Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Journal
- Dr. Bloch's oesterreichische Wochenschrift
- Volume
- 19 (1902)
- Issue
- 35 (29.8.1902)
- Date
- 1902-08-29
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sette 864 Llvch's Soärrnschrift» Nr. 35 Ja, Antokolsky war es, der diesen großen Moment, diesen feierlichen Augenblick erfaßte und ihn mit einer Meisterschaft, einer Kraft, die nur den größten Talenten eigen ist, wiedergab. Das „Schicksal" setzte seinen Willen durch, und der Tod raffte uns den großen Meister weg. Das Schicksal raubte Antokolsky seinen begonnenen Arbeiten. Er hielt gerade ein in dem Augenblicke, wo er seine Jugendgedanken, seine Plane verkörpern wollte! Ins Grab legte ihn das Schicksal. Und doch werden diesmal diese beiden niäclniacn Factoren, das „Schicksal" und der „Tod", dem Künstler und seinen Werkelt keinen Schaden bringen. Er, der Bewunderte, der Große, er und seine Meisterwerke bleiben unsterblich." Kaum verhallten die letzten Laute dieser voll Bewunderung und Freundschaft gesprochenen Abschiedsworte, als schon ein anderer Redner das Wort ergriff. Der bekannte Rechtsanwalt O. O- G r u s e n b e r g verlieh seinen jüdischen Gefühlen begeisterten Ausdruck und erinnerte an das wehniüligc Wort Puschkin's: „Wozu hat mich die Mutter in Rußland mit einem Talent geboren? Ach, mein Talent ist mein Unglück!" Noch mehrere Ansprachen folgten. Aber auch als sie geendet, verließ die große Trauergemeinde noch lange nicht den Friedhof, und mit den eilenden Wolken zogen die Gedanken der Menschen dem Geiste des Künstlers nach und kehrten von den Höhen wieder zu den Niederungen des Lebens zurück. Ueber Nikolaus Lenarr's Beziehungen zum Judenthum wird aus Anlaß der 100. Jahresfeier des großen Dichters eine Stelle citirt aus dem Briefe seines langjährigen Freundes Ludwig August Frankl an einen Berliner Schriftsteller: „Lenau pflegte gern mit literarisch gebildeten Juden Umgang, so mit dem Professor der Geschichte Romeo Selig mann, mit dem geistvollen Bankier Adolph von Hess, mit dem phantastischen I o k e l, der sich später taufen ließ und katholischer Priester wurde. Und der Gatte der von ihm angebeteten Sophie war der Sohn des jüdischen Bankiers Löwenthal. Mir selbst (L. A. Frank!) wurde die L?bensgunst zu theil, mit Lenau ein B'.erteljabrhundert lang zu verkehren. Der intime Umgang mit ihm führte endlich zu treuer Duzbrüderschaft. Nie kam ein mißliebiges oder auch nur ein scherzhaftes Wort über Juden aus Lenau's Munde/ Correspondenzen. Verein für unentgeltliche Arbeitsvermittlung. Das segensreiche Werk, das vor mehr als zwei Jahren durch das Zusammenwirken des Humanitätsvereines B’nai Brith und des Vereines zur Unterstützung israelitischer Gewerbetreibender und Handwerker geschaffen wurde, um arbeitsuchenden jüdischen Mitbürgern, die keine Aussicht haben, im städtischen antisemitischen Arbeitsvermittlungsbureau ein- Arbeitszuweisung zu erhalten — trotzdem dieses Bureau aus Steuergeldern, zu denen die Juden bekanntlich einen ansehnlichen Beitrag liefern, erhalten wird — den Weg zur Erlangung einer Beschäftigung zu weisen, nimmt stetig an Umfang zu und somit steigt auch sein Werth und seine Bedeutung ununterbrochen. Den schweren Schlag, den dieser Verein durch den allzu frühen Tod seines unermüdlichen, aufopferungsvollen und von schöpferischen Ideen erfüllten Präsidenten des Executiv-Comites Herrn Rosenseld erlitten, hat der Verein zwar nicht verschmerzt, aber dennoch überwunden, indem der nunmehrige Präsident des Executiv- Comik6s, Herr Eduard Wiener, mit größter Hingebung und vollstem Verständniß sich den Aufgaben des Vereines widmet, wobei er von den anderen Mitgliedern des Executiv- Comitäs auf's Kräftigste unterstützt wird. Unter solch energischer Leitung arbeitet das Bureau mit allem Eifer, und dem Zusammenwirken sämmtlicher Kräfte ist es zu verdanken, daß sich die Erfolge der Arbeitsvermittlung von Jahr zu Jahr, von Monat zu Monat erhöhen. Es liegen uns gegenwärtig die statistischen Nachweisungen über die Leistungen des Vereines im Monat Juli 1902 vor. Bekanntlich sind die verschiedenen Functionen der Vereiusthätigkeit nach Arbeitskategorien für nngeschulte und geschulte Arbeiter, für Arbeiterinnen und für Beschäftigungen höherer Art getheilt. Es haben sich nun im Juli dieses Jahres in der ersten Kategorie 1774 Besucher gegen 1530 und 1402 in der gleichen Periode der früheren Jahre, in der zweiten Kategorie 1456 gegen 1125 und 1349, in der dritten Kategorie 596 gegen 775 und 692, in der vierten Kategorie 20 gegen 15 und 32 gemeldet. Von Arbeitn e h m e r n der ersten Kategorie waren 255 gegen 309 und 317, der zweiten Kategorie waren 167 gegen 154 und 153, der dritten Kategorie 146 gegen 113 und 141, der vierten Kategorie 7 gegen 6 und 5 erschienen. Von Arbeitgebern haben Anmeldungen für die erste Kategorie 110 gegen 73 und 83, für die zweite Kategorie 99 gegen 87 und 83, für die dritte Kategorie 68 gegen 58 und 12, für die vierte Kategorie 6 gegen 2 und 2 stattgesunden. Die Besucherzahl betrug somit 4035 gegen 3415 und 3175, die Zahl der Arbeitnehmer-Anmeldungen 575 gegen 582 und 616, der Arbeitgeber-Anmeldungen 283 gegen 220 und 240. Angewiesen wurden für die Arbeiter der ersten Kategorie 268 Plätze gegen 191, für die der zweiten 292 gegen 178, für die der dritten 187 gegen 139, für die der vierten 14 gegen 7 Plätze. Die Zahl der dnrchgeführten Vermittlungen betrug in der ersten Kategorie 94 gegen 52 und 45, in der zweiten Kategorie 40 gegen 28 und 25, in der dritten Kategorie 33 gegen 32 und 30, in der vierten Kategorie 4 gegen 1 und *2. Die Gesammtzahl der Zuweisungen belief sich auf 761 gegen 515, die der Vermittlungen auf 171 gegen 113 und 102. Die Statistik spricht eine sehr beredte Sprache. Sie zeigt uns den vollen Umfang der Vereinsthätigkeit und ihren hohen Werth. Wir lenken die besondere Aufmerksamkeit unserer Leser erstens darauf, daß die Zahl der Besucher und der Anmeldungen überhaupt zunimmt und wir bezeichnen es als hervorragend ersprießlich, daß die Zahl der Anmeldungen seitens der Arbeitgeber stetig wächst. Dadurch wird der Verein immer mehr in die Lage versetzt, den stetig sich vermehrenden Anmeldungen der Arbeitnehmer besser zu entsprechen, so daß in Folge dessen die Zahl der Zuweisungen und demgemäß auch die der durchgeführten Vermittlungen zunimmt. Es braucht somit nicht erst gesagt zu werden, daß die jüdischen Arbeitgeber es als eine Pflicht erachten müssen, die von ihnen gesuchten Arbeitskräfte sich durch den Verein für unentgeltliche Arbeitsvermittlung zuführen zu lassen. Indem sie diesen Verein durch ihre Mitwirkung stücken, leisten sie mehr zur Verbesserung der socialen und nirthschaftlichen Zustände als durch noch so große Gcldunterstützungen Nur wer selbst arbeitet, oder einmal in der Lage war, Arbeit $it suchen, wird die Bedeutung dcr Thatsache in vollem Umfange ermessen, daß dcr Verein in der Lage war, in dicscm Juli um 60—70 Personen mehr in Arbeit zu bringen, als in dem gleichen Monate dcr Vo> fahre. Hiedurch hat er nicht blos 60—70 Personen mehr vor Nrth bewahrt, nein, er hat sie arbeitsfähig erhalten, hat ihnen moralische Kraft eingcslößt, hat eine Brücke mehr zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern geschlagen. Gewiß gebührt den Leitern dieses Vereines d-r wärmste Dank. Er soll ihnen aber nicht durch Worte, sondern durch Thatea kundgegcben werden. Wer für die von diesem Vereine bewirkten Wohlthaten das volle Vrständiiiß und die lüttuic Werthschätzung besitzt, der wird schon aus eigenem Antriebe zur Ueberzeugung gelangen. daß man diesem Vereine nicht besser danken kann, als daß man sich zu seinem Mitarbeiter macht, ja, daß cs keine edlere Form, für seine Mitbürger und Glaubeusgenofsen thätig zu sein, gibt, als daß man ihnen Arbeit schafft und sich somit mit jenen Männern vereinigt, die sich dieses hohe Ziel zur Lebensaufgabe gemacht haben. Wien. Ueber unser „F.'rienhein/ wird uns geschrieben: Hinsichtlich wohlrhätiger Anstalten für die Jugend wird das österreichische Judenthum von dem deutschen weit überflügelt. Neidlos niüsstn wir diesem die Palme reichen im Hinblicke auf die Knaben- und Lehrlingsheime in E m s, D i e z a. L., Marburg a. L. u. A. m., in welchen unsere cumen, kleinen Brüder zu wackeren Menschen herangebildet werden. Eine Oase in der Wüste bildet das schöne, waldbekränzte Mähren. M>t seinen landschaftlichen Reizen steht eine Reihe von Wohlfahrtseinrichtungen im edlen Wettbewerb; deren Perle ilt