Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 36 (5.9.1902)
- Date
- 1902-09-05
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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>Jtr. 86 Dr. Bloches Wochenschrift. Seue 579 noch zu Gunsten des ersteren in die Wagschale fällt, daß er nüchtern, treu und anhänglich ist, was bei arischen Dienern infolge antisemitischer Hetzereien nicht immer der Fall. Jene jüdischen Dienstgeber, welche Christen als Diener beschäftigen, beherbergen den Feind im eigenen Hause, der bei gegebener — oder auch nicht gegebener Gelegenheit die Zähne zeigt — und auf diesen Fall angewendet, kann der Dienstgeber mit Recht sagen: „Meine ärgsten Feinde sind meine Brotesser." Und darum wäre es für viele unserer armen Glaubensgenossen ein Segen, wenn die jüdischen Dienstgeber von dem so ganz ungerechtfertigten Vorurtheile, daß der jüdische Diener gegen den christlichen minderwerthig ist, abkommen und dort, wo es nur irgend thunlich ist, Juden beschäftigen würden. Die Erfahrung wird lehren, daß ein Fallenlassen der bisherigen unrichtigen Ansichten über diese Frage, deren Lösung in jüdisch - socialer Beziehung von großer Tragweite wäre, nicht gegen die Interessen der jüdischen Dienstgeber verstoßen wird. Zeigen wir unsere Solidarität, indem wir mit dem alten Vorurtheile brechen und unsere armen Glaubensgenossen auch in der Weise unterstützen, daß wir ihnen das „Recht auf Arbeit" in größerem Maße gewährleisten, wie es bisher der Fall war. Der Anfang hiezu ist ja gemacht, indem hier ein Verein für Zuweisung jüdischer Arbeitnehmer gegründet wurde, welcher jedoch bisher infolge der geringen Theilnahme nur verhältnißmäßig bescheiden wirken konnte. Zeigen wir, daß wir den Willen haben, die Noth unter unseren Glaubensgenossen auch von dieser Seite zu bekämpfen, indem wir ihnen nicht etwa ein Almosen zuwerfen, sondern es ihnen ermöglichen, durch ehrliche Arbeit ihr bescheidenes Brot zu verdienen. Julius Wottitz. Wie -er tapfere Germane Herr Jro angreift und auskneift. Folgende Darlegung über einen „Ehrenhandel", die heute veröffentlicht wird, illustrirt die Gewissenhaftigkeit und die Courage der Herren Alldeutschen in glänzendster Weise: Die Herren Oberlieutenant Burgstaller de Remete und Lieutenant Böhm als Vertreter des kaiserlich Persischen Generals und Sectionschefs in Disponibilität Klemens Kolischer und die Herren Vincenz v. Berger und Dr. Florian Albrecht als Vertreter des Herrn Abgeordneten Karl Jro erklären: „Herr Kolischer hatte sofort nach seiner Rückkehr nach Europa durch seine Vertreter vom Abgeordneten Jro ritterliche Genugthuung mit den Waffen wegen eines Passus, enthalten in der Interpellation Jro und Genossen vom 3. Juni 1901 in der österreichischen Delegationssitzung, verlangt, welchen Passus Herr Kolischer als seine Familienehre verletzend erachtet hatte. In der Zusammenkunft vom 9. Mai 1902 haben die Vertreter des Herrn Jro erklärt, daß Herr Jro principiell bereit sei, Herrn Kolischer die geforderte Genugthuung zu gewähren, daß ihm jedoch von einem ihm als vertrauenswürdig scheinenden Gewährsmann Mittheilungen dahin zugegangen seien, daß sich Herr Kolischer bei seinem Berliner Aufenthalt habe Dinge zu Schulden kommen lassen, die geeignet seien, seine Satisfactionsfähigkeit in Frage zu stellen. Diese Information war Gegenstand von Erhebungen, die die vier Unterzeichneten gemeinschaftlich bei den Berliner Behörden gepflogen haben. Die von diesen Behörden ertheilten amtlichen Auskünfte haben die gegen Herrn Kolischer erhobenen Anwürfe als jeder thatsächlichen Grundlage entbehrend erwiesen, und hat auch der Gewährsmann des Herrn Jro mit seinem Schreiben vom 9. Juli 1902 diese Beschuldigung vollinhaltlich revocirt und sein Bedauern ausgedrückt, sie zufolge irriger Informationen erhoben zu haben. Die dem Herrn Jro weiter zugegangene Nachricht, daß sich Herr Kolischer in einem Conflict mit einem in Teheran accreditirt gewesenen französischen Diplomaten nicht correct benommen hätte, ist auf Grund der requirirten Acten von den vier Unterzeichneten Zeugen gleichfalls als jeder thatsächlichen Grundlage entbehrend erwiesen worden. Nachdem die Satisfactionsfähigkeit des Sectionschefs Kolischer somit außer jedem Zweifel gestellt worden ist, haben namens des Abgeordneten Jro seine Mandanten erklärt, daß Herr Jro bereit sei, Herrn Kolischer die geforderte ritterliche Genugthuung zu geben, ihm jedoch vorher eine Erklärung folgenden Inhalts anzubieten: Die in der Interpellation vom 3. Juni 1901 enthaltenen Angriffe auf die Familienehre des Herrn Kolischer werden, als auf unrichtiger Information beruhend, mit dem Ausdruck des Bedauerns zurückgenommen. Auch wolle Herr Jro, nachdem die Beleidigung öffentlich geschehen war, Herrn Kolischer ausdrücklich ermächtigen, diese Erklärung zu veröffentlichen. Nachdem die Mandanten des Herrn Kolischer diese Erklärung des Abgeordneten Jro annehmen, haben die vier Unterzeichneten Zeugen die Angelegenheit als in ehrenvoller Weise für erledigt erklärt und beiden Theilen im Sinne des Anbotes des Herrn Jro vom vorliegenden Protokoll je ein Exemplar ausgefolgt. Formell mag die Angelegenheit in „ehrenvoller Weise" ausgetragen worden sein, aber Niemand kann bestreiten, daß sich Herr Jro höchst schäbig benommen hat. Wohlgemerkt: eine falsche Behauptung Vorbringen, das kann Jedem passiven; Niemand ist davor gefeit, unrichtig informirt zu werden. Auch seinen Jrrthum einzugestehen, ist keine Schande, ihn zu bedauern, mindert keines Menschen Ehre. Die Schäbigkeit liegt darin, daß Herr Jro zuerst dem Duell entrinnen wollte, indem er die Ehrenhaftigkeit seines Gegners bestritt, m d als ihm diese Ausflucht mißlang, die Abbitte nicht aus Aufrichtigkeit, sondern aus Feigheit leistete. Es ist nämlich so mit den Herren Alldeutschen: sie geben die berühmte „ritterliche Genugthuung" nur in der Theorie; wenn es Ernst wird, laufen sie davon. Jeder von ihnen wirft mit geschwollenen Redensarten nur so herum: wenn einer von ihnen aber gefordert wird, so „zweifelt er die Satisfactionsfähigkeit an". Das ist bereits ein so übliches Mittel wie das Contumaciren im Civilproceß . . . Lueger war wirklich im Rechte, als er sich über den Zuckerbäcker als Duellanten lustig machte. Wenn sich Herr Jro schon nicht duelliren mag, wäre es da nicht besser, er constituirte sich als „principieller Gegner" des Duells? Man darf auch folgende Frage stellen: Wenn Herr Kolischer, den wir sonst weiter nicht kennen, Herrn Jro nicht gefordert hätte, wie hätte er den Widerruf des ihn beleidigenden Ausfalles erzielen können? (Arb.-Ztg.") Die Bilanz der „Jea". Zionistische Blätter publiciren nach dem Londoner Jargonblatt „The Jewish Express“ die Bilanz der „Jca" Pro 1901: 1. Verwaltungskosten in Buenos Ayres Andere als Verwaltungsausgaben für Argentinien 2. Jahressubventionen und anderes: Vereinigte Staaten Deutschland Oesterreich Lstr. sh d Paris: Orientalische Schule 2.772 5 0 Studenten-Comite 896 0 0 Palästina: Jaffa 8.108 6 0 Handelsschule Jerusalem 1.188 2 0 Spitzenschule 158 8 0 Ben Jehouda (??) ') 1117 0 Tunis Persien Rumänische Schulen Russische Schulen 3. Beiträge, das ist unmittelbare Gaben: Bstr. sh d Latr. sh d 13.55912 6 46.834 11 0 60.394 3 6 8.182 2 0 1.000 10 0 249 10 0 3.168 5 0 4.526 13 0 2 376 4 0 1 861 8 0 3.835 16 0 21.878 10 0 46.578 18 0 Anatolien 2.525 19 0 England: Board of Guardians '-) 1.800 0 0 Verein zum Schutze der Frauen und Mädchen 1.200 0 0 3.000 0 0 Oesterreich 1.599 2 0 Canada 2.870 6 0 Palästina 1.230 19 0 Paris 8.144 8 0 Rumänien 29.146 11 3 Rußland 1.224 5 0 Schweiz 81 8 0 49.822 18 3 ') Laut Angabe des „I. Expr." befanden sich die Fragezeichen in dem von ihm vorliegenden Exemplare der Bilanz von fremder Hand eingeschrieben. ') Wohlthätigkeitsamt.