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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-09-19 · 38 (19.9.1902) · page 3

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
38 (19.9.1902)
Date
1902-09-19
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Sloch's Wochrnfchrifl. Änte 6Ü9 feuerrothen und purpurblauen auch gelbe, schwefelfarbene Panzer tragen. Mit dem Gelb sehr nahe verwandt ist das Grün, so daß käufig derselbe Wortstamm nicht nur sür gelb sein, sondern auch für grün sein Anwendung findet, so für das grüne Kraut, besonders Kohl und Gemüse, und andererseits für das Grün der Pflanzen und des Laubes. Dem hebräischen Wortstamm hierfür entspracht genau die Bedeutung des griechischen chloros. In diesem Sinne spricht der Evangelist von dem grünen Grase, und in der Apokalypse wird nicht nur dieses, sondern überhaupt „alles Grüne" erwähnt. Daß die grüne Farbe, specicll die grüne Saat, dem Auge sehr angenehm ist, hebt Jes. Sirach hervor. Trotzdem stand das Blau, das ausschließlich als purpurblau vorkommr, in höherem Ansehen, da es nur in kleinen Mengen gewonnen werden konnte. Es war nämlich das Product einer an Klippen und Felsen hängenden Schneck', die der Grieche Keryx nennt. Obgleich diese Schnecken sich in großer Zahl an den Küsten Phönizeens, des Peloponnes und Nordafrikas fanden, so war die Quantität des Purpurblaues doch s hr gering, da man von jeder Schnecke höchstens einige Tropfen farbigen Saftes erhielt. So wurden denn auch nur besonders kostbare Stoffe wie die Kleider der Priester, die Vorhänge in der Stistshülte und die Decken zum Einpacker» der heiligen Gerätde damit gefärbt. Ebenso sollten die Troddeln an den vier Ecken des Oberkleides bei dem Volke aus purpurblauen Fäden gemacht sein, während die Vornehmen ganze Kleider, Mäntel, Tücher und Decken aus Purpur besaßen. Obgleich bi» fer mannigfache Schattirungen und Nuancen aufwies und zuweilen ins Violette überging, so war er doch meist dunkelblau; denn die „Purpurfarbe", so hören wir im Talmud, „gleicht der Farbe des Meeres, die des Meeres der des Himmels, und die des Himmels der des göttlichen Thronwagens, des Saphirsteines". Letzterer ist bekanntlich blau. Neben dem blauen kannten die Hebräer aber auch den rothen Purpur. Dieser hieß griechisch Korpora und stammte von der eigentlichen Purpurschnecke, die im Meere durch Köder gefangen wurde. Daher die Bezeichnung Meerpurpur, d. h. der echte, im Gegensatz zu dem imitirten Purpurroth. Den gewöhnlichsten Fundort der Purpurschnecke bildete außer der Vetoponnesischen die phönizische Küste, wo Tyrus nicht nur ein Handelsplatz für Purpurroth war, sondern auch ausgezeichnete Purpurfärbereien besaß. Da der rothe Purpur in demselben hohen Preise wie der blaue stand, so trugen auch nur Fürsten, hohe Staatsbeamte, reich Begüterte und Götterbilder purpurrothe Gewänder. Ebenso pflegten Könige rothe Purpurkleider zum Lohn für hohe Verdienste zu verleihen, vor Allem aber fand der rothe Purpur wieder beim Gottesdienst Verwendung. Daß er ziemlich dunkel gewesen ist, erhellt aus dem Hohen Liede, wo Salomo das Haar seiner Geliebten purpurroth nennt. Ich erwähne noch, daß außer dem Purpurroth das Blut- und Fleischroth, das Fuchsroth der Haare, das Hellroth des Häuseraufsatzes, das Hochroth des Karmesin, das Feuerroth des Morgen- und Abendhimmels, das Orangeroth der Mennige und das Rothbrann der Linsen in der Bibel erwähnt werden. Ob sich auch sür das reine Braun ein Ausdruck im Hebräischen findet, hängt von der Erklärung eines der Nachtgesichte des Sacharja ab, das er mit den Worten beschreibt: „Und ich schaute in die Nacht und sähe einen Mann, reitend auf einem rothen Rosse, und er hielt zwischen den Myrten, welche am Schattenorte, und hinter ihm rothe Roffe, braune und weiße." Das hier mit „roth" übersetzte, unbekannte Adjectiv, das nur hier vorkommt, wird sehr verschieden gedeutet, heißt aber höchst wahrscheinlich braun. Das Braun bildet den Uebergang zum Schwarz, für das ein stehender Ausdruck vorhanden ist. Durch ein besonders tiefes Schwarz zeichnet sich der Rabe aus, so daß Sulamith von den dunklen Haaren Salomos sagt: „Seine Locken schwanke Palmenzweige, schwarz wie der Rabe." Wie hier, so ist auch sonst von „schwarzem Haar," und zwar nicht nur beim Menschen, sondern auch bei Thieren die Rede, und ebenso von schwarzer Haut, die die Sonne verbrannt hat. Das Grau kommt nur in einer Anzahl von Ausdrücken vor, die sich auf das Grausein der Haare beziehen. Ueberblicken wir zum Schluß die den alten Hebräern bekannten Farben, so ergibt sich, daß sie Weiß, Gelblichweiß, Gelb, Grüngelb, Grün, Blau, Roth in seinen verschiedenen Nuancen Braun, Schwarz und Grau percipirten. Allerdings kommt das Roth in der Bibel bei Weitem am häufigsten vor, wie denn überhaupt der an lichtreiche Töne gewöhnte Orientale den grellen Farben den Vorzug gibt, die lichtarmen dagegen weniger liebt. Mit dieser Vorliebe der Israeliten für intensivere Farben hängt vielleicht auch zusammen, daß zwar der Regenbogen sowohl im Alten wie im Neuen Testament öfter, aber nur als „wohlgewölbt," als „in prächtigen Wolken leuchtend" erwähnt, nicht aber nach seinen einzelnen, immerhin etwas matteren Farben geschildert wird. Jes. Sirach rühmt an ihm ganz ollqemein, daß er „sehr schön in seinem Farbenglanze" sei, und der Apokalyptiker vergleicht ihn mit dem Smaragd, denkt affo nur an seine grüne Farbe. Wenn nun aber Geiger deswegen vermmhet, die alten Juden hätten in dem Regenbogen das Blau nicht gesehen, so macht er sich jedenfalls eines Fehlschlusses schuldig, denn aus der Nichterwähnuug einer Farbe folgt roch nicht, daß die Betreffenden außer Stande gewesen seien, sie zu erkennen. Auch Dnophanes unterscheidet nur drei Farben im Regenbogen, Aristoteles vier, und selbst von 48 Personen der Jetztzeit, die Dor befragte, gaben die meisten blos 2—4. die wenigsten 5 oder gar 7 Farben im Regenbogen an. Ganz irrthümlich aber ist es, zu behaupten, daß in der Heiligen Schrift des Blau an keiner Stelle Erwähnung geschehe. Freilich hat es der Hebräer bis heute zu keinem besonderen Adjectiv für diese Farve gebracht. Allein das Substantiv sür Blau ist vielfach im Alten Testament genannt. Stein behauptet zwar, daß es nicht Blau, sondern Schwarzroth bedeute. Daß jedoch diese Erklärung falsch ist. beweisen die Versuche, welche Lacaze. Duthiers und die Gebrüder Antonio und Giovanni de Negri mit der Schnecke, von der der Purpur Herrührt, angestellt haveu: der aus ihr gewonnene Farbstoff war blau. Und so bleibt es denn dabei, daß die alten Hebräer die leuchtende Welt der Farben ebenso gut und in demselben Umfange wie wir heute gesehen haben. Eine Mitlheilung über die Hamburger, portugiesischen und hochdeutschen Juden. Vortrag von Dr. M. G r u n w a l d. In der V. Section (Allgemeine Semitische) des Orientalisten-CongresseS sprach Herr Rabbiner Dr. M. G r u n w a l d- Hamdurg über obiges Thema. Am 3. September 1652 ist die hiesige portugiesisch-Mische Gemeinde gegründet worden. Zur Wiederkehr dieses Tages ist in diesem Jahre M. Grunwatd, „Portugiesengräber auf deutscher Erde', erschienen. Der Titel lautet „Portugiesengräver", weil den Kernpunkt der Erörterung die Friedhöfe der Portugiesen in Hamburg, Altona, Glückstadt und Emden bilden, — „aus deutscher Erde', weil in Deutschland nur an diesen Orten portugiesische Gemeinwesen, sonst nur vorübergehende Niederlassungen in Mannheim. Alzey, Wied, Cleve, Tönning, Friedrichstadt, Harburg a. d. Elbe, bekannt sind. Dieses monumentale Material ergänzen Belege aus den Archiven der erstgenannten Städte, sowie zu Schleswig und Wien. Sie geben folgende neuen Aufschlüsse: Die Hamburger Gemeinde ist keine Filiale der Amsterdamer, sie hat weit früher als diese, jedenfalls vor 1577, bestanden. Die Einwanderer kamen zunächst aus Portugal; dafür sprechen Hamburger Urkunden zwischen 1603 und 1757. Ein weiteres Coutingenl stellte Flandern,. Der Ausdruck „Framenzo" („Bläme') galt hier bis vor Kurzem noch so viel wie: Nlcht-Juoe. Wir kennen Familien, die aus Antwerpen und Dünkirchen kamen. Aus Flandern kam auch Abraham Teix-ra, der reiche Jude Hamburgs. Bedeutend ist der Zuzug aus Italien. Der Ritus der hiesigen Gemeinde, von dem der Amsterdamer wesentlich verschieden, lehnt sich an den von Livorno an. Außer Familien, wie Jtaliano, Ascoli, Luria, de Beneza und ähnliche finden wir hier jene, welche angeblich mit Tims nach Rom gekommen sind, so die Dajjan, de Rossi, Naar, Galegv. Die Umri sind wohl mit den Homem identisch. An der Spitze der Gemeinde stehen Anfangs bedeutende Gelehrte und Dichter, zu deren Biographie folgende neuen Daten geboten weroen. Das Grab des berühmten Rodrigo de Castro, starb 1627, liegt in Altona und zeigt als Wappen einen Thurm und eure Hand mit dem Wappenspruch der de Castros „eastrum ei fortitudo mea Deux“, der ungefähren Ueberfetzung eiueS bekannten Verses aus Jeremias. Ueber David Cohen de Lara erfahren wir Neues aus einem alten Gemeindebuche. Ein Bild in der Dresdener Galerie, ein Gelehrter mit einem Buch in der Hand, scheint ihn darzustellen, denn die Aufschrift auf dem Buche enthält den Titel eines seiner Werke und seinen Namen. Mose Gideon Abudiente stirbt 1686. Verse von ihm lesen wir auf eruem bisher unbekannten Bilde, welches einen portugiesischen Friedhof darstellt. Links liegt ein Skelett, welches an einen Portugiesen in Gala mit einem Mohrenknaben an der Hand, Ermahnungen richtet. Der Maler, mit B. G. unterschrieben, ist Benjamin Godines, ein jüdischer Maler in Amsterdam, von dem sonst nur

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