diese so segensreich wirkende Lehranstalt vor Anfeindungen zu schützen und ihre Existenz ungeschmälert zu erhalten, da dieselbe auf nicht sehr fester Basis ruht, zumal sie zum großen Theile von der galizischen Landesregierung subventionirt wird. Die Herren L. Bloch, Dr B. Groß und S. Lifichütz wurden wieoergewählt; als Neugewühlte kamen aus der Wahlurne Herr Dr. Kittek und Herr H. Feuerstein hervor. M. M. Nizza, 7. September. (D. P o l l o n a i s.) Am letzten Sonntag ist auf seinem Landsitz Cap-Jerrat nach langer Krankheit einer unserer vortrefflichsten Glaubensgenossen und Philanthropen gestorben. Herr Dssirä Pollonais ist dreißig Jahre lang Bürgermeister unserer Nachbarstadt Villafranca und Mitglied des Kreisausschusses für das Departement der Alpes Maritimes gewesen. Er und seine vor vier Jahren verstorbene Gattin, die in der ganzen Gegend unter dem Namen „die große Jüdin" beknint gewesen, haben allezeit für ihre leidenden Mitbürger und Glaubensgenossen gewirkt; Hilfsbedürftige haben sich niemals vergebens an sie gewendet. Die Begründung der ersten Heilstätten für Lungenkranke in unserer Gegend ist einzig der Jnitiave Pollonais' zu verdanken, das Institut wirkt heute noch segensreich und ist eins der bedeutendsten des Landes. Neben seiner privaten Woblthätigkeit hat der Verstorbene auch in Ehrenämtern eifrig für das Wohl der Juden gewirkt. Er war über 40 Jahre Präsident der jüdischen Gemeinde Nizza und deren Vertreter im jüdischen Consistorinm von Marseille. Die Beerdigung des allseitig Verehrten fand unter außerordentlicher Beteiligung und öffentlichen Ehrungen statt. Außer den zahlreichen persönlichen Freunden folgten die Spitzen der Civil- und Militärbehörden dem L icbenzug. ein D tachement von Chasseuren war am Sterbehaus aufgestellt, die Stadtcapelle hat auf dem weiten Weg bis zum hiesigen jüdischen Friedhof Trauerweisen gespielt. An der Gruft sprach als erster Redner Rabbiner Meiß aus Nizza dem Hingeschiedenen Segensworte nach und rühmte seine Thätigkeit für das Judenthum und seine stetige Hilfsbereitschaft für die Armen und Bedrückten. Nach dem Rabbiner hielt der Finanzminister Rouvier eine glänzende Rede. Als persönlicher Freund des Verstorbenen und als Vorsitzender des Generalrathes des Departements rühmte er die glänzenden Gaben Desird Pollonais', seine große Vaterlandsliebe, seine rastlose Thätigkeit für die Befreiung und Gleichstellung der Juden. Der Abgeordnete für Nizza und der Vertreter des Präfecten riefen ihrem großen Mitbürger und dem Wohlthäter der Armen herzliche Abschiedsworte nach, dann schloß sich das Grab über den sterblichen Resten eines guten Menschen. Dosiere Pollonais hat den großen Schmerz nie überwunden, den sein Sohn Gaston ihm durch Verlassen des väterlichen Glaubens zugefügt hat. Wie man sagt, hat er sich taufen lassen, um die Stellung als Redacteur des „Gaulois" in Paris zu erhalten, in dem er die polemischen Leitartikel schreibt. Feuilleton. Kttder aus Sibirien. Novelle von L. Melschin. Uebersetzt aus dem Russischen von Malwina Blumberg. (Fortsetzung.) Das Leben nahm seinen weiteren Verlaus. Die Bewohner des Zimmers theilten sich in Gruppen. Die eine bestand aus der jüdischen Familie; in der zweiten unterhielt sich der Greis Nikolajew mit den Perminow'schen Eheleuten, die ihn aufgefordert hatten, sich bei ihnen niederzulassen; Seele und Mittelpunkt, der dritten, die aus fünf oder sechs Jünglingen bestand, bildete der redselige Kitajew. Derselbe war kein junger Mann mehr, schien indessen jetzt, da er seine Strafzeit abgebüßt, auf's Neue jung und blühend werden zu wollen. In der Ecke ihm gegenüber saßen auf der Pritsche noch zwei Männer: der eine, ein großgewachsener, schwächlicher Greis, auf dessen Kopf das eingebrannte Sträflingszeichen sich deutlich abhob, war noch ein Sträfling aus Kaiser Nikolaus' Zeiten, und hatte sein ursprünglich ganz kurz sein sollender Aufenthalt in den Bergwerken in Folge zahlreicher Fluchtversuche erst jetzt ein Ende erreicht. Obgleich er ganz taub war und das Jünglingsalter längst überschritten hatte, war er immer lustig und guten Muthes. So war er denn auch der erklärte Liebling der ganzen Compagnie, in die er mit seinen unaufhörlichen Witzen etwas Heiterkeit brachte. Ohne zu irgend einer Partei zu gehören, nahm er, trotz seiner Taubheit, an allen Gesprächen theil und seine Antworten waren immer treffend. Man nannte ihn Timofejew. Neben ihm saß — obgleich sie gar nicht zu einander gehörten — ein bärtiger Bauer mit einem aufgedunsenen Gesicht und wilden Ausdruck in den Augen. Ungewöhnlich düster und schweigsam, betrachtete er alle seine Gefährten mit mißtrauischem Blick und murrte ununterbrochen etwas vor sich hin. Die Kameraden nannten ihn Bawoj und behaupteten, er sei nicht ganz bei Sinnen. Kitajew's Gruppe war ganz besonders angeregt und heiter. Kitajew plauderte und prahlte in einemfort.

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