Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 38 (19.9.1902)
- Date
- 1902-09-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 610 Dr. Bloch's Wochenschrift. Nr. 88 ein Werk bekannt ist. Mohren im Dienste der Portugiesen begegnen uns häufig. Die Geschichte der Teixeras, des Vaters wie des Sohnes, ist durch wichtige neue Züge zu ergänzen. Der bekannte Finanzmann Albertus Dionys entpuppt sich in einer doppelsprachigen Urkunde als Samuel Jachja, sein Schwager Paulo de Milo, der erste Jude, der in Deutschland ein Schiff hat bauen lassen, als Mose Abensur. Von Benjamin Muffasja, dem Leibarzt des Königs von Dänemark, stammen die herzoglichen und königlichen Münzmeister und Kammeragenten, über die das Schleswiger Staatsarchiv ausführlich berichtet. — Auf dem Friedhof der Portugiesen in Altona find von 1611 bis 1877 etwa 1536 Todte bestattet worden. Der Friedhof überrascht durch die Pracht der Grabdenkmäler, die dem biblischen wie nachbiblischen Gedankenkreis, der Antike wie der Renaiffance ihre Motive entlehnen. Einmat findet sich sogar der Todtentanz abgebildet. Von besondercm Jntereffe sind die Famtlienwappen. Bestimmte Anhaltspünlie gestatten, die Ausführung auch jüdischen Künstlern zuzuschreiben. 1622 gründet sich eine Portugiesengemeinde in Glückstadt, von der aber schon im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts kaum die Rede ist, 1703 eme solche in Altona, die 1887 aufgelöii wird. Bon den Portugiesen in Emden erzählen u. A. zwei Grabsteine aus den Jahren 1606 und 1607. Deutsche Juden sind erst seit 1582 in Hamburg nachzuweisen. 1614 wird etlichen, die sich vermuthlich seit 4 Jahren daselbst aufgehalten hatten, das Asyl gekündigt. Erst von 1627 an kann von einer eigentlichen Niederlassung die Rede sein. In den dänischen Privilegien von 1641 werden Schutzjudcn des Königs in Hamburg, Altona und Wandsbek genannt. 1644 fliehen die Altonaer vor dem Schweden nach Hamburg, aber 5 Jahre später müssen die deutschen Juden Hamburg verlassen. Einige blieben unter den Titel »Dienstboten der portugiesischen Nation" im Schutzverbande der letzteren zurück. Aus ihnen entwickelt sich die eigentliche Hamburgische Gemeinde. An ihrer Spitze stehen 1657 drei Vorsteher, ihre Rabbiner sind ein gewisser Abraham und der aus der Literaturgeschichte bekannte Tebele aus Posen. Streitigkeiten zwischen dieser und der Altonaer Gemeinde' schlichtet der aus Frankfurt a. M. berufene Aron Samuel Kaidenower 1669 dahin, oaß Tebele noch zwei Jahre im Amt bleiben, dann aber der Altonaer Rabbiner auch von den Hamburgern anerkannt werden solle. 1671 lösen sich diese Hamburger Juden von dem portugiesischen Protecrorate los, das mrt den Altonaern geschlossene Schutzbündniß tritt in Kraft. Von diesen waren 1657 etwa 36 Familien vor den Schweden nach Hamburg glflüchtet und hatten hier festen Fuß gefaßt. Daraus entwickelt sich die Altonaer Gemeinde in Hamburg. Daneben entsteht hier eine Filiale der Wandsbeker Gemeinde, deren ältester Schutzbrief aus dem Jahre 1671 stammt und welche 1688 die Erlaubniß erhält, Juden an anderen Orten in ihren Schutzverband aufzunehmen. Ein Beschluß der Bürgerschaft 1674, die deutschen Juden auszutreiben, kommt nicht zur Ausführung. 1697 wird ihnen die Abhaltung des Gottesdienstes gestattet, und wir hören schon von den ^hochdeutschen Juden, so in dieser Stadt Schutz ausgenommen" und »einer hochdeutschen Judengemeinde in Hamburg". Das »Reglement der Judenschaft in Hamburg 1710" regelt für länger als ein Jahrhundert ihre staatsbürgerlichen Verhältnisse. Die innere Geschichte der deutschen Juden, etwa zwischen 1645 und 1700, schildern uns die Memoiren der Glücket von von Hameln. Ihr Vater war lange Zeit Vorsteher der Altonaer Gemeinde, der erste Rabbiner Altonas David Hanau war ihr Verwandter. Ihr Vater war auch der erste Jude, der nach 1657 wieder in Hamburg wohnen durfte. Die wichtigste Episode in Glückel's Memoiren ist die Ermordung zweier Juden 1684 und 1687. Was diese Memoiren für das 17.. das ist die Autobiographie Jakob Emden's (geb. 1696 in Altona) für das 18. Jahrhundert. Emden's Vater, der Chakam Zebi, der Begründer der Altonaer Klaus, fungirte damals als Rabbiner in Altona. Vor ihm werden als solche genannt: David Hanau (s. o.), Meir b. Benjamin Wolf Aschkenasi, ferner Hipel b. Naftali Herz, Mose b. Menachem Mendel und Meschullan Salman Neumal k Mireles. Des letzteren Schwiegersohn, der Cbakam Zebi. vertrat ihn bei Lebzeiten längere Zeit, nach Mireles Ableben wechselte er mit Most Süßkind Rothenburg monatlich im Rabbinate ab, bis er 1710 nach Amsterdam wegzog. — Emden war nach einem unsteten Wanderleben in seine Vaterstadt Altona zurückgekehrt und Umani hatte sich hier, mit königlichem Privilegium ausgestattet, eine hebräische Druckerei eingerichtet. Er hatte wohl auch nach dem Ableben Ezechiel Katzenellenbogen's auf das Rabbinat gehofft Gewählt wurde jedoch 1750 Jonatan Eibeschütz, mit dem er sogleich in den bekannten Streit über Joratans Hinneigung zu Sabbatai Zebi verwickelt werden sollte. Die Acten über diesen Streit sind nicht, wie man allgemein glaubte, durchwegs vernichtet worden, sondern in dem Staatsarchive zu Hamburg und Schleswig in voller Ausführlichkeit erhalten. Außer diesem Streit sind aus dem 18. Jahrhundert noch zu erwähnen: Ein judenfeindlicher Tumult aus dem Jahre 1730, b.kannt unter dem Namen „Geserat Henkekpöttche", ferner eine Kipper- und Wipperbeschuldigung (1736), über die uns eine jüdisch-deutsche.Reimchronik berichtet, uuo Streitigkeiten zwischen Hamburg und Dänemark über die Jurisdiction des Altonaer Rabbiners bis zum Lübecker Frieden. Werthvolles Material liefern die Grabschriften, deren H rausgabe zum großen Theil bereits vorbereitet ist, sowie die Gemeindestatuten, welche in Kurzem veröffentlicht werden sollen. Die Ausführungen des Redners wurden durch lauten Beifall belohnt. Der Orrentalisten-Congreß beim Palästina-Wein. Es war ein ebenso freundlicher wie glücklicher Gedanke der Loeiete d’Exportation de Vins »EJiadah", die Theilnehmer des Ocieutattsten-Congresies, die sich speciell für Palästina lnteresswen, namentlich also die Mitglieder des „Palästina-Vereins" mit einem Productionszweig bekannt zu machen, dessen Geschichte nrit der modernen Cultur- und Wirthschaftsgeschichte des »heiligen L mdes" aufs Innigste zusammenhängt. Zwanzig Jahre sind es jetzt etwa her, seit in »Rischon le Z on" und »Sichron-Jacob" Versuche mit erneutem Weinbau gemacht worden sind, und dieser kurze Zeitraum hat genügt, um ein ganz hervorragendes Product und einen zukunftsreichen Wirthschaftszweig ins Leben zu rufen. So wurden, um bordeauxartige Weine zu erzielen, die besten Gewächse des Mädoc, unter Anderem Reben aus den dem Hause Rothschild gehörigen, weltberühmten Weinbergen des Chateau Lafite imporlirt. Um süße Weine zu produciren, Pflanzte man Alicante- Reben, und weiße Weine werden jetzt dort hergestellt aus acclimatisirten Bordeaux-Reben, besonders aus dem Disttict der Hautes Sauternes. Zu der zweckmäßigen Auswahl der Reben kam eine entsprechende Behandlung des Bodens, und durch geeignete Düngung führte man demselben diejenigen Stoffe zu, die rhm fehlten. So gelang es, aus dem Boden, der ursprünglich nur für heiße Weinarten geeignet ist, Gewächse zu erzielen, die denen der Heimat der Reben rn geradezu überraschender Weise glichen. Es ist hier nicht der Ort, auf die mühevolle Ueberwindung der technischen Schwierigkeiten, der Kellerbehandlung u. s. w., einzugehen, und wir können uns darauf beschränken, zu constatiren, daß der Erfolg alle Mühe gelohnt und gekrönt hat. Der Palästinawein der vorhin erwähnten Productionsart, der nebenbei bemerkt, fast ausschließlich von rumänischen und russischen Juden gezogen wird, rst heute ein G'wächs, das sich weiteste Anerkennung verschafft hat, und in den Kellern von Steinwärder bei Hamburg liegen ständig etwa eineinhalb Millionen Liter, die sich bereits ein schönes Absatzgebiet verschafft haben. Diesen imposanten Kellereien galt ein Besuch einer großen Anzahl von Mitgliedern des Orientalisten-Congrcffes. Unter den Anwesenden bemerkte man: Prof. Kautzsch, Vorsitzender des deutschen Palästinavereines, Prof. L e f m a n (Heidelberg), Prof. Klein (Stockholm), Prof. G o l l a n c z (London), Generalconsul Schroeder (Bayruth), Pmf.Strack (Charlottenburg), Prof. Nestle (Heilbionn), Prof. Buhl (Kopenhagen), Pros. Beer (S t r a ß b u r g), Pastor Jeremias (Leipzig), Oberrabbiner S i m o n s e n (Kopenhagen), Prof. Deutsch (Cmcinnatti), Prof. Moise Schwab (Paris), Mr. E. S. M. P e r o w n e (London), Prof. O e st r u p (Kopenhagen), Dr. Sobernheim (Berlin) u. v. A. Um 12 Uhr brachte der festlich geschmückte Dampfer »Tettenborn" der Hafen-Dampfschifffahrtsgesellschast die Gäste nach Steinwärder, wo sofort der Rundgang durch die imposanten Weinlager angetreten wurde unter liebenswürdiger Führung des Herrn Directors T a r l a u, der seinem staunenden Gefolge Volumen, Jahrgang und Qualität der aufgestappelten Fässer und ihres Inhalts erläuterte und intcrcffantc Angaben über die Geschichte des palästinensischen Weinbaues machte. Nachdem schon in den Hallen einige Weivproben unmittelbar aus dem Originalfaß gekostet waren, fand man sich in einem zur Seite der Kellereigebäude aufgeschlagenen, festlich geschmückten Zelt zu einem reichen Frühstück, das allen Theilnehmern vortrefflich mundete.