Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 37 (12.9.1902)
- Date
- 1902-09-12
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 594 Dr. Bloches Wochsnschrrfk. Nr. 37 punkten. Die „schwarze Liste" ist eine Einrichtung geworden.'^ Mit den Bedürfnissen der Bevölkerung, auf die man sie zu stützen' suchte, ist sie nicht in Einklang zu bringen. Denn eine Statistik der Notare hat ergeben, daß die Berliner ihren Notar ohne Rücksicht auf dessen religiöses Bekenntniß wählen. Jedenfalls wird für Berlin eine Spezies Anwälte gezüchtet, die früher nicht rxistirte: der jüdischeJustizrath, dem das Notariat fehlt. Das heißt also, ein zwanzigjähriger ehrenvoller Dienst als Anwalt, anerkannt durch die — wie betont werden mag, völlig unparteiische — Verleihung des Rathstitels, genügt nicht für Verleihung des Notariats." Ueber den jüdischen Bonner Husar Moses Bier sind anläßlich der hohen Ehrung, die ihm der Generaloberst von Loe in der bekannten Bonner Rede zu Theil werden ließ, in der antisemitischen Presse allerlei unwahre Ausstreuungen gemacht worden. Demgegenüber wird der Zeitschrift des „Centralvereines deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" von zuverlässiger Seite über den im Herbst 1872 als Gefreiter aus dem Dienst geschiedenen jüdischen Husaren berichtet: - „Schon während des Marsches nach Frankreich war Moses Bier als Ordonnanz zu General Strubberg der 30. Brigade commandirt und der ersten Schwadron zugetheilt. Er machte die Schlachten bei Gravelotte, St. Privat, die Einschließung und Kapitulation von Metz mit, socht dann dei Bertrancourt, wo ein Granatsplitter ihm den Stiefel vom Fuß riß, bei Amiens, bei Forcelles, bei Buchy, an der Hallue, bei Sapignies, bei Bapaume und bei Tertry-Pouillet, sowie bei St. Quentin, und stets als Ordonnanzreiter unter den gefährlichsten Umständen. In der Schlacht bei Bapaume wurde sein Pferd von einer Granate gestreift und niedergeworfen. Vier Pferde nebenfahrenden Munitionswagens wurden getödtet; trotzdem hat Bier eine wichtige Meldung an General von Göben und von diesem zurück glücklich befördert und ist nicht nur von dem Rittmeister von Niesenwand, sondern auch von den Generälen von Loe und Strubberg öffentlich belobt worden". Wenn ein solcher Soldat das Eiserne Kreuz nicht erhalten haben sollte, wäre die Rede des vorurtheilslosen Generalobersten von doppeltem Werthe! Juden als Holzflößcr aus dem Czeremoszfluffe. In der „Forst- und Jagdzeitung" finden wir eine interessante Schilderung „Die Trist auf dem Czeremoszfluffe" vom k. k. Forstrache L. Kochanowski, in welcher auch über die Eigenschaften der Flößer berichtet wird. Es heißt da: „Zu dieser Schilderung der Tristverhältnisse im Gebiete des Czeremoszflusses fügen wir noch diejenige der Eigenschaften der Flößer hinzu, weil sich hier langsam Verhältnisse vorbereiten, an welche man bis jetzt gar nicht gedacht und die man nicht geahnt hatte. Dem bäuerlichen Flößer erwächst nämlich eine nicht zu verachtende Concurrenz seitens der Juden. Für die anfänglichen, beschränkten Verhältnisse sind die einheimischen Kräfte mit ihrer bisherigen Uebung ausreichend gewesen. Mit dem Momente aber, als man begonnen hatte, die Waldungen intensiver zu nützen, ergab sich Mangel an eingeübten Flößern und Triftknechten. Mit welchen Verhältnissen man hier zu kämpfen hatte, beweist der Umstand, daß im Jahre 1863 nach Inbetriebsetzung der Szybenyklause der damalige Besitzer der Domäne Jasienow, Straßer, eigenhändig mithelfen umßte, um das Floß auf das Hauptwasser zu bringen, weil die vorhandenen Flößer dazu keinen Muth fanden. Man war dazu gezwungen, stemde Flößer, und zwar aus Ungarn, zu bringen. Es läßt sich jedoch nicht ableugnen, daß der Huzule viele angeborene Fähigkeiten besitzt. So geschah es, daß bald das Beziehen fremder Flößer überflüssig wurde, die einheimische Bevölkerung bewältigte vollständig die gestellte Aufgabe und man war mit ihrer Leistung vollkommen zufrieden. Seit etwa 5—6 Jahren haben sich jedoch in das bis jetzt lediglich von den Huzulen beherrschte Arbeitsgebiet gefährliche Concurrenten, die Juden, hineingedrängt und behaupten siegreich das Feld. Die ersten Versuche seitens der Juden, in dieses ihnen noch stemde Gebiet einzudringen, waren öfters mit heißen Kämpfen verbunden, in denen die Juden zumeist den kürzeren zogen. Mit der Zeit legten sich die Wogen und man hat sich mit dem Gedanken, die Juden als Flößer zu sehen, bereits vertraut gemacht. Heute wird man sehr oft den in der Kleidung vom Huzulen sich gewaltig unterscheidenden Juden in gemeinsamer Beschäftigung mit dem Huzulen auf dem Floße sehen. Auf diese Weise haben die Juden es so weit gebracht, daß gegenwärtig etwa 100 Mann, das ist beinahe die Hälfte sämmtlicher Fößer, der semitischen Race angehören. Das Arbeitsverhältniß bat sogar die Gemeinschaft der Interessen gebracht. Die jüdischen Flößer stammen aus Kuty in Galizien und Wiznitz in der Bukowina, in welchen Städten viel jüdisches Proletariat vorhanden ist. Der Mangel an anderweitiger Beschäftigung war die Veranlassung zum Betreten eines für die Juden bis jetzt vollständig stemden Gebietes, in welchem sie sich vorläufig mit dem Vertristen der fertiggestellten Flöße befassen. Nun fragt man sich, ob die Juden zu dieser Art derzArbeit sich^geeignet zeigen, und da muß bekräftigt werden, daß dieselben ihre Arbeit ebensogut und sogar noch besser verrichten, als die bisherigen Flößer. Die diesbezüglichen Angaben der Holzhändler stimmen alle darin überein, daß die Juden bessere Flößer sind, als die Huzulen. Sie Verstößen größere Mengen Holz auf einmal, welcher Umstand von großer Wichtigkeit für den Holzbesitzer ist. Oft habe ich gesehen, daß ein jüdischer Flößer zwei Tafeln gleichzeitig, mit einem Gehilfen 3 -4 Tafeln geführt hat. Mit dem Binden der Flöße befassen sie sich nicht. Diese Arbeit verrichten noch die Huzulen. Die Juden übernehmen die von den Huzulen fertiggestellten Flöße und entlohnen die Arbeiter sofort an Ort und Stelle. Der Hanptgewinnst beim gesummten Flößereibetriebe ist jedoch nicht beim Binden, sondern beim Flößen zu finden. Das diesbezügliche Entlohnungsverhältnib steht etwa 1:2 (Binden: Flößen) und findet seine Begründung in dem Risiko beim Flößen. Auf diese Weift findet der Jude leichtere, gleichzeitig aber auch besser entlohnte Arbeit. Infolge ferner eifrigeren Thätigkeit ist auch der tägliche Verdienst des jüdischen Flößers höher als derjenige des Huzulen. Während nämlich der Huzule täglich mit 2—3 Kronen sich znfriedenstellt, verdient der jüdische Flößer 5—6 Kronen täglich. Vom socialökonomischen Standpunkte ist es jedenfalls vortheilhafter, wenn der Jude in wirklicher Arbeit seinen Erwerb findet; dies ist ja sogar wegen der rascheren Mehrung des Volksvermögens erwünscht. Anders verhält sich aber die Sache, wenn man den jüdischen Flößer mit dem Huzulen bezüglich der Intelligenz vergleicht. Der Jude steht verhältnißmäßig auf einer höheren Stufe der Bildung, er ist unternehmungslustig, und da er auch als Flößer gewisse Vorzüge hat, so ist die dem bisherigen Flößer, dem Huzulen, erwachsene Concurrenz gar nicht zu mißachten. Der Huzule ist nicht unternehmungslustig, besitzt keinen Sparsinn und kann das gegebene Versprechen beinahe nie einhalten. Diese Eigenschaften einer Ackerbauers stehen im crassen Gegensätze zu den Vorzügen eines Gewerbsmannes, und deswegen befindet sich der Huzule gegenüber einem Juden im Nachtheile. Zur Hage der böhmischen Gemeinde«. Eine Aufgabe für den „Oesterr.-Jsr. Bund". Von A. St. Als eifriger Leser Ihres Blattes habe ich den Bericht des „Bundes" als auch die Zuschrift des Herrn Dr. M. S. in der letzten Nummer 36 von 5. September 1802 gelesen und kann Ihnen nur beipflichten, daß der „Bund" seine Aufgabe nicht vollständig erfaßt; denn das, was er in seinem Rechenschaftsberichte als seine vollbrachte Thätigkeit anführt, gehört zu den Zielen der „Union", des „Politischen Volksvereines" u. s. w. Ich will hier speciell böhmische Verhältnisse anführen, die wohl typisch für so manche Gemeinde Oesterreichs sein dürften. In Böhmen bestehen circa 200 israelitische Cultusgemeinden; hören wir aber von welcher Qualität dieselben sind und ob sie in der Lage sind den vom Gesetze an sie gestellten Anforderungen zu entsprechen. Der israelitische Landes-Lehrerverein in Böhmen (Verein der Rabbinen, Religionslehrer und Cantoren) hatte zu Beginn des Jahres Fragebogen an alle Cultusgemeinden in Böhmen gerichtet, von welchen 100 an den Vorstand ausgefüllt gelangten. Ueber dieselben erstatteten in der letzten Generalversammlung dieses Vereines am 25. August l. I. in Prag die Rabbinen Abeles-Kuttenberg und Stein-Radnitz Bericht. Wir entnehmen demselben folgende Daten: Von diesen 100 Cultusgemeinden zählen 2 Cultusgemeinden ä 12 Mitglieder, 6 a 15, 1 ä 16, 4 ä 18, 1 ä 19, 3 ä 20, 1 ä 22, 3 k 23, 1 ä 25, 2 ä 24, 2 ä 28, 3 ä 30, 1 ä 32, 1 ä 34, 5 ä 35, 1 ä Zg, 1 & 37, 1 & 38, 4 ä 40, 1 ä 42, 1 ä 45, 2 ä 48, 3 ä 50, 1 ä 54, 2 ä 55, 2 ä 56, 4 ä 60, 2 ä 62, 3 ä 70, 3 ä 80 u. s. w. bis 130 und 220 Mitglieder. An Gehalten zahlen diese Gemeinden ihren Functionären, die Rabbinen, Religionslehrer und Cantoren, häufig auch Schächter sind. 1 Cultusgemeinde zahlt 700 K pro anno, 3 ä 800 K, 3 ä 900 K, 17 ä 1000 K, 1 ä 1080 K, 3 ä 1100 K, 1 ä 1150 K, 20 ä 1200 K, 5 ä 1300 K, 1 1 1320 K, 8 & 1400 K, 5 ä 1500 K, 10 ä 1600 K, 1 ä 1700 K, 2 ä 1800 £, 1 a 1900 L, 8 ä 2000 £, 1 ä 2080 K 1 ä 2300 L und 2 ä 2400 £. Dabei ist zu bemerken, daß bei einem Theile die Naturalwohnung, — aber fragt nur nicht, wie die aussieht — bei vielen keine solche vorkommt, und der Herr Rabbiner ist gezwungen, sich auch noch die Wohnung von dem kargen Gehalte zu bezahlen. Noch trauriger sieht es mit den von den Behörden bewilligten Stunden zum Religionsunterrichte aus. Da der Umfang vieler Gemeinden sehr ausgedehnt, also Ortschaften mit 1—3 israelitischen Familien 1—2 Stunden vom Sitze der Cultus-