Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 35 (29.8.1902)
- Date
- 1902-08-29
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 566 Dr. Bloch's Wochvnfchrifk. Nr. 35 Nachdem sich der stürmische Jubel gelegt, trug die „Lipa" unter Dcagutin Böhm's Leitung die Volkshymne vor. Im Namen der Oberstädter Cultusgemeinde hielt hierauf Dr. Mosin Klein eine croatische Begrüßungsansprache, die, von wahrhaft patriotischem Geiste durchweht, auf die Zuhörer einen ganz besonders zündenden Eindruck ausübte und von Herrn Vorsteher Kellner mit Worten innigen Dankes beantwortet wurde. Nun unterfertigten, die höchsten Würdenträger und Vertreter jener Corporationen die sich beim Vorstände als solche angemeldet, die Urkunde, deren hebräischer Text darauf vom Secretär Nathan Schwarz und der croatische Text von Profesior Victor Heumer verlesen wurde. Nach der Verlesung der Urkunde hielt Oberrabbiner Dr. Simon Ungar die Festrede, welche durch ihre erhabenen Gedanken und die geistreiche Ausführung einen mächtigen Eindruck auf die Zuhörer ausübte. In einer kernigen und besonders gemüthvollen, mit seltener Treuherzigkeit vorgetragenen Ansprache ersuchte hierauf Stadtbaumeister W. C. Hofbauer, welchem der Bau des neuen Tempels übertragen wurde, den Obergespan Levin v. Chavrak, die Grundsteinlegung vorzunehmen. Obergespan v. Chavrak begab sich nun zum Grundstein, in welchen mittlerweile die Hülse mit der Urkunde versenkt worden war, um die usuellen drei Hammerschläge auszuführen, und sagte dabei mit weithin vernehmlicher Stimme: „Sv6 za vjeru, kralja i domovinu! (Alles für den Glauben, den König und das Vaterland). Stürmische „Zivio"s0hxfe folgten diesen Worten, ebenso auch den Worten derjenigen Festgäste, welche hierauf die Hammerschläge Vornahmen. Se. Excellenz der Divisionär FML. Edler v. Matt sagte: »Zum Wohle der Unterstädter israelitischen Cultusgemeinde", kgl. Rath Bürgermeister Constantin Graff: „U ime sl. i kr. grada Osijeka“; Landwehr-Brigadier Oberst Kemenovic: „Za kralja i za dom!“ u. s. w. Nachdem Vorsteher Josef Kellner den Anwesenden nochmals für deren die Gemeinde so ehrendes Erscheinen herzlichst gedankt, wurde die Feier durch divon der »Lipa" in vorzüglicher Weise vorgetragene croatische Nationalhymne beschlossen. In besonders auszeichnender Weise verabschiedeten sich hierauf die anwesenden Würdenträger vom Vorsteher und verließen unter nicht endenwollenden Acclamationen den Festplatz. Trotz der riesigen Menschenansammlung, welche besonders vor dem Festplatze geradezu eine undurchdringliche Wand bildete und obwohl die heiße Augustsonne ihre glühendsten Strahlen zur Erde sandte, ereignete sich kein nennenswerther Zwischenfall. Blos eines der spalierbildenden Mädchen wurde von einem vorübergehenden Unwohlsein befallen, erholte sich aber sofort wieder. Anläßlich der Grundsteinlegung zum neuen israelitischen Tempel sind dem Vorstände zahlreiche telegraphische und schriftliche Gratulationen zugekommen. Mit schwungvollen Worten begrüßte der Vorsteher der Oberstädter Cultusgemeinde Dr. Hugo Spitzer aus Toblach die Festtheilnehmer. Ebenso herzlich sind auch die Kundgebungen des Vukovarer Rabbinats, der Cultusgemeinden Bukovar, Päcs rc. Der k. k. Kämmerer, Reichstags- und Landtagsabgeordnete Ivan v. A d a m o v i ch, welcher seinerzeit das Protectorat über das Comitä zur Förderung des Tempelbaues in Essek-Unterstadt übernommen hatte, hat an den Vorsteher Herrn Josef Kellner folgendes Schreiben gerichtet: »Ew. Wohlgeboren! Hochverehrter Herr Vorsteher! Empfangen Sie und die gesummte Cultusgemeinde, in deren Namen Sie so liebenswürdig waren, mich und meine Frau zur Grundsteinlegung des Unterstädter neuen Tempels einzuladen, meinen innigsten Dank; desgleichen für die überaus schmeichelhaften Worte, mit denen Sie diese Einladung begleitet haben. Sind Sie versichert, daß ich mit Stolz auf das Gelingen des Werkes, an deffen Spitze mich das geehrte Tempelbau-Förderungscomitö gestellt hat, blicke, und wenn ich mit demselben und im Vereine mit der ganzen Cultusgemeinde zur raschen Inangriffnahme des frommen Unternehmens etwas beitragen konnte, so erfüllt es mich gewiß mit großer Freude. Leider kann ich nicht persönlich der Grundsteinlegung anwohnen, da ich mit meiner Frau eine Badereise unternehmen muß, und deshalb bitte ich Sie, sehr geehrter Herr Vorsteher, der gesammten Gemeinde meine herzlichsten Glückwünsche auszurichten. Mit der Versicherung, daß ich in Gedanken und im Gebete dieser schönen Feier au dem Tage derselben beiwohnen werde, verbleibe ich mit vorzüglicher Hochachtung Ihr Ivan v. Adamovich, Abgeordneter." Israelitische Knaben- und Mädchenschule zu Brody. Der Jahresbericht dieser Anstalt für das Schuljahr 1901/1902 wird vom Leiter der Anstalt, Herrn k. k. Gymnasialprofessor Doctor Leopold Herzl, mit folgenden Worten eingeleitet: „Seit meiner Erkrankung im Jänner d. I. fühle ich mich in meinen Kräften so sehr erschöpft, daß es mir sehr schwer fällt, den Bericht abzufassen. Zu dem Mangel an physischer Kraft und geistiger Frische fehlt mir auch der Muth, alle jene betrübenden Erscheinungen, die auf den Bestand der so segensreich wirkenden Lehranstalt einen schädlichen, ja zerstörenden Einfluß auszuüben geeignet sind, niederzuschreiben und in weitere Kreise dringen zu lassen." Möge sich der seit 39 Jahren an der Anstalt höchst verdienstvoll wirkende Herr Dr. Herzl versichert halten, daß allenthalben der Wunsch besteht, ihn recht bald die volle Kraft wieder erlangen zu sehen, damit er seinen schweren Pflichten auch fernerhin in vollem Maße entsprechen könne. Wir können uns jedoch nicht einverstanden erklären, daß er es unterließ, jene Vorgänge oder Zustände bckanntzugeben, die ihm so schwere Besorgnisse um den Bestand der Anstalt einflößen. Denn im Lichte der Oeffentlichkeit könnte es wohl viel eher gelingen, die Mittel ausfindig zu machen, um, wie es anderer Stelle heißt, der schwergeprüften Stadt die so hochwichtige und werthvolle Institution ungeschmälert zu erhalten und jene Hilfsquellen dauernd zu sichern, ohne welche eine der schönsten und besten Lehranstalten des Landes verkümmern und zugrunde gehen müßte. Die Zahl der schulbesuchenden Kinder betrug im abgelaufenen Schuljahre 942 (436 Knaben und 506 Mädchen) und hat sich gegen das Vorjahr, wenn auch nicht bedeutend, vermindert. Die Ursache hievon liegt theils in der steten Abnahme der Bevölkerung infolge der Auswanderung, theils in der Pflicht zur Schulgeldleistuug, welche beim Besuch der öffentlichen Schule entfällt. Der Lehrkörper zählte 19 Mitglieder und 3 Hilfskräfte. Einzelne Lehrer ertheilen bis 28 Stunden wöchentlich Unterricht. Die Herren Philipp Aszkenazy und Sigmund Vogel vollendeten das 25. Jahr ihrer Thätigkeit im öffentlichen Schuldienste, welche Ersterer ganz, der Letztere 24'/, Jahre an der Anstalt zurückgelegt hat. Der Bericht sagt: Anerkennung und Würdigung ihrer Leistungen seitens der Schulbehörden und der Schulinspection, wie nicht minder der Dank und Verehrung ihrer zahlreichen Schüler ist ihnen jederzeit zutheil geworden. Die Schulinspection besteht aus den Herren: Lazar Bloch, Präsident der Handels- und Gewerbekammer, Präsident des Cultusrathes; Gemeinderath Dr. Bernhard Groß, Advocat und Gemeinderath; Sigmund Lifschütz, Gemeinderath; Oktaw Sala, Großgrundbesitzer, Landtagsabg^ordneter, Bezirksmarschall; Letzterer ist Delegat des galizischen Landesausschusses. Der Bericht spricht den Herren für die Bestrebungen im Interesse des gedeihlichen Bestandes der Schule tiefgefühlten Dank aus. Mit der Schule stehen in Verbindung folgende Wohlthätigkeits- Anstalten: a) Die Mayer Kalli r'sche Stipendien st iftung, aus deren Mitteln 6 Zöglinge nach Wien entsendet und daselbst bei Lehrmeistern untergebracht wurden. Dieser Zöglinge nimmt sich Herr Max Nirenstein in Wien wahrhaft väterlich an. Die Stiftungsverwaltung beklagt das Ableben des Herrn Philipp Kolischer, welcher mehr als ein Vierteljahrhundert ein sehr werkthätiges Mitglied der Verwaltung war. Der Vermögensstand der Stiftung beträgt 60.000 X. b) Der Schulkinder-Bekleidungsfond. Die Fondsmittel mit den gesammelten Spenden betrugen über 1600 X, dennoch war nur knapp die Möglichkeit geboten, die Fußbekleidung der Kinder anschaffen zu können. Der Jahresbeitrag des Curatoriums der Baron Hirsch-Schulstiftung per 600 X ermöglichte es, 63 Knaben mit Mänteln für den Winter zu versehen. Beide Beträge sind viel zu gering, um dem Bedarfe zu genügen. Die langjährige, hochverdiente Präsidentin des Damencomitäs für die Schulkinderbekleidung, Frau Dora Münz, ist im laufenden Jahre verschieden. Der Fond besitzt ein Vermögen von 33.000 X. e) Verpflegung armer Schulkinder. An Spenden hiefür gingen ein 1000 X, darunter von der Baron Hirsch-Stiftung 400 X. Es wurden 98 Schulkinder per 5 Tage in der Woche gratis verpflegt, ebenso Brote an dieselben verabreicht, und solche, die kein Heim haben, wurden auch am Samstag und an Feiertagen gratis bespeist. — Die Herren L. B. Balban und Leon Balban haben sich durch ihre Mühewaltung um diese Verpflegung besonders verdient gemacht. ä) Der Armenbücherfond. Die Einnahmen betrugen 430 X, wovon 400 X verausgabt wurden. Der Vermögensstand ist 4000 X. — Der Bericht beklagt es, daß die Versorgung der Kinder mit den nöthigen Schulbüchern infolge der so geringen Mittel nur eine höchst dürftige ist. e) Lehrer-Pensionsfond. Der Vermögensstand ist 150.000 X. Ein Ausgabenbedarf dürfte schon in den nächsten Jahren eintreten. Der Bericht bemerkt: „Die hochherzigen Spender von ehedem finden sich leider nicht wieder, und das Gedeihen des Lehrer-Pensionsfondes ist seit vielen Jahren nur auf die Zinsen-Capitalisirung beschränkt. Bald, bald wird auch diese aufhören müssen und mit elementarer Gewalt wird seinem Wachsthume „Halt" geboten werden. Traurige Aussicht für so Manchen, der Gesundheit und Kraft seinem Berufe geopfert hat!" k) Moses Kalli r'sche Stiftung. Aus derselben erhielten Stipendien: 6 Knaben mit je 30 X und 6 Mädchen mit je 10 X; ferner wurden Kinder jener Eltern beschenkt, die ihre Studien ortsetzen wollen und denen die Mittel geboten wurden, die nöthigen Bücher anschaffen zu können.