Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 36 (5.9.1902)
- Date
- 1902-09-05
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 36 Dr. Bloch's Wochenschrift Sette 583 Ohne daß er es will, bricht Oppenheim eine Lanze für das rituelle Schächten, das ja, wie bekannt, mit einer obligatorischen Untersuchung des geschachteten Thieres verbunden ist. Der Genuß von Fleisch eines nach den Vorschriften des jüdischen Ritus geschlachteten Thieres' bietet daher gewissermaßen eine Gewähr vor den geschilderten Gefahren. Die Opposition von ^rischer Seite gegen das rituelle Schächten muß deshalb ebenso unsinnig als ungerechtfertigt bezeichnet werden; allein auch die Indolenz, welcher das rituelle Schächten in jüdischen Kreisen selbst begegnet, erweist sich sachlich unhaltbar und widersinnig und kann nur als ein Ausfluß von lächerlicher Mephisterei betrachtet werden. Uns Juden gereicht es vielmehr zu besonderem Ruhme, daß wir schon vor Jahrtausenden sanitäre Einrichtungen besaßen, die die modernen Culturvölker sich erst in allerjüngster Zeit aneignen zu müssen glaubten. Wir wünschen schon deshalb die weiteste Verbreitung des nach jeder Richtung hin vorzüglichen Oppenheim'schen Buches, weil wir erwarten, daß das Letztere jeden vernünftig Denkenden von der unerläßlichen Nothwendigkeit des rituellen Schächtens und der damit verbundenen Untersuchung überzeugen und zum Aufgeben der gegen beide gerichteten Opposition veranlassen wird. Eduard Beer. Wien. Wir erhalten folgende Zuschrift: 2. September 1902. Löbliche Redaction! Seit einiger Zeit bringen jüdische Blätter die vollkommen unwahre Nachricht, das Bankhaus Rothschild habe uns für den Bau unserer neuen Synagoge, die, nebenbei bemerkt, am 17. September d. I. durch Herrn Oberrabbiner Dr. Güdemann eingeweiht werden soll, nur fl. 50 gespendet. Das „Deutsche Volksblatt" hat die Notiz natürlich hocherfreut aufgegriffen und dazu hämische Bemerkungen über die angebliche Schmutzerei des Trägers dieses Namens gemacht. Wir haben das Blatt zur Ausnahme einer Berichtigung gezwungen, welche es auch in Nr. 4908 vom 1. September brachte. Sehr dankbar wären wir Ihnen, wenn Sie die Sache im redaetivnellen Theile Ihres geschätzten Journales behandeln wollten, damit endlich Ruhe wird. Wir kommen aus dem Berichtigen nicht hinaus, siehe „Neuzeit", „Jüdisches Volksblatt" rc. Mit bestem Danke und achtungsvoller Empfehlung Israelitische Cultusgemeinde Wr.-Neustadt. Der Cultusvorsteher: Schischa. An die löbliche Redaction der „Oesterreichischen Wochenschrift" Wien. Wien. Der Club der Münz- und Medaillenfreunde in Wien ließ am 21. August d. I. durch seinen Bice-Präsidenten und Schriftführer, die Herren Karl Andorfer und Wilhelm Blaschek, seinem langjährigen, dem Club seit seiner Gründung angehörenden Mitgliede Dr. Adolph Hoffmann. Jubilar der medicinischen Facultät und der Gesellschaft der Aerzte in Wien, eine anläßlich seines 80. Geburtsfestes gestiftete Medaille überreichen. Dieselbe ist vom Bildhauer Arthur Löwenthal, einem Schüler Professor Tautenhayn's. modellirt und zeigt auf der Aversseite das wohlgetroffene Porträt des Jubilars. Dr. Hoffmann's Verdienste auf humanitärem Gebiete haben im Texte dieser Medaille Ausdruck gefunden. Insbesondere hat derselbe vor fast einem halben Jahrhundert durch intensive Thätigkeit in Wort und Schrift es dahin gebracht, daß bei den Eisenbahnen auch die Coupes dritter Claffe mit Abtheilungen für Nichtraucher versehen wurden, deren Nothwendigkeit er als einer der hervorragendsten Schüler Skoda's rechtzeitig erkannte. Baden. In der Nacht zum 29. v. M. verstarb hier die wegen ihrer ausgezeichneten Tugenden weithin bekannte Frau Clara Berger, Gattin des am 8. August 1899 gleichfalls in Baden verstorbenen edelherzigen Wohlthäters und frommen Mäcens Heinrich Berger. Das am 31. v. M. Hierselbst erfolgte Leichenbegängnis dieser wahrhaft ehrwürdigen Frau gestaltete sich zu einer feierlichen Kundgebung für die edle Verblichene selbst, wie für deren Hinterbliebene. Ihre Söhne, die Herren Doctoren Alfred, Emil und Ernst Berger, und deren einzige Tochter und ihr Gemahl, Herr Prof. Dr. Guido Adler, umstanden tieftrauernd die Bahre ihrer im 71. Lebensjahre Heimgegangenen Mutter, umringt von einer großen Schaar von Freunden und Bekannten, unter welchen sich die Vorsteher der Badener „Chewra- Kadischa", die Herren Anton Schneider, Sigmund Rausnitz und August Edenburger, sowie vornehme Häupter der Wiener Judenschaft. Cultus-Vicepräsident Dr. Alfred Stern, die Cultusvorsteher kaiserl. Rath Hirsch, Bezirksschulrath Dr. Marcus Spitzer, Oberingenieur Edler von Mises. Seminar-Profeffor Dr. B ü ch l e r und viele Andere, befanden. Es waren ferner erschienen: In Vertretung der „Adaß Jisroel Schiffschul", das Präsidium: Herr Bernhard Schiff und Herr Ignaz Back; für das Bet-Hamidrasch der Schiffschul: Herr Wilhelm Kritzler; für den Bethausverein, Stumpergaffe: Herr Felsenburg; für den Verein zur Wahrung der Interessen des orthodoxen Judenthums in Wien: Herr Bernhard H o f b a u e r. Nach Recitirung des „Hazur tomim" durch Herrn Cantor Jacob Schäfer ergriff Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Wilhelm Reich das Wort zu einem ergreifenden Nachruf, in welchem er die hervorragenden Tugenden und ausgezeichneten Eigenschaften der Verstorbenen schilderte. Er erwähnte ihre Lebensdevise, welche sie von ihrer Mutter überkommen und die sie zu jeder Zeit auch ihren Kindern als edles Erbgut einprägte: „Die schönste Eigenschaft des von Gott mit irdischen Gütern gesegneten Menschen ist der grenzenlose Wohlthätigkeitssinn." Diesen humanen Sinn bethätigte sie zu allen Zeiten, und viele sind der Bedürftigen, die in ihr eine mütterliche Helferin und Unterstützerin verloren. Nach Schluß dieser tiefempfundenen und warm vorgetragenen Trauerrede recitirte Herr Cantor M. S eis er t das „Joschew besseser eljon", worauf die Bahre gehoben, zum Grabe getragen und dort zur ewigen Ruhe bestattet wurde. Prag. Der israelitische Landeslehrerverein in Böhmen hielt jüngst seine ordentliche Generalversammlung ab. Zu Beginn der Generalversammlung gedachte der Vorsitzende, Obmann Religionslehrer Springer, der im Jahre verstorbenen Mitglieder Bernhard Weiß und Samuel Mautner. Der vom Schriftführer Rabbiner Freund-Bodenbach erstattete Rechenschaftsbericht wurde einstimmig angenommen. Demselben ist zu entnehmen, daß der Ausschuß des Vereines jederzeit für die Interessen der israelitischen Lehrerschaft eingetreten ist, daß er immer bestrebt war, die sociale und materielle Stellung derselben zu heben. Die Herren S. Springer und M. Freund wurden ihres unermüdlichen Wirkens halber von der Generalversammlung zu Ehrenmitgliedern ernannt. Hierauf hielt der Schriftführer. Rabbiner Freund, einen Bortrag über das Thema: „Wie kann der Religionsunterricht das Jntereffe fürs Judenthum wecken." Mit den hellsten Farben malte der Vortragende die ideale Gestalt eines Religionslehrers und beleuchtete von vier Gesichtspunkten: Lehrperson, Lehrstoff, Einfluß auf das Elternhaus, Wirken in der Gemeinde, dessen segenbringende Wirksamkeit, nachdem er anfangs das Hobe Ziel aufgestellt hat, dem jeder Religionsunterricht zustreben muß und das auch ein Lehrer, der in diesen Beziehungen vollkommen entspricht, erreichen wird. Es wurde beschlossen, den Bortrag, der den gerechten Beifall Aller gefunden hat. wörtlich in Druck zu bringen und den einzelnen Cultusgemeinden kostenlos zuzusenden. Während der Wechselrede, die der Bortrag hervorgerufen, erschien das neuernannte Mitglied des Landesschulrathes Dr. Ludwig Bendiener. Er dankte für die Glückwünsche, die ihm der Ausschuß im Namen der Lehrerschaft übermittelte, versicherte die Lehrer seiner vollsten Theilnahme und sagte seine Mithilfe zu zur Abschaffung der ungünstigen Verhältnisse, unter denen die israelitischen Lehrer Böhmens ihr Amt ausführen müssen. Die Herren Rabbinen S. A b e l e s -Kuttenberg und A. Stein -Radnitz, erstatten hierauf das Referat über die vom Vereine ausgegebenen Fragebogen. Diese liefern das statistische Material über die mißlichen. unhaltbaren Zustände vieler Cultusgemeinden, das den Behörden vorgelegt werden wird. Der Bericht des Caffiers, Religionslehrer Löwy, sowie der des Rabbiners Freund als Redacteur des Vereinsorganes „Mittheilungen des israelitischen Landes-Lehrervereines" wurde genehmigt. Der bisherige Ausschuß wurde wieder gewählt. Die Generalversammlung beschloß ferner, eine Huldigungsdepesche an die Allerhöchste Cabinetskanzlei abzusenden. Hierauf schloß der Vorsitzende mit einem dreimaligen Hoch auf den Kaiser die Sitzung. Frankfurt a. M. Eine treue Leserin unseres Blattes schreibt uns: Auf einer Erholungsreise bei Verwandten befindlich, konnte ich es mir nicht versagen, sowohl dem Freitag Abend-, als auch dem Sabbath-Gottesdienst in den verschiedenen Synagogen hier beizuwohnen und will darauf auch später noch zurückkommen. Vorher führte mich Pietät für das Andenken eines lieben Freundes auf den Gottesacker. Nachdem ich der traurigen Pflicht Genüge geleistet hatte, durchwanderte ich den stillen Ort und bemerkte, daß hier eng aneinandergrenzend, ohne jede Schranke,