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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-09-12 · 37 (12.9.1902) · page 6

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
37 (12.9.1902)
Date
1902-09-12
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sette 896 Dr. Bloch's Wochsnschrifk. Nr. 37 ist. In unserer Zeit des Forschens und wissenschaftlichen Nachspürens sind mannigfache Berichte über die Zehn Stämme geschrieben, neue Theorien über sie aufgestellt worden, und jedes Jahr hört man, daß wieder einmal ein verlorener Stamm in China, Indien, Afghanistan und Beludschistan aufgefunden worden ist. Ihr geschätztes Blatt hat wiederholt Artikel darüber gebracht. Dr. Neubauer hat diesen Gegenstand in der „Jewish Quarterly Review" eingehend behandelt, und doch bleibt noch viel zu thun. In Afghanistan und im Innern Chinas ist der Aufenthalt für europäische Gelehrte sehr gefährlich, aber gerade hier mußten die Forschungen betrieben werden. Die in Afghanistan und Beludschistan lebenden Völker bekennen sich zum mohammedanischen Glauben, es ist aber allgemein bekannt, daß sie weder von Arabern noch von Persern abstammen. Scheikh Sadikali, ein Angehöriger des weiter unten näher bezeichneten Ansari-Stammes, hat vor Kurzem eine „Kurze Skizze über die in Sued, Beludschistan und Afghanistan ansässigen Stämme der Muselmänner" veröffentlicht; seine Angaben sind auf Geschichte und Tradition begründet, doch leider unterscheidet der Autor zwischen diesen beü>en Quellen nicht. Die Stellen der Abhandlung, die von den aus israelitischen Stämmen hervorgegangenen Secten handeln, gebe ich hiermit für Ihre Leser wieder: 1. Die A n s a r i, denen der Schreiber dieses Buches angehört, waren ursprünglich Juden oder Benei-Jsrael. Ihr großer Ahnherr Schamul war Arzt und Rathgeber im Dienst des Königs Toba von Jemen. Auf einem nach Arabien unternommenen Zug kam König Toba in die Stadt Jasrab, das heutige Medinah. In seinem Gefolge befanden sich vierhundert Aerzte und Räthe, deren Oberhaupt Schamul gewesen ist. Diese sagten dem König, sie wollten sich in dieser Stadt ansiedeln, denn der letzte der Propheten würde hier einwandern und hier leben, und sie wünschten zu seinen Anhängern gezählt zu werden. König Toba schrieb einen eigenhändigen Brief, in dem er erklärte, daß er im Vorhinein zum Islam übertrete. Dieser Brief wurde Schamul mit der Weisung übergeben, daß er als ein Vermächtniß angesehen und von einer Generation der anderen übermittelt werden sollte, bis er in die Hände des Propheten gelangen würde. Eintausendunddreiundfünfzig Jahre später wurde der Brief dem Propheten durch den großen Ahnherrn des Berfaffers dieses Buches Khald bin Zed übergeben, der gemeinhin unter dem Namen Hazrat Abn Ayub Ansari bekannt ist (pag. 8). 2. Die Afghanen oder Pathanen waren ursprünglich Benei- Jsrael. Afghan ist zur Zeit des Propheten David geboren. Sein Vater hieß Armijah und war der Sohn oder Nachkomme des Königs Jatut (Goliath). Nach Davids Tod wurde Afghan vom Propheten Salomon großgezogen und zum Oberverwalter des Bauwerks Betal Mukadas (Bethamidrasch, der heilige Tempel in Jerusalem) ernannt. Zur Zeit des Kaisers Bakhit Nasar (Nebukadnezar), nach der Eroberung von Palästina, wurden Tausende von Benei- Jsrael erschlagen, die Ueberlebenden flohen in andere Länder und kamen so in das Gebirge Ghor in Afghanistan. Ein anderer Bericht erzählt: Als David den Jalut (Goliath) tödtete, erhob ein Theil der Benei-Jsrael Lärmen und Schreien gegen die Regierung Davids, deswegen nannte man sie „Oghu", das bedeutet „Lärm und Geschrei". Nach einer dritten Erzählung sollen die Nachkommen Armijahs als sie in Afghanistan einwanderten und sich über das Land verbreiteten, dem damaligen Rajah von Lahore ein größeres Landgebiet weggenommen haben. Der Rajah überzog die Eindringlinge mit Krieg, wurde aber wiederholt von ihnen geschlagen. Nach dieser Eroberung erhob sich ein „Lärmen und Schreien" über ihre Tapferkeit, und davon bekamen sie den Namen „Afghanen". Eine vierte Version erklärt das Wort „Afghan" für ein aus den Silben „Af" und „Ghan" zusammengesetztes persisches Wort. „Af" beißt „bellen" und „Ghan" „krächzen". Die von den Afghanen gesprochene Sprache wurde für unmelodisch erachtet, daß sie nur mit dem vereinten Bellen des Hundes und Krächzen des Raben verglichen werden konnte. Am wahrscheinlichsten bleibt indessen die Annahme, daß der Name von Armijahs Sohn Afghan gewesen, und daß seine Nachkommen nach ihm benannt worden sind; die anderen Lesarten scheinen unhaltbar (pag. 9). 3. Die Birahois scheinen gleich den Afghanen den Benei- Jsrael (Israeliten) anzugehören und mit diesen das Schicksal getheilt zu haben, das ihnen durch Bakhit Nasar (Nebukadnezar), den König von Babylon, 600 Jahre vor Christi Geburt zugefügt worden ist. Sie flüchteten in die Berge von Beludschistan, wo sie heute noch leben. Ihr Ahnherr hieß Ibrahim. Dieser Name wird in Suid und Beludschistan „Birahim" ausgesprochen. Aus Birahim ist bei dem damaligen Ahnherrn der Kosename „Biraho" entstanden, und nach diesem sind die Nachkommen .Birahois" genannt worden. Andere Berichte melden, daß fünf der Birahois, und zwar die Stämme Ahmadzai, Jltazai, Kambrani, Mirnani und Kalandeani aus Halab (Alepo) gekommen sind und sich in Beludschistan angesiedelt und ihr Oberhaupt Mir Ibrahim Khan zum Herrscher gemacht haben. Wahrscheinlich hatten diese Stämme erst nach der durch Nebukadnezar erfolgten Vertreibung ihrer Vorfahren aus Jerusalem in Halab gewohnt und sind nicht eingeborene Araber. Die Kleidung der Belochischen und der Birahoischen Frauen ist die gleiche — sie tragen alle eine „Gagha" (Rock) — es ist aber doch eine Eigenheit vorhanden, die einen großen Unterschied zwischen den Frauen der beiden Stämme beweist ... Ich habe wiederholt eine große Aehnlichkeit zwischen der Tracht der Birahoischen Frauen und der mir von Abbildungen bekannten der Georgischen Mädchen gefunden, und aus dieser Aehnlichkeit leite ich die Vermuthung her, daß die Birahois ursprünglich aus Georgien gekommen sind; ihre Sprache stimmt weder mit der afghanistischen noch mit der belochischen überein .Seine Hoheit Mir Mahmud Khan, der gegenwärtige Khan von Kalat, ist ein Nachkomme des Ahmadzaizweigs des Birahoi-Stamms (pag. 30—32). Die drei in den vorstehenden Aufzeichnungen genannten Stämme bilden den Hauptbestandtheil der Bevölkerung von Sind, Afghanistan und Beludschistan. Die verlorenen Zehn Stämme haben wahrscheinlich in diesen Ländern ein Heim gefunden, aber sie wurden leider von ihren Glaubensbrüdern getrennt und sind für uns verloren, seitdem sie Bekenner der „Religion des Schwerts" sind. Obgleich viele Jahrhunderte seit ihrer Verschmelzung mit den Heiden vergangen sind, kann doch mancher von uns beim Anblick von Angehörigen jener Stämme noch jetzt erkennen, daß jüdisches Blut in ihren Adern fließt. Die bei den indischen und den Bagdadischen Juden üblichen über die Ohren hängenden Haarlocken kann man oft über Stirn und Ohren der den verlorenen Stämmen angehörenden Männer flattern sehen. Die Physiognomie ist meist jüdisch. Wenn Schreiber dieses gelegentlich einem Mitglied dieser Stämme begegnet und ihm sagt, daß er ein Jude, speciell ein Benei-Jsrael ist, wird er von ihm als einer der ihrigen begrüßt, obgleich er das den Eingeborenen verhaßte europäische Gewand trägt. Ich fuhr einmal in einem Eisenbahncoupö mit zwei gelehrten Moulvis, die sich in persischer Sprache unterhielten und schließlich über mich und meine muthmaßliche Religion sprachen. Glücklicherweise verstehe ich persisch und antwortete ihnen, daß ich Jude bin. Sie freuten sich sehr über die Mittheilungen, die ich ihnen über ihr ursprüngliches Volk machte, denn sie hatten keine Ahnung davon, ob die Israeliten noch ein eigenes Volk bilden oder ob sie sich anderen Nationen assimilirt haben. Als ich ihnen von allerhand jüdischen Gebräuchen erzählte, identificirten sie sich sofort mit mir, und als ich ihnen darauf entgegenhiell, daß sie doch das mohammedanische Bekenntniß angenommen hätten, riefen sie: „Ja, das ist aber auch der einzige Unterschied!" Ein Freund erzählte mir,, ein ihm bekannter Jude sei einmal nach Jawbabad gekommen und dort in das Haus einer mohammedanischen Familie eingeladen worden. Auf einer Schüssel sah er Kuchen; Ziegenleber und Weihrauch wurden zubereitet. Der Hausherr zeigte ihm ein altes Buch und fragte ihn, ob er eine bestimmte Stelle zu lesen verstünde. Der Besucher sand, daß es ein hebräisches Buch war; er las die Stelle und erkannte sie als die von den Juden bei Gelübde-Ceremonien üblichen Gebete H'ssn urbs und “\b p-i'i. Der israelitische Besucher unterhandelte mit dem mohammedanischen Scheikh wegen Ueberlassung des Buches, dieser wollte sich aber um keinen Preis davon trennen. Auf Befragen erzählte er, daß in Jawbabad nur zwei Familien dieser besonderen Secte lebten und daß sie jährlich einmal die Opferceremonie vollzögen. Wenn sie Niemanden finden, der ihnen die Gebete vorlesen kann, begnügen sie sich mit der Vorbereitung der Opferschüssel, stellen sie auf ein weißes Tuch, verbrennen den Weihrauch und küssen das Gebetbuch, eben das alte Buch, das sie dem Besucher gezeigt haben. Als ich selbst

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