Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 38 (19.9.1902)
- Date
- 1902-09-19
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Sette 616 Dr. Bloch's SochenschrM Nr. 88 Paris. (Beim Schah von Persien.) Am Donnerstag, 4. September, wurde eine Deputation der Alliance JsElite Universelle hier von! Sr. Majestät dem Schah von Persien empfangen. Die Deputation überreichte dem Schah eine Adresse folgenden Wortlauts: »Sire! Es ist für unsere Bereinigung eine ehrenvolle Auszeichnung. Eurer Majestät ehrfurchtsvolle Huldigung darbringeu zu dürfen. Nach dem Beispiel Ihrer ruhmreichen Vorfahren haben Euere Majestät die Gewogenheit gehabt, Ihren hohen Schutz Ihren israelitischen Unterthanen zu gewähren, jeden Angriff gegen deren Person und Habe zu hindern oder zu unterdrücken und ihnen eine Ruhe zu schaffen, die ihnen die Frucht ihrer Arbeit sichert und ihnen gestattet, alle Anstrengungen auf ihre geistige und sittliche Entwicklung zu richten, zu ihrem eigenen Besten und zum Besten des Reichs. Wir haben ihnen Unterstützung geliehen, in den großen Städten des Reichs Schulen einzurichten, die von zahlreichen Zöglingen besucht werden, die fleißig arbeiten, um sie zu unterrichten. Die Schaffung dieser Schulen hat durch Euere Majestät, durch Euerer Majestät Minister und Gouverneure schätzbare Ermuthigung erfahren. Wir werden bestrebt sein, diese Gunst zu vergelten, indem wir die Zöglinge' jener Schulen zu treuen und ergebenen Unterthanen Euerer Majestät erziehen. Die Israeliten Persiens segnen den Namen Euerer Majestät, und wir vereinigen uns mit ihnen, um Euerer Majestät den Ausdruck unauslöschlicher Dankbarkeit für die Güte und das Wohlwollen darzubringen, die Sie unseren persischen Glaubensgenoffen bewiesen haben. Wir bitten Gott, daß er Euerer Majestät eine lange und ruhmreiche Herrschaft schenke und die kostbaren Tage Euerer Majestät zum Heil der Völker Ihres Reichs erhalte/ Der Schah bereitete den Mitgliedern der Abordnung höflichsten Empfang. Er erwiderte auf die Adreffe, daß er seit seiner Thronbesteigung den Israeliten seines Reichs stets Schutz gewährt habe, daß er ihnen auch in Zukunft Schutz gewähren und Wohlwollen beweisen werde. Er fügte hinzu, daß er die von ver Alliance in Persien geschaffenen Schulanstalten kenne und sie zu würdigen wisse; er hoffe, daß sie zur Hebung der israelitischen Bevölkerung Persiens beitragen werden. Trotz Dreyfus und Antisemitismus avaneiren jüdische Offiriere in der französischen Armee ohne irgend welchen Schaden für Disciplin, Armee und Land. ES ist dies um so bemerkenswerther,'als die jüdischen Officiere meist deutsche, also den Franzosen sowohl verhaßte als auch verdächtige Namen haben. So wurden vor Kurzem ernannt u. A. Oberstlieutenant Heumann zum Obersten, Bataillonschef Kaufmann zum Oberstlieutenant, Capitän Hirtzmann zum Bataillonschef, Lieutenant Schüller zum Capitän und der Artilleriedirector in Viucennes Samuel Mayer zum Oberst. Petersburg. In Minsk fand vom 4. bis 8. September der erste allruffische Zionisten- Congreß statt. An diesem Congreß nahmen Vertreter aller in Rußland bestehenden Zionistenvereine theil. Die Zahl dieser Vereine ist in den letzten Jahren in Folge einer rührigen Propaganda, die an vielen Orten allerdings auf heftigen Widerstand seitens der Rabbiner stößt, erheblich gegestiegen. Als Congreßort war Minsk gewählt worden, weil diese Gouvernementsstadt der Mittelpunkt des Gebietes ist, wo die zionistischen Ideen die meisten Anhänger gefunden haben. Außerdem verfügt der dortige Zionisten-Verein über größere Geldmittel, als die übrigen Vereine. Auf der Tagesordnung des Congreffes standen zahlreiche intereffante Fragen. Sie betrafen unter Anderem die Organisation der Zionisten in Rußland, die Blldung des sogenannten Nationalfonds und die Sammlung freiwilliger Spenden für diesen Fonds, die jüdische Nationalbank, deren Actien einen größeren Absatz in Rußland finden sollen, die culturelle Thätigkeit, die vor Allem in der Unterstützung der unbemittelten Vereinigungen und im Landkauf in Palästina besteht, ferner die Colonisirung Palästinas und die Propaganda für den Zionismus. Am Congreß nahmen circa 400 Personen theil. New-Pork, 17. September. Der Bericht des amtlichen Ausschuffes zur Untersuchung der antisemitischen Ausschreitungen beim Begräbnisse des Rabbi Joseph bringt schwere Anklagen gegen die New-Aorker Polizei. Die jüdischen Leidtragenden werden als aller Verschuldung frei erklärt und die Ausschreitungen den Angestellten der Hoe'schen Werke zugeschrieben. Die Polizei habe sich längst durch Brutalität gegen die Juden des Ostviertels ausgezeichnet und dies am Morgen des Begräbnisses besonders erwiesen. Die Polizei-Verwaltung wird wegen Vernachlässigung aller Maßregeln zur Erhaltung der Ordnung verurtheilt, namentlich Commissioner Partridge wegen Judienstbelaffung der Hauptschuldigen Beamten. »Daily Telegraph" erklärt den von einem vorurtheilsfreien Comitö, das der Bürgermeister ernannt hatte, erstatteten Bericht für die schwerste Anklage gegen die Polizei seit dem Amtsantritte des Bürgermeisters Low.. Vermischtes. Wien. (T r a u u n g.) Dienstag den 30. September, 3 Uhr Nachmittags, findet im israelitischen Tempel der Seitenstettengasse die Trauung des Fräulein Lilli Lieben, Tochter des kaiserl. Rathes Herrn Dr. Theodor Lieben, Secretärs der israelitischen Cultusgemeinde in Wien, mit Herrn Frangois Breit mann aus Constantinopel statt. Wien. (B a r m i z w a h - F e i e r im Brigitte nauer T e m p e l v e r e i n.) Der einzige Sohn Georg des Tempelvörstehers Herrn Jakob G o l d n e r feierte dieselbe am vergangenen Samstag und wurde diese vom Cnltusvorstande zur Ehre ihres Mitgliedes in solennster Weise veranstaltet, zuntal Herr Goldner zugleich zu dem bereits früher gespendeten Leier Thora auch die prachtvollen K16- Kodescli widmete. Die cantorale Function versah Herr Romann in würdiger Weise. Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Bach hielt die Weiherede — ebenso richtete er an den Confirmandeu, welcher die Schlußparaschen aus der Thora und Hafthora mit vollstem Verständniß vortrug, eine herzliche Ansprache. Selbstredend war die Betheiligung der Vereinsvorsteher und Mitglieder beim Feste selbst eine riesige und die vom Barmizwah gefühlvoll gesprochene Rede machte auf die Zudörer den wirksamsten Eindruck. An gelungenen Toasten und schönen Geschenken fehlte es natürlich nicht und die Armen wurden ebenfalls bedacht. Wien. (Auszeichnung.) Dem Procurifteu der Firma Max Springer, Leopold Sachs in Wien, ist der Tiiel eines kaiserlichen Rathes verliehen worden. Wien. (Bibelschule Währing.) Die Einschreibung in die Bibelschule des XVIII. Bezirkes für Volks-, Bürger- und Mittelschüler hat schon Mittwoch den 17. d. M. begonnen und hat ein sehr günstiges Resultat ergeben. Dieselbe wird noch Samstag den 21. und Mittwoch den 24. d. M. fortgesetzt. Wien. (Musikschule Professor Adler.) Höchst beachtenswerth für Musiklernende ist der Perfectionsunterricht (Correcturmethode) für Violine und Clavier in der bekannten Musikschule des Professor Max Adler, IX, Roßauergasse Nr. 4. Schnelle Ausgleichung der Tonleiter rc. (Punctations-Methode), Entwicklung des Gesangstones (Zugfingermethode), dadurch Gehörsverbesserung, ein Fehler der meisten Pianisten und Violinisten, a vista-Spiel. Briefliche Abtheilung für theoretischen Unterricht. Schüleraufnahmen finden täglich statt. Wien. »Dem Director der Münze Achmed Meschh a v i P a s ch a aus Cairo, welcher vor Kurzem sammt Gefolge hier eingetroffen und im „Hütel Bristol" logirte, wurden die Mahlzeiten während seines Aufenthaltes vom Restaurant K h u n e r servirt." Wien. (Genossenschaftliches.) Bei der am 14. September a. c. in Hamberger's Saal stattgefundenen Generalversammlung der Genosscnschaft der Lederhändler wurde Bethausvorstand Eduard Politzer neuerdings fast einstimmig zum Vorsteher st< Übertreter gewählt. Kremsier. Am 28. September 1902 feiert Rabbiner Doctor A. Frankl-Grün sein 25jähriges Jubiläum als Seelsorger unserer Gemeinde. Frankl-Grün hat sich durch seine historischen Arbeiten einen klangvollen Namen in der jüdischen Gelehrtenwelt erworben. Sein bedeutendstes Werk ist die „Geschichte der Juden in Kremsier", die in drei stattlichen Bänden nicht nur die Localereignisse, sondern auch die Geschichte des ganzen Kronlandes Mähren behandelt. Das Werk ist die Grundlage für jede größere jüdische Geschichtsschreibung dieses Landes geworden. Von religionsphilosophischen'Arbeiten veröffentlichte Dr. Frankl „Ethik des Juden Halevy" 1885 und „Varianten in den biblischen Parallelen." Die bei patriotischen Festen gehaltenen Kanzelreden hat der Jubilar unter dem Titel „Des Kaisers Jubeltage", 2. Aufl. 1888 und „Des Kaisers Trauertage", 1899, in Druck erscheinen lassen. Außerdem gab er noch „Vier Reden zu den ausgezeichneten Sabbathen" und „Kleiner Weinberg", Exhorten 1902 heraus. Die zahlreichen Freunde und Schüler, von denen einige selbst