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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-09-12 · 37 (12.9.1902) · page 10

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
37 (12.9.1902)
Date
1902-09-12
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Nr. 37 Leite 600 Dr, Blvch's WochenschrM Trost gespendet. In sehr ergreifender Weise hat Herr Obercantor Singer ohne Chorbegleilung das „Harur-tumiva" recitirt. Dem Präsidenten des Humanitälsvereines „Oornle Otteseck" Herrn B. Kanitz war es ein Herzensbedürfniß, über das ehrenwerthe Vereinsmitglied, über seinen Heimgegangenen Freund und Geschäftscollegen am Sarge ein schönes Wort zu sagen. Die Wahrheit, das war sein Ideal, sagte Herr Kanitz von ihm. Mir, dem Schreiber dieser Zeilen, bemerkte er einstens: „Unsere heilige Schrift will in dem Satze: „Mckwar scheker tirchok" nicht gesagt haben, daß sich der Mensch von der Lüge fernhalten soll, sondern, daß er sich fernhalten muß. Ueber Anregung unseres liebenswürdigen Adjuncten Herrn Wilhelm Freistadt hat sich der um das hiesige Gemeindewesen sehr verdiente Secretär Herr kaiserl. Rath Dr. Lieben veranlaßt gesehen, dem Verblichenen eine sehr würdige Grabstätte anznweisen. Hiemit haben die Functionäre unserer Gemeinde und j;ne der altehrwüdigen „Chewra-Kadischa" den Beweis geliefert, daß sie würdige jüdische Schriftgelehrte auch nach dem Tode gauz besonders ehren. B. Wien. In dem soeben erschienenen „Unions-Kalender für das Jahr 1902/3 ist bei der Anführung des Personalstandes des Rothschildspitals aus Versehen die Angabe weggeblieben, daß Herr Dr. Marcus Koranyi der Verwalter dieser Krankenanstall ist. Wien. Der Vorstand des Synagogen-Vereines Beth Israel, II., Leopoldsgafse 29. macht hiermit bekannt, daß die Vermischung der noch verfügbaren Betsitze in der Vereins-Synagoge für das kommende Jahr jdid in der Vorstaudskanzlei, an Wochentagen von 5—8 Uhr Abends, erfolgt. Wien. (Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen.) Die erste mit dem Oeffentlichkeitsrechte versehene Privat-Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen in Wien, II., Schiffamtsgafse 15, eröffnet am 15. September ihren 34. Jahrescurs. Anmeldungen und Auskünfte täglich in den Vormittagsstunden. Znaim, 9. September 1902. (Todesfall.) Am 6. d. M. verschied in Wien im Sanatorium Löw nach kurzem Krankenlager die Gattin unteres verehrten Cultusvorstehers Herrn. Steiner, Frau Laura Steiner. Kaum war die Traucrnachricht hier bekannt geworden, so berief der erste Beirath der Cultusgemeinde Herr Dr. Sigm. Rosenfeld den verstärtten Ausschuß zu einer außerordentlichen Srtzung, in welcher der Beschluß gefaßt wurde, der trauernden Familie namens der Cultusgemeinde das Beileid auszudrücken und sich an dem Leichenbegängnisse corporativ zu betheiligen. Gleiche Beschlüsse faßten auch der israelitische Frauen-Wohlthäügkeitsverein. dessen Borstandsmitglied die Verblichene durch mehrere Jahre gewesen, und die Chewra. Kadischa. An dem Leichenbegängnisse der allgemein beliebten Dame, welches am 6. d. M. in Znaim stattfand, betheiligten sich: der k. k. Bezirkshauptmann Zerner, Altbürgcrmeister Brandner, Bürgermeister Haase, Vice-Bürgermeister Dr. Hammer, Realschuldirector Raimann, für den abwesenden k. k. Gymnasialdirector eine Abordnung von k. k. Professoren, nämlich die p. t. Herren P. Lutz und Weckl, einige Gemeinde- und Bezirksschuliäthe. u. v. A., selbstredend die gesammte Cultusgemeinde. Die Trauerfeier wurde durch eine formvollendete treffliche Rede unseres Herrn Rabbiners und Predigers Dr. I. Kahan eingelettet, in welcher die Herzenseigenschasten der Verblichenen, ihre äugenden als Gattin, Mutter, Tochter und Schwester, als auch die Größe des Verlustes geschildert wurde, den nicht nur die Familie Steiner, sondern auch die Znaimer jüdische Gesellschaft durch den frühen Heimgang der Verblichenen erleide. Ein nahezu endloser Zug von Equipagen und Fußgängern bewegte sich hierauf gegen den ziemlich weit außerhalb der Stadtgrenzen gelegenen israelitischen Friedhof, woselbst die Trauerfeier einen würdigen Abschluß fand. Statt der üblichen Kranzspenden wurden von Korporationen sowohl als auch von einzelnen Personen und befreundeten Familien namhafte Beträge zur sofottigen Vertheilung an verschämte Arme zu Händen unseres wackeren Armenvaters Herrn Jakob Schidlof erlegt, ein Vorgang, der gewiß Nachahmung verdient und finden wird! . Rofenberg. (S p e n d e n - L i st e) zur Renovirung des lsraelrttschen Gotteshauses in Rosenberg (Kronen-Währung): Cultus gemeinde Budweis 20.—; Cultusgemeinde Karlsbad 20.—; Cultnsgemeinde Linz a.d. D. 50.—; Josef Veitler, Linz a. d. D., 20.-; Lövy und Winterberg, Prag, 50.—; Hermann Schütz, Prag,; Brüder Pick, Prag, 5.—; Brüder Uttitz, Prag, 10.—; Ferdinand Berger. Prag. 2.—; Philipp Kuh. Prag. 10.-; Hermann Goldstein. Prag, 4.—; Marie Lederer, Budweis, 4.—; I. Dr. Adolf Sachs, Budweis, 4.—; M. Ullmann u. Sohn, Budweis, 10.—; Josef Fantl, Budweis, 10.—; Adolf Rind, Budweis. 2.—; Oskar Freund, Budweis, 4.—; Gerichtssecretär Freund, Budweis, 3.08; Sigmund Ferda, Budweis, 3.—; N. Herz. Budweis, 2.—; Eduard Weimann, Budweis, 2.—; A. Metz!. Lischau, 10.—; Leopold Rein, Tabor. 3. -; C. Weiner, Pisek, 3.—; Alois Sachs, Lischau, 4.—; S. Lederer, Wien, 3.72; I. Hahn. Wien. 1.-; Theodor Klein. Wien. 2.50; Hermann Veitler, Rohrbach, Ob.-Oest., 10.—; Heinrich Fischl, Rainbach. Ob.-Oest., 5.—; Ungenannt in Cham, Baiern, 3 Mark (Briefmarken); Moses Pick, Privatlehrer in Pohrlitz, Mähren, 2.—; R. Spangenthal, Stade, Deutschland, 3.51; S. B, Lemberg, 5.—; Jgn. Ofner, Rosenberg, 10.94; Leop. Holzbauer's Witwe, Rosenberg, 4.-; Sigmund Holzbauer, Rosenberg, 2.—; Heinrich Sternschein, Rosenberg. 2.—; Moritz Spitz, Rosenberg, 1.30; Max Ornstein, Rosenberg, 1.08; Leopold Holzbauer, Malsching, 6.—; Josef Robitschek, Unterhaid, 5.—; Max Eisner, Unterhaid, 5.—; Adolf Arnstein, Hohenfurt, 5.—; Josef Eckstein, Prag, derz. Hohenfurt, 10.-, S u m m a K 345.13, Mk. 3.—. Der gefertigte Vorstand drückt hiemit den edlen Spendern den innigsten Dank aus und bittet um geneigte weitere Spenden, wofür Gotteslohn nicht ausbleiben wird. Israelitische Cultusgemeinde Rosenberg am 9. September 1902. Der Vorstand Ignaz Ofner. Pisek. Unser allseits beliebter Obercantor Herr Marcus R o s e n f e l d feiert am 1. October d. I. sein 25jähriges Dienstjubiläum als Obercantor in unserer Gemeinde. Pohrlitz. (C u l t u s g e m e i n d e w a h l e n.) Bei der Ende vorigen Monates stattgefundenen Ausschußwahl in der hiesigen altehrwürdigen Cultusgemeinde wurden nachstehende Herren gewählt: Moriz Schweinburg, Getreidehändler; Hermann Schnabl, Oekonomiebesitzer; Bernhard Schnabl, Kaufmann; Lazar Haas, Getreidehändler; Moriz M. Schnabl, Gersten-Exporteur; Sigm. Nassau. Ziegeleibesitzer; Moriz Spitz, Hotelbesitzer; David Donnebaum, Lederhändler; Moriz L. Bader, Gersten-Exporteur; Jacob Wollner. Getreidehändler; Wilhelm Bader, Ochsenhändler; Josef Stern, Schnittwaarenhändler. Bei der hierauf erfolgten Constituirung wurden der gewesene Obmann Herr Moriz Schweinburg und der gewesene I. Beirath Herr Hermann Schnabl wiedergewählt. FruAeton. Silber ans Sibirien. Novelle von L. Melschiu. Uebersctzt aus dem Russischen von MalwiNa Blumtzerg. In der Dämmerung eines kalten Decembertages öffnete das Gefängniß zu Sretejn seine Thore für eine kleine Compagnie zurückkehrender Sträflinge, die, von den Bergwerken in Nerczynsk kommend, sich in Sibirien anfiedeln sollten. Solche Sträflinge nennen sich selber „freie" und werden von ihrer Escorte rücksichtsvoller behandelt, als die zu Zwangsarbeit verurtheilten; auch tragen sie keine Ketten. Indessen befand sich in dieser Compagnie Einer, der mit Ketten belastet war; seine Strafzeit war nämlich noch nicht abgelaufen, nur wurde er mitsammt seiner Familie von einem Bergwerk in ein anderes versetzt. Der Gefreite zählte die Sträflinge, ließ sie mit all ihren Schätzen, Reisetaschen, Bündeln und kleinen Kesseln in den schmalen, dunklen Corridor eintreten, wo nasse Holzscheite in einem trüben Feuer brannten, und klopfte schweigend an eine rechtsseitig gelegene Thür, hinter welcher das für die Ankömmlinge bestimmte Zimmer sich befand. Ihrer Gewohnheit gemäß stürzten die Sträflinge sofort, einander stoßend und verspottend, mit lautem Lärm auf die Thür zu, da jeder einen der besseren Plätze auf den Pritschen erobern wollte. Es war diese Hast und Eile eigentlich vollkommen überflüssig, da der Raum sogar eine doppelte Anzahl Leute hätte fassen können. „Hierher Oska Njepomniaschtschi, hierher! . . .* brüllte ein starker, rothbärtiger, seiner ganzen Länge nach auf einer Pritsche am Fenster stehender Mann, und winkte triumphirend mit der Mütze: „hierher, Freunde!" Auf diesen Ruf drängte sich durch die Mitte des lärmenden Haufens ein kleiner Mann, der, trotzdem fein Wesen sichtlich ein phlegmatisches, in diesem Augenblick ebenfalls erregt und voller Eifer war. Ihm folgten im raschen Lauf fünf junge, gesunde Kinder. Diese ganze Gruppe, die während der Reise augenscheinlich eine Gesellschaft bildete und in der Compagnie eine leitende Rolle spielte, besetzte im Umkreise von mehreren Klaftern die besseren Plätze auf den Pritschen. Die schlechteren, weiter vom Licht entfernten, wurden von den Greisen und ganzen Familien eingenommen. Der Thür zunächst ließ sich der einzige, mit Ketten gefesselte Sträfling nieder. Es war dies ein Jude von unbestimmbarem Alter, mager, dürr, mit dünnem Ziegenbart

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