Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 37 (12.9.1902)
- Date
- 1902-09-12
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3020846-3021439-3021477--12066-3036639- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 598 Dr. Bloch's Wochrnsthrifl. Nr. 37 Kräften zu fördern, erachtet es als eine heilige Pflicht, diesen Appell kräftigst zu unterstützen. Handelt es sich ja darum, Tausende und Abertausende jüdischer armer Kinder in die Lage zu versetzen, durch Erlernung eines Handwerkes einen anständigen. ehrlichen Erwerb zu finden und sich hiedurch als nützliches Mitglied der Gesellschaft und des Judenthums zu erweisen und zu bethätigen. Eduard Beer. Wien. Nach dem Beschluß des vorjährigen Baseler Congresses soll in diesem Jahre kein allgemeiner Zionistencongreß stattfinden. An seiner Stelle wird am 29. October hier eine Conferenz abgehalten werden, an der außer den Mitgliedern des Actionscomitös eine Anzahl gewählter Delegirter theiluehmen wird. Der für diese Conferenz gewählte Arbeitsplan enthält folgende Punkte: 1. Situationsbericht vom Vorsitzenden des ActionscomitSs Dr. Herzl: 2. Allgemeiner Bericht über den Stand der Bewegung (Dr. Kahn); 3. Finanzbericht (Dr. K o k e s ch); 4. Bericht über den Stand der Bewegung in den verschiedenen Ländern und Discufiion über die Punkte 1—3; 5. Bericht des ständigen Comites; 6. Bericht über den Nationalfonds (Herr Kremenetzkys; 7. Bericht über die Legalisirung des Nationalfonds (Dr. Farbstein); 8. Bankbericht: a) Berichterstattung für die Direction (Herr D. W o l f s o h n), b) Berichterstattung für den Aufsichtsrath (Dr. Kokesch); 9. Die Presse (Herr Oscar Mamorek); 10. Budget (Dr. Kokesch); 11. Reorganisirung der Commissionen (Dr. Kokesch). Das neue israelitische Spital in Lemberg. (Fnndaeya M. Lazurasu.) Am 1. October d. I. am 70. Wiegenfeste des Herrn Moritz Lazarus. Director der Galizischen k. k. priv. Actien-Hypothekenbank, wird das neue von diesem Philanthropen auf eigene Kosten im Betrage von ca. 800.000 Kronen erbaute Spital an die Verwaltung der jüdischen Gemeinde in Lemberg übergeben werden. Dieser Act jüdischer Großherzigkeit und Menschenliebe, um deffentwillen Generationen leidender kranker Menschen den edlen Stifter segnen werden, möge überall als Beispiel dienen und die Äbensgeschichte eines Mannes erzählen, der, von Jugend auf arbeitsam, sich selbst durch Arbeit und Intelligenz emporgehoben hat. Diesem Manne, dessen Herz dem jüdischen Volke bekannt ist. haben wir auch die Verschönerung des seit 30 Jahren verwahrlosten jüdischen Friedhofes zu verdanken. Allein wie viele Existenzen er der christlichen sowohl als jüdischen Bevölkerung durch seine Wirksamkeit verschafft hat, darüber müßte ein ganzes gesondertes Capitel geschrieben werden. Dieses Erbe vermache ich mir selb st, sagte einmal Herr Director Lazarus. Möge der Allmächtige ihn bis an die Grenzen des Menschenalters zum Wohle der galizischen Bevölkerung erhalten und die Ehre und Freude des Wohlthuns genießen lassen, und wenn der Dichter sagt, .Mensch" ist schwer zu sein, so finden wir in dem jüdischen Herzen des Directors Moritz Lazarusden wahren, echten Menschen. Julius Hochfeld. Johannesburg. In einer jüdischen Versammlung zu Johannesburg wurde ein Brief Lord Mi ln er's vorgelesen, in dem dieser den vorzüglichen Eigenschaften, welche die Juden als Colonisten hätten, hohe Anerkennung zollt und sagt, daß die Bedingungen für die Naturalisation durch das für Transvaal bestehende Gesetz fe st gelegt seien. Er erklärt, in diesem Gesetz bestehe keine Unterscheidung zwischen den Juden der verschiedenen Länder, auch werde kein Unterschied gemacht hinsichtlich der Religion und der Nationalität bei der Gewährung des Wahlrechts. Bukarest. Das .BukaresterTagblatt" vom 5. September meldet: Gestern kam vor der Ferialsection des Tribunals Jlfov ein Fall zur Verhandlung, welcher den in unserm Ausweisungsgesetze oder besser gesagt in seiner Anwendung enthaltenen Widersinn wieder einmal in klarster Weise ins Licht stellte. Angeklagt erschien ein gewisser Jsak Gherscovici wegen Uebertretung des Ausweisungsgesetzes. Gherscovici hatte sich verschiedene Diebstähle zu Schulden kommen lassen und war aus dem Lande ausgewiesen worden. Zum ersten Male wurde er bei Predeal über die Grenze gesetzt, die ungarischen Behörden aber wollten ihn, da er keinerlei Ausweispapiere besaß, nicht aufnehmen und schickten ihn nach Rumänien zurück. Gherscovici ist nämlich ein in Rumänien eingeborener Jude, der keinem andern Staatsverbande angehört. Nach seiner ersten Repatriirung wurde er von den rumänischen Behörden verhaftet, verurtheilt und dann neuerdings, und zwar diesesmal nach Bulgarien ausgewiesen. Auch von dort wurde er nach Rumänien zurückgeschickt, wo er abermals wegen Reversion verurtheilt und dann ausgewiesen wurde. Das geschah dem Unglücklichen bis jetzt nicht weniger als fünfmal. Gestern machte sein Vertheidiger vor dem Tribunale geltend, daß unsere Verwaltungsbehörden den Gherscovici nicht ausweisen konnten, da er ein eingeborener Jude ist, welcher nach der letzten Entscheidung des Cassationshofes nicht als Fremder zu betrachten ist. Das Tribunal schloß sich indessen diesen Ausführungen nicht an und verurtheilte den Gherscovici zu einem Monate Gefängniß. Nach Abbüßung seiner Strafe wird er dann wieder ausgewiesen werden, und es unterliegt keinem Zweifel, daß er von dem Staate, auf dessen Gebiet man ihn setzen wird, abermals nach Rumänien zurückgeschickt werden wird, so daß das bedauernswerthe Opfer des Ausweisungsgesetzes alle Aussicht hat, den ganzen Rest seines Lebens zwischen dem Schubwagen und dem Gefängnisse hin und her zu pendeln. Basel. Die hiesige israelitische Gemeinde bezw. deren Vorsteher, sandte ein Schreiben an die „Comp, generale transatlantique“, worin auf die Unmöglichkeit hin gewiesen wird, bei Mehrung der mittellos hier durchreisenden rumänischen Israeliten aus den verfügbaren Mitteln der israelitischen Gemeinde den Bedürftigen die nöthige Unterstützung angedeihen zu lassen. In diesem Schreiben wird die „C. G. T “ gebeten, ihre Agenten in Wien anzuweisen, daß sie nicht directe Billete Wien-Havre- Newyork abgeben sollen, ohne um die Verpflegung dieser Auswanderer auf der langen Strecke Wien-Havre besorgt zu sein. Auch dieser Tage belagerten wieder circa 250 Personen die Räumlichkeiten der Post am alten Centralbahnhof und die bedürftigen erhalten Unterstützung in Naturalverpflegung, Kleider und Geld; das israelitische Hilfscomitß bezeugt einen ehrenden Opfersinn für seine unglücklichen Glaubensgenossen. Petersburg. Die .St. Petersburger Zeitung" bringt eine Recension der bekannten Schrift Dr. D. Chwolson's: .Die Blutanklage und die sonstigen mittelalterlichen Beschuldigungen der Juden", die nicht nur den großen wissenschaftlichen Werth dieses Werkes vollauf würdigt, sondern darüber hinausgehend ein hohes Maß von Unbefangenheit beweist. Der Kernpunkt der Recension lautet wörtlich: .Dem durchaus sachlich gehaltenen, auf einem breiten wissenschaftlichen Apparat gegründeten Buche des grundgelehrten, ehrwürdigen Greises kann nur aus ganzem Herzen die allergrößte Verbreitung gewünscht werden — im Namen der Menschlichkeit, der geschichtlichen Wahrheit und der Gerechtigkeit.. . Wer jetzt noch bei der verbrecherischen Blutanklage gegen das Jahrhunderte hindurch so schändlich mißhandelte Volk verharren möchte, dem dürste es wahrlich sauer genug gemacht sein, seinen Gegenbeweis anzutreten." Paris. In einem Berichte über die eingeborene Bevölkerung von Französisch-Somaliland (Central-Ostafrika), welchen der französische Colonialminister jüngst publicirt hat, findet sich folgende Stelle über die Juden: .Die Juden, welche in Djibouti leben, stammen aus Aden und Jemen. B's vor Kurzem waren sie sehr klein an Zahl und nur Männer. Ihre Zahl hat in letzter Zeit zugenommen und es sind jüdische Frauen dazugekommen; aber ihre Gesammtzahl dürfte nicht größer sein als fünfzig. Sie sind hauptsächlich Juweliere, Goldschmiede und Geldwechsler. Einige treiben einen kleinen Handel nach Abessinien mit einer Art von Baumwollstoffen. Es scheint, daß die Juden in der Stadt sich dauernd sestsetzen wollen; einer der reichsten Juden von Aden, Benine mit Namen, hat hier ein Gebäude aufführen lassen zu einem großen Bazar. Er ist auch Eigenthümer anderen Realbesitzes in Djibouti. Benine ist mit Cowasjee und anderen Banians Eigenthümer des größten Theiles von Aden, und es scheint, daß die europäischen Kaufleute der wichtigen Thatsache nicht die gehörige Beachtung geschenkt haben, daß ein Element in Somaliland Einzug gehalten hat, das nicht beseitigt werden kann und über großes Capital verfügt." London. (Fremdenvertheidigungs-Comite.) Vor einigen Tagen hat sich hier ein .Fremdenvertheidigungs- Comite" gebildet, das sich die Aufgabe stellt, Documente und Aussagen zu sammeln, die gegen eine Einschränkung der Einwanderung sprechen. In der constituirenden Sitzung haben Redner aus verschiedenen großen Städten des Königreichs der Hoffnung Ausdruck gegeben, daß Männer von angesehenem Namen und in hohen Stellungen sich ihren Bestrebungen anschließen werden, und daß die in allen Theilen des Landes zum Schutz der Fremden sich bildenden Vereinigungen sich dem neuen Counts