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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-09-05 · 36 (5.9.1902) · page 8

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
36 (5.9.1902)
Date
1902-09-05
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 582 r§r. VLvch's WosMichrift» 3tr. 36 wäre, wenn man's Dir thäte, thue nicht Deinem Nächsten" — statt also der Formeln, die eben Formeln bleiben,' belehre man durch die Geschichte, wie die Juden (immer die Juden und nicht das I u d e n t h u m!) zu der höchsten socialen Gerechtigkeit gestrebt haben. Für diese Darstellung hätte man schon Gelegenheit bei der Geschichte des prophetischen Zeitalters. In unserer officiellen Geschichte spricht man stets vom prophetischen Judenthum, aber niemals von den prophetischen Juden. Man vergißt nämlich hervorzuheben und besonders zu betonen, daß die Propheten Sprößlinge oes jüdischen Volkes waren, die die Wahrheit und die Gerechtigkeit geliebt haben, und zwar nicht etwa in den eigenen vier Wänden oder unter Gleichgesinnten beim Biertisch, wo man mit der Wahrheitsliebe keine Gefahr läuft und bei aller Tugend recht fett und wohl beleibt werden kann — sondern aus offenem Markte, sowohl gegen die umschmeichelten Fürsten und Machthaber, wie auch gegen die bethörte und verwilderte Menge. Es waren Juden, Menschen von Fleisch und Blut, die ihr Leben täglich und stündlich Preisgaben, nicht nur weil sie keine Lüge aus sprechen, sondern weil sie nicht die Wahrheit verschweigen wollten. Unsere Wahrheitskämpfer beruhigten sich nicht und die Moral: Man soll nur die Wahrheit sagen, aber man muß sie nicht sagen (Kant); vielmehr war ihnen die Wahrheit wie ein inneres Feuer, das emporlodern muß, komme es wie es komme, selbst wenn es seine Träger verzehrt. Also unsere Geschichte muß, wenn sie auf unsere Jugend wirken soll, in erster Reihe eine Geschichte der Juden werden und nicht rein auf dem religiösen Standpunkt aufgebaut sein. Natürlich darf nicht die Meinung geweckt werden, das jüdische Volk habe mit der Zerstörung des zweiten Tempels aufgehört und jetzt gäbe es nur noch ein Judenthum. Wer die Existenz des jüdischen Volkes leugnet, verwirft auch das Judenlhum, mag er sonst noch so .othodox"-gläubig sein. Dr. S. Bernfeld. Correspondenzen. Rumänische Barbarei. Wir lesen in der ,N. Fr. Presse" vom 29. August 1902 Bon einem Japaner, der sich zur Zeit in Rumänien aufhält, erhalten wir folgende, in französischer Sprache abgefaßte Zuschrift, welche wir hier in wortgetreuer Uebersetzung wiedergeben : „Herr Redacteur! Ein Japaner, dessen Name und Reisezweck in Europa vorläufig unbekannt bleiben soll*), nimmt sich die Freiheit, Ihnen die Beobachtungen mitzutheilen, die er gelegentlich seines Aufenthaltes in Rumänien gemacht hat. Wenn er sie Ihnen in französischer Sprache übermittelt, so geschieht dies nur aus der Besorgniß, sich vielleicht nicht vollkommen und in durchaus verständlicher Art auszudrücken, obwohl er ein eifriger Leser Ihres Blattes ist und mehrere andere europäische und asiatische Sprachen spricht. Ich befinde mich seit einigen Wochen in der Begleitung meines Führers und Dolmetsches unter den Rumänen, und abgesehen von den Beobachtungen, die ich hier auf dem einen und dem anderen Gebiete gemacht habe und die durchaus nicht zu ihrem Nachtheile sprechen, kann ich der Versuchung nicht widerstehen, Ihnen eine Thatfache mitzutheilen, deren Beweggründe, auch wenn sie echt sind, die Vorgänge und Aufforderungen, die in dem Nachfolgenden enthalten sind, in keinerlei Weise rechtfertigen können. Wie man sagt und wie es auch der Fall ist, befinde ich mich hier in einem christlichen und noch überdies in einem christlich-orthodoxen Lande, wo die Worte Christi genau befolgt werden sollen. Andernfalls, wenn Rumänien, was Glaubenslosigkeit und Mangel an religiösen Gefühl betrifft, zu den übrigen Ländern gehören sollte, so habe ich wenigstens sagen gehört, daß die Rumänen sich rühmen, die Belgier des Orients zu sein, daß wenigstens ihre Sitten diejenigen des Westens sind. (Nebenbei, wohin gehört Japan, zum Orient oder zum Occident?) Aber wenn in ihrem Bewußtsein das geringste Gebot der Menschlichkeit sich vorfände, hätten sie unmöglich die Aufforderung an die Bewohner einer Stadt richten können, jedes menschlichen Gefühles bar sich zu zeigen, wenn es sich um die Hilfeleistung bei einem *) Der uns zugekommene Brief ist jedoch unterzeichnet. (Anm. d. Red. der „N. Fr. Presse".) Brande handelt, auch wenn zufällig die Abbrändler in der Mehrheit Juden sind. In einem solchen Unglücke Menschen — neunzig Familien — ohne den geringsten Beweis anzuklagen, daß sie ihre Habe selbst in Brand gesteckt hätten, und die Bewohner der Stadt durch Manifeste aufzufordern, daß Jene keine Hilfe verdienen, das heißt, nach meiner Meinung, sich so tief erniedrigen, daß diese Schreier das Recht verloren haben, sich Menschen zu nennen. Weiß man es wenigstens in dem übrigen Europa, daß in diesem Lande Leute, welche ihren Nebenmenschen ohne Rücksicht auf deren Glauben Hilfe zu leisten suchen, beschimpft und bedroht werden? Das ist nämlich hier am 18. August gelegentlich eines in Botuschani veranstalteten Volksfestes geschehen, dessen Erträgniß den Abgebrannten von Bordujeni hätte zugute kommen sollen, wie es das folgende Manifest der Studenten und Nationalisten von Botuschani beweist. Es lautet: .Rumänen! In Erwägung der Undankbarkeit, mit welcher dieses Volk Eure humanitären Bestrebungen stets gelohnt hat; in Erwägung, daß es den Juden niemals eingefallen wäre, wenn ein solches Elementar-Ereigniß lediglich Rumänen betroffen hätte, ihnen Hilfe zu leisten; in Erwägung, daß unter diesen neunzig Abgebrannten nur drei Rumänen sind und unter diesen nur ein einziger Grundbesitzer ist; in Erwägung, daß sie selbst die Brandstifter und die Ursache ihres Unglückes sind; verdienen sie kein Mitleid und mit Entrüstung protestiren wir gegen den uupatriotischen Vorgang, rumänische Feste in Gesellschaft der unserer Nationalität feindlichsten Elemente zu veranstalten. Wir sprechen den Rumänen in unserer Mitte, welche diejenigen ermuntern, die uns bestehlen und uns vor dem Auslande bloßstellen, unsere Verachtung aus. Wir warnen jeden Rumänen davor, thatsächlich oder auch nur in Gedanken an einer solchen Erniedrigung theilzunehmen. Unsere Mißbilligung und unsere verdiente Verachtung sprechen wir denjenigen aus, die sich für die Brüderlichkeit zwischen Rumänen und Juden erklären. Botuschani, den 18. August. Die Studenten und N a t i o n alist en." Ich schließe mit der Bitte, Herr Redacteur, daß Sie diesen Brief in Ihrem Blatte veröffentlichen. Genehmigen Sie rc. Das Schächten und die thierärztliche Fleischbeschau. Ein wesentlicher, unbedingt erforderlicher Behelf der modernen Hygiene ist die thierärztliche Untersuchung der zum menschlichen Genüsse bestimmten Animalien, insbesonders aber des Fleisches. In der thierärztlichen Literatur ist bislang eine systematische Behandlung dieses Themas vermißt worden. Dem Stadtthierarzte in Lundenburg, Herrn Oskar Oppenheim, ist es nun gelungen, diese Lücke auszufüllen, indem er mit seinem Werke .Die Gefahren des Fleischgenuffes und ihre Verhütung" (Deutsche Verlagsanstalt in Stuttgart 1902, Selbstverlag des Verfassers) die weiten Bevölkerungskreise auf die Schädigungen, die der Genuß nichtgesunden Fleisches im Gefolge hat, aufmerksam macht. In überaus leichtfaßlicher, gemeinverständlicher Darstellung unternimmt es Oppenheim, nicht nur auf die bösen Folgen, de aus dem Genüsse schlechten Fleisches erwachsen, hinzuweisen, sondern auch die Kennzeichen desselben zu beschreiben. Wir müssen uns leider versagen, auf die gediegene Abhandlung O P P e n h e i m's des Näheren einzugehen, weil es der Raum dieses Blattes nicht gestattet. Wir erachten es jedoch als Pflicht, nicht nur den Fachkreisen, sondern auch jeder Hausfrau das Studium derselben auf das Wärmste zu empfehlen, denn sie werden eine Fülle des Belehrenden und Informativen finden. Es ist selbstverständlich, daß Oppenheim eine gründliche Untersuchung und Beschau des zu schlachtenden Viehes als ein nothwendiges Corolar der Sanität und Salubrität hinstellt. Wegen der damit verbundenen namhaften Auslagen und des Mangels an fachwiffenschaftlich ausgebildeten veterinärärztlichen Personales ist eine gründliche Beschau daher nur in größeren Städten möglich, die in der Lage sind, die damit verbundenen Kosten, ohne zu starke Belastung der Gemeindemitglieder, durchzuführen. Kleinere Gemeinden dagegen müssen sich mit einer oberflächlichen Beschau eines Laien begnügen und sind daher fortwährend der Besorgniß aus gesetzt, Gesundheit und Leben ihrer Angehörigen in Gefahr gebracht zu sehen.

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