Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 37 (12.9.1902)
- Date
- 1902-09-12
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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Seite 602 Dr. Bloch's Wochenschrrfk. Nr. 37 »Unsere Compagnie ist eine ruhige, Herr Gefreiter", unterstützte Jemand aus einem Winkel die Bitte, »immer war die Escorte mit uns zufrieden." »Wer wird fie hier hören! Zuschließen! Zurück auf eure Plätze, so lange ihr ganz seid!" brüllte wüthend der Gefreite. Die Thür wurde zugeschmettert, der Schlüssel mit lautem Kreischen im Schloße umgedreht. »Was ist Dir nur eingefallen, Du Jude?" kicherte Kitajew. »Wie kommt unser Einer zu einem so modischen Verlangen, zu so herrschaftlichen Wünschen? Eine Frau, eine Frau . . . Nun, was ist sie denn, ein Mädchen, oder sonst was? Hat das Weib so viele Judenkinder zur Welt gebracht, so kennt sie auch Alles ebenso genau wie Du und ich . . ." Und gleichsam zur Bestätigung seiner Worte schlug er den Weg zum Eimer ein . . . (Fortsetzung folgt.) Literatur. Populärwissenschaftliche Borträge über jüdische Geschichte und Literatur. Herausgegeben von I. Gossel, Prediger der israelitischen Gemeinde in Camen. I. Band. Verlag von I. Kauffmann in Frankfurt a. M. Preis Mk. 4.—. Der Herausgeber erklärt im Vorwort durch sein Werk denen, die keine Gelegenheit haben, Vorträge in Literaturvereinen zu hören, die Möglichkeit geben zu wollen, sich den geistigen Genuß zu verschaffen, solche Vorträge in aller Muße zu Haus durchzulesen; er will ferner die Gründung neuer Literaturvereine anregen, indem er durch seine Vortragssammlung ersichtlich macht, wie und was in den Vereinen gearbeitet wird; er will endlich geeignete Bortragstoffe für die Leseabende solchen Vereinen bieten, die nicht in der Lage sind. Redner zu berufen. Der vorlwgttchr I. Band bringt auf 372 Seiten 19 Borträge, überwiegend von Rabbinern (Dr. Cäsar Seligmann, Dr. Vogelstein-Stettin, Dr. Samuel-Effen, Dr. Frank-Köln, Dr. Rülf, Dr. L. Elsaß- Landsberg a. d. W., Dr. Silberstein-Elbing, Dr. Richter-Filehne, Dr. Salzer-Stadtlenqsfeld und dem Herausgeber). Einige Lehrer (L. Frank in Köln, H. Reuß in Aurich, Dr. Spanier in Magdeburg und Em. Goldschmidt in Dortmund) haben gleichfalls Beiträge geliefert, außerdem noch die Herren Dr. rned. Ollendorff in Barmen, Sal. Kaufmann in Köln und Dr. jur. Julius Löwenstein in Aachen. Dieses literarische Unternehmen verdient Förderung und Unterstützung. Heinrich Pinkas, Dr. »Fragment eines Gebetbuches aus Jemen", Wien 1902, Comm.-Verlag von Carl Gerold's Sohn. Der Verfasser bietet uns einige hebräische und arabische Piutim südarabischer Provenienz, die sich in einer Gaster'schen Handschrift vorfanden. Der absolute Werth dieser »Poesien" ist im Großen und Ganzen kein sehr belanglicher; doch soll nicht geleugnet werden, daß sie indirect manch Jntereffantes aufweisen. Abgesehen von einigen literargeschichtlichen Fragen, die durch unsere Stücke einer Lösung näher gebracht werden, erfahren auch unsere Kenntnisse der culturellen Verhältnisse im jüdischen Jemen manche Bereicherung. Wir sehen nicht nur, daß ein umfassendes Studium der »Traditionsliteratur" dort zu Hause^war, sondern auch, daß unsere dortigen Brüder mit warmem Gefühl und manchmal beachtenswerther Gestaltungskraft rührende Episoden unserer Vergangenheit darzustellen befähigt waren. Der Hauptwerth dieser Synagogaldichtungen dürfte jedoch in den arabischen Theilen zu suchen sein, insoweit wir Neues über den Charakter ihres Dialectes aus ihnen lernen können. Eine erhebliche Vermehrung des uns bekannten arabischen Sprach st offes habe ich nun freilich nicht constatiren können, wohl aber dürfte das Grammatische und Syntaktische Belehrendes bringen. Ich bin jedoch in diesen Fragen zu einem Urtheile nicht befähigt. Der Herausgeber hat die einzelnen Piutim mit einem eingehenden Commentar versehen und jedem auch eine Uebersetzung angefügt. Letztere — sclavisch getreu — ist an vielen Stellen höchst undeutsch; wir sähen lieber eine bester gefaßte Uebertragung selbst auf Kosten der Wörtlichkeit. Im Commentar zeigt der Autor eine sehr große Belesenheit auf dem talmudischen Gebiete, wie nicht minder — so weit wir controliren konnten — die gehörige Sorgfalt in Behandlung der Einzelheiten. Auch ein gewiffeS philologisches Geschick ist nicht zu verkennen. Allerdings gibt er nicht selten — trotz im Uebrigen erstrebter Knappheit — Selbstverständliches oder bereits anderweitig Bemerktes (z. B> S. 28, Anm. 10 über vgl. Gesenius Wörterb. 11. Aufl. v. ^211), aber das läßt sich aus dem Charakter der Arbeit als Dissertation erklären. Manchmal wird Heinrich von Einfällen, die nicht wissenschaftlich vertreten werden können, zu gewagten Hypothesen verleitet. So wenn er S. 22, Anm. 7 das talm. n'sinn mit arab. kp.-, zusammenstellt. Zunächst verlangt der midraschische Zusammenhang die Bedeutung Athem (n 2' tw), während „trockener Wind" bedeutet; vor Allem hätte er sich jedoch fragen müssen, wie das x zu erklären sei? Auch bleibt es bedauerlich, daß unser Verfasser nicht die ganze, zu seinem Gegenstände gehörige Literatur berücksichtigt hat. Vor einigen Jahren erschien in Aden eine yemenensische, hebräischarabische Gebetsammlung (irre ich nicht 1897 unter dem Titel niTtti angezeigt von Steinschneider in Z. f. hebr. Bibliogr. IV, 1900), die Heinrich nicht zu kennen scheint. Auch die ,pet. gram, hgbr.“ die Neubauer 1891 edirte, finde ich nicht erwähnt, ebensowenig den Aufsatz Neubauer's (Jew. Quart. Rev. Bd. III) über das jüdisch-südarabische Schriftthum. In einer Abhandlung, die Heinrich wohl nicht mehr benützen konnte, hat Bacher auch den vor Kurzem publicirten eingehend besprochen (I. Q. R., April 1902). Wir wollen im Nachstehenden einige Einzelheiten herausgreifen und untersuchen. 1) S. 7. Anm. 8. Auch auf einer jüdisch-indischen Grabinschrift, die in Aden gefunden wurde und merkwürdiger Weise P u n k t i r t ist, traf ich Segol für Pathoch z. B. bezijon. Mit welchem Rechte Heinrich den — nach meinen Erfahrungen — ehrlichen, wenn auch kritiklosen — Safir zum Schwindler stempelt, weiß ich nicht. Immerhin hätte er kräftigere Beweise erbringen sollen, ehe er einen Todten — dessen Schriften auch Hommel »Südarab. Chrestomathie" als beachtenswerte Quelle verzeichnet — zu verunglimpfen wagt. 2) S. 8, Z. 4 v. u. Wie in aller Welt ist der Verfasser zur Behauptung gekommen, daß in den himjarischen Inschriften kein besonderes Zeichen für punkt. Teth vorhanden sei? In der That findet sich ein solches, das allerdings, der Form nach dem 2 entstammt, wie es ihm ja in der Aussprache ähnelt. Aus gleichem Grunde ist punkt. Zade dem o angeglichen. 3) S. 21, Nr. 15, Zeile 4. Ich glaube, man kann mit Sicherheit 2ZV21 wrr (für raiwi) lesen; unser L. A. wurde durch 2ETU (Zeile 3) 2:12 (Z. 5) veranlaßt. Im Uebrigen hätte der Verfasser bemerken sollen, daß im Bibelverse (letzte Zeile) etwas nicht in Ordnung sei. Im ganzen Gedicht nämlich paßt der Vers sich dem Reime der Strophe an, während es hier nicht der Fall ist. Auch hätte der Autor nicht einmal andeutungsweise (S. 18) annehmen dürfen, daß dieses gekünstelte, gereimte Poem dem Gaon Saadiah an gehöre. 4) S. 23, Anmerkung 11. Auch die Regel von den zwölf Monaten in der Hölle hat doch ihre Ausnahmen, vgl. Ros-ha-sana ib. und Seder Olam c. III, Tanchuma Bereschith ed. Buber § 33, ev. Mk. III. 29 (meine Markus-Studien S. 26 f. u. Anm). 5) S. 32, Col. I. Zeile 1. Ich würde doch lieber das b von D’inb als Dittographie des letzten Buchstaben von bip2 fassen; freilich ist auch ä'Tt bip2 (s. bip) einigermaßen störend. — -)T als Fremdling dürften wir besonders in Prov. Nachweisen können, mt (V. 3) nn: (XXII. 14) im Sinne von nun kann vielleicht die fremden liederlichen Frauenzimmer bezeichnen (nicht nur „Weib eines Anderen"). Schließlich kann nr auch als Tyrann gefaßt werden vgl. Rev. des e't. juiv. Nr. 88, p. 224. 6) S. 33, Anm. 20. Ueber nnax Vgl. die Bemerkungen meines sel. Vaters in „Kochbe Jzchak" Heft 16, 17. 7) S. 51, Str. 3, scheint Zeile 4, die unverständlich ist — nur eine zweite Lesart des Voraufgehenden zu sein. Lp ,1^ J- Auch str. 2 hat nur fünf Verse. 8) S. 52, Anm. 10. Man kann natürlich nicht im Ernst behaupten, daß in Ps. II. 7 pn-b"«" m&DK der arab. Artikel bs vorliege. Wahrscheinlich ist zu lesen: ba-pn msos, vgl. Targum und Mass.Soferim IV. 8, Hier: „adnuntiabo dei pracceptum" Wien, 20. August 1902. Dr. H. P. C h a j e s. Faerber R. „König Salomo in der Tradition", Theil 1., Wien 1902. Verlag von Josef Schlesinger. Eine Jnaugural-Dissertation, die nicht ohne Interesse ist. — Wir hätten nur eine größere Zurückhaltung hervorragenden Männern gegenüber bei Beurtheilung ihrer Leistungen gewünscht. Auf den hohen Richterstuhl darf man sich schließlich nur setzen, wenn man durch bedeutende Arbeiten gegründete Rechte erworben hat.