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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-09-05 · 36 (5.9.1902) · page 11

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
36 (5.9.1902)
Date
1902-09-05
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Bloch's Wochenschrift. Seite 595 Begleiter entschlüpfen konnten. Dann ging es nach dem Dachgarten von Schule 147 an East Broadway und Scannet Str., wo sich die nämlichen Scenen wiederholten. Die Idee, Dachgärten auf den Schulhäusern zu errichten, ging vom Superintendenten Maxwell aus und gelangte glücklich zur Ausführung, nachdem die Stadt 25.000 Dollars für die Anlagen bewilligte. Es werden demnächst noch vier weitere Gärten etablirt werden, nämlich auf Schule Nr. 1, Catherine und Henry Str., auf Nr. 20 an Rivington Str., auf Nr. 177 an Allen Str., und auf Nr. 53 in Brooklyn. New-Zork. Die auf Beranlassuug des Mayors vorgenommene Untersuchung über die Ursachen, die Anlaß zu den Ausschreitungen gelegentlich des Leichenbegängnisses des Oberrabbiners Jacob Joseph am vorigen Mittwoch gaben, wird nicht nur die Bestrafung der Schuldigen zur Folge haben, sondern wahrscheinlich auch dazu beitragen, daß der Polizeidienst in Zukunft nach anderen Principien, als denjenigen, die gegenwärtig gang und gäbe sind, verrichtet werden wird. Dem Mayor ging nämlich folgendes Schreiben des East Side Civic Club, einer aus gemeinsinnigen Bürgern der Ostseile bestehenden Vereinigung, zu: „Als amerikanische Bürger sprechen Ihnen die Mitglieder des „East Side Civic Club" ihre Anerkennung für die prompte Handlungsweise aus, durch welche Sie dem Polizei-Commissär die strenge Weisung zugehen ließen, eine Untersuchung der Ausschreitungen vorzunehmen und die Ursachen, welche zu dem Krawall führten, zu ermitteln. Um Ihnen behilflich zu sein, diese Ursachen zu ergründen, möchten wir hiermit erklären, daß der Krawall nur als Höhepunkt einer langjährigen feindseligen Haltung der Polizei den Tausenden fried- und gesetzliebenden Bürgern der unteren Ostselte gegenüber bezeichnet werden kann Die in Aufregung befindliche öffentliche Meinung soll uns Helsen, Ihre Aufmerksamkeit auf die Polizeistationen in der unteren Ostseite zu richten. Wir bedürfen ernster, aber sympathischer Polizisten, welche Verständniß für die Bevölkerung und für die auf der Ostseite herrschenden Zustände zeigen. Wir sammeln Beweise, um das Benehmen der Polizei an jenem unglücklichen Krawall zu kennzeichnen, und wir ersuchen Sie, uns zu gestatten, diese Beweise Ihnen zu unterbreiten, damit die Untersuchung vervollständigt werde. Ferner bitten wir Euer Ehren, das Gebiet der Untersuchung zu erweitern, damit auch das Benehmen der Polizei im Allgemeinen geprüft werde. Achtungsvoll, John H. Dennison. T. R. Cordley, Henry Roscowitz, Jacob Phillips, Myer Schoenfeld, Fred. M. Stein." Mehrere Civilklagen gegen die Firma Hoe u. Company sind bereits angestrengt worden von Leuten, die bei den Ausschreitungen verknüppelt oder von den Angestellten mißhandelt wurden. Die erste Klage ist von Rudolph Gartenburg aus Nr. 270 erste Ave. zum Betrage von 25.000 Dollars eingereicht worden. Sein Anwalt, D. Blmnenthal, stellte nun die Papiere den Beklagten zu. Gartenburg erklärt in der Klageschrift, daß er ein Bahrtuchträger bei dem Begräbniß des Oberrabbiners Jacob Joseph gewesen sei. Als er im Leichengefolge an der Fabrik der Beklagten vorbeischritt, sei aus den Fenstern des Gebäudes ein Ziegelstein geworfen worden, der ihn an der rechten Seite getroffen habe. Ec begab sich in das Fabriksgebäude, um sich zu beschweren, worauf ihn die Angestellten mißhandelten. Ein Mitglied der Firma erklärte,, daß sie erst durch die Zustellung der Klageschrift die Existenz eines Mannes Namens Gartenburg erfahren hätte. Die Firma wisse nichts von dem Angriff, welcher angeblich auf Gartenburg verübt worden sein soll, und sie werde alle Angaben in Abrede stellen und Abweisung der Forderung beantragen. Wien. Die Familie des Herrn Gottlieb Bettel heim Präsidenten des israelitischen Tempelvereines im IX. Bezirk, ist von einem herben Schicksalsschlag betroffen worden durch den frühzeitigen Tod eines hoffnungsvollen, überaus begabten Sohnes, Ingenieurs Herrn Gustav Bettelheim, der am 31. August in Mauer b. Wien, wo die Familie Bettelheim alljährlich in ihrer Billa zum Sommerauf-nthalt weilt, im Alter von 23 Jahren sanft entschlafen ist. In allen Kreisen der Wiener jüdischen Gesellschaft hat dieser Trauerfall aufrichtige Theilnahme geweckt, die sich auch in der zahlreichen Betheiligung am Leichenbegängniß, welches am 3. September stattgefunden, äußerte. Unter den Anwesenden bemerkte man den Bicepräsidenten der Cultusgemeinde Landesschulrath Dr. Gustav K o h n, den Bicepräsidenten derChewra- Kadischa, Cultusvorsteher und Bezirksschulrath Dr. Marcus Spitzer, den Cultusvorsteher und Präsidenten des Tempelvereines für die westlichen Wiener Bezirke Architekten Max Fleischer, Universitäts-Docenten Dr. Grünfeld, Gemeinderath Almeder. den ehemaligen Gemeinderath D j ö r u p, den ehemaligen Reichsrathsabgeordneten Dr. Bloch, die Vorsteher des Tempelvereines im IX. Bezirk kaiserl. Rath Wilhelm. Dr. Schnepp, Simon, Quittner, Goldschmid, Frankl, Moser, Hendl, Blau, von dem Tempelvereine im X. Bezirk die Vorsteher Carl S e l i g m a n n und S. Straßberg, von dem Tempelverein Josefstadt Architekten Modern, vom Tempelvereine des IV. und V. Bezirkes Herr Vorsteher Adolf Hoffman, vom Bethausvorstand Fünfhaus Vorsteher Steiner, das Vorstandsmitglied der Israelitischen Allianz Herrn Pappenheim, von dem Frauen-Wohlthätigkeitsvereine „Frauenhort" die Präsidentin Frau Rosa Ziffer er zusammen mit Frau Rabbiner Dr. Gelbhaus, Rabbiner Sor, Prof. Sulzer. Die Trauergesänge recitirte in ergreifender Weise Herr Obercantor Kläger mit dem Tempelchor. Herr Rabbiner Doctor G e l b h a u s widmete dem Frühv.'rblichenen einen würdigen, aus dem Herzen kommenden und mächtig wirkenden Nachruf. Tiefe Rührung ergriff die gesammte Trauergemeinde, als der gramgebeugte Vater den Sarg seines geliebten hoffnungsvollen Sohnes auf seine Schulter nahm, um diese kostbare Last zur letzten Ruhestätte zu bringen. An dem Grabe dirigirte Herr Professor Sulzer mit dem Tempelchor einen Choral: Seele was betrübst Du Dich! und das Schewifi (beide Sulzer'sche Compositionen). Dann wurde der Sarg in die Gruft gesenkt und der Frühverklärte zur ewigen Ruhe gebettet. Wien. (Ein türkischer Ausspruch über Gleiche b e r e ch t i g u n g.) In dem soeben erschienenen großen finanzpolitischen Werke „Les fmances de la Turquie“ von Charles Morawitz ist Seite 163 auch ein Ausspruch vom Sultan Mohamed II. aus dem Jahre 1832 angeführt. Derselbe lautet: „Ich will, daß man den. Muselman nur an seiner Moschee, den Christen nur an seiner Kirche und den Juden nur an seiner Synagoge erkenne". So sprach vor siebzig Jahren ein großherziger Herrscher in Constantinopel. Wien. (Jüdischer Schulverein für den lX. B e z i r k.) Am 2. September haben die Einschreibungen in der Schule dieses Vereines begonnen. Die vorjährige Thätigkeit dieses Vereines und seiner Schule bietet die Gewähr dafür, daß sie auch in diesem Jahre den Anforderungen der Eltern vollauf entsprechen werden. Bei der Schlußprüfung am Ende des vergangenen Schuljahres haben sowohl die Vertreter der Cultusgemeinde und andere Corporationen, als auch die Eltern der Schulkinder ihr Lob über die Leistungen dieser Anstalt unumwunden ausgesprochen und dieselbe den jüdischen Eltern aufs Wärmste empfohlen. Anmeldungen für den Beitritt in den Verein, sowie für die Aufnahme von Schülern werden im Schullocale, IX., Seegasse 7 entgegengenommen. Wien. (Trauung.) Sonntag den 31. August d. I. fand im Leopoldstädter Tempel die Trauung des Fräulein Elsa Steiner, der Tochter des Herrn Josef Steiner, mit Herrn Julius Kraus, Beamter der israelitischen Cultusgemeinde, statt. Unter den Anwesenden bemerkte man die Herren Obercantor Josef Singer, Ersten Cantor Blatt, Cantor P e k a r n i k, den Beamtenkörper der israelitischen Cultusgemeinde mit dem Secretär Dr. Adler an der Spitze, den Vorstand-Stellvertreter des Wiener Bankvereines Eugen Singer mit mehreren. Beamten dieses Institutes. Den Trauungsact vollzog Herr Rabbiner Dr. Bach weihevoll und würdig, Herr Obercantor Guttmann versah die cantorale Function in vorzüglichster Weise. Bon Nah und Fern kamen dem Brautpaare Hunderte von Telegrammen und Glückwunschschreiben zu, so von der Frau Baronin Königswar t e r, von dem Bicepräsidenten der israelitischen Cultusgemeinde Herrn Dr. Alfred Stern, vom Landesschulrath Doctor Gustav K o h n. Vorsteher Baurath S t i a ß n y. Architekten Max Fleischer, Octsschulrath S. Heit, Obercantor Singer und Frau u. s. w. Wien. (Leichenbegängniß.) Eine sehr angesehene Familie in unserer Gemeinde wurde von einem herben Schicksalsschlag getroffen. Fräulein Rosa S ch l e i n, einziges Kind des

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