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Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift · 1902-08-29 · 35 (29.8.1902) · page 7

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Journal
Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
Volume
19 (1902)
Issue
35 (29.8.1902)
Date
1902-08-29
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 36 Dr. Bloch's Wochenfthrifk. Sette SSL das „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" in Tischnowitz, mitten im Waldfrieden, im herrlichen Schwarzawathale gelegen. Diese Erholungsstätte für Kinder, die arme Waisen sind trotz ihrer Eltern, die ihnen nicht Luft. Licht und — Liebe bieten können, sie bildet das Mekka aller hier zu Ferien weilenden Kinderfreunde. Als einer derselben konnte ich der Lockung nicht widerstehen, das „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" zu besuchen. — Bekanntlich ein Institut, das einer namhaften Spende der unvergeßlichen Baronin Hirsch sein Entstehen verdankt, wird es von einem auserlesenen Kreise der Wiener und Brünner Gesellschaft geleitet, an deren Spitze seit mehr als einem Jahrzehnt die Begründerin und Präsidentin des Vereines „Ferienheim", Frau Sofie Grünfeld steht, deren Namen uns in Goldlettern im Vestibül des Heimes entgegenglänzen. Aber auch der edle Geist ihrer Träger offenbart sich uns auf Schritt und Tritt bei Besichtigung der Anstalt. Die 3 Postulate jeder wahren, pädagogischen Kindesliebe bekunden sich uns in dem körperlichen, geistigen und moralischen Wohl, wofür hier in so schöner Weise gesorgt ist. Die hygienischen und technischen Einrichtungen dieses Instituts finden fachkundigerseits vollauf Anerkennung. Diese Anstalt gereicht ihren Gründern und Erhaltern zur Ehre und verdient in weitesten Kreisen Unterstützung und Förderung. Aus den freudestrahlenden Mienen dieser armen Kleinen spricht der innigste Dank eines kommenden, neuen Geschlechtes. Sie sind die zahllosen Kinder jener Edlen, die das Institut begründet haben. Ich verließ das „Kaiser Franz Josefs-Ferienheim" mit dem Bewußtsein, ein Musterasyl des österreichischen Judenthums kennen gelernt zu haben, und mit dem Wunsche, daß die kleinen Pfleglinge die schweren Opfer, welche Leiter und Lehrer für sie bringen und die sie niemals voll und ganz entlohnen können, dadurch würdigen, daß sie dereinst durch Rechtschaffenheit und Reinheit des Charakters den Hoffnungen entsprechen, welche Jene in sie setzen, die so Schönes für sie leisten. Rabbiner Dr. S. Mandl, Neutitschein. Grundsteinlegung des Unlerftädler israelitischen Tempels in Effek. In besonders feierlicher Weise wurde Mittwoch den 20. August Nachmittag das Fest der Grundsteinlegung zum neuen Unterstädter israelitischen Tempel begangen. Die Feierlichkeit gewann an Lustre durch die Anwesenheit der Spitzen der civilen und militärischen Behörden, und auch die geradezu glänzende Betheiligung der Bürgerschaft Esseks legte Z-ugniß ab von der Eintracht und Brüderlichkeit der Bevölkerung unserer Vaterstadt. Im Folgenden möge es uns gestattet sein, den Verlauf der Festlichkeit zu schildern. Die Vorbereitungen zu dem Feste wurden bereits Dienstag begonnen. Unter Leitung des Stadtbaumeisters W. C. Hofbauer und der 'Aufsicht des Herrn Lümbach wurde der Bauplatz mit nationalen Fahnen. Reisig und Blattpflanzen decorirt. Das für die Sänger bestimmte Podium, sowie der für die Sommitäten bestimmte Platz waren mit schönen „eiliins" geschmückt. Der von der Firma Ed. Hauser beigestellte Grundstein befand sick an der für den heiligen Schrank bestimmten Stelle des neuen Tempels. In einiger Entfernung von demselben stand ein Tisch mit der vom Maschinisten der Kellner'schen Mühle, Herrn Herzog verfertigten Metallhülse und der von Herrn Secretär Nathan Schwarz auf Pergament geschriebenen Urkunde, sowie einem äußerst eleganten Schreibnecessaire. Reizende Mädchenblüthen bildeten am Festplatze, rechts und links vom Grundstein, eine nicht herrlicher zu denkende lebende Guirlande. Kurz nach vier 4 Uhr Nachmittags fanden sich am Festplatze ein: der Vorstand der Unterstädter israelitischen Cultusgemeinde mit seinem Vorsteher Herrn Josef Kellner, das Comitö zur Förderung des Tempelbaues mit seinem' Obmann Herrn Dr. Oscar Kohlbach, Baumeister W. C. Hofbauer, städtischer Ingenieur M. Krauß rc. Beim Eingänge zum Festplatz begrüßten die ankommenden Festgäste Bicevorsteher G.-R. Franz Kiß und die Mitglieder des Förderungscomitßs. die auch das Arrangement des Festes besorgten. Bald nach */45 Uhr Nachmittags erschienen auch die ersten Festgäste, nachdem schon zuvor eine Abtheilung der Unterstädter freiwilligen Feuerwehr und der croatische Gesangsverein „Lipa" erschienen waren. Unter den Festgästen bemerkten wir: Se. Exellenz Divisionär FML. Alfred Edlen v. Matt, den k. ung. Landwehr-Brigadier Oberst Felix Kemenoviö, Platzcommandanten Major v. Nun und mehrere Officiere, Pastor Josef Pindor, Präparandie-Director Felix BaruSiS, Professor Wilhelm Roschendorfer in Vertretung des Directors des königl. Realgymnasiums, den städt. Secretär Stjepan Ballo, die Gemeinderäthe Altgayer, Grau, Greger, Heim, Meßarovw. Milosevic, den Secretär der slavonischen Landwirthschafts-Gesellschaft v. Jli, eine größere Abordnung der Oberstädter israelit. Cultusgemeindr unter Führung Dr. Mofin Kleins, der Cultusgemeinde Darda unter Führung Samuel Nikolsburger's, des Ober- und Unterstädter israelitischen Frauenvereins unter Führung der Damen Friedericke Bauer und Therese Obersohn, des katholischen und serbischen Frauenvereines, die Vertreter der Oberstädter und Unterstädter „Hrv. gradj. citaonica“, sowie der Unterstädter Suppenanstalt, die Herren Zpigelski, Heitera und Stanetty, ferner den Obercommandanten und Commandanten des Unterstädter freiwilligen Feuerwehrvereines Josef Kaltnecker und Ed. Koller. Kurz vor 5 Uhr fuhren vor dem Festplatze königl. Rath Bürgermeister Graff mit dem Stadhauptmann Eugen Bayer und bald darauf Obergespan Levin v. Chavrak mit dem Comitatssecretär Zvonimir 2epi« vor. Stürmische Avio-Rufe durchbrausten bei deren Ankunft den Festplatz. Nachdem die Dignitäre ihre Plätze eingenommen, begann sofort die Ceremonie mit dem Bortrage des Psalmes „Adonaj a donenu, moadir schimcho“ durch Obercantor Marcus Friedrach, mit Harmoniumbegleitung. Hierauf ergriff Vorsteher Josef Kellner das Wort und richtete solgends Ansprache an die Versammlung: Hochgeehrte Fe st Versammlung! Kaum eine Woche ist verstrichen, seitdem das ganze Judenthum in Trauerund Wehmuth den Gedenktag der Zerstörung Jerusalems und des heiligen Tempels feierte. Heute nach wenigen Tagen versammelt sich hier ein Keiner Theil dieses Judenthums in festlicher, freudiger und gehobener Stimmung, um den Grundstein zu einem neuen Heiligthum, einem Gotteshause, zu legen. Welcher Gegensatz zwischen diesen beiden so kurz aufeinander folgenden Feierlichkeiten! Vor wenigen Tagen zogen die tiefen Schatten einer grauen und düsteren Vorzeit an unserem geistigen Auge vorüber, heute schwellt helle Freude unsere Brust angesichts der lichten, hellen Gegenwart. Vor einigen Tagen tiefe Trauer über einen vor nahezu zwei Jahrtausenden erlittenen Verlust, verursacht durch Feindseligkeit und Uebelwollen, heute Jubel über ein von Wohlwollen und Liebe gefördertes Werk. Bor einigen Tagen beklagten wir einen Act unmenschlicher Grausamkeit und barbarischer Unduldsamkeit, heute feiern wir einen Act, welcher ein Ausfluß der gesetzlichen Gleichberechtigung, der Civilisation und der brüderlichen Sympathien unserer nichtjüdischen Mitbürger ist. Hochgeehrte Festgäste! Im Namen der Essek-Unterstädter israelitischen Cultusgemeinde, deren derzeitiger Vorstand zu sein ich die Ehre habe, begrüße ich Sie und heiße Sie an dieser in der Zukunft für uns heiligen Stätte, herzlich willkommen. Gleichzeitig danke ich Ihnen wärmstens für Ihr zahlreiches Erscheinen, welches wir als Ehrung und Auszeichnung, wie auch als Ausdruck Ihrer Sympathie für uns und unsere Bestrebungen betrachten; wirdanken Ihnen aber auch für die materielle Unterstützung, die uns von allen Seiten zu theil geworden. Gestatten Sie mir noch die Bemerkung, daß wir uns zu besonderem Danke verpflichtet fühlen der hochwürdigen Geistlichkeit sämmtlicher hier vertretenen Riten für das schöne und edle Beispiel von Toleranz; unserem allverehrten und geliebten Obergespan, unserem nicht minder verehrten Bürgermeister und dem Gemeinderathe unserer heißgeliebten Vaterstadt Effek für Ihre großherzige munificente Unterstützung, durch welche der Bau dieses Gotteshauses überhaupt ermöglicht wurde; endlich allen Factoren, welche dazu beitrugen, diese Feier zu verschönern und zu heben. Ihnen allen wiederholt unseren aufrichtigsten, innigsten und wärmsten Dank und das Versprechen, daß wir stets bestrebt sein werden, uns der empfangenen Auszeichnungen würdig zu zeigen. Zivili! (Stürmische 2ivio-Rufe.) Hochgeehrte Fe st Versammlung! Es ist eine schöne, alte jüdische Sitte, immer und überall, hauptsächlich aber bei festlichen Anlässen, jener erhabenen Stelle zu gedenken, von welcher für alle Angehörige des Vaterlandes gleiche Liebe, gleiche Gnade, gleiches Recht und gleiches Gesetz entströmt. Es ist dies der Allerhöchste Thron. Ich lade Sie ein. begeistert einzustimmen in den Ruf: Gott erhalte und beschütze den Inhaber dieses Allerhöchsten Thrones, Seine k. k. apost. Majestät unseren allergnädigsten König und Herrn Franz Joseph I. (Stürmischer Jubel und begeisterte dreimalige 2ivio-Ruse der ganzen Festversammlung folgten dieser Rede.)

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